Mein letzter Tag in Marokko.

Ich hab nur noch wenige Tage vor Ablauf des Visas und etwas Eile in die Heimat zu kommen. Zur Abwechslung der letzten Jahre möchte ich meinem alten Herren mal die Ehre zu seinem Geburtstag erweisen und anwesend sein, wenn auch Anfang den ungeliebten und trübkalten Monats April. Es sind einige Tausend Kilometer und über meine Reisegeschwindigkeit möchte ich keine Worte verlieren. Wie auch immer, heute ist es soweit. Der perfekte gestrige Tag macht es mir einfach und leichter noch der wolkenverhangene Morgen.

Zu guter Letzt ist auch noch mein Datenvolumen aufgebraucht oder die Karte abgelaufen. Zeit zum Aufbruch, Schicksal mal wieder. Mein Strandplatz vom Titelbild war genügend abgeschottet von der N1 hinterm Wäldchen. Ich verabschiede mich noch vom Küstenposten Mohammed und spaziere ein letztes Mal am Strand entlang. Abschied fällt immer schwer. Der Weg dann zurück auf die Straße zeigt mir bei Helligkeit doch einige holprige Mulden und tiefhängende Äste. Hier kommt kein Camper her.

Ich mache nicht einen Stop in Tanger, einfach zu groß und modern für meinen Geschmack heute. Um die Autobahn zum Hafen zu vermeiden muss ich aber einmal quer die Hauptstraße entlang und sehe Straßenfeger und Mülltonnen, eine frisch renovierte Strandpromenade mit Laternen und frisch gepflanzten Palmen. Hoffentlich gibt denen auch jemand Wasser, raus aus Tanger. Die kleine kurvige Küstenstraße nach Osten dann wieder typisch, wenn auch die Häuschen hübscher und eloquenter sicherlich für privilegierte mit Blick nach Europa. Einige Hügel und es dauert noch ne Stunde bis ich in Ksar Seghir meine letzten Besorgungen mache. Ich habe noch eine Palette Bier und bissel Kleinkram, was weg muss und meine Gasgrillflaschen sollen wieder voll.

Das Bier mag hier niemand haben, weder gegen ein Mittagessen oder etwas Sprit in den Tank, aber in der Summe bin ich mit unseren Tauschgeschäften und Verkäufen im Land ganz zufrieden. Das restliche Bier bekomme ich wie im letzten Jahr erst wieder direkt vorm Hafen los. Zwar zum Schleuderpreis verglichen mit üblich, aber immerhin noch 500% Gewinn und den wiederum in die lokale Wirtschaft investiert. Ich nehme nochmal ordentlich Zeug aus den Tonsouvenirgeschäften mit. Tajine und Schmortöpfe, kleine Andenken und Geschenke für zuhause. Und damit auch die letzte Mission erfüllt, ab zum Zoll.

Die Abwicklung am Hafen exakt wie im Jahr zuvor. Abparken und zu Fuß bei der Fährgesellschaft einchecken. Ticket bekommen und damit die Freikarte durch die erste Kontrolle. Mit dem Ausreisezettel und Reisepass samt Zollkarte für Fahrzeuge dann an der verwirrten Stelle vorbei. Auf meiner Liste fehlte immerhin der Bus und ein Motorrad, aber eher wäre zuviel auf dem Papier und zu wenig unterm Arsch problematisch geworden. Da der Verkauf der XT ja nicht geklappt hat und nehme ich sie wieder mit, wollte mir aber erneut die Arbeit sparen sie in der Garage zu verstecken. Und der Bus war auf Christie geschrieben, da ich schon zu viel auf dem Zettel hatte. Aber wie gesagt, nächste Station Röntgenstrahlen.

Dafür verlasse ich mit Atlas lieber wieder das Gebiet und fahren nach der Prozedur mit dem sündhaft teuren Spielzeug MAN samt Durchleuchtungsausleger unbehelligt und mit funktionierenden Testikeln (zumindest einer von uns…) weiter zum Gate 5, unserer Fährgesellschaft. Nächste Abfahrt 14hundert also in 30 Minuten, welch Zufall. Nur leider noch kein Kahn zu sehen und die Schlange vor mir gut gefüllt. Wenn dazu noch alle LKW neben uns mit rauf sollen sehe ich schwarz in puncto Bruttoregistertonnen. Wie sich heraus stellte, war die letzte Fähre ausgefallen und es passen auch nicht alle LKW mit rauf. die Camper und PKW haben Priorität, der Rest wird danach eingeparkt. Ciao afrikanischer Kontinent.

Das Sonnendeck nun endlich und abschließend doch noch sinnvoll, da sich der Lebensspender noch sehen lässt. Wäre ja auch ein schmerzlicher letzter Anblick obwohl definitiv nicht der Letzte! Wir kommen wieder inshallah.

Doch vorwärts immer, rückwärts nimmer… den Blick voraus nehmen wir Kurs auf neue Abenteuer. Sentimentaler als eine 14km lange Überfahrt kann es gar nicht werden. Damit eine klare Trennung zwischen all den Erlebnissen und Gefühlen, das muss ich früher so beim Grenzübertritt angefühlt haben. Zu heutigen Zeiten fühlt sich das spanische Festland irgendwie zuhause an. Und trotzdem noch ein Rückweg von 3000km Luftlinie.

Im spanischen Hafen von Algeciras wurde dann diesmal wenigstens in den Reisepass geschaut und der Bus nach einem Blick durch die Frontscheibe durch gewunken. Es ist schon später als gedacht und Zeitumstellung ja irgendwie auch noch. Pläne hatte ich eigentlich keine, aber ein Stück Strecke machen wollte ich eigentlich schon. Ach, was soll’s Heute ist Sonntag und für den Abstecher nach Gibraltar schon zu spät, also Palomas Gewerbepark und Internet beim goldenen “M”. Auch die ersten Funde lassen heimischen Wohlstand erkennen. Ich muss erst wieder lernen wählerischer zu sein und kein Gebäck mitzunehmen.

Marokko war zwar günstig, unsere Begleiter haben mal ne grobe Liste aufgestellt.

Aber in der Summe für uns ein teureres Leben als auf dem Kontinent des Überschusses… wo wir üblich fast gratis über die Runden kommen. Mein Fokus also ganz klar auf sparsamen Rückweg… denn nach der Reise ist vor der Reise und ich hab da schon wieder was im Kopf.

Aber erstmal brauche ich Treibstoff. Die letzten Dirham haben nur für nen halben Tank und einige Liter Reserve gereicht. Der Preis für Diesel hier drüben fast 25ct mehr… es geht aber auch ganz kostenlos, wie schon oft beschrieben. Und dafür fahre ich nochmal kurz nach Gibraltar, weil es da so einfach ist. Ich habe also keine Zeit für Sehenswürdigkeiten oder die sonst übliche Touri-Shopping-Nummer. Ich suche orange Speiseölrecycling Tonnen und bin mit dem Gespann etwas unhandlicher am Montag Morgen noch vor dem Berufsverkehr unterwegs. Trotz einiger ausgelassener und einiger leer vorgefundenen Tonnen ist die Ausbeute ohne große Anstrengungen vorzeigbar, nach mir für meine Kollegen aber sicherlich nicht mehr von Interesse. 100Liter und damit genügend für fast 700Kilometer. Einiges Öl so klar, das wanderte direkt in den Tank und verdünnt den marokkanischen Diesel der knapp bei 90ct lag.

Hier mein Sockenfilter in Aktion und die drüben gesammelten Wasserflaschen, die heute eine Vorsortierung und sauberere Lagerung ermöglichen. Der Rest der großen gefundenen Gebinde dann wie üblich auf dem Anhänger. Mal gespannt ob die sich an der Grenze irgendwann wundern.

Der spanische Zoll fragt mich dann nur ob ich Alkohol einführe? Natürlich nicht also Abfahrt und ich lasse den Affenfelsen gegen Mittag hinter mir. Ich habe ein Ziel angepeilt und mache gut Strecke. Ich erfreue mich der kostenlosen Autobahn als Umgehung von Estepona und Marbella und lasse auch Malaga rechts liegen. Ich passiere also die Costa del Sol ohne einen Blick, warum auch, denn es ziehen wieder Wolken auf und bringt immerhin perfektes Fahrwetter. Außerdem ist hier alles zugebaut, versnobt und Camper unfreundlich, hinter Malaga hatten wir mal nen hübschen Stellplatz mit Dusche am Strand, Waschtag wäre Morgen mal was tolles. Doch erstens finde ich den Strand nicht mehr und zweitens fängt es sogar mit Regnen an, da trocknet Wäsche ganz beschissen und die Aktion ist vertagt. Ich verbringe meinen Abend also mal wieder im Internet habe es dank Autobahn zum Schluß noch bis Motril geschafft. Nicht sehenswert der Ort zu Füßen der Route nach Granada aber strategisch günstig wie ich gerne so beschreibe. Nochmal Bilder vom Überfluss… bis ich es wieder leid bin zu posten.

Der Parkplatz hat mir dort so gut gefallen ich bleibe und es gab ne Menge zu kochen am folgenden Tage. Leider war der auch komplett verregnet und ich hatte keinen Grund mich zu bewegen. Immerhin besser als meine Begleiter, die am Hafen festsitzen und wegen Sturm kein Boot fährt..

Ich will nochmal an den Strand im Süden und das lohnte nicht auch ein Ausflug nach Orgiva war mir irgendwie als nicht angebrachter Umweg und dann noch in die Berge vorgekommen. Faul sein, Blog schreiben, Lesen, Film schauen… nur Atlas langweilt sich etwas und bekommt am Nachmittag als es aufklart eine große Runde. Das letzte Bild vom Platz für 36Stunden dann doch irgendwie romantisch…mit einsamer Palme die ideal zum Wasser lassen stand. Und da ich mich um niemanden weiter sorgen muss können wir auch 7Uhr morgens zur nächsten Etappe aufbrechen.

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