Minimalistischer Wohnraum, Tinyhouse und vanlife


Ein nachhaltiger Lebensstil mit überschaubarem Wohnraum ist auf dem Vormarsch, viele Gleichgesinnte verabschieden sich vom höher, schneller, weiter, GRÖßER und legen einen ökologischen Rückwärtsgang ein. Das hat vielseitige Vorteile und nicht nur die Reduzierung der Heizkosten. Heute mal Thema im Blog mit etwas stärkerem Bezug auf mobiles Wohnen in diversen Reisefahrzeugen.


Eigentlich liegt es uns im Blut eine gemütliche kleine Behausung herbeizusehnen. Jeder hatte als Kind den Wunsch eine Höhle zu bauen, sei es auch nur aus Pappkartons, unter nem Tisch oder sich einfach unterm Laken zu verstecken. Es ist uns also angebohren und instinktiv mitgegeben. Vorteile dieser fühlbaren Behaglichkeit sind die akute Übersicht, keine Ecken für böse Geister zum verstecken.


In der heutigen Zeit geniesse ich einfach alles in Griffweite zu haben und natürlich auch den geringeren Aufwand zur Reinigung. Ordnung halten ist aber eher noch als in klassischen Wohnungen angesagt denn es gibt wenige Ecken wo schnell mal was verschwinden oder auch vergessen werden kann. Das größte Argument aber ist das logische Ergebnis: weniger Platz weniger unnützes Zeug


Ein nachhaltigerer Lebensstil schont im allgemeinen Resourcen, auch den Geldbeutel und ermöglicht so den Ausstieg aus der Konsumspirale. Wie auf der Homepage zu lesen wohne ich quasi seit 8Jahren mobil und hatte für die Sommer in Europa noch nen 24qm Gartenhäuschen. Unterwegs reduzierte sich das dann meist drastisch auf um die 10qm. Jeder hat seine Wohlfühlgröße, für mich zählt bei 188cm Kopffreiheit aber vielmehr die Deckenhöhe…


Mal von hinten aufgerollt ist die aktuelle Variante meines Mobilheimes mit dem Hubdach für mich immer wieder die perfekte Lösung. (Die Walküre im Hintergrund, davor der Vorgänger „Wüstenschiff“) On the road ein handliches überschaubares Vehikel und auch in geschlossenem Zustand schnell mal über Nacht dann mit um die 7qm (2,20x 3,50) nutzbar. Wenn stationär dann mit der transformationseigenschaft 50cm höheres Dach und dadurch weitere 4qm im Alkoven erschaffen, die mein Festbett darstellen. Der Umbau dauert keine 10Minuten. Verschlüsse öffnen und abwechselnd vorne per Highlift und hinten auf der Terrasse per Hand das Dach ausfahren. Weiterhin gewinne ich knappe 4qm mit der ausgeklappten Terrasse, Sonnendach drüber (ebenfalls aus AirTex Markisenstoff auch regensicher) und mein externes Wohnzimmer steht wenn der Sitzsack drauf liegt, oder auch die Aussendusche wenn ich keine Zuschauer habe. Ich kann immer wieder nur auf meine „roomtour“ also die Hausbegehung auf youtiube verweisen.
Als Reisevehikel welches es durch die Sahara geschafft hat schon exhter Luxus wenn man sich die anderen Overlander so anschaut. Zu dem Thema hatte ich auch mal nen intetressanten Blog verfasst:



Perfektes Stichwort also für noch platzminimalistische Kameraden die man immer wieder unterwegs trifft. Aussenküche und keine richtige Matratze am provisorischen Bett, Dachzelt oder unisolierte Fahrzeuge mit geringer Privatsphäre. Isolation Fehlanzeige und Wohlfühltemperaturen nur zwischen 20-30grad zu erreichen. Auch noch weniger Ausstattung die Motorradreisenden gleicht, Campingkocher und Alubesteck, Vorräte für eine Woche… Aber dafür kommt ein LandRover oder Landcruiser echt überall hin. Kann man von den meisten Allrad LKW mit Wohnmobil Aufbau nicht behaupten. In der Gegend vom letzten Foto übrigens ist wohl das bisher berühmteste Bild von meinem Fahrzeug entstanden.

Off Grid Life< ist eine hübsche Zusammenfassung über alternative Wohnsituationen von Baumhäusern, Blockhütten, Containern, Jurten und Earthships… natürlich findet man auch TinyHäuser… Und ich hab es auf die erste Seite geschafft. In den USA erschienen ein toller Bildband mit einer handvoll Geschichten zur Entstehung. Hier mal im Link wen es interessiert. Buch hab ich als Original nach Afrika geschickt bekommen, begeistert jeden dem ich es zeige.

Wenn wir schon bei Lektüre sind kann man auch mal meinem Kumpel Cale helfen und sein eBook ansehen. Inspiritanas „TITEL“ ist eine Übersicht seiner günstigen Lebensweise auf vier Rädern. Wer denkt dass ich ein Unikum in der LowBudget Reiseszene und im Vanlife bin lässt sich hier belehren. Mit ihm und anderen Freunden war ich vor Jahren mal drei Monate in Marokko unterwegs.

https://inspiritana.org/vanlife-ebook-wenig-geld-viel-freiheit/

Kreativität und handwerkliches Geschick sind mir zum Glück (nötig bei ngeringem Budget) mitgegeben worden, mein perfektes Rollheim alleine zu erdenken hat mich aber immerhin auch 5Jahre Erfahrung gekostet. Angefangen im VW LT28 mit Hochdach und zum Bett umbaubarer Hecksitzgruppe wusste ich schnell was nix für mich ist. Schaumstoffpolsterkissen die im Puzzle zu ner Liegefläche mutieren und man immer irgendwo in der Ritze liegt, nein Danke. Und ein Klo samt separatem Bad im Fahrzeug also Wohnraum finde ich nicht nur eklig sondern einfach Platzverschwendung. Gibt auch bessere Möglichkeiten für nen effektiveren Kleiderschrank als im Bad alle Reisetaschen zu stapeln… war trotzdem ne tolle Zeit…

Der VW LT wird nach dem kleinen Bruder T3 auch langsam zum gefragten unbezahlbaren Klassiker. Wer jedoch denkt dass die häufigeren Wohnmobil aufbauten „besser“ sind sollte mal mit so einer Schrankwand probefahren… Für mich war also ein klassischer Kastenwagen oder Van immer sinnvoller. Und hübsch ist quadratisch praktisch auch nicht…

Doch irgendwann stößt jeder auf DEN Bus, Mercedes T2 „Düdo“ ein Hippiebus, die Wanne.

Details zum Werdegang sind ja auf der Hauptseite „Die Anfänge“ nachzulesen. Platztechnisch gesehen war ein Festbett im hinteren Bereich mit Stauraum darunter die Lösung, jedoch stellte sich dann heraus, dass ein einziges Fenster im A4 Format zur Belüftung nicht ausreicht und auch Rundumsicht meinem Sicherheitsgefühl und Wohlbefinden zuträglich ist. Könnte da so einige Anektoden über Geräusche und Bewegungen quasi direkt hinterm Bett erzählen. Und zu zweit für längere Zeit auf Reisen kann sich auch ne Menge Zeug einfinden.

Bei grob 5×1,80mx1,80m Innenraum ist nicht nur die Stehhöhe knapp. Mittelgang und seitlich davon Küche und Schrank, abzüglich der mindestens 140cm Futonmatratze hinten bleibt nicht viel Raum übrig wenn noch zwei Fahrräder mit müssen. Essen auf dem Bett oder am Campingtisch welcher in den Gang gestellt wurde falls das Wetter nicht passt, und trotzdem irgendwie wieder ne geile Zeit mit dem Bus verlebt.

Die Evolution lässt nicht nur Serienautos wachsen, nein auch bei mir (uns) mussten gewisse Bedürfnisse im nächsten Bus mit nun 12m² untergebracht werden. Dafür aber endlich auch 2,50 hoch und rings ums Bett klappbare Fenster. Das Wüstenschiff als offizieller 3,5Tonner aber überladen und untermotorisiert… längere Geschichte dazu im gleichnamigen Blog…

Ja, das Ding war dann später für Europa und die ersten Ausflüge nach Afrika als Single mehr als ausreichend und komfortabel. Jedoch viel zu unhandlich und schwerfällig für die anstehenden Abenteuer jenseits des Senegals. Auch waren nun nicht mehr niedrige Temperaturen das Problem, sondern die fehlende Klimatisation die mir in der WALKÜRE mein 360grad Fenster ermöglicht.

Völlig ausreichend komplett ohne Heizung wohl bis 15grad, die hier in Westafrika niemals erreicht werden. Für Sonne und auch gegen Regen hab ich mir mit nem Schneider in Marokko was einfallen lassen und war ne Woche bei ihm beschäftigt. Zeltverkleidung aus AirTex Restposten Markisenstoff, meine Empfehlung für alle Nachahmer, nun schon zwei Jahre im Einsatz und nirgends ne Ermüdung zu erkennen.

Technisch kann ich im allgemeinen für ein kleines Reisefahrzeug jenseits der Zivilisation nur robustes altes ohne viel Elektronik empfehlen, Mercedes Transporter aus den 80ern sind perfekt also die Düdos und Bremer (auch als Allrad) noch besser ein UNIMOG wenn der Geldbeutel es hergibt, dazu später mehr. Das Konzept von meinem im Dschungel gefundenem Projekt 406 auf jeden Fall ähnlich dem aktuellen Heim. Den Umständen entsprechend noch radikaler, leichter und simpler und dafür extrem Expeditionstauglich mit echtem Allrad.

Man muss halt wie immer ein paar Abstriche im Kompfort machen. Laut und langsam, dafür haltbar und wartungsarm. Der Unimog ist verwand zum MB508 und ebenso robust. In den Düdos hatte ich bisher vielleicht 150.000 km zurückgelegt, kleinere vor Ort behebbare Pannen gemeistert. Alles auch etwas kraftaufwändiger wenn Servolenkung fehlt und nen Tempomat kann man sich höchstens mechanisch basteln um bei langweiligen Routen nicht auf Langeweile zu stoßen. Fahren muss hier Spaß machen und nicht nur notwendiges Übel. Bei durchschnittlich 50km/h verbraucht mein 508 knapp 8l/100 und das mit knapp 40Jahren auf dem Buckel… nachhaltiger geht es bei diesem aus fast ohne Plastik und Alu hergestelltem Kulturgut welches auch noch in 20Jahren rollen wird, definitiv nicht.

Aber zurück zum tinyhome, also dem Wohnraum. Meiner besteht aus rund 20% Küche, 20% Couch, 10% Sekretär als Bücherschrank, Schreibtisch und drunter Klamottenlager. 20% Nischen und Ecken für Wasserbehälter, Dreckwäsche etc. und 30% Freiraum im Gang… und dazu wie angesprochen Terrasse und Alkovenbett. die jeweils knapp 33% Wohnraumerweiterung ausmachen. Alleine mit Hund ideal, zu zweit machbar, für mich Eremiten aber mit zuvielen Einschränkungen.

Nun hätte ich Platz im PermaTogo Projekt für ne feste Außenküche aber mir fehlte eher ne kleine Werkstatt zum basteln, außerdem erschaffe ich mir grad eine Schwitzhütte, ein Tipi. Wem zum Wohnraum noch sanitäre Anlagen fehlen… der Wald tut’s unterwegs auch, hier hab ich nur 200m weiter mehrere Klos und Duschen zur Verfügung, paradiesische Verhältnisse. Für Gäste werde ich demnächst mal ein Baumhaus angehen, irgendwie ein weiterer Kindheitstraum der noch abgearbeitet werden muss, immer nur wünschen und nie machen steht mir nicht. Demnächst also auch eine Bambus Unterkunft in luftiger Höhe geplant… Togo lädt zum Besuch.

Abschließend zum Thema noch einige Impressionen von andersartigen mobilen Wohn(t)räumen. Dieser Mercedes Holztruck von der Insel mit schlechtem Essen hat es außen wie Innen urig gemütlich zu meinen Favoriten geschafft.

Und mal wieder ist auch Ökoaktivist Rob Greenfield mit dem Video >Simple and Sustainable Living in My 100 Square Foot Tiny House< eine sehenswerte Bereicherung. Vielleicht etwas viel Plastik mit dem Gassammelsack und den Regentonnen, aber jeder setzt andere Maßstäbe.


Und abschließend für Neuleser: Mein Reiseblog MB407 ist aufgrund zwischenzeitlich unabsehbarer weltpolitischer Auswirkungen quasi auf Eis gelegt. Obwohl Eis auch mal ne Abwechslung wäre, ich bin seit über nem Jahr in Togo und weiß mir die Zeit zu vertreiben. Mit http://www.permatogo.wordpress.com bin ich geerdet und sinnvoll beschäftigt, baue mir eine Basis auf um von hier aus irgendwann mit dem Unimog in neue Gefilde vorzustoßen. Man liest sich also hier und da…

weitere Bilder aus meiner Sammlung zur Inspiration…

2 Gedanken zu “Minimalistischer Wohnraum, Tinyhouse und vanlife

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