von und nach Laayoune

Laayoune also von Smara aus das nächste „Ziel“ Immerhin auch wieder 220 Kilometer ohne was Nennenswertes dazwischen. Es geht nach Westen und am Rande von Smara wird eine neue Siedlung gebaut, anscheinend dringend nötig, da auf der anderen Straßenseite eine Art Slum mit Hütten aus Müll und Resten in doch recht umfangreicher Größe liegt. Wohnungsmangel kann ich mir nicht vorstellen, Flüchtige Schwarz-Afrikaner sind es auch nicht, Sahaouris also? Sieht schon etablierter aus und eine Moschee ist dabei, erinnert mich an die Fischerslums an der Küste, aber davon werde ich demnächst mehr berichten.

Die Straße ist relativ frisch, nicht ganz so pompös wie die N1 aber markiert und gut zu fahren. 65km/h, Tempomat… läuft.

Die Sonne lacht und es ist heiß, kaum Gegenverkehr und überholen passiert noch seltener. Atlas anscheinend auch gelangweilt da fällt Einem schon mal etwas Blödsinn ein.

Wollte immer schon wissen wie es sich anfühlt in einem britischen Fahrzeug zu sitzen. Ist zwar damit kein Rechtslenker, aber die Perspektive die Gleiche. Atlas etwas verwirrt, dass ich auf seinem Platz sitze und wie gesagt ist der Fußraum voll aber die Beine mal auf dem Armaturenbrett auch was anderes. Ja, jetzt folgen sicherlich wieder Vernunftsansprachen, was soll’s. In einer halben Stunde die ich so verbrachte hab ich nur ne handvoll Verkehr erlebt. Diejenigen die mir entgegen gekommen sind haben es wohl gar nicht bemerkt, und zwei Motorrad-Touristen mit GoPro auf dem Kopf mussten echt zweimal hingucken.

Aber wie gesagt alles im Griff, sehr weit vorausschauend und irgendwann auch langweilig. Am Straßenrand sehe ich nun zum dritten Mal seit Tantan einen großen Vogelkadaver liegen. Jetzt will ich genaues wissen.

Ohh, nein… das arme Ding. Spannweite von über nem Meter und mysteriös warum hier verendet. Kann nur den Rückschluss auf die Straße erlauben, also nachts von Lichtern angezogen und wenn das ein LKW war gegen die Wand geflogen und das Genick gebrochen? Wie gesagt, hab ich leider zu häufig gesehen. Aprospos sehen… wer erkennt die Straße auf dem nächsten Bild?

Ja, es wurde Zeit ein Nachtlager zu finden. Ich wäre schon längst irgendwo gestoppt, wenn mehr als nur Ebene locken würde. Aber auf meiner Karte hab ich was erspäht und schaffe es rechtzeitig.

Von der RN5 eine kleine Abzweigung in Richtung der Strommasten und einem Umspannwerk, dahinter soll dann der See liegen. Mit den Sichtverhältnissen wird es rapide schlechter und ich finde keine Piste die mich sicher durch den untergründigen Sand führt. Bleibe also hier, was wie sich nächsten Morgen herausstellt, eine gute Entscheidung war.

Blöderweise, denn in Hörweite, wurde nachts der Betrieb in was auch immer dahinten begonnen. Es war ein monotones ganz leichtes rattern, irgendwie auch Elektromotoren, Auflösung folgt. Doch erstmal geht es zu Fuß am Morgen in die andere Richtung, Ein Bad im See wäre super.

Naja, was hab ich erwartet, bin in der Hammada, der Geröllwüste. Blickrichtung Süden wo eigentlich die Seen warten sollten. Atlas‘ Blick mal wieder genervt… was soll ich hier.

Das Gebäude dann sowas wie ne Zwischenstation. Der Strom aus den Masten wird dort benötigt um die Anlage zu betreiben. Irgendwas geht in beide Richtungen und ich hörte es nachts rattern, die Förderbänder. Ich erinnere mich vage, dass ich am Atlantik in der Nähe des großen Hafens mal eine Trasse hab aus der Wüste kommen sehen, dort bin ich also nun. Das Meer ist locker noch 100km weg und ich begleite die Masten schon eine Weile und hab keine Miene gesehen.

Es geht also wieder drei Kilometer zurück auf die Straße und später folgt auch mal ein Teilstück das näher dran ist und aufs Foto passt. Laufband folgt Asphaltban.

Dann ist Schluss mit Langeweile und vor Laayoune, der Hauptstadt der Westsahara wird es geschäftig. Die Straße noch relativ in Ordnung aber der ausgefranste Rand und die fehlende Ausweichzone daneben wird repariert.

Jetzt weiß ich auch warum die Pistenraupen so ne komische Bauform haben, sie fungiert quasi als Schleckachse und die Dinger können versetzt fahren. Also die Vorderachse und der Schieber mehrere Meter weiter seitlich als der angetriebene Rest. Mir kam später eine entgegen wo ich schon dachte der biegt jeden Moment zu mir ab, doch er fuhr unten und schob oben…. oder anderes herum, auf jeden Fall verwirrend.

Es gibt einige Kilometer vor Laayoune nördlich der Straße eine Schlucht die das Oued beherbergt, dort auch Palmen und kleine Ansiedlungen. War ich schon, will heute Strecke machen, lass ich also aus. Hinter den ersten Kontrollstellen, und ja es sind hier mehrere sieht man schon wie die Stadt sich ausdehnt. Die meisten Gebäude am Rand noch von frischem Betongrau geziert. Alles was freie Fläche war ist nun mit Bauschutt zugekarrt. Logisch wenn jeder seine eigene Ladung auf nen neuen Hügel kippt. Über das hab ich mich mehrfach schon aufgeregt aber wenn die Behörden dass schon wissen, warum dann nicht wenigstens geregelt an eine Stelle?

Städtebauliche Planung ist ja irgendwie, wenn auch für uns unverständlich, anscheinend doch Jemandes Sache. Sonst gäbe es nicht solche Areale, die aber anderswo auch Jahrzehnte lang so stehen bleiben. Hier immerhin hat der erste sein Haus mitten rein gesetzt. Typisch marokkanisch, unten ne Halle – die perfekte Garage, oder ein Geschäft… was auch immer entscheidet sich später. Meist im Doppelpack weil größer freitragend geht schlecht und darüber Wohneinheiten. Quadratisch, praktisch einfach… stelle ich mir so mal in einer Berliner Straße vor.

Laayoune dann am „boomen“ Verkehr und Menschen überall, Moderne Autos und Leuchtreklame, viel (und wahrscheinlich mehr) Schein als Sein. Der MacDonald (absichtlich falsch geschrieben) sthet da aber schon ein paar Jahre.

Ich mache mal ne kleine Rundfahrt und schau mir die abgelegenen Ecken der Stadt an. Ne Planung gab es hier kaum, jeder wo Platz ist und Straßenzüge langweilig und monoton. Überall gemischt Werkstätten und Kleinkrämer, Cafes an jeder Ecke, somit also alles wie überall anders auch und es ist egal ob man in einer großen Stadt oder einer Kleinen ist. Der einzige „Park“ oder was auch immer mal irgendwann als Treffpunkt gelten könnte ist eingezäunt und ohne erkennbare Bautätigkeit. Die Gitter und der Dreck, die Rest neben den Straßen sehen auch aus als wenn das schon Jahre so brach liegt. Sonnensegel für wahrscheinlich hunderte Bänke und ein Springbrunnen in der Mitte, falls es irgendwann mal fertig ist, vielleicht schön anzusehen.

Ich bin versorgt und auch bedient, raus aus der Stadt ab zum Atlantik. Der liegt ein paar Kilometer entfernt und ist erstmal Hafenstadt. Der Verkehr dazwischen über eine zweispurige „Autobahn“ die anscheinend dauerhaft vom Sand befreit wird. Jedes Mal wenn ich hier durch komme sind Bagger im Einsatz. Der hier hat erst kurz vor mir Sand von der Verwehung rechts geholt um ihn wenigstens links der Bahn wieder abzusetzen.

Die drei Bagger dahinter machen das gleiche… und wenn sie nicht verreckt sind machen sie das noch eine Weile, Sand gibt es hier genug und durch den Wind kommt immer Neuer 🙂 Ein Stück weiter sieht man auch dass es nötig ist, Seitenstreifen mit Bremsassistent.

Enden tut diese Autobahn bei El Marsa einer Ansiedlung an besagtem Hafen. Nix aufregendes, aber mit Marktplatz und sonst üblicher langweiliger Architektur. Hübsches Tor und Wasserturm am Eingang und weitere günstige Tankstellen. Ich hab aber in Laayoune für 8,14 alles voll gemacht. Meine konsequente und konstante 65km/h Strategie hat übrigens sehr überraschend meinen Verbrauch auf knapp 10Liter/100km reduziert. Man kann also auch einen Diesel mit fast vier Litern Hubraum günstig bewegen.

Und dann vorbei an der gigantischen und komplett ummauerten Hafenanlage bis sich irgendwann das Förderband von heute Morgen wirklich dort unter der Fahrbahn in das Gelände begibt… was für eine Strecke.

Allein das Material dazu und der Aufwand das in die Wüste zu pflanzen. Muss sich echt mit einigen Millionen Tonnen was auch immer erst mal wieder amortisieren. Weiß jemand worum es sich hierbei handelt?

11 Gedanken zu “von und nach Laayoune

  1. Peter schreibt:

    Hallo Philip,ich verfolge deine Beiträge mit Interesse und Freude!

    Kleiner Hinweis „Deine“ Pistenraupe ist keine sondern ein sog. Grader, auf deutsch etwa „Straßenhobel“. Der kann mit versetzten Achsen fahren damit sich nicht durch seine Räder Spuren im planierten Untergrund vertiefen!
    Eine Raupe hätte per Definition eine Kette als Fahrwerk!
    (Klugscheisser-Modus Ende!)
    Peter

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  2. Irmgard Balser schreibt:

    Hallo Philipp,
    Jede Deiner Reisebeschreibungen lese ich mit Begeisterung und ein wenig Wehmut! Denn vieles kenne ich von früheren Reisen.
    Nun habe ich einen Minicamper, diesen Winter geht es zur Probe erst einmal nach Griechenland und nächsten Winter möchte ich wieder durch Marokko fahren. Die Strecke nach Smara und Layone traute ich mich bisher nicht. Aber wie ich sehe ist die nun geteert und man kann sie auch ohne 4×4 befahren. Irgendwie liebe ich die einsame “ Westsahara“ und denke, dass ich wieder dorthin möchte.
    Weiterhin eine gute Fahrt Irmgard

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  3. Irmgard Balser schreibt:

    Philipp, weil ich jetzt nur ca 6-7 Wochen habe und mir für Marokko gerne 3-4 Monate Zeit lassen möchte! Drum erst einmal eine erste ‚Probe’fahrt
    mit meinem gerade erstandenen Minicamper nach Griechenland. Auch um zu sehen was und wie evt. für einen längeren Aufenthalt geändert werden muss. Viele Grüße und gute Fahrt (lass km25 links liegen, es gibt schönere Plätze um Dhakla herum!) Irmgard

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