global nutrition – Ernährungsglobalisierungsproblem

Was würde sich wirklich im Speiseplan eines jeden Einzelnen ändern wenn die Welt „stillstehen“ würde.
Angenommen es geht weiterhin bergab, ob nun durch Corona, diesen andauernden Weltwirtschaftskrieg oder sonstige Gegenglobalisierungssituationen, wir spielen mal ein Szenario durch und gehen von Chaos aus. Ganz klar würde überregionaler Handel stoppen und man müsste sich gezwungener Maßen auf regionale Produkte beschränken. In den folgenden Zeilen will ich dieses Gedankenspiel mal durchgehen und ergründen.


Regional und saisonal heißt es dann ja nun nicht mehr nur im BioLaden sondern auf dem ganzen Planeten, eigentlich ein Schritt in die richtige Richtung – ökologisch gesehen. Doch da stoßen wir schon bei den simpelsten Dingen auf die bequemen Annehmlichkeiten die sich niemand gerne nehmen lassen würde und deshalb alleine schon ablehnt. Wie bei unseren Großeltern hieße es dann in Nordeuropa Eingemachtes auf dem Speiseplan. Ich als Ernährungsberater kann da nix schlechtes dran sehen, Erbsen und Möhren, Kohlsuppen und rote Beete in diversen Marinaden, Frischeprodukte lagern sollte mit modernen Kühltechniken auch möglich sein. Früher stapelte man Möhren und Kartoffeln in Mieten mit Sand im Keller, ging auch. Brot und Kuchen backen sowieso und eingemachtes Obst und Konfitüren dank Zuckerrüben auch für den letzten Geschmackslegasteniker annehmbar. (Anlehnung an meine Meinung dass Zucker und Salz den Anfang brachten unserer Generation den wahren Geschmack zu rauben, ohne Glutamat geht bei vielen heute nix mehr auf der Zunge…)
Theoretisch alles möglich hat ja früher auch funktioniert, praktisch jedoch, durch unsere ruinierte von Subventionen verunstaltete Landwirtschaft unmöglich. Der kleine Farmer mit Auswahl im Angebot eine Seltenheit und die Agrarproduktion in Deutschland schon lange nicht mal mehr für die Grundversorgung ausreichend. Subventionsverseucht – Abhängigkeit im aller wichtigsten Wirtschaftszweig… Glückwunsch Globalisierung. Folgendes Foto zeigt eigene Ernten in Berlin, aber reicht das?


Gibt es überhaupt noch Tomaten die nicht aus Gewächshäusern in Spanien kommen? Mit Wasser gegossen aus Brunnen über 300m tief und auf ausgelaugter chemisch aufgehübschter Erde gewachsen? Kartoffeln aus Ägypten (Landwirtschaft in einem weiteren Land mit Wasserproblemen) Äpfel aus Italien oder besser noch Südamerika verkauft zu Dumpingpreisen im Apfelland Deutschland. Wer kann aus dem Stegreif noch echte heimische Produkte aufzählen die er auf Feldern gesehen hat? Gurken aus dem Spreewald, Wein aus der Pfalz, Obst aus dem Breisgau, etwas Mais, Kartoffeln, ansonsten Sonnenblumen und Raps zur Öl- Treibstoff-gewinnung, Getreide wohl noch als einziges mit merklichen Prozentanteilen vom eigentlichen Verbrauch. Deckung für den deutschen Brotkonsum aber ausgeschlossen. Ein Großteil der Industrieprodukte würde wegfallen oder stark vereinfacht werden müssen. Kornkammer Ukraine ja auch weggewischt.


Der Fleischkonsum würde drastisch sinken und die genutzten Agrarflächen sich explosionsartig vergrößern. Das Phänomen „Urban Gardening“ würde lustige Ausmaße annehmen und in jedem Hinterhof und auf freier Fläche im öffentlichen Land würden Gärten entstehen. Wie zu Omas Zeiten nach dem Krieg und der Hype auf Kleingärten, der jetzt schon nicht zu befriedige ist, würde brutal ausgefochten. Das nenne ich eine wahre grüne Revolution in den Industriestaaten.
Da ich ja nun nicht mehr in Europa lebe mal den Schwenk in andere Regionen dieser Welt.
Den Blick nach Marokko da ich immerhin zwei Jahre dort verbracht habe… Dort wachsen neben Datteln auch alle Obstsorten in den fruchtbaren Deltas und Flußniederungen wie Sous und Massa. Mediterranes Klima im Norden ermöglicht Oliven und nur 500km weiter wachsen Bananen im Süden bei Agadir. Frisches Gemüse wie Karotten, Rübchen und Rote Beete, Salate und natürlich Bohnen findet man auf jedem lokalen Markt.



Mais unter Palmen gewachsen, dazu Kartoffeln und andere Wurzelknollen bieten die Kohlehydrat Bestandteile der Ernährung. Ziegen und Hühner hat jeder, einige Rinderherden und das halbe Land von Küste zum Fischfang umschlossen… ohne dass dort chinesische Trawler den Einheimischen alles wegschnappen würden. Man sieht also auch hier würde sich vieles zum Besseren neigen.
Der Blick in die Tropen dann mit paradiesischen Ansichten. Alles nur erdenkliche wächst einen Großteil des Jahres sogar ohne jegliches Zutun. „Südfrüchte“


Selbst in der Trockenzeit gibt es Auswahl satt, viele Früchte brauchen diese Zeit sogar zur Reifung wie Mangos, Ananas, Papaya. Das Trockene Klima wird energiesparend zur Konservierung von Bohnen, Hirse, Mais und Reis genutzt. Markt in Schwarzafrika chaotisch aber immer voll mit Waren.


Klar hätten Menschen in den Wüstengebieten nix zu lachen, aber mal ehrlich, lebensfeindlicher kann die Natur uns ja nicht empfangen, warum wohnen Menschen freiwillig dort? Seit Generationen leben die Nomadenstämme von Datteln, Kamelmilch und geräuchertem oder gegrilltem Fleisch. Aber millionenfache Vermehrung in verdreckten Städten… Problem beseitigt sich von selbst.
Noch weiter den Globus gedreht: Die asiatische Küche und Südamerika leben auch nicht von Importpizza sind eher Exporteur von Landwirtschaftlichen Produkten und traditionell in den ländlichen Gegenden herrscht rurales Leben und eine Selbstversorgergesellschaft. Wer dort Familie hat hat was im Magen…
Meiner Meinung nach ist das Leben überhaupt in den Tropen das entspannteste was auf diesem Planeten möglich ist. Deshalb sind die Einheimischen dort ja meist ohne Weitblick, Vorratshaltung einfach nicht nötig. Man kann sich zu jeder Saison im Busch ernähren oder irgendwas essbares für die Viehzucht finden. Das geht im Sahel und in den Wüsten meist nicht und die Winter in den nördlichen Breiten brauchen Lagerplatz und Heizmöglichkeit was hier quasi energiebilanzpositiv wegfällt.
Was ist also der Schluß dieser Hypothese, alle ab in die Tropen? Nun ja es gibt Kehrseiten, tropische Krankheiten und viel Insekten (auch weil kaum noch Vögel da sind – essbar) widrige Verhältnisse von Infrastruktur und Zivilisation, meist in Ballungsräumen verdreckt und überbevölkert. Ist aber der Gesellschaft zu zuschieben, da auch bei der Jugend ein Leben im Straßendreck der Großstadt dem Leben in der Natur vorgezogen wird. Wie Tausende andere Handykabel verkaufen oder MotoTaxi fahren ist ein Traum jedes Jungen und in einer Boutique Chinaware verkaufen der der Mädchen. Der wahre Reichtum ihrer Eltern wird dafür meist ausgebeutet und verkauft. Tradition und Kultur nur noch bei Beerdigungen und großen Geburtstagen falls Geld zum Feiern aufgetrieben werden kann.
Aber zurück zum Thema, PermaTogo hab ich ja nicht ohne Grund aus dem Ärmel geschüttelt. Ich hatte einen Traum, schon sehr lange, sogar noch bevor ich 2013 auf Reisen ging… Selbstversorgung, einen Hof haben und unabhängig sein. War mit in Deutschland aufgrund Startkapital und fehlender Kontakte vergönnt, oder vom Schicksal auf Pause gestellt um Erfahrungen zu sammeln und vorab die Welt und deren Möglichkeiten zu sehen.


Nun, hier in Togo, ist es aber bald soweit. Seit über einem Jahr buddel und pflanze ich, sehe meine Erfolge wachsen und kann schon die ersten Früchte meiner harten Arbeit (mit Unterstützung) geniessen.
Aktuell auf dem eigenen Speiseplan: etliche grüne Blätter aus dem Garten darunter auch von Bäumen wie Moringa. Papaya und Bananen von den meterhohen Stauden (perfekte Pflanzen für den Anfang und schnellen Ertrag) zum Glück schon Avocado, Mango und Ackee in ausgewachsenem, erntefähigem Alter auf dem Gelände. Dazu angebaute Futterpflanzen wie Maniok/Cassava, Süßkartoffel und Taro, Abwechslung in der Küche mit Passionsfrucht, Guaven und Ananas, etwas Kakao und Kaffee wer’s braucht, Zimt zum Abschmecken, Rohrzucker, Pfeffer… alles möglich.


Auch die Nutzviehhaltung ist eher simpel gehalten, man braucht keine großen Ställe gegen Winterkälte oder Hygienevorschriften zu beachten, alles Vor-und Nachteil in einem. Jeder kann (wo, wann und wie) schlachten was er will und damit machen was ihm lieb ist, trocknen, räuchern oder wo auch immer einfrieren. Ziegen hat jeder, Hühner noch mehr, jedoch meist drahtige halbwilde die dafür kein Kraftfutter brauchen und auch ab und an Nachfahren generieren. Man braucht sich halt um ein Huhn oder ne Ziege im Busch nicht kümmern, bei Schweinen sieht es schon anders aus, meist schlammig eng eingepfercht weil Zaun teuer ist und Bretter und Bambus nicht lange halten. Rinder sind bei den Nomadenfamilien in Pflege die damit durch die Gegend ziehen und bei den Farmern Schaden anrichten… Weitere Folgeprobleme durch gelegte Buschfeuer um frisches Gras sprießen zu lassen… aber wie gesagt Kehrseiten gibt’s genügend. Fisch ist überall Hauptproteinquelle, meist klein und getrocknet vereinfacht den Transport. Einige Makrelen und Thunfisch aber auch geräuchert und ohne Umverpackung frisch auf jedem Markt. Selten wird es dann bei Leckerbissen wie Buschratte, Antilope oder Hasenartigen die es im „Restaurant“ in Teilen zu ergattern gibt. Eier werden zwar auch im Land produziert, jedoch braucht der Bedarf noch Importe. Was vergessen? Enten und Puten sind schon häufig anzutreffen aber selten auf dem gewöhnlichen Speiseplan, zu selten trotzdem und eine ordentliche Zucht kann halt nicht jeder. Und endlich würde Milchpulver vom afrikanischen Markt verschwinden… Ein Wirtschaftszweig auf den verzichtet werden kann.


Für meinen zukünftigen Speiseplan werden Brotfrucht(baum) und Jackfrucht neben einigen Nüssen eine wichtige Rolle spielen, sie gedeihen und wachsen schon prächtig, teils sogar 2m in einem Jahr, trotzdem brauchts zur Ernte noch 5-6 Jahre.


Und bis dahin dann Federvieh, Schweine und Feldfrüchte mit Gartengemüse und dazugekauften Kohlehydraten (Reis, Pasta und Marktware) auf dem Herd.
Weiterhin läuft mein Nachbarschaftsprojekt in dem ich für den Feldanbau vorfinanziere und Mais, Bohnen und Soya von meinen Helfern auf deren Feldern <bio> anbauen lasse und die Ernte teile. Das Bio-Soya vom letzten Jahr wird regelmäßig auf dem Lehmofen von PermaTogo in Tofu umgewandelt, dann roh, gekocht oder frittiert den Speiseplan meiner Hunde und mir für die nächsten Tage bestimmend. 3Kilo sind es pro Woche und ebenso bei Bohnen die es traditionell mit rotem Öl auf den Teller gibt oder in andere Gerichte mit eingestrickt sind. Maisbrei als Grundlage für die heimische Küche esse ich durch meine Helfer auch mehrmals in der Woche, man kann das auch mit Geschmack kredenzen wenn das Mehl vorher geröstet wird und gebratene Zwiebeln oder Fleischsauce mit Bohnen und Tofu rein gemischt wird…lecker.
Öl dann weiteres Thema, ÖlPalmen wachsen selbst bei mir im Garten und die Extrahierung ist keine Zauberkunst. Der traditionelle Holzstampfer in hohlem Baumstamm gehört in jede Küche, darin wird nicht nur Fufu aus Maniok, Yams, Taro oder Bananen gestampft sondern auch Saucen kreiert und Öl „gepresst“ später dann aufgekocht und reduziert… Cocosöl, Soyaöl und mir allerliebst Erdnussöl gibt es überall und günstig. Bereich essentielle Fette in gesunder Ernährung also auch abgehakt.
Die Kriese kann kommen, ich bin bereit und hab zumindest keine großen Einschränkungen in meiner Ernährung. Salz und alle erdenklichen Gewürze sind dann ja nur die Kleinigkeiten die in der westlichen Welt Europas und Nordamerika sehr schnell knapp werden würden. Wer schon versucht hat sich von einem 300m² Kleingarten zu ernähren hat viel Arbeit und braucht exakte Planmung und keine Ausfälle um dem Ziel nahe zu kommen. (war trotzdem ne tolle Lernphase in meiner Berliner Kolonie)



Zum Abschluß sei erneut gesagt, es ist alles (bisher nur) ein Hirngespinst, Theorie die aber zu denken geben sollte. Wer weiß was kommt und wohin sich die Kriese noch entwickelt. Ich hatte früher schon Kistenweise Linsen und Haferflocken gebunkert um Sicherheit zu haben, wer führt heute denn noch Omas Tradition der Speisekammer aus und hat für mehr als die nächsten 2-3 Tage Futter in greifbarer Nähe? Dieser vorgegaukelt gesunden Gesellschaft ist eine trügerische Sicherheit doktriniert worden, Konsum überall und zu jeder Zeit möglich, doch was wenn nicht mehr?
Wenn der hart arbeitende Bäcker um die Ecke kein Mehl mehr geliefert bekommt? Oder der Strom länger ausfällt und der TK-Laden nur noch triefende Beutel ausgeben kann. Der Supermarkt aufgrund von Unruhen (wie mit Masken) nur noch beschränkt Zugang ermöglicht… zumindest ist diese Erfahrungshemmschwelle auch schon in die Köpfe eingearbeitet und als Akzeptabel bewertet worden… AUFWACHEN


— aber jetzt bekomm ich wieder böse Kommentare wie man aus meiner selbstgefälligen Position sowas behaupten darf. Jeder ist für sich selbst verantwortlich, klingt egoistisch, ist aber die Natur des Menschen. Kein Vertrauen in Andere größer als in/an dich selbst, oder? Also Vorsorge! Plan B, Netzwerke schmieden. Es gibt einige Selbstversorger Projekte und viele davon die Hilfe beim Aufbau benötigen, Wagenburgen und andere Ab der Norm Lebende werden ja nicht ohne Grund immer zahlreicher. Auch PermaTogo bietet Winterflüchtlingen Unterkunft, Speis und Trank (meist Quellwasser). Es haben sich einige Interessierte angekündigt, Freundeskreise kann man immer erweitern… Platz ist da um Hütten und Baumhäuser zu bauen. Keine Vorschriften hierfür ebenso… man kann noch aus Stein und Lehm, Holz und Bambus, Stroh und Wellblech oder was auch immer bauen was einem im Kopf herumschwirrt… anpackende Hände sind herzlich Willkommen.
Lasst die Spiele Beginnen, bei 25-30 grad und einer nur eingeschränkten Trockenzeitperiode hier in Westafrika, wäre sonst ja auch zu einfach. PS, wen es generell interessiert wo „einzusteigen“, mitzuhelfen und aktiv zu werden… aber Afrika abschreckt… hätte da auch noch ne ganz nette Adresse in CostaRica, meldet euch.

Artikel auch auf permatogo.wordpress.com

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