Tadla Ebene bis Khmisset – Teppichsouk

Die Wasserfälle in Ouzoud lassen wir also nach der Mittagszeit hinter uns und suchen uns noch eine Kleinigkeit zu Essen in den ferneren Restaurants mit einheimischen Gästen. Auf dem Parkplatz neben den Bussen ist gut was los, wir wurden beim Ankommen schon nach Tauschobjekten gefragt und ich habe sie auf später vertröstet. Irgendwann muss das Zeug ja eh raus also Basar am 407. Unglaublich aber ich werde die alten Telefone und alle Klamotten, viel nützlichen Kleinkram und anderen Plunder los. Der Gegenwert reicht locker für ne Tankfüllung und nen Liter heimisches Olivenöl bekomme ich auch. Als Zugabe gibt es noch einige Biere an nun immer mehr Eintreffende zu verkaufen. Wir haben genug und ich muss “den Laden” irgendwann einfach schließen, keine Zeit mehr…schon Nachmittag.

Wir nehmen die Route nördlich aus der Stadt und wollen über die Piste und wackelige Brücke in die Ebene dahinter. Die Piste jedoch ist nun eine Asphaltstraße und immerhin nicht mehr staubig. Trotzdem irgendwie enttäuschend, fühlt sich nun nicht mehr nach Abenteuer an auch wenn sich die Landschaft nicht geändert hat. Auch die Brücke ist irgendwie stabiler, hat wohl mal wieder jemand die Stahlplatten festgeschraubt?

Beni Melal zwar nicht mehr weit nimmt aber der letzte Berg immens das Tempo raus. Für mich erster Gang mit Zittern, da die Spitzkehren echt hart sind und hier mit Gewalt ein ZickZack Weg in den Berg gefräst wurde. Die Anderen warten oben und wollen nun auch langsam einen gemütlichen Schlafplatz suchen. Wir verabschieden uns denn ich will Morgen Mittag in Khmisset sein, noch über 200km. Also hinters Steuer so weit wie geht und ab durch die Großstadt. Nicht sehenswert aber zügig auf der Hauptstraße Richtung Norden. Kurzer Stop in Kasba Tadla, die Region und Ebene ist berühmt für seine Oliven. In der Dunkelheit finde ich noch einen Olivenhändler der sehr leckeres Öl verkauft, mit dem aus Ouzoud zusammen hab ich nun wieder ne Weile Ruhe.

Ich fahre noch über nun eine kleine ruhige Nebenstraße die kürzeste Route in vom Mondschein erhellte, leicht hügelige Gegend. Sieht vielversprechend aus und da immer auch der Weg das Ziel ist schaue ich mir das gerne Morgen an. Mein Schlafplatz ist abseits der fast unbenutzten Straße. Auf der anderen Seite ein riesiges Tal und die Aussicht am Morgen am Titelbild zu sehen toll. Die kleine Straße hinter mir entpuppt sich am Morgen aber als recht geschäftig. Wenn auch nur in eine Richtung… Das kann nur eines bedeuten. Souk in der Nähe und die Händler kommen aus allen Richtungen. Ende mit Schlaf, für mich aber ideal um früh zu starten. Der Sonne entgegen nicht ganz einfach aber romantisch. Für mich mit die schönste Zeit des Tages, ruhig und die Umgebung erst am Erwachen. Langschläfer verpassen sowas… unverständlich.

Mit dem Souk hatte ich Recht, im nächste Ort unten im Tal. Der Platz dort oben also perfekt für meine Zwecke gewesen. Sehr erstaunlich, was man auch dem Foto zuvor auch erkennen kann, hier unten liegt alles in dichtem Nebel. Ein mystisches Gefühl und der Aufbau der Marktstände wäre sicherlich auch nen Stop wert. Aber ich habe bergige Gegend mit toller Route gewählt und muss viel Fahrtzeit einplanen. Der erste Anstieg dann raus aus dem Nebeltal durch einen netten kleinen Ort rein in die pralle Sonne.

Ab jetzt folgen Hügel auf Hügel und wenig bewohnte Regionen. Tolle Ecke muss ich mir merken. Wasser gibt es auch genügend, die vielfältige Vegetation hab ich ja schon angesprochen. Eine sehenswerte Brücke muss auch mal aufs Bild.

Leider keine Zeit mehr zu genießen, hier lässt sich ohne Probleme ein abgelegener Stellplatz finden, nur nicht mein Plan heute. Mich hält heute nix mehr auf, was ich bergauf an Zeit verliere wird abwärts wieder gut gemacht. Doch dieser komische Stein auf der Straße war doch mal wert anzuhalten. Da hat sich jemand auf gefährliches Pflaster begeben und wurde von mir gerettet. auf der angepeilten anderen Seite sah es auch nicht vielversprechend aus.

So habe ich also einige Zeit nen weiteren Passagier und suche ein hübsches Fleckchen. Wenige Kehren weiter dann fündig und etwas den Berg hinab zwischen den Korkbäumchen idyllisch.

Zum Abschied für “Schildi” dann noch den Begrüßungssnack und mahnende Worte vor Asphalt, hilft hoffentlich.

Mein Appell muss sich aber erst rumsprechen, hab einige Kilometer weiter noch ne Schuldkröte auf der Straße entdeckt. Einige Autos fahren hier doch umher und zermatscht ist das echt kein toller Anblick. Die Igeltaktik hilft da wenig. Der nächste Anhalter wird ebenfalls Passagier und findet erst am Nachmittag ein neues Zuhause.

Ich bin kurz vor der Stadt und fahre direkt ins Zentrum. Mittag schon durch hoffe ich auf einen hübschen Teppich aus Khmisset. Auf dem Souk hier gibt es ein Gebäude in dem Frauen aus der Umgebung ihre selbst hergestellten Kelims und Wollteppiche ohne Zwischenhändler verkaufen. Ich werde auch fündig und parke im Schatten, heute ist echt heiß und Atlas bleibt lieber im Auto. Die Frauen dann alle freundlich und zuvorkommend, sprechen aber kein Wort französisch. Ich lasse mir einige Teile zeigen die mir gefallen könnten.

Das Gebäude ist ne Bauruine und es sind nur einige Betonflächen mit Mauern in denen sich die Angebote drapieren lassen. Es hat sich bis in den hintersten Winkel rumgesprochen, dass ein komischer Kerl mit Rock Interesse an Teppichen hat und ich werde plötzlich umringt von immer lauter sprechenden Frauen. Sie versuchen sich sogar gegenseitig wegzuschubsen, dabei stehe ich auf dem Stand von einer und will mir grad was genauer anschauen. Mit Worten ist hier nicht viel zu machen, also klatsche ich laut in die Hände und versuche mit Händen und Fingern zu erklären, dass ich bei jeder vorbeikomme und Platz und Ruhe brauche…

Was soll ich sagen, ich wollte eigentlich nur nen zweiten Teppich für den Bus, bei den tollen Angeboten und lächerlichen Preisen musste ich aber zuschlagen. Es sind rund 20Frauen und ich habe definitiv nicht genug Geld einstecken bei jeder was zu kaufen, … aber bei jeder zweiten und so werde ich wohl noch zum Teppichhändler. Vorbestellungen werden angenommen, ganz links im Bild 6 stabile Taschen… und Teppich Nr.3 (Bild oben) sind reserviert, Teppich Nr 7 (v.l) ist meiner.

Ich muss zwischenzeitlich zurück zum Abladen, die dicken fest gewebten sind echt schwer und robust… der Weg über den Souk dann mit dem üblichen Kram und Obst. Hier noch besonders anzumerken, die Wolle gibt’s direkt vor der Tür, damit die Frauen sich gleich wieder an die Arbeit für den nächsten machen können.

Nach der zweiten Runde muss ich mich leider dankend verabschieden, ich bin pleite und habe keinen Platz mehr, kann leider nicht jeden glücklich machen und so folgen mir wirklich noch Frauen mit Teppichen behangen bis zum Bus. Unglaublich, aber ich hab die ganzen zwei Stunden über nicht einen weiteren Kunden in dem Gebäude gesehen. Besser kann man doch nicht kaufen, das Geld geht direkt in die arbeitenden Hände und kein Kameltreiber kann sich daran ne goldene Nase verdienen. mein gesuchtes Stück gleicht dem aus Ouarzazate… der mir dort von 3200Dh auf 900 gedrückt angeboten wurde… hier habe ich keine 200,- bezahlt und dabei nicht einmal verhandeln müssen. Wer also Teppiche sucht soll auf die Teppichsouks in Taznahkt, Khmisset, Khenifra oder Boujad/Oued Zem.

Die Hetzerei hat sich gelohnt und gegen Nachmittag wäre zu spät gewesen, alle packen ein und das Spektakel ist vorbei. Ich genieße ein paar Meter weiter mein wohlverdientes Mittagessen im Schatten und warte auf die anderen, die mit einfacherer Route aufgeholt haben. Das Ziel Dachgepäckträger steht noch ganz oben auf Team Cappucchinos Liste und hier sollte doch was zu finden sein. Wir lassen also Olli und Sönke mal nen Schlafplatz suchen während Calle und ich ne Werkstatt suchen. Im Süden der Stadt werden wir fündig und sind mit dem gebotenen zufrieden. Ein Mechaniker empfiehlt den Schweißer nebenan, dazwischen der Metallhandel und auf der anderen Seite ein Tischler… ideal. Französisch wird auch gesprochen und die Skizzen schon vorbereitet zur Hand wird hier Nägel mit Köpfen gemacht. Handschlag und los, die Konditionen klingen für beide Seiten zufriedenstellend.

Material wird geordert, bezahlt und beim Schweißer abgeladen. Morgen früh sind wir wieder da und wollen was sehen… inshallah….

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