Inselhopping Gorree und N’gor

Dieser Blog ist irgendwie nie online erschienen…schade drum geschrieben war er, Nachtrag letzter Trip im Senegal:

Dakar als Zentrum Westafrikas hat besonderen Charme, man kann auch wirklich mal touristisch in der Stadt unterwegs sein. Hauptattraktion ist die Insel Gorree auf der früher Sklaven für die Überfahrt nach Nord- und Südamerika gesammelt wurden. Der Trip dort hin mal wieder ne eigene Geschichte wert. Man muss am Hafen ein Fährticket kaufen und kann sich drüben frei bewegen und zu jeder Zeit frei seine Rückfahrt antreten. Könnte langweilig werden also verabrede ich mich mit dem französischen Pärchen welches im CVD (Segelclub) gestrandet ist. Sie sind grad per Anhalter von den Kapverden gekommen. Die Erfahrungen mit den öffentlichen Verkehrsmitteln hier waren, die Zuverlässigkeit betreffend schlecht, also machten wir einen Ausflug mit den Mopeds. Die Schwalbe hat damit auch ein paar Kilometer Senegal unter die Räder bekommen. Ab zum Hafen.

Der Hafen in Dakar ist in mehrere Molen unterteilt. Man kommt in keine einfach so zum gucken rein. Ich hätte mir gerne die großen Kähne aus der Nähe angesehen, als Träumer mit dem Bus Huckepack auf einem Boot rüber nach Südamerika… So bleibt nur die Touriebootsfahrt nach Gorree. Das Ticket kostet 500,- für Kinder, 1000CFA für Einheimische und 5000,-für Touristen. Immerhin 8,-€ Dazwischen zu halbem Preis Ermäßigung für „arfican residents“. Und dank meinen vielen Stempeln im Pass der letzten Winter habe ich der Dame erklärt, dass ich den Großteil meiner Zeit hier verbringe und nur 2700,- zahlen brauchen. Die Abfahrten stündlich und die Überfahrt ne Sache von wenigen Minuten.

Immerhin kann man bei der Hafenausfahrt die gigantischen Frachter und auch eine Autofähre von Grimaldi bestaunen. Unser Ausflugsdampfer am heutigen Wochenende durchweg mit hübsch herausgeputzten Einheimischen und einer handvoll Touristen voll besetzt. Das Wetter suboptimal schon die ganzen letzten Tage. Es ist warm und etwas windig, angenehm aber die Aussicht von Sand aus der Sahara getrübt. Weder Sonnenauf- noch Untergang oder auch das Festland von der Insel aus sind zu sehen. Es kostet erneut Eintritt die Insel zu besichtigen, hier leben Menschen und die wiederum leben von Souvenirverkauf, Kunst und vom Betreiben der vielen Restaurants. Die Franzosen kennen eine Landsfrau die hier seit 13Jahren mit einem Senegalesen lebt. Wir besuchen zuerst also eine ganz normale einheimische Familie und haben nen netten Nachmittag dort.

Die Gassen unweit der Anlegestelle der Boote nahe dem Strand gesäumt von älteren Kolonialbauten und hübsch gepflegten bunten Häuschen. Man legt wert auf Begrünung und der Anblick ist echt gegensätzlich zu allem bisherigen. Sauber und strukturiert, fast schon europäisch.

Fotogen und teilweise mit ummauerten Hinterhöfen und Gärten, wie auch bei der besuchten Familie. Wir quatschen über Gesellschaft und Entwicklungen im Senegal, die Geschichte Gorrees und die alltägliche Lebensweise hier. Es war schwer ein Grundstück zu finden, es ist unmöglich ohne Einwilligung der hier herrschenden Clans ein Geschäft zu eröffnen, Wasserversorgung und auch Strom vom Festland sind unbeständig. Es gibt keinen Verkehr auf dem kleinen Inselchen. 900x300Meter und nicht ein Roller. Alle Waren müssen mit dem selben Boot wie die Touristen hergeschafft werden. Inselleben in einer ruhigen Blase abseits der pulsierenden Stadt… ein Traum.

Wir machen einen Ausflug auf den unbewohnten Teil der Insel der früher Festung war und heute den Künstlern als Lager und openair Verkaufsraum dient. Die Wege gesäumt mit Bildern und Schnitzereien, überall hört man Musik und wird natürlich auch angequatscht. Das Angebot ist immens und bunt, trotzdem nix außergewöhnliches. Dafür aber der Anblick, wie die alten Geschütztürme in Unterschlupfe und Werkstätten umfunktioniert wurden, nix offizielles wie es ausschaut.

Auch sonst ist der historische Rest der Insel ums alte Hospital dann wieder wie gewohnt heruntergekommen und verlassen. Halt, nicht ganz… Wohnraum wird genutzt, egal was das mal war, hier hausen einige Familien. Anders kann man das nicht nennen. Die Höfe voll Viehzeugs und deren Hinterlassenschaften, die Wäscheleinen kreuz und quer und auch sonst ein ungepflegter Eindruck. Schade drum.

so verkommen die letzte Überbleibsel auch noch und Gerümpel sammelt sich überall an. Shaby ohne chic könnte man meinen, trotzdem fotogen.

Ein paar Seitengassen weiter verirren sich auch wieder Touristen und immerhin die Fensterläden sind bunt gestrichen. So kann sich das doch sehen lassen, hier wohnt aber definitiv die einfache Bevölkerung.

Und deren Kinder spielen auf dem einzigen Platz der Insel Fußball, was sonst. Interessant an diesem Spielfeld der 12.Mann auf dem Platz. Ein dicker Baobab verhindert Weitschüsse aufs gegnerische Tor. Die rechte Außenlinie dann auch gleichzeitig die angrenzende Mauer und Durchgangsverkehr lässt sich nicht vermeiden.

Das Highlight der Insel mit weiteren 500 CFA Eintritt das alte Fort, welches als Museum der Sklavenzeit genutzt wird. Mal ein richtiges Museum mit interessanten Exponaten und Erklärungstafeln, Luftbildaufnahmen und Zeichnungen von früher. Zwar überall staubig aber einen Besuch wert.

Der Abend rückt nahe und wir holen unser Gepäck (Motorradhelme) von den Bekannten. Die Fähre legt bald ab und hatte es anscheinend besonders eilig. Nicht nur wir wurden stehen gelassen, sie fuhr einfach etwas früher los, die nächste auch nicht im Zeitplan erst in 90Minuten angesetzt… und wir sitzen auf Gorree fest, haben alles gesehen und es wird dunkel. Also wieder zurück zur Familie und nen Plan fürs Abendessen schmieden. Fühle mich irgendwie gefangen.

Die umliegenden Restaurants auch für zum Mitnehmen mit unverschämten Touristenpreisen, vierfach vom Normalen in der Stadt. Der gebürtige Senegalese nimmt das also selbst in die Hand und bestellt beim Nachbarn Sandwiches. Wir haben eine weitere gemütliche Runde und erzählen Anekdoten vom Leben. Kurzweiliger hätte ein Trip auf die Insel für mich nicht werden können, ein toller Tag mit vielen Eindrücken. Der Rückweg dann in der Dunkelheit auch ein Abenteuer, aber wir kommen heile an und ich freunde mich immer mehr mit Dakar als Reiseziel an.

Am nächsten Tag ist ein weiterer Exkurs mit dem Motorrad geplant. Auch die Nachbarn aus der Motorradwerkstatt treffen sich trotz heutigem Sonntag auf dem Platz. Die Dakar Motor Show liegt an und alles was Räder hat trifft sich heute an der großen Statue, ich soll mit meinem komischen bike auch kommen. Die Ausflugsrunde beginnt also südlich des Hafens an der Corniche und führt die hübsche Straße am Wasser entlang. Hier stehen Villen und Anwesen mit Bewachung, Das Meer vor der Haustür ist sauber aber Steilküste. Es gibt ne Menge reicher Leute in Dakar, Großkonzerne sind aktiv, Diplomaten in der Hauptstadt und Handelsvertreter durch den Hafen. Mein Mittagessen nehme ich aber in einem normalen bezahlbaren Viertel an einem der üblichen Openair Restaurants ein und fahre dann zum Treffen.

Gut was los hier und ne Seltenheit so aufgeregt wie alle sind. Es ist die erste Stadt mit richtigen Motorrädern hauptsächlich BMWs. Es gibt Fotoshootings für jedermann, Musik aus der Konserve und eine Stuntshow zum Abschluss wo auch jeder mal zeigen darf was er kann. Auch ich wurde angesprochen mit der GasGas etwas vor den Zuschauern rumzuspielen, hab aber die einheimische Show nicht stören wollen. Bin bei der Ankunft über ein paar Bordsteinkanten und Dekosteine gesprungen, da hatte ich gleich ne Traube ums bike herum und sowas hat hier noch niemand gesehen. Die Treppen zur Statue hätten mich sehr gereizt, durfte ich aber nicht probieren 🙂
Zwischendurch wurde es mir zu laut und langweilig, ich machte einen Ausflug zum anderen Ende von Dakar. Auch da liegt vorgelagert noch eine Insel, Ngor in greifbarer Nähe von einem kleinen Strand entfernt. Die Überfahrt in einer üblichen Piroge die normalerweise zum Fischfang benutzt werden war alleine schon interessant.

Vor mir eine sehr laute und schrille Gruppe Indischer Touristen, die bekommen ab sofort ne eigene Klischee Schublade bei mir. Ansonsten nur Touristen die auf die Ausflugsinsel übersetzen. Es gibt auf Ngor Hotels mit Shuttleservice und viele Surfer nutzen die Lage in der Brandung vor dem Festland. Ansonsten läuft es hier locker lässig ab.

Die Architektur ist nicht besonders sehenswert, viele neumodische Privathäuser, bunt zusammen gewürfelt, nicht in einem Stil wie auf Gorree, Die Insel ist noch kleiner und in einer halben Stunde komplett besucht. Die meiste Zeit verbringen Leute anscheinend am Strand auf Plastikstühlen um überteuertes Essen mit Blick auf Dakar einzuschaufeln.

Für mich war auch das mal wieder ein interessanter ereignisreicher Tag in Dakar. Einen Großteil der Stadt hab ich erkundet, viele kleine Wege durch die normalen Wohnviertel genommen, die teuren Gegenden gesehen und auch einige Sehenswürdigkeiten besucht. Die ruhigen Abende im Segelclub sind der ideale Ausgleich der Hektik hier. Perfekt.

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