Palmenoase bei Skoura, Kasbahs zu entdecken

Wir stehen also am Eingang der Dades Schlucht und die Abenteuer vom letzten Mal sind so frisch im Gedächtnis wie der Schnee auf den Gipfeln vor uns. Das Video von damals gebe ich hier nochmal als Revue dazu:

Wir haben uns aber entschieden den mindestens 33km Abstecher Oneway hinauf zur Schlucht nicht zu vollführen und geniessen also in aller Ruhe die Aussicht auf Boumalne. Wir haben am Morgen französische Nachbarn, die in Weißware hinterm Hotel stehen und uns zu nem Gespräch besuchen. Hätte er gewusst, dass man hier auch so stehen kann, würde er nicht fürs Parken bezahlen. Es gibt interessante Geschichten und die Franzosen der Truppe können sich mal mit Landsleuten austauschen. Nicht das weltbewegendste Foto, aber so ist es manchmal. Ein zweckdienlicher Übernachtungsplatz.

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Ebenso unspektakulär aber mit lustiger Geschichte das folgende Foto. Dieser für Atlas sehr einladende Teppich lag bei meinem Spaziergang am Morgen einfach so in der Gegend rum. Sorgsam aber im Niemandsland ausgerollt machte ich mir dazu so meine Gedanken und kam nicht drauf. Erst das Gespräch mit dem “Verursacher”, der gerade mit der Schubkarre wieder zum einsammeln kam, stellte sich heraus, dass Waschtag in der Moschee sei und der Teppich hier zum trocknen liegt. Zum Glück konnte ich Atlas davon abhalten sein übliches Teppich-Ritual zu vollziehen. Genüsslich drauf herumwälzen und mit den Pfoten kratzen… wäre glaub ich nicht gut angekommen.

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Weiter geht unsere Fahrt in Richtung Skoura und die schneebedeckten Berge begleiten uns im Norden. Die Nacht war mal wieder kalt aber die Sonne vertreibt die schlechte Laune am Morgen schnell.

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Die Ortschaft Skoura erreichen wir gegen Mittag. Ein staubiges, trostloses Kaff könnte man behaupten, wenn da nicht die große Palmerie nebenan wäre. Wir halten also nur für Besorgungen und sind hauptsächlich wegen der Spezialität der Region hier: Ziegenkäse. Diesen gibt es aber immer nur morgens direkt aus der Kooperative, ansonsten muss man ihn mit Aufschlag im Restaurant beziehen. Fromage du chevre steht an so einigen shops als Werbung geschrieben.

Die Lager der Küche wieder aufgefüllt, haben wir morgen mal was besonderes geplant. Tajine mit Ziege, dazu ein Kilo frisches Fleisch geholt. Das wird ein Festmahl doch vorab nen geeigneten Platz suchen. Ein Ziel hatte ich im Kopf, die Kasbah Amerhidil müssen meine Begleiter sehen. Wir waren hier schon und staunten nicht schlecht über die gut instandgehaltene Kasbah mit musealem Charakter. Viele kleine Kunst- und Gebrauchsgegenstände aus vergangener Zeit sind dort zu bestaunen.

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Der herrliche Sonnenuntergang von der Terrasse mit Blick über die Palmen ist ein weiterer Bonuspunkt. Der kleine Parkplatz davor sollte unser Nachtlager werden, die Einlasser gewähren uns den Platz, müssen aber später nach einem Telefonat mit dem Chef sehr enttäuscht absagen. Ihm sei das zu gefährlich und er macht sich Sorgen über seinen Ruf, wenn uns oder unserer Habe in der Nacht irgendwas auf dem Parkplatz passieren sollte.

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Dann eben nicht und wir ziehen ein Stück weiter in ein unbenutzes Gebiet zwischen den Palmen, welches wir zuvor mit Fahrrad und einem hilfsbereiten Einheimischen ausgewählt haben. Der Weg dahin führt uns erneut durch das Oued welches mit Steintürmchen die offizielle Straße markiert. Der letzte Blick an den farbenfrohen Himmel.

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Wir haben den idealen Platz gefunden, niemand stört uns und der Sonnenaufgang mal nur von den Palmen behindert auch eine tolle Ansicht.

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Der Blick in die andere Richtung zeigt unsere Heimat für mindestens eine weitere Nacht.

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Wir haben eine Radtour geplant und erkunden die Palmerie lieber per Pedalkraft. Im letzten Jahr haben wir uns mit dem Bus hier ganz schön in den Gängen verfranst und nicht viel gesehen. Diesmal halten wir an jedem uns genehmen Ort und erkunden die zerfallenen Ruinen. Schon erstaunlich, was mit Palmenholz und Blättern sowie Lehm alles möglich ist. Nur haltbar ist es nicht auf Dauer und jeder Regen wäscht wieder ein Stück Oberfläche und damit Stabilität ab.

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Wir finden diesmal unseren Weg zur riesigen Kasbah Ait Chair, die einst der mächtigen Glaoui Familie gehörte sich aber seit der Unabhängigkeit in Staatshänden befindet. So verkommt sie jetzt leider und ist wohl nicht mehr viele Jahre dort. Wir wagen uns durch die bröselnden Treppenhäuser hinauf in den Turm und haben eine tolle Aussicht auf die Palmen und weitere Bereiche der Kasbah, die verrammelt sind. Eine Trutzburg ebenfalls aus nix anderem als Schlamm und Gestrüpp mit früher reichhaltigen Verzierungen und endlosen Gängen. Lehm ist bei uns wieder im Kommen, war hier nie aus der Mode.

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Wir radeln gut drei Stunden durch die Gegend und halten an jeder interessanten Möglichkeit an. Erkundungen machen nicht nur Spaß, sondern können auch lehrreich sein. Wir entdecken eine Olivenpresse und dürfen eine Besichtigung machen. Antiquare Gerätschaften führen hier trotzdem zum Erfolg und die Ausbeut bei dem riesigen Haufen Trester im Garten wohl auch. Erst das steinerne Mühlrad, dann die Presse mit Etagenschichtung der Masse und Rückhaltenetzen dazwischen. Heute ist gut was los hier, und auch in der Umgebung wird fleißig geerntet. Die Bäume hier aber im Gegensatz zu Spanien und Italien riesig hoch und Schattenspender, kaum beschnitten und ziemlich wild.

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Wir schließen unsere Runde mit einer weiteren Ruine. Gigantische Wände, hohe Türme und meist nicht mehr viel übrig. Die Witterung macht jeder Sandburg schnell zu schaffen

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Da fragt man sich zwangsläufig seit wann die leer steht und warum überhaupt. Manchmal finden sich noch Hinterlassenschaften der Bewohner wie Tonkrüge und in diesem Falle Schuhe. Der Schlamm darin und herum ist dann quasi vom Haus selbst. Das Gebäude zerfließt bei Regen zu einem Haufen und geht irgendwann zurück in die Erde.

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Der Tag neigt sich mit der Vorbereitung der besagten Tajine schon wieder dem Ende. Feuer machen und Gemüse schnippeln heute die Anderen. Die Verrückten in der Gruppe haben einen nahen Wasserturm bestiegen und geniessen die Aussicht auf den Sonnenuntergang. Ohne Wolken jedoch nicht annähernd das Farbenspiel wie gestern.

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Da ist der Blick von unten fast schon aufregender. Die Eisenleiter war definitiv ein Abenteuer.

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Das Festmahl übersteigt mal wieder die Erwartungen und alle sind zufrieden, es gab nebenbei noch ne kleine vegetarische Tajine auf Gaskocher im Hintergrund.

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Der Abend dann mal wieder romantisch und abenteuerlustig bei Gesang und Geschichten. Lagerfeuer macht in der Gruppe auch einfach mehr Spaß. Tolles Bild.

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Wer jetzt noch nach dem Abenteuer verlangt muss nur ein paar trockene Palmenwedel auflegen und schon wird die Nacht zum Tag gemacht und die umgebene Kälte weicht rapide. An die Spaßbremsen unter uns, es war genügend Abstand zu den umliegenden Bäumen und Feuerlöscher haban wir auch alle. Leben in der Wildnis. So muss das sein.

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