Blogarchiv September 2013

Es war mal wieder so weit, fernweh lockte. Ein geplanter Anlass (Moppedüberführung) wurde wieder in gemütlichem Rahmenprogramm eingebettet.

Mein Kumpel aus Schweden wollte eines meiner Motorräder bei sich haben um was aufmotzen zu können. die von der Optik her originale CBR mit dem brachialen DoppelXX-Motor samt Flachschiebevergaser stand bei mir nur rum und bei ihm auf der Wunschliste.
Schweden auf dem Landwege ist ne feine Sache, aber zeitraubend und im Herbst geplant, also gibt es zwei andere Optionen, Fähre ab Rostock (6Stunden dafür kurzer Weg über die Autobahn) oder ab Sassnitz (4Stunden, dafür über die Insel Rügen). Klarer Fall, die Insel, meine frühere Zeitheimat samt Stralsund stand auf dem Programm Chrisite an Bord, was sonst.

Freitag Mittag Abfahrt, Berufsverkehr und bombige Wetteraussichten bis 40°, jeder Städter wollte zur Küste… diesmal die Hunde lieber auf die Verwandschaft verteilt. . Trip bis dahin immer der A20 folgend über den neuen Rügendamm im eigenen Saft mit Sonne im Nacken der Ostsee entgegen.

Fährfahrt war für 7Uhr morgens am Samstag angesetzt, also noch genug Zeit die Insel mit ner Runde zu erkunden. 18Uhr Ankunft nahe Mukran Fährhafen. Einparken, abladen und leichte Motorradbekleidung überwerfen.

Zweirädrig gings dann zu den üblichen Hotspots der Insel, die an einigen Stellen Sylt nacheifert. Binz zum Beispiel hat sich in den letzten 10Jahren zur Schicki-Micki-Hochburg gemausert. War 2001-2003 doch bei der Marine u.a. in Stralsund stationiert mit Wohnung in Binz. Nette Strandpromenade, niedliche Seebrücke, überteuerte Cafes und Souvenirshops, das Übliche halt. Insider kennen aber ne kleine Fischräucherhütte und Sehenswertes abseits der Massen. Danach ging’s direkt weiter nach Sellin, hab da mal vor 15Jahren mit nem Kumepl Urlaub gemacht, ohne den Zeltplatz ein paar Kilometer weiter eher was für gediegene Rentner… aber sehenswert. Seebrücke etwas größer und zufällig mal wieder mit nem Stadtfest auf unseren Besuch gekoppelt.

Bis auf viel Natur gibt’s auch nicht viel zu sehen, Störtebecker Festspiele ist immer noch erwähnenswert, Eintrittspreise, keine Ahnung auch hier ist Wissen Macht und unser Zaungastplatz mittendrin. Die Geschichte dies Jahr erzählt von den Anfängen des Klaus Störtebecker, viel Krawall und Piratentum mit Peng und Bums, Reiterei und Schwertgemetzel, anschließend großes Feuerwerk an der Naturbühne in der Bucht.

Hauptstadt Bergen auf Rügen reicht einmal durchzufahren, alles in allem noch mal nen schöner Ritt auf dem unglaublichen Hobel…

Übernachtung am Fährhafen klingt komisch, wenn man weiß wo ist aber auch das idyllisch.

Einchecken ist nicht wie beim Flughafen aufwändig, ranfahren, Ticket ziehen, hochfahren, abfahren, hab trotzdem ne Stunde vorher aufstehen eingeplant, man weiß ja nie. scandlines gibt’s nicht mehr, die Verbindung fährt jetzt StenaLine mit 50% Preisaufschlag, na super. Der Kassiererin erklären, dass wir als Fußgänger zurückkommen hat irgendwann gefunkt, aber dem System es nicht einfach gemacht, Ticket in Deutschland kaufen aber billiger als in Schweden!

Ich als alter Seemann fühlte mich gleich wieder an meine 25000 Seemeilen zurückerinnert, der Kahn zwar nicht zu vergleichen mit meiner TS-Freiburg damals und die Ostsee nun auch nicht der indische Ozean, (brauchte die Karre unter Deck nichtmal mit Spanngurten verzurren) aber zumindest sind Geräusche, Geschmack und die Aussicht gleich. 12Seemeilen von Land weg sieht man eh nur noch Wasser und die gemütlichen 16Knoten der Fähre waren damals Höchstgeschwindigkeit meines 1954 in Dienst gestellten Versorgers. Die Fähre hatte die Strecke Sassnitz Trelleborg früher in knapp 2Stunden absolviert, da essen und trinken die Reisenden aber weniger und das ist nebst dem „Zollfrei“ Einkauf das Hauptgeschäft. also Bummelboot, dafür konnte man sich ganz in Ruhe die Kreidefelsen von der Seeseite aus angucken.

Mopped stand auch in Trelleborg noch an seinem Platz, Gepäck wurde stilecht im Schwedenkombi abgeholt und wir hatten ne kleine Tour entlang der malerischen Südküste nach Halbinsel Skanor ähnlich wie Sylt, Binz und Co. nur dass Geld haben in Schweden noch fast normal ist.

Neben hübschen Häusern und nettem Fuhrparks in der Nachbarschaft hat mich der hier besonders interessiert. Volvo Armeefahrzeug aus den 70ern. Der Bewohner kam auch just raus, als ich um sein Restaurationsobjekt geschlichen bin, mit der Erklärung tyska (deutscher) und weiterem Gespräch in englisch (was hier alle Einwohner ab dem 5.Lebensjahr beherrschen, da Fernsehen nicht synchronisiert wird und alles mit Untertitel bespielt ist, selbst Simpsons und Walt Disney) hatten wir nen netten Plausch über das Gefährt.

Südschweden zum Thema sightseeing bietet Malmö, was zwar langsam wie überall in Europa unbemerkt der Einheitsmedien zu Ghettos verkommt die Einheimische meiden müssen, aber auf dieser Welt und speziell in Europa denkt ja niemand mehr über seine Folgegeneration der Kinder und Enkel nach.
Der Landweg wie angesprochen würde über den Öresund führen, Kopenhagen /DK auf der anderen Seite fast sichtbar, die Überquerung locker nen Fuffi teuer aber sicherlich auch nen Erlebnis.

Wen es interessiert, Schwedische Feuerwehr.

Der Turning Torso ist Skandinaviens höchstes Gebäude und mit Luxuswohnungen ausgebucht, die Ecke direkt an der Küste auch eine der Vorzeigeregionen Schwedens.

Aber lustige Schilder hab ich da gesehen… Kinder mitbringen verboten? oder Kidnapping?

Alkohol in der Öffentlichkeit trinken auch verboten, aber bei Leichtbier (lättöl) kann man als Deutscher doch keinen Strafzettel bekommen, oder? Alkohol und die Skandinavier sind eh nen Thema, Schnaps kriegst du nur in speziellen Läden, Bier ab 4,5 Umdrehungen fast unbezahlbar. Kein Wunder, warum die Fähre nach Deutschland schon voll war, obwohl wir zuerst rauffahren durften und im Gästedeck ankamen… Schnapstourismus.

Früher haben die Schweden noch per Auto den Weg auf sich genommen um an den umliegenden Supermärkten die Regale leer zu kaufen, heute lohnt sich das mit ner Sackkarre zu Fuß ohne das Schiff zu verlassen. einfach in den „BorderShop“ früher duty free, und für 99,-kr den 0.33erx24 Kasten Heinecken (umgerechnet 13,- Euro) einsacken.
Sonst sind uns die Schweden schon ähnlich, blond, blauäugig und stellen sich gerne an, selbst beim Baden.

Nur deren Strandkörbe sehen komisch aus, lassen auch keine Sonne rein, dafür die Badeklamotten vor Ort und keine komplizierten Handtuchaktionen beim Umkleiden.
PS. FKK kennen die nicht und scheint auch verboten… musste also ne Badehose tragen.

Aprospos tragen, die Rückfahrt dann wieder irgendwie passend mit IKEA-Tüten bewaffnet, eine für Motorradklamotten und Zeug, die andere für „Knäckebrot“ nicht zu vergleichen mit dem Scheiß, den’s hier in den Supermärkten gibt, vor allem sind das ganze Laiber 40cm Durchmesser und rund. 12 Pakete passen in eine Tüte,
die Lücken mit anderen Landestypischen Leckereien aufgefüllt.

Zurück in Deutschland war Sonntagabend die Hitzewelle vorrüber. 22Uhr Ankunft, Christie wollte das Gespann fahren und wurde promt noch im Hafenbereich von der Bundespolizei, früher BGS wegen geschnittener Vorfahrt und überhöhter Geschwindigkeit angehalten. Naja, meine nett freundliche Art, alle verfügbaren Papiere und Unterlagen, die Visa und US-Führerschein Dokumente sowie heranrollendes Gewitter beschleunigten den Erfahrungsaustausch etwas und wir konnten unseren Trip fortsetzen.

Nen gutes Fischbrötchen stand noch auf der Wunschliste, der Fischerhafen in Sassnitz sollte auch Spätabends noch dank Touris was abwerfen. Für den Morgen war ne Wanderung zu den Kreidefelsen geplant, also gleich um die Ecke „nächtigen“ was laut Schild auf dem Parkplatz am östlichsten Zipfel Sassnitz’ strikt verboten war. Quasi mit der Heckklappe im Naturschutzgebiet, umgeben von nix als Buchenwald bei mal wieder prasselndem Regen vom Tag erledigt in den Schlaf gewittert. Montag 7Uhr Kreidefelsen, nur zu empfehlen, weit und breit niemand zu entdecken, ne Wolkenlücke hat auch ideal gepasst. Schon immens, wenn man sich die Jahrmillionen Auftürmung von Muscheln vorstellt, die dann Stück für Stück wieder von der Klippe brechen und sich samt der darauf wachsenden Vegetation in ihren Ursprung, das Meer, ergießen.

Nen paar Hühnergötter als Andenken (Bernstein gab’s nicht zu entdecken) und pünktlich vorm nächsten Schauer wieder am Auto, Abfahrt von der Insel.

Zwischenstopp in Stralsund bei solchem Wetter ist allen Badebesuchern der Umgebung in den Sinn gekommen, die einzige Stadt, die ich kenne, wo es rappelvoll ist, wenn das Wetter nicht mitspielt. Alter Markt (wo ich 2001 im Fackelschein vereidigt wurde) Neuer Markt, diverse Kirchen und ein Bürgerhaus aus dem 14.Jh, sowie natürlich der Hafen standen auf dem Plan.

Striktes Parkverbot interessierte mich wie üblich herzlich wenig, die Kulisse GorchFock (I) früher russische/ukrainische Towarischtsch lud quasi dazu ein.
Übrigens nach dem Künstlernamen des deutschen Schriftstellers Johann Wilhelm Kinau benannt und seit 2003 wieder in Deutschland zum Wiederaufbau von der Ukraine zurückgekauft und von einem Förderverein als geldverdienendes Museumsschiff zur Restaurierung angedacht. Ich als alter Seebär hab sie noch mit ukrainischer Besatzung in Kiel erlebt… endlich zurück in der Heimat, ein Besuch an und unter Deck natürlich obligatorisch.

Die Rückfahrt dann wie gewohnt bei unseren Trips im Dauerregen…
Unspektakuläre und ereignisfreie Ankunft.

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