OP unter Palmen

Ich hab ja mal angemerkt, dass die WALKÜRE seit einigen Wochen und knapp 500km hinten links etwas lahmt. Eine Blattfeder ist gebrochen und wurde zum Glück mit einigem geklimper und geklapper auf der Straße sofort entdeckt und geborgen. Die Bruchstelle ungünstig für die darüber liegenden Lagen, deshalb zur schnellen Sicherheit das Teilstück mit Klebeband an der früheren Stelle fixiert.

Meine Federn waren wie alles andere am MB608 vor dem Start einer grundlegenden Restaurierung unterlegen, aber die Straßen Afrikas können nunmal auch kein 40Jahre altes Material dauerhaft aufrecht erhalten. Ermüdungsbruch und damit erste echte Panne am Mercedes.

Immerhin gab diese Restaurierung mir das sichere Gefühl alle benötigten Schrauben und Bolzen ohne Probleme oder (worst case) Chance auf Abriss lösen zu können wenn es passendes Ersatzteil zu finden gibt. Da liegt aber der Knackpunkt, man sollte doch denken, dass sowas einfach zu bekommen ist wie bei uns in Europa, weit gefehlt. Blattfedern die bei uns in den Schrott wandern sind hier heiß begehrte Ware um einerseits Höherlegungen und Auflastungen der völlig überladenen Transporter zu ermöglichen. Andererseits landet auf dem Schrott erst wirklich nur das was echt weit über dem zumutbaren Zustand ist. So brachte es wirklich ein selbsternannter Mechaniker fertig mir ein Stück Metall, mehrfach in alle Richtungen gebogen und mit einer fetten Schweißnaht mitten drin versehen, als Ersatzteil anzubieten. Ich wusste nicht ob ich Lachen oder Weinen sollte… hab nur dankend den Kopf geschüttelt.

In der Hauptstadt Lome dann gibt es alles, man muss nur wissen wo. Die eigenständige Suche kann zu einem Spießrutenlauf führen und kein Afrikaner kann zugeben etwas nicht zu wissen oder zu haben. Also ist egal wen du fragst immer erstmal eine positive Antwort drin. Dann wird telefoniert, von A nach B geschickt und alles probiert es irgendwie zu ermöglichen um Lohn zu generieren. Aber ein simples, sorry, hab ich nicht bekommt keiner raus, um mir nicht meine Zeit zu stehlen das nervt echt. Man weiß auch meist nicht wo man anfangen soll, ne normale Werkstatt? Einen Reifenfritzen fragen, ihc fand immerhin einen Schrottplatz für LKW, die aber alle stärkere Federn auf Halde liegen hatten. Von dort schickte man mich immerhin weiter um was eventuell brauchbares in die Finger zu bekommen. Immerhin sah ich ein Messingbuchsen gelagertes Federpaket in passenden Dimensionen, also ganz altes Zeug und der Einzelzustand so nicht zu erkennen. Verkaufen wollte man schon, auch gerne nur eine Lage, aber dem potentiellen Kunden direkt das Geld abnehmen. Meine Einwände ich muss das Teil ja begutachten, also muss es auseinander verstand niemand. Und wir reden hier über Summen um die 30,-€ für eine uralte Federlage! Resignation und eine andere Herangehensweise an diese Problematik.
Man kennt Einen der einen kennt der Mechaniker ist und engagiert vorbei kommt um sich mein Gesuch anzusehen. Am liebsten ausbauen um damit auf suche zu gehen! hier schlägt wieder die Erfahrung zu! AUF KEINEN FALL. Ist das Teil erstmal draußen gibt es kein zurück und man ist ausgeliefert. Reparaturen erst angehen wenn ALLE Ersatzteile vor Ort sind! Außerdem ist eine Federlage mit 470mm Breite und 100cm Länge sowie flexibler 10-13mm Stärke von mir eine klare Vorgabe.
Naja, ich wurde nicht enttäuscht und am nächsten Tag war ich mit nem Gehilfen als Sozius zu nem Schrottplatz unterwegs wo man was für mich gefunden hatte. Hier wurden hauptsächlich Getränkedosen von Kindern abgegeben, die für ein Kilo Blech sich immerhin ein Brötchen kaufen können.

Dass die Lage dort aber nur grob meiner Beschreibung entsprach verstand man nicht, Federung ist nicht gleich Federung, man zeigte mir eine Parabelfeder die sich nicht nur an der Basis verjüngt und deshalb keine Auflagefläche für die anderen bietet versteht der Mechaniker nicht, sind wir einfach zu kleinlich für Afrika? Obendrein war 15.000 für das Paket angesetzt, da ich aber nur Interesse an einer Lage hatte (Notlösung besser als keine?) war ich von der Hälfte ausgegangen… macht nach seiner Rechnung aber mindestens 12.000 und damit 20,-€ für ein Stück abgeschnittenes Metall was ich eigentlich gar nicht nutzen kann. Meine Absage wurde dann anscheinend nicht so gut aufgenommen, da ich später nix mehr vom Mechaniker hörte. Oder hatte er gedacht ich bezahle ihn selbst für den Misserfolg?

Die Geschichte zog sich ein paar Wochen hin, zwischendurch war ich ja auch im Dschungelcamp und hatte keinen Druck, die WALKÜRE lief ja noch und ins Gelände wollte ich nicht. Doch mit der entspannten Zeit im Coco Beach kam diese und weitere Punkte auf eine Liste die es abzuarbeiten galt. Mein Plan also erneut selbst ohne Umschweife auf die Suche zu gehen. Frühmorgens aufs Moped ab zum Automarkt. Wer mal wieder aus der Satellitenansicht schauen möchte muss sich neben dem Hafen die Dutzenden Freigelände mit jeweils Tausenden Autos von oben ansehen, dahinter dann die Teilehökerer

Noch nicht abgeparkt stehen 7:30Uhr schon drei unabhängige Schlepper parat. Man sucht sich den überzeugendsten aus und folgt ihm durch das Gewirr von Gassen und ich lande erstaunlicher Weise wirklich an einer Bude mit Blattfedern. Offensichtlich ein Spezialist… wenn ich hier nicht fündig werde weiß ich auch nicht mehr weiter.

Innen sieht es noch schlimmer aus, ein Berg mit einigen Tonnen der kurzen Lagen die keiner zum aufpolstern braucht zeugen von Tausenden Paketen die hier schon zerlegt wurden, unglaublich, sowas hab ich selbst im Fernsehen bei den Ludolfs damals nicht gesehen. Zum Glück zu dunkel dort drin. Man sucht aber mit der Handyleuchte und bringt mir wirklich ein 70mm Element mit 104 brauchbaren wenn auch schon gekürzten Zentimetern Gesamtlänge, Loch mittig. 15.000 auch hier der magische Wert und damit 25,-.€ für eine einzelne Lage mit Einlaufspuren. Es hilft nix, ich brauch das Teil und mit Zeit und Verhandlungsgeschick drücke ich auf 6000,- und somit nen glatten Zehner. Ab nach Hause, Mission erfüllt, die Arbeit kann beginnen.

Die Federbügel (Brieden) müssen ab. mit der Drahtbürste von Dreck befreien und WD40 kann ich zur Vorbereitung immer und überall empfehlen. Stoßdämpfer muss wegschwenken und den Stabi auch auf einer Seite lösen. Mutter vom Herzbolzen lösen… halt, was macht der Kerl. Ja er will den Tausch ohne Ausbau des Paketes vornehmen. Mein Arbeitsplatz dabei der Stellplatz am Strand unter Kokospalmen und bis mittags Schatten auf der Westseite.

Die ganze Hütte ist mit mehreren Anläufen irgendwann stabil auf dem Hauptrahmen aufgebockt, sodass ich auch weiterhin keine Bedenken beim nach Hause gehen zu haben brauche. An einem Tag ziehe ich das bei morgens schon 35grad im Schatten nicht durch.

Die Achse konnte ich dann dank eines im Sand gebuddelten Loches unterhalb des Bodenniveaus soweit ablassen dass der Plan aufging. Dank Hilfe vom Nachbarn wa auch mal ne Hand frei für’s obligatorische Foto.

Ja, die Arbeitsschutzsandalen wurden im FB schon angesprochen. Wie gesagt, schrauben am Strand, mir waren Handschuhe wie immer wichtiger. Dank Nachbars ebenso gut ausgestatteter Bordwerkstatt konnte ich schnell noch den 14×1,5 Bolzen und Mutter des Stoßdämpfers nachschneiden der schon in Portugal nur noch auf der letzten Rille hielt.

Wie gesagt einen Vormittag Vorbereitung und einen weiteren zur Ausführung des Tausches, ab 10Uhr hat man echt keine Lust mehr unterm Auto zu basteln. Pünktlich alles wieder oben, zusammen, Loch zugebuddelt und den Truck auf die Räder gestellt.

Die Belohnung war dann die noch von der Nacht etwas kühlere (als Umgebungstemperatur) Badewanne mit Aussicht und Meeresrauschen. Ich hab schon an schlimmeren Plätzen Basteln müssen.

Meinen Kumpel Michi hat es übrigens noch härter getroffen… Beim UnimoG ist nun schon die zweite Windung an einer Seite der Vorderachsspiralfeder abhanden gekommen. Liegt dann schnell mal 12cm tiefer und ist definitiv schwieriger zu reparieren. Probier mal in Afrika Ersatzteile für nen Unimog zu bekommen, die meisten kennen den nicht einmal als ich bei meiner Suche gleich mit fragte. Neuteil schicken zur Zeit unmöglich bis unverschämt teuer. Schweißen unmachbar und selbst wenn nicht haltbar und dadurch erst Recht gefährlich.

Deshalb auch seine Werkstatt für den Gebrauch aufgebaut und selbst mein HighJack der sonst nur mein Dach hebt kann den UnimoG in die Höhe lupfen. Man hilft sich gegenseitig und hat was zu tun. Eine der hinteren Federn austauschen um das Motorgewicht vorne zu entlasten klappte auch nicht und so kommen jetzt angefertigte Distanzscheiben zum Einsatz, ich berichte…

Auf jeden Fall hat meine „zu erledigen Liste“ nun einen Punkt weniger und keiner kann von Langeweile im Zwangsexil Togo sprechen. Man kann ja nicht nur Urlaub machen.

2 Gedanken zu “OP unter Palmen

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