UNESCO Weltkulturerbe Ksar Ait Benhaddou

Der Oase Fint kehren wir am folgenden Tag den Rücken und machen uns auf den staubigen holprigen Rückweg nach Ouarzazate. Es stehen nochmal Besorgungen an, bevor wir uns einem der wenigen UNESCO Kulturdenkmäler dieses Landes nähern. Der Ksar Ait Benhaddou etwas weiter nördlich kurz vor den Bergen.

Wir nehmen die südliche Route um die Stadt herum durch die angrenzende Oase und finden für die kommende Nacht einen hübschen Platz abseits der Kasbah Tiffoultoute auf einer Brache zwischen Feldern mit Blick auf Palmen die uns auch vor dem immer noch währenden Wind schützen.

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Ein kleines Feuerchen ist heute Abend aber geplant. Bis dahin macht sich ne Truppe zum Einkauf auf den Weg und kommt auch mit einigen Snacks im Bauch zurück.

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Eine ruhige Nacht und die Attraktion als Fußmarsch am Morgen erreichbar. Der Anblick aber nur vom südlichen Ufer des Oueds aus mit aufgehender Sonne rot schimmernd romantisch. Der alte Ortskern mal wieder total zerfallen und mit Müll in den Ecken verunstaltet. Die Touristenattraktion Kasbah noch mit Tor verschlossen, 20dH Eintritt sonst auch hier. Von aussen aber schon unscheinbarer als die Kasbah Taourirt im Osten der Stadt aus dem vorletzten Blog. Also zurück ab durch die Palmen und über den Fluss so langsam fertig machen um mit der Karawane weiter zu ziehen.
Wir nehmen die Hauptroute Richtung Marrakesch und sind die Verkehrsbremsen schlechthin. Es zieht sich aufwärts und wir erreichen gerade mal und trotzdem stolz 45km/h im Dritten Gang. Die LKW Kolonne hinter unserem Trupp freut sich als wir auf halber Strecke nach Ait Benhaddou auf die Schotterpiste abbiegen. Diesen Abstecher machen die Mercedes ohne die französische Schnecke, die lieber auf Asphalt bleibt. Es gibt eine Piste zum Ziel, welche unterwegs noch weitere Filmkulissen verspricht. Die Landschaft von Süden her die ersten 5km karg und staubig… schlechte Wahl.

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Ab der Gabelung aber wo wir in die plötzlich neben uns auftauchende Schlucht eindringen und zu einem Kessel aus Fels gelangen echt filmreif.

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Der Blick von oben aus den Felsen auf eine unscheinbare, aus wenigen Bäumen bestehende Oase mit salzhaltigem Teich drumherum. Interessant, aber mehr Rätsel gibt uns der umliegende Ziegenkot auf. In Ausmaßen, der nur von Menschenhand hier hergeschafft werden konnte. der ganze Boden ist davon übersäht ohne eine Spur eines Hufabdruckes. Vielleicht wirkt das auf Zelluloid attraktiver, einige Anzeichen sprechen hier definitiv für eine Kulisse. Die sehr waghalsige Treppe zum Beispiel an der Wand ist ein Abenteuer für sich.

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Der kleine Exkurs bringt uns nicht vom Ziel ab, wäre aber eine hübsch abgelegene Alternative für nen Stellplatz. Die restlichen Kilometer Piste zum Ksar sind anspruchsvoller und damit spaßbringender.

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Team Frankreich kommt uns auf dem Mopped entgegen und hat somit das Ziel erreicht und will sich auch die Kulisse anschauen. Uns erwartet noch eine Wasserdurchfahrt und ein kleines Dorf bevor wir im touristischen Zentrum am Straßenrand parken. Ait Benhaddou ist eine an den Berg angebaute Siedlung die heute mit einem weiteren Stadtteil auf der anderen Flussseite und dort massig Hotels und Restaurants aufwartet. Der Ksar diente in viel mehr Filmen zur Kulisse als ich hier in Worte fassen kann und dank google wird der eine oder andere sicher nachforschen. Für uns beginnt der Rundgang die Hauptstraße entlang und natürlich wird man überall zu Eintreten “aufgefordert”. Nix für uns, ab zum Ksar. Im historischen Teil hinter der Brücke dann kein Strom und nur noch Buden mit Souvenirs und dem Üblichen. Wie immer aber hübsch aufgebaut und farbenfroh präsentiert.

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Die Wege wurden hier aufgrund der Massen von Touris die mit Reisebussen angekarrt werden lieber gepflastert und ordentliche Treppen installiert. Der Zerfall ist aber selbst an diesen Elementen gut sichtbar und die ein oder andere Mauer schon weggebrochen. Wir folgen den Pfaden zum Gipfel der mit einem Gebäude markiert ist, die umgebene Mauer schütz etwas vor dem Wind. Die Aussicht toll, die Berge im Rücken und die Kasbahs und Palmenoase zu Füßen.

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Interessanter aber noch das Treiben der Händler von hier oben. Aus Langeweile oder zur Beachtung spielen viele Musik und jeder Vorbeikommende wird mit “hey my friend” begrüßt oder Ratespielchen woher er sein könnte, wir überlegen uns schon T-Shirts zu drucken mit nicht geläufigen Ländern wie Kirgisistan. Denn wenn das Land erraten wurde ist die Stadt dran und schon läuft das Gespräch…seiner Meinung nach und man kann nur unhöflich ignorieren und weggehen. Ein Entkommen gibt es nicht.

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Neben der Musik ist Kunst noch ein Punkt, der hier genannt werden sollte. Wir sind ja auch interessiert und wundern uns über die recht zahlreichen Zeichnungen in den immer gleichen Farben mit ähnlichen Motiven. An einem dieser shops ist mal keine Anmache zu spüren und wir treten ein. Der Künstler selbst ist nur wenige Augenblicke später im “Atelier” und erklärt uns was das überhaupt ist.

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Ein Bild aus Tee und Safran mit Indigo und der dunkle Teil aus Tee mit Zucker. Echt wahr, richtiger Indigo als Stein wird zermahlen und Safran in Tee vermischt. beim Malen sieht man noch wenig, erst nachdem das fertige Bild über eine Gasflamme gehalten wird erstrahlen die Farben und kommen die Konturen zum Vorschein. Die Kamele und Palmen, Gebäude und Dünen lassen neben Himmel und Oase das Bild doch recht farbenfroh werden.

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Wir kaufen natürlich doch eines, sowas sind Andenken für die auch wir mal etwas Geld ausgeben. Ait Benhaddou haken wir aber mit einem letzten Blick von oben über die Kasbahs und das dahinter liegende Oued ab. Der Tag neigt sich dem Ende, schöne Ansicht.

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Wir kommen noch an einem komisch anmutenden Tor vorbei, passt hier irgendwie nur oberflächlich gesehen hin. Ein Überbleibsel einer Filmkulisse und aus Gips und Holz gebaut zerfällt es schon. Die restlichen Sets müssen aber immer wegen Erhaltung des Status zum Weltkulturerbe abgerissen werden. Da kam schon einiges zusammen.

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Weit haben wir es heute nicht mehr, am Ortseingang erspähte ich eine kleine Ruine mit Plateau daneben, hoch überm Ort sicherlich nen toller Stellplatz. Dachte auch ein britischer Sprinter und gesellte sich zu uns.

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Steve und seine Familie mit 6jährigen Zwillingen reist auch durchs Land und muss morgen in Marrakesch sein. Sie freuen sich uns zu treffen und hoffen auf ne ruhige Nacht in der Gruppe. Wir starten ein kleines Feuer in den Ruinen neben uns, die Mädels freuen sich über dieses seltene Lagerfeuer und die ganzen Leute die mal ihre Sprache sprechen. In solchem Alter sicherlich eine interessante Erfahrung und das Jahr Auszeit in der Schule mit “Heimunterricht” ein Abenteuer für alle Beteiligten wie erzählt wird. Sie wollen gegen Mittag weiter. Die Aussicht auf die Berge im Hintergrund ist nicht vielversprechend, Schnee auf dem Tizi’n Tischka ist vorausgesagt und die Wolken erkennen wir von hier schon. Die Straße der einzige direkte Weg mit knapp 170km, um die Berge herum über Agadir wären es fast 500km. Mit nem Sprinter als Tagesreise machbar, für uns ist die Situation aber auch nicht belanglos. Wir sind nicht ohne Grund die letzten Wochen im Schneckentempo in der kalten Region Marokkos geblieben, Team Orange erwartet Familienbesuch. Der Bruder gastiert in Marrakesch und bis hier her ist’s nun mal die kürzeste Verbindung mit interessantem Ort für diesen Exkurs im Mietwagen. Die Hauptstadt heben wir uns für den Rückweg auf.

Die Nacht war mal wieder kalt, eine der letzten wie sich nun alle einig sind. Für mich und Atlas am Morgen heißt es wieder durch Bewegung warm werden. Kamera und los zum Sonnenaufgang. Die Weitsicht vom kleinen Hügel nebenan wieder wolkenfrei und die ersten wärmenden Strahlen lassen auch den Ksar in frischem rot erscheinen.

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Beim Spaziergang im Ort um Brot zu besorgen entdecke ich mal wieder eine der handgemalten Regionskarten. Künstlerisch und informativ… Marokkos Süden auf einen Blick. Wir wissen nun wie es weitergeht und brechen bald zu Dritt auf, die Familiengeschichte sollen die mal in Ruhe machen, Sightseeing rund um Ouarzazate und noch ne kalte Nacht nicht für uns. In wenigen Tagen treffen wir uns in der Region um Agadir wieder, man munkelt dort ist schon Sommer.

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