Strand bei Fnideq, Tag 61, Kilometer 4062

Wir empfangen unseren ersten Morgen in Marokko mit aufziehenden Wolken, die Wetteraussicht sieht auch nicht besser aus. Eigentlich wollten wir die nächsten Tage das Rifgebirge und die Medina von Tetouan unsicher machen. Nur liegt das auch noch etwas höher und ist sicherlich nicht freundlicher. Spaziergänge im Regen jucken irgendwie keinen, also wird kurzerhands umgeplant. Letzer Blick vor die Tür.

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Wir starten am Strand von Fnideq und folgen der gut ausgebauten Straße nach Süden. Der sanfteste Einstieg, den man sich in die fremde Kultur vorstellen kann. Die Straßen gut geteert, die Bürgersteige sauber und die Bepflanzungen grün und gepflegt. Selbst Straßenlaternen gibt es hier, sogar mehr als nötig. Und das alles mit nur einem Grund. Der König wohnt hier im Sommer. In M’Dig steht seine Villa am Strand und hat 10m hohe Sichtzäune zu den Nachbarn. Das Militäraufgebot vor der Tür mit Wachposten alle 50m hab ich im letzten Jahr schon bestaunt. Die Gegend gilt als “Cote d’Azur von Marokko”.

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Wir lassen also auch Tetouan rechts liegen und besuchen nur kurz den Marjane an der Hauptstraße nahe Flughafen. Ab hier kurz hinterm sehr wasserreichen Fluß geht die Route durch die steilen schroffen Berge an der Küste entlang. Ideales Wetter zum Fahren und es dauert auch ne gute Weile img_4408

Ich glaube ich musste in der ersten Etappe auf der N16 dreimal den 1.Gang einlegen, die Begleiter währen ein Stück schneller, aber der Gruppenzwang lässt uns den Verkehr erst recht aufhalten. Ziel war eigentlich Jebha, nur die Dunkelheit kam früher. Der erste ausgewählte Schlafplatz mit Meerblick durch 50m Geröll auf einem “Fußballplatz” wurde nur wenige Minuten später durch einen Militärposten geräumt. Die Begründungen dafür die nur 70km entfernte Küste von Malaga und damit erhöhtes Sicherheitsproblem, Schmuggler etc. Per Funk kamen die Anweisungen von weiter oben und wir wollten nicht diskutieren, fanden dafür 500m weiter hinter einem Hügel eine ähnliche Stelle nur ohne Meerblick und beendeten den Tag mit knapp 120km auf dem Tacho.

Nix Welt bewegendes, wir stehen kurz vor Amtar und die Frühaufsteher erkunden das erwachende Dorf und den Strand. Steine und Müll, das Meer wie so überall die letzten Tage total schlammig. Der Ergiebige Regen hat alle Queds sauber gespült. Die Straße Richtung Al Hoceima teilweise von Dezimeter hohen Schlammzungen überspült. Wir kommen also auch am zweiten Tage im östlichen Rif an der Küste nicht schneller voran und legen ab und an Zwischenstopps ein.

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Eigentlich wollten wir auch den Nationalpark westlich der Stadt besuchen, hier soll es viele Fischadler und Delfine geben, wir sind aber wieder etwas spät dran erledigen das mit einem Abstecher durch die östliche Piste entlang Izemmouren zum Strand Talla Yousef der über eine sehr steile Straße befahren wird. Die Infrastruktur lässt Besuchermassen im Sommer erahnen, jetzt nur eine handvoll Angler und ein perfekter Stellplatz wo wir unsere Ruhe haben. Die übliche gemeinsame Zubereitung des Abendessens wird zum Ritual und die Gruppe ist echt ein gutes Team.

Wir werden am nächsten Morgen mit vielversprechendem Wetter belohnt. Keine Eile und es dauert sowieso immer bis alle wach sind. Hausputz und die üblichen Erledigungen die unseren Alltag doch wenig von Anderen unterscheidet. Betten lüften, Abwasch, Müll sortieren, Boden fegen… Gehört dazu.

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Heute soll Al Hoceima besucht werden, mal sehen was uns erwartet, auf jeden Fall wird ein Hammam gesucht. Die steile Zufahrt macht mit noch nicht ganz betriebsbereitem Motor echt ein banges Gefühl, wird aber bewältigt. Hinter der nächsten Kuppe dann der erste Blick auf die Stadt an der Klippe.

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Mitten drin dann doch eher eine unspektakuläre und moderne quadratische marokkanische Ortschaft. Wir wechseln Geld, tanken auf und fragen uns zu den Badehäusern durch. Bis 5Uhr ist Frauenzeit, danach erst können wir Männer. Wir finden also einen Platz in einer geschäftsarmen Gasse und vertreiben uns die Zeit während die Mädels es sich gut gehen lassen. Der J9 soll noch etwas höher gelegt werden und wir schauen mal was die kuriose Achsfederung so hergibt.

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Die Arbeiten ziehen einige Schaulustige an und auch zwei drei Schwachsinnige treiben sich in der Gegend herum. Wir werden von einem älteren Herren auf deutsch angesprochen und es wird mehrfach Hilfe angeboten. Danke, wir basteln gerne… und ein noch Älterer (der Vater) kommt auch vorbei und freut sich mal wieder deutsch zu sprechen, hat in Wuppertal gearbeitet und genießt jetzt hier seine Rente. Kleine Stadtbummel lassen uns wirklich das Ziel setzen heute Abend noch aus der Stadt zu fahren, hier gibt es nix was uns hält. Der kleine Markt vor der Moschee bietet ne Menge Plunder und dahinter sieht es besonders erschreckend aus.

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Wenn der ganze Müll nicht wäre echt ein hübsches Panorama, wenn auch der Strand nur für Hotelgäste zugänglich ist. Der Hafen und die Berge am Horizont lassen träumen.

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Wir beschließen die Mädels nicht an dieser Stelle allein zu lassen und fahren für unsere Reinigung zum anderen Hammam mit selben Zeiten und Preisen. 15dH ist nicht billig, aber die Lokalität echt sehenswert. Eine großzügige Eingangshalle als Umkleide, mit Bögen und bunt gefliest. Die drei katakombenartigen Räume dahinter wie gewohnt immer Wärmer und zweckdienlich natürlich auch. Ich erkläre den Jungs die Handhabung der Eimer und wir sind in guter Gesellschaft von Einheimischen. Natürlich auffallend Touristen die dann auch noch wie in meinem Falle haarig und tätowiert sind. Ein Jugendlicher amüsiert sich am Anblick meines Bartes und wir kommen ins Gespräch. Er spricht sogar englisch und freut sich darüber mit uns zu sprechen. Die Akustik im Hammam ist zwar schwierig zu verstehen, aber er studiert hier Wissenschaft und Mathe und hofft in Europa arbeiten zu können.

Es war ein sehr entspannter Besuch mit sauberem Ergebnis und die Busse stehen noch vor Ort. Team Orange wurde zwar von Jugendlichen durchgeschüttelt, bei den anderen blieb aber alles ruhig, Christie hätte sonst sicherlich auch Ohrfeigen verteilt. Wir machen uns also wieder auf den Weg, es ist zwar dunkel aber wir wollen nur drei Kilometer weiter zum Parkplatz am Strand Isly der im Buch als Übernachtungsplatz ausgewiesen ist. Wir haben Lektüre dabei, Team Frankreich den Rough guide und wir den Lonely planet und die Bibel Selbstfahrerhandbuch Marokko von E.Kohlbach. Was besseres gibt es nicht mit vielen Tips.

Auch dieser war gut und wir bleiben hier, haben zwar einen Parkwächter aber wir handeln auf 10dH pro Fahrzeug für die Nacht. Was wir dafür zu sehen geboten bekommen ist der Hammer. Das am Horizont aufziehende Gewitter lässt uns nach dem Abendessen staunend draußen stehen oder mit offenem Fenster im Bett liegen. Die Fotoapparate bereit gibt es etliche Schnappschüsse. Dieser hier aufgrund der Quantität ausgewählt, drei Blitze auf einem Bild. Teilweise war die Nacht taghell, ich glaube aber wir blieben von Regen verschont.

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