Oase Fint bei Ouarzazate

Der Sonnenaufgang von den Bergen hinter der Oase verzögert. Die holprige Piste neben uns ist wohl der einzige Weg aus dem Tal, welches in erstaunlich dunkle Felsen eingebettet ist. Der Spaziergang am Morgen mit drei Pullovern lässt immernoch den harten Winter hier auf über 1000m erkennen. Ich schlage eine andere Route ein und will erst die Umgebung erkunden. Zwischen den Palmen wie gewohnt Felder mit frischem Grün, ein paar Meter weiter in die andere Richtung nix als Steine und Staub. Das Wasser im Flussbett mal wieder ausschlaggebend für Leben hier. Hinterm nächsten Berg entdecke ich ein weiteres Dorf und setze mit Atlas lieber über den Fluss um dort Ruhe zu haben. Geht nicht ganz auf, da die Kinder des Ortes dies als Schulweg nutzen. Das Schulgebäude dann angesichts der einfachen Behausungen in der Oase eine wahre Burg mit lärmender Meute davor. Der Ali Baba mit dem langen Bart und Hund ist heute sicherlich Gesprächsthema. Wie sich herausstellt ist die Schule für Fint und zwei weitere Dörfer zuständig und beherbergt 140 Kinder.

Unser Weg führt uns also erstmal Richtung dem Ort der dem Tal den Namen gibt. Dorf beschreibt ihn am ehesten, eine kleine Moschee ohne Minarett und ringsum die üblichen Lehmmauern mit unwesentlich höheren Gebäuden dahinter. Alles an den Hang angeschmiegt und langsam am Erwachen. Bevor Atlas also ohne Leine in jede offene Tür entschlüpft machen wir erneut kehrt und vervollständigen die Dreiecksrunde auf der Sonnenseite des Tals mit dem weiten Bogen. Die Aussicht von hier am romantischsten.

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Der weitläufige sandige Bogen und weitere Spuren an der Uferkante zeugen von häufigeren Überschwemmungen und Wechseln der Wasserstände. Zurück zum Frühstück.

Der Tag bringt mal ein paar Wolken und wir wollen noch eine weitere Nacht bleiben. Es lohnt also die Moppeds abzuladen. Doch erstmal wird das Camp von Einheimischen umringt. Dieser Ort gilt als Ausflugsziel der “Großstädter” im Sommer, aktuell ist hier nix los und wir die Attraktion. Man merkt schon, dass Werbung um uns gemacht wird, kommt zu uns zum Essen, was gibt es zu tauschen etc. Ein nicht ganz so aufdringlicher alter Mann etwas abseits ist der ideale Gesprächspartner und hilft mir gerne Wasser zu finden. Wir marschieren eine Weile an der Schule vorbei durchs Flussbett und ich erfahre viel über Funktion und Historie im Dorf. Die Wasserstelle eine klare Vertiefung im Oued vor dem Hauptort, also reiner als dahinter, gefiltert wird es sowieso, also nehme ich mit was ich tragen kann.

Youssef heißt er und bittet mich anschließend ihm etwas beim Holz sägen zu helfen. Ich schnapp mir meine Bügelsäge und finde ihm im sandigen überspülten Bereich der Flussbiegung. Hier sieht man Treibgut in wild verwachsenen Büschen hängen. Er und seine Frau machen hier etwas Land urbar und wollen für das Dorf ein weiteres Feld anlegen. Nur mit Hacke und Schaufel ausgestattet will er einige abgestorbene Bäumchen loswerden und später zu Brennholz machen. Es ist interessant und er zeigt mir die verschiedenen Pflanzen. Einige morsche Stämme breche ich so aus dem Boden, bei anderen wird in handliche Stücke zerkleinert. seine Frau trägt alles weg und wir machen es uns bei Tee und Brot zum zweiten Frühstück gemütlich. Ich glaube für ihn ist das Tagessoll erledigt, er scheint mehr als zufrieden. Jetzt geht’s Mopped fahren.

Mike begleitet mich auf der Honda Chaly aus den 70ern durch die Erkundung in den engen Gassen des Dorfes. Es ist eher Trial fahren auf den steinigen Eselpfaden die sonst als Verkehrswege dienen. Die Anwohner schauen interessiert aus ihren Toren und über die Lehmmauern als sich die SP und das Moped ihren Weg bahnen. Der erste Fotostop dann vor dem Friedhof bei einer kleinen weißen Kapelle. Falls es was anderes ist bitte um Richtigstellung. Auf jeden Fall war die Tür offen, wenn man den kleinen Verschlag knapp 60cm hoch so nennen kann.

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Der Blick ins Inneren dann ebenso weiß mit bemaltem Kuppeldach. Eine grabähnliche Aufbahrung im Zentrum, wir haben nicht unter die Tücher geschaut.

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Weiter geht’s mit Erkundungen auf der anderen Seite des Oued. DAs Dorf hier bei Hochwasser vom Rest und der Zufahrt abgeschnitten. Deshalb gibt es eine sehr abenteuerliche Piste über den Berg. Genau das richtige für uns, die Aussicht über Fint dann lohnenswert.

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Wir machen gut Strecke und haben Spaß, der Weg führt um den Berg herum zum Eingang der Oase wo wir mit den Bussen herfuhren. Davor ein weiterer Parkplatz, der in der Dunkelheit nicht gesehen werden konnte. Toller Blick über die Oase und noch interessantere Perspektive für Actionfotos. Busparkplatz auch gut zu erkennen.

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Das Crossmopped voll in seinem Element.

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Man kann es sich hier gut gehen lassen, die Versorgung mit Nahrungsmittel gestaltet sich schwierig, ich benötige ne halbe Stunde und meinen Kumpel Youssef um im Dorf bei einigen Häusern zu halten und nach Brot zu fragen. Wird hier täglich morgens gebacken und verteilt, nen Shop gibt es nicht.
Der Sonnenaufgang diesmal mit Wanderung den Berg hinauf. Ich wollte nicht warten bis der Berg im Hintergrund endlich den Blick auf den Lebensspender frei gibt und kraxel den kurzen Weg hinterm Parkplatz hinauf. Steil und grobsteinig, runter möchte ich hier mit Hund nicht nochmal. Was mich oben erwartet war aber nicht nur der Blick zu Sonne, sondern die Gebäude, die vom Ausguck gestern wie ein Dorf anmuteten. Bei genauem Hinsehen aber mehr Schein als Sein und viele Gerüste, ausserdem ein Untypischer burgähnlicher Baustil und etliche Requisiten drum herum. Ein weiteres Filmset versteckt sich hier im Nirgendwo. Die ersten Fotos von Explosionszerstörten Autos mit Kulisse und Schneebedecktem Hohen Atlas im Hintergrund.

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Das war’s dann aber auch schon, alleine war ich nicht lange. Sicherheitsleute wollen mich mit Erzählungen über Kameras abschrecken und erlauben keine weiteren Fotos. Einen Ausweg bieten sie mir aber durch die Kulissen nicht, ich solle meinen Weg zurück nehmen. Ausgeschlossen, also irre ich ne Weile in annehmbarer Entfernung herum und finde die strategische Lage hier erstaunlich. Form des Plateaus wie eine Insel nur von einer Seite zugänglich, der Rest unwegsames Gelände und deshalb auch kein Zaun nötig. Irgendwie finde ich mein Ziel das Tal neben mir und marschiere mit einem Plan zurück zum Bus, ich komme wieder… mit Verstärkung.

Die Motorradexkursion gestern hat so Spaß gemacht, wir haben noch ne Runde nach Tagenzalt vor, 6km weiter der Piste folgend und bis 5,8Kilometer nicht zu entdecken. Wie in einem Kessel eingeschlossen ein weiteres bewohntes Dorf im Nirgendwo und baugleich wie Fint mit schönen technisch anspruchsvollen und steilen Wegen. Abenteuer Teil 2. Und auf dem Rückweg der durchdachte Schlachtplan am Tor vorbei zu den Filmkulissen offroad mit GoPro. Die ganze Runde dann auch als Video zu bestaunen. Mal etwas anders aufgearbeitet.

Oase Fint bei Ouarzazate also ein Abstecher wert.

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