Motorumbau Teil2

Da stehe ich nun also mit nem kaputten 5Ender und es gibt kein zurück auf meinen alten Vierzylinder, der ja im Hymer spazieren fährt.
Der Sommer ist vorbei und die Blätter fallen schon von den Bäumen. Der einzige Lichtblick ist ein echt milder Herbst und super Wetter, wenn auch nachts schon recht kühl.
Ich war Dauergast in der Werkstatt und radelte jeden Morgen vom Garten zu meinem Bus. Was nun? Ich kaufte während des Umbaus schon einen Plan B der sich günstig anbot. Ein anderer Düdo mit 617 Motor. Der jedoch steht noch weit weg und das Ergebnis aus zwei kaputten Motoren heißt nicht unbedingt dass er fährt. Eine andere Lösung muss also her. Nix ungewisses mehr ohne Probefahrt… also fahrbereites Spenderfahrzeug suchen.

Fündig werde ich an der holländischen Grenze, 500km Fahrt sollten mir zeigen ob der Motor ordentlich läuft. Die Abholung eine Odyssee und Geschichte für sich. Abgekürzt per Mitfahrgelegenheit mit Verspätung zum Verkäufer, eine ungemütliche Nacht auf der Rückbank weil am nächsten Morgen erst einmal grob die feste Bremse gängig gemacht werden musste. Die Fahrt dann aber entspannt und zufriedenstellend.

Ab ging es mit einem weiteren Fahrzeug in die Werkstatt der ich echt dankbar für das Schrauberasyl bin. Der 300d mit der neuesten Generation des OM617.913 ein idealer Spender, der Zustand des Autos passabel aber technisch ungepflegt. 325Tkm auf der Uhr und schnurrt wie ne Biene. Der Innenraum sieht wie neu aus. Dagegen Rost an der Karosse war klar, eine komplett untaugliche Bremsanlage und der letzte Auspuffgummi hat wacker den ganzen Weg gehalten um auf der Hebebühne mit samt dem Auspuff abzufallen… besser als auf der Autobahn.

Mein Motor kam unterdessen wieder aus dem Bus raus und die vermutete Ursache wurde mit einem Blick in die große Ölwanne bestätigt. Das erste Pleuellager hat auf der Kurbelwelle gefressen, der Ölkanal war dicht… nicht zu retten! Schönes Spielzeug übrigens so ein Motorständer.

Der Ausbau aus der Limousine ging dank Kran mit Verstellschiene wie im Bilderbuch von statten. Hoch und mit 45° aus der Karosse. Erneut unermessliches Glück auf Profiwerkzeug zurückgreifen zu können. Autoservice Faber eine typenoffene Fachwerkstatt mit kompetenten Mitarbeitern und einem Chef der sich noch mit alten Benz auskennt und selber nen Hymer fährt. Wer also mal Hilfe in Berlin braucht ist dort genau richtig.

Ich konnte nun also indoor erneut alle Aggregate umstecken und den Motor für den Einbau ins Wüstenschiff überholen. Dejavu beim Ventile einstellen, KW-Simmerring wechseln und Dichtungen erneuern zum Schluss noch die Ölpumpe checken. Ohne Letztere macht es sich ausgebaut und ohne Ölwanne einfacher beim Einsetzen des Motors in den Rahmen. Damit gewinnt man 5cm mehr Spielraum unten an der ersten Traverse.

Im Bus dann irgendwie erneut alles anders. Der Nachfolger bringt nun mit 88PS zwar mehr Power, hat aber wieder ne andere Ansteuerung für die ESP, ne andere Vorglühanlage und den Ölfilter an einer ungünstigen Stelle. Sonst passt alles. Hab auch die kleinere Kupplung vom 123er übernommen um die Schwungscheibe nicht wechseln zu müssen.

Der Ölfilter stehend statt nach hinten unten hängend wie bei den Bremer Modellen passt bei einem Kumpel mit alter Version der Motorhaube ohne Probleme. Die neue jedoch schlägt an und es gibt derbe Vibrationen. Gehäuse tauschen steht nicht zur Debatte, das vom 616 passt nicht. Also bleibt nur die rabiate Lösung. Serviceklappe mit nachträglicher Dämmung.

Kraftstoff rein, Wasser ran und starten… tada ich habe meinen Bus mit 23PS mehr Leistung. Eigentlich müsste er jetzt MB409d heißen. Die im letzten Bericht aufgezählten Änderungen an Motorlager, Kühler, Wasserpumpe etc. konnten alle beibehalten werden. Probefahrt… und Daumen drücken.

Die Schaltvorgänge irgendwie sanfter, mehr Drehmoment schon bei niedrigen Drehzahlen. Die Gänge meines Vierganggetriebes flutschen besser und der Bus quält sich beim früh schalten nicht mehr so. Man kann schaltfauler fahren und muss nicht an jeder kleinsten Steigung runter schalten. Die Endgeschwindigkeit erhöht sich natürlich auch, ist aber eher nebensächlich, da man sowas solch alten Motoren nicht antut… Aber die durchschnittliche Reisegeschwindigkeit kann leicht erhöht sogar Kraftstoff sparen und vielleicht meinen Arbeitseinsatz der letzten Wochen auf der kommenden Tour wett machen… Dafür stelle ich aber lieber keine Berechnungen an.

Der komplette Umbau im Nachhinein betrachtet ein zu großer Aufwand für fahrbereite Düdos. >Never change a running system<. Wer jedoch aktuell in der Restauration steckt oder einen wie auch immer fabrizierten Motorschaden beheben muss sollte den OM617 als erste Wahl ansehen.
Meine Finanzen hat es arg gebeutelt. Man könnte es aber auch als Investition ansehen.

Der zu Beginn angesprochene dazugekaufte Bus bekommt 2019 einen neuen Motor und hat schon Interessenten. Der dort explantierte Block bekommt den guten Kopf vom Lagerschadenmotor und das Ensemble stricke ich in den 123er ein der auch schon verplant ist. Auf geht‘s.

Die Abholung des Fridolin genannten kurzen hohen und hübsch ausgebauten 1971er Düdo war mit dem Abschleppseil dazwischen eine grenzwertig legale Aktion für sich. Hilfe vom letztjährigen Reisebegleiter Lukas brachte uns ein Abenteuer. Aber dies sind Geschichten fürs Lagerfeuer.

Ich freue mich auf ein fahrtaugliches Wüstenschiff und hab erfolgreich erneut 1000km Probe abgespult. Ruhigen Gewissens kann ich nun packen und meine Reste in der Werkstatt wegräumen, die Zeit drängt… der Herbst in vollem Gange… die nächsten blogs dann wieder Reiseberichte wie gewohnt.

5 Gedanken zu “Motorumbau Teil2

  1. Hayo Stahl schreibt:

    Wow, ich bewundere Deinen Tatendrang und wäre froh, auch wieder so jung und bekloppt zu sein. Ich habe vor 30 Jahren erst einen Setra S6, und dann einen Mercedes Reisebus 321H restauriert, um mit meiner Band auf Tour gehen zu können. Immer von Kopf bis Fuß schwarz von Öl und Ruß.
    Ich vermisse die Zeit.

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