wenn man den Souk verpasst…

Ich erwache in Tiznit also mal wieder weil der Muselmann vom Turm singt. Es ist noch dunkel und meine Uhr sagt vor 7, glaube aber es ist eher fast 8. Keine Ahnung ob die hier was mit Zeitumstellung haben oder nicht. Aber wen interessiert es, hab nicht mal Datum oder Wochentag im Kopf. Jeden Tag ein anderer Schlafplatz heißt auch die ersten Momente Orientierung suchen, stimmt, ich hab ne Palme neben mir und sonst nur leere Felder, schlafe außerhalb der Stadtmauer und will heute Abend noch weiter. Vorher aber gibt es was zu tun.

Ich tausche meine Offroad-Schlappen gegen die beiden Ersatzpneus der etwas zivileren Version die sonst vorne drauf permanent drauf ist. 17,5er mit 205er auch schon 15Jahre alt und hart. Schont das Profil, denn mir stehen 1500km Asphaltband auf der Agenda. Und die dicken Gummis brauche ich noch für schweres Gelände. Nur für diese Idee also mal schnell ne Stunde unterm Auto werkeln. Die 265er passen nur ohne Luft an die Halter unterm Heck, hab ich beim konstruieren schon bemerkt, ging aber nicht anders. Ist ja keine Dauerlösung.

Steht nun also etwas harmloser da und läuft trotzdem immer noch und recht gut auf nur vier Rädern. (Der Düdo hat ja normalerweise Zwillingsreifen hinten). Zeitlich werde ich im richtigen Moment fertig, da es zu nieseln beginnt. Die letzten Wolken der zwei angesagten Regentage ziehen übers Land und ich hab doch recht wenig abbekommen. Heute bekomme ich noch etwas Besuch in Tifnit und auch beim durch die Gassen schlendern zeigt sich die Sonne noch nicht. Aber solche trüben Momente kann man dann herrlich mit nem Heißgetränk im Cafe verweilen. Erst am Abend in Guelmim, also wieder 100km weiter südlich alles im Lot.

Diese schnöde Stelle ist übrigens wichtig für Reisende! Wasser kann man hier am nördlichen Betonwerk in recht guter Qualität holen und auch mit Fahrzeugen und Schlauch zum bunkern erreichen. Ich komme hier seit Jahren hin und man ist nie alleine. Alle Einheimischen kommen mit Fahrrad, Mofas oder Autos und so vielen Flaschen und Kanistern wie sie tragen können. Die Wasserstelle ist dementsprechend dem Andrang wegen kürzlich erst erweitert worden und bietet nun vier Zapfstellen.

Für marokkanische Verhältnisse schon professionell und gepflegt. Der Schlauch mit Draht direkt über den Wasserhähnen fixiert, die Fliesen aus der Restekiste, den Bruch den keiner will und über ne unauffällige Rohrverlegung macht sich auch niemand Gedanken. Funktional und simpel, Wasser marsch.

Ich hatte es am Abend zuvor übrigens nicht ganz bis her geschafft. Hinter Bouizakarne nördlich der Ortschaft einfach auf dem Sportplatz übernachtet. die N1 wird hier unten grad kräftig ausgebaut und die Fahrt durch die Berge wird wohl demnächst auf breiterer Straße möglich sein. Alles was links am Hang abgenommen wurde wird rechts einfach in die Natur gekippt. Eine malerische Fahrt wie auf der N1 zwischen Agadir und Essaouira wird es hier also nicht mehr geben.

Den Tag heute hab ich nur noch wenige Besorgungen zu erledigen. Es ist mal wieder Zeit für ein Brathähnchen und ich hätte mir auch eines frisch aussuchen können. Doch das wollte ich mir nicht antun und zeitlich gleich weiter, die meisten haben da auch mal was vorbereitet im Kühlschrank. Die großen Dinge nennt man übrigens Truthahn, kennen viele ja stehend kaum, da in Europa die Dinger
mit Steroiden so fett werden, dass sie nicht stehen können.

Ich lasse noch ein paar Liter günstigen Diesel nachkippen und schaue abschließend beim Souk vorbei, der war zwar gestern, kann aber auch interessant werden. Die Brücke übers Oued ist dieses Jahr nun auch fertig und der Platz noch gewohnt etwas außerhalb. Der Parkplatz aber gut besucht wird anscheinend als Pendlertreff und Umschlagsplatz genutzt. Die Unterstände im Souk jedoch sind verwaist.

Der ein oder Andere räumt zwar noch auf und sortiert Kisten oder bastelt am Stand rum, es gibt anscheinend auch permanente Händler die teilweise sogar ihre Waren dort lassen.

An den Gang mit den Fleischern kann ich mich noch gut erinnern, nirgends in Marokko habe ich so viele blutige Köpfe aufgereiht gesehen. Ziege, Schaf, Kuh und Kamel gibt es hier sonst üblicher Weise. Immerhin alles wieder sauber wenn auch nicht blitzblank und relativ geruchsneutral.

Der Soukplatz also an 6 Tagen die Woche eher eine Ödnis in der Katzen und Hunde leben, sicherlich auch Ratten und kleinere Nutzniesser. Die Reste der Gemüsehändler liegen als Häufchen noch überall herum und ich hab auch Frauen gesehen, die davon noch Viehfutter weg sortieren.

Ein Besuch am Tag nach dem Wochenmarkt in Guelmim also eine Herausforderung für deutsche Hygienefanatiker. Jedes Gesundheitsamt würde diese Einrichtung mit Lebensmittelverkauf sperren, versiegeln und vergessen. Wie überall in Marokko kann man sagen “sie bemühen sich” denn auch die Müllabfuhr vor der Tür hat weder passendes Werkzeug, genügend Platz oder ne Strategie wo und wie anzufangen. Einmal Hochdruckreiniger wäre auch nötig… Trotzdem gibt’s nen Daumen für die Jungs.

Mit diesen Eindrücken der Großstadt zieht es mich nun also raus in die Prärie, mit dem Tor lasse ich irgendwie auch Marokko hinter mir. Ab jetzt folgt endlose Weite, Guelmim gefühlt die letzte Stadt des Landes. Es folgt die Westsahara mit nur ein paar Ansiedlungen und Städten, bin gespannt was sich dort geändert hat. Der Sonne entgegen…

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