Roadtrip entlang der Costa del Sol

Der zweite Morgen in Europa und ich hatte es weit gebracht. Jetzt aber war die Luft raus und es regnete. Machte keinen Sinn weiter zu fahren. Etwas deprimiert schaute ich also ins Grau hinaus. Zum Glück habe ich meine Dachrinne wieder fit gemacht, also saßen wir es einfach mal aus, es gab ja genug auf dem Laptop nachzuholen. Nur Atlas war das rumsitzen leid und freute sich auch merklich, als ich kurz nach dem nächsten Sonnenaufgang das Aggregat im Bus anschmiss um von Dannen zu ziehen.

Frisch und erholt, mit noch nem vollen Topf Suppe, brauche ich mich heute um nix weiter kümmern als zu fahren. Es gab einige Überlegungen für Abstecher und tolle Plätze, aber der Zeitdruck ließ nur eine Alternative zu. Die so verhasste Schnellstraße entlang der Küste Richtung Almeria. Vorbei an El Ejido konnte man den Übergang von Land zur See nicht mehr erkennen, ein Meer von Gewächshäusern liegt hier spiegelnd bis zum Strand und verschandelt den Anblick und die Umwelt mit Pestiziden und Wassermangel. Spanien wie es uns bekannt ist…

Um Almeria wird es nicht besser, möchte hier keine Luftaufnahme sehen. Anders kommt das Ausmaß aber kaum zur Geltung, es ist etwas hügelig und das Auge sieht also gar nicht erst bis zum Plastik Horizont. Auch die umliegende Wirtschaft besteht nur aus Pestizithandel und Geschäften für Gewächshäuserzubehör, Fruchtdepots und Umschlagplätze mit angeschlossenen LKW Werkstätten. Ein Moloch mal anders, da haben Monokulturfelder im Norden Europas schon fast romantischen Charakter. Die Grenzen verschwimmen und verlieren sich hierfür langsam schon im Nationalpark Cabo da Gata immer wieder ein erschreckender Anblick.

Die Ecke ist sonst ziemlich hübsch und mit einigen tollen Buchten und Bergen dazwischen immer ein Aufenthalt wert… nur diesmal nicht, weiter nach Norden führt mein Roadtrip. Doch für heute habe ich genug von geradeaus und biege ab Richtung Carboneras und die kleine Küstenstraße bis Aguilas. Hat natürlich auch mal wieder Steigungen dabei und ein Haufen Radsportler duellieren sich mit mir um die Spitzenpostition. Der Lohn dann solch Aussicht.

Ein unvergesslicher Augenblick, nicht der Landschaft wegen, aber unser Dicker hat nun offiziell die Viertel-Million Kilometer auf dem Tacho. Eigentlich gar nicht mal so viel für sein Alter, aber die letzten 10Jahre ja nur Stehzeug und davor auch bei nem alten Herren kommt er erst in seinen wilden “historischen” Jahren nochmal ordentlich durch die Welt. 30.000km nun schon an meiner Seite und von mir aus gerne auf die nächste Viertelmillion.

Die Strecke über Garrucha bin ich andersherum schonmal gefahren. Es sind kleinerer Ortschaften an der Küste mit vielen Kreisverkehren und Gechwindigkeitsbuckeln. Hauptsächlich Hotelanlagen und Campingplätze, die Region der “Sonnenküste” eine der klimatisch angenehmsten in Europa. Es gab zwar immer mal nen Stop an Containern und etwas an Beute, aber Fahren war das Hauptziel. Zu fotografieren gab es dann auch nix bis wenig um mal Abwechslung in den blog zu bekommen hier noch ein interessantes SetUp aus UK.

Aguilas war für mich Ziel, weil am Cabo Cope vor zwei Tagen die Vollmondparty stattfand. Gerne von Busfreaks besucht ist ja vielleicht noch jemand dort und der Platz ist ruhig und idyllisch gelegen, lohnt also den Abstecher. Doch zuvor muss ich mal in die Stadt. Etwas Wäsche waschen steht an, dafür brauche ich Wasser und das bekommt man am Friedhof am besten. Also stehe ich dort und spühle meine Klamotten auf dem Parkplatz, muss ja nicht sinnlos Gewicht mit rumschleppen. Danach noch kurz zu Decathlon, wo das Internet rasend schnell ist und ich Kunde von Christie und den gestrandeten Marokkoreisenden erfahre. Die Fähren haben wegen des Schlechtwetters wirklich 24Stunden niemanden befördert und viele Reisende stecken im Hafen fest. Hab dann wohl mal wieder Glück gehabt.

Das Titelfoto ist dann ein kleiner Parkplatz mit Blick auf das Cabo Cope kurz hinterm Playa Arroz, der dieses Jahr wohl grad geräumt worden war, kein einziger Camper dort. An diesem Platz hier wo die Aussicht so toll ist habe ich damals den Schriftzug von der Frontscheibe aus einer blauen Tonne gezogen. 20tkm ist das nun auch schon her.

Ich erreiche den gesuchten Strand kurze Zeit später, bin aber nur von weißen Mobilen umzingelt. Dann mache ich halt mein eigenes Ding und blende alles andere aus. Die Nacht wird erholsam und Atlas freut sich über die Freiheit am Wasser, der Wind bläst die Wäsche trocken und ich bin gut voran gekommen, kann mir Morgen mal nen ruhigen Tag erlauben.

Der Sonnenaufgang dann auch mit der Küstenlinie in der entgegengesetzten Himmelsrichtung als am Atlantik romantischer als der Untergang. Keine Verpflichtungen und mahnende Gefährten, ich stehe dazu, bin 9Uhr im Bett und lese noch ne Stunde oder schaue Film. Der Tag beginnt für mich wenn es hell wird. 7Uhr aus den Federn ist mehr als genug Schlaf und ich verpasse nix, außerdem wird es langsam merklich kühler am Abend und im Bus verkriechen ist sowieso angesagt.

Eine grobe Übersicht auf den Strand, der Dank Mülltonne immerhin sauber ist. Nur die weißen Kästen stören dann die Kulisse und mein Grüner ist ganz am Rande zu erkennen. Die Gegend hier hübsch zum wandern, auf dem Berg am Cap war ich auch schonmal unterwegs. Für heute kann es ruhig angehen, ich habe nicht viel Strecke geplant, da reicht der Nachmittag und ich kümmere mich morgens mal ordentlich um den Bus. Fegen, wischen, umsortieren und mal wieder das Armaturenbrett neu dekorieren. Der ganze Staub aus Marokko ist nun auch endlich wieder ausgeblasen und der hübsche neue Teppich macht sich super vorm Bett.

Ein Fahrzeug unter den Nachbarn interessiert mich doch, 4×4 Iveco mit modernem Kasten hinten drauf…Farbe grün. Zwei ältere Bayern die auch schon überall waren und nach nem Unfall in Marokko das Ding komplett neu aufgebaut haben. Horrorgeschichten von der Schadensabwicklung wenn auch unverschuldet, toi toi toi… immer wachsam dort unten. Gigantische Reifen, auch nur knapp 100PS, wie meiner unter 3,5Tonnen und mit viel nützlichem Kleinkram am Fahrwerk ausgestattet. Wäre glaub ich noch die einzige Basis, die ich nach nem Düdo nehmen würde… Bild fehlt leider.
So verquatsche ich doch noch ne Stunde und wünschte mir solche Großeltern, bekam noch ein Stück Butter für meine angebratenen Bohnen und genoss die Bratkartoffeln dazu. Und dann hieß es weiter ziehen. Der Motor gerade warm durfte auch schon den nächsten Berg erklimmen um den letzten Blick über das Cap schweifen zu lassen.

Wir fahren etwas landeinwärts Richtung Mazzaron, da gibt es ne heiße Quelle. Sind keine 50k Tagesetappe und ich habe nur ne grobe Orientierung, mal schauen wo wir landen. Der Weg zur Quelle vom Wetter aufgeweicht und gut zerfurcht. Ich finde vorab schon einige abseits stehende Busse, und suche mir auch ein ruhiges Fleckchen, wo ich wieder weg komme, falls der Regen wiederkommt. Heute passiert aber nicht mehr viel und ich schaue mir die Quelle mal an. Ein paar spanische Camper stehen drum herum und sitzen drin. Das Vergnügen schiebe ich auf Morgen früh in aller Stille.

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