Hühnerstall und Kompost

Ich komme mit dem schreiben kaum hinterher… aktuell macht arbeiten in der Natur mehr Spaß und die Zeit für einige Projekte drängt gerade, da die nächste Regenzeit vor der Tür steht und dann wird es kriminell mit der überall sprießenden Natur. von 6-6Uhr also bin ich täglich immer mit einigen Helfern am Unkraut entfernen, Bäume pflanzen oder Erde umschichten. Außerdem brauche ich wohl bald eine Extra Rubrik im Blog die sich mit dem Thema Selbstversorgung befasst. Neben dem Gemüsegarten, dem Naturschwimmbad dem Schildkrötenreservat und dem Wellnessgarten rund um die entstehende Sauna hab ich noch weitere Hektar Land in Beschlag genommen um Ideen zu verwirklichen. Da ich nun auch Bio-Gurken Produzent für einen gemeinsam mit befreundeten Farmern erschaffenen Markt in Kpalime geworden bin, muss ich auch dies noch etwas ausbauen und erweitern.

Der ideale Standort für 50 weitere Kletterpflanzen mit Salatgurken ist eine unschöne Wand am ehemaligen Hühnerstall direkt neben meinem Garten. Und ja, man kommt zwangsläufig auf die Idee warum der Hühnerstall ungenutzt ist. Auch dieses Problem bin ich schon vor Wochen angegangen und werde nun ein paar Fortschritte zeigen.

Darin ein überdachter Bereich mit Gelegeregalen und einen Bereich für Küken. Die drei Steine im Zentrum sind eine ortsübliche Kochstelle um darauf Töpfe etc. zu platzieren und drunter Feuer zu machen. Nicht etwa um die Bewohner gleich an Ort und Stelle zu verspeisen sondern in der Regenzeit die frischen Küken zu wärmen und deren Federkleid wieder trocken zu bekommen. Strom für Lampen gibt es ja nicht

Solche Gebäude oder Bretterkonstruktionen baut man hier aus überaus leichtem und alles andere als stabilem Weißholz, „bois blanche“ das eher wie ein poröser harter Schwamm anzusehen ist der Termiten nix entgegen zu setzen hat. Selbst wenn es noch irgendwie wie Holz aussieht können die fleißigen Zangenmäuler sich daran komplett gütlich getan haben wie diese Demonstration einmal zeigt.

Der Stall ist vor mehr als 5Jahren entstanden und hat deshalb über 10 Regenzeiten und Trockenperioden hinter sich… das macht es nicht besser und vor dessen Einsatz gibt es Arbeit. Bretter und sogar Stützpfeiler austauschen ist dabei noch der geringere Teil. Nebenan war das frühere Bambuslager und nun eine Gebiet von wildem Busch. Bambus verrottet zwar schwer aber wenn er ebenfalls jahrelang auf dem Boden liegt gibt es nix mehr zu retten. Hier soll mein neuer Kompost entstehen. 5 Meter im Durchmesser, denn Material gibt es immer mehr als genug.

Die Gräser dazwischen entfernen, Material umschichten, ab und an mal von Ameisen reißaus nehmen, Schlangen umsiedeln und hoffen dass keine Skorpione durch die Löcher in den Handschuhen stechen – Gärtnern in Togo. Aber das Ergebnis kommt meinen Vorstellungen nahe. Die Reste vom Bambus noch so gut wie möglich mit einem Knüppel zertrümmern, ein Hächsler wäre mal ne gute Idee hier, falls jemand ne Selbstbauanleitung hat her damit.

Das System Kompost ist in Afrika relativ unbekannt, sollte man kaum glauben. Normalerweise werden Abfälle direkt an Ort und Stelle einfach verbrannt. Dies gibt durch die Mineralien der Asche zwar auch Nährstoffe zurück aber bläst den Großteil in die Luft und tötet alle Mikroorganismen die eventuell helfen würden die Bodenqualität zu verbessern. Humusbildung ausgeschlossen, und bei den ersten Regenfällen nach der Trockenzeit wird alles was nicht Sand ist noch zusätzlich weggeschwemmt. (Siehe der ganze Schlamm im Staubecken vom letzten Artikel) In der konventionellen Landwirtschaft will man Platz für Mais, Maniok oder die Sandhügel des Yams. Da ist ne Menge totes Buschwerk auf dem Boden unerwünscht. Auch verrottet der Kompost in der Trockenzeit nur durch die Zugabe von Wasser. Mein kleiner Kompost neben dem Schildkrötenreservat auf dem Gurken prima gedeihen ist immer wieder Erklärungsobjekt für Besucher. Ein Wort dafür fehlt sogar, statt engrais chimique also engrais bio.

Was hat der Kompost aber mit dem Hühnerstall zu tun, naja beides kann in Synergie gedeihen, Hühner scharren gerne im Boden und fressen Insekten, der Kompost bietet also Beschäftigung und Nahrungsquelle, der Stall also zukünftig mit Außenbereich, dieser natürlich frisch umzäunt.

Die Steine auf dem Boden als sinnvolle Zwischennutzung später in den Zaun integriert. Bauschutt, wenn auch unbenutzte rohe Betonziegel sind für mich inakzeptabel wenn sie einfach in der Natur rumliegen. Hab ich überall auf dem Gelände zusammengesucht.
Und da eine Bretterwand für mich keine Option ist, da ich auch für den optischen Gesamteindruck des Hotels zuständig bin und dieser Bereich hier direkt an der Einfahrt liegt ist Bambus mein vorrangiges Baumaterial, frisch geschlagen natürlich, soll ja ein par Jahre halten… und sowas könnte man damit leicht erschaffen.

Hier dann eine Zwischenetappe zu erkennen, Bambus steckt schon in den Löchern und neben dem Baum dann die zukünftige Einfahrt um zumindest rückwärts mit dem Anhänger weiteres Material anliefern zu können.

hier mit etwas aktuellerem Foto.

Die angesprochene grüne Wand um die Front zu verschleiern muss dann erst noch wachsen. Der Boden zumindest schonmal mühsam wie üblich von Steinen befreit, mit Kompost gedüngt und ebenfalls per Betonziegel und Bambus vor Nachbars Ziegen geschützt. Gurkenpflanzen ziehen noch diese Woche hier ein. Die Außenwand länger als der eigentliche Stall, ein kleines Materiallager befindet sich noch davor und eigentlich müssten auch hier die Wände neu, aber ich hoffe die senkrecht vernagelten Bambusabschnitte verblenden zumindest das Übel.

Der Kompost ist zwischenzeitlich ordentlich gewachsen und bietet gleichzeitig Platz für die Kürbispflanzen die auf meinem kleinen Kompost selbstständig ausgetrieben sind. Die können von mir aus den ganzen Hügel mit ihren Ranken und Blättern zudecken. Die Bretter neben dem Bambuszaun, der immer abwechselnd von Pfeilern und neuen Bäumchen gehalten wird, sind nun auch schon verbaut.

Denn auf der Rückseite ist die Wand nun fertig und alles soweit stabilisiert, fehlt noch ne kleine Tür und dann kann es los gehen. Hab mich schon umgehört wo ich Hühner her bekomme. Mittig im recht kargen Hof hab ich ein Bäumchen gepflanzt, welches nicht nur Schatten spenden soll sondern dessen Blätter auch liebend gerne von den Schnäbeln aufgepickt werden wenn gelb zu Boden gefallen. Neben Moringa und Mais vom Nachbarn dann ne weitere Nahrungsquelle die direkt von hier stammt.

Schritt für Schritt in Richtung Selbstversorgung. Und wie immer macht es Spaß Dinge am entstehen zu begleiten. Stillstand ist Rückschritt und kann so nicht von mir akzeptiert werden. Wer selbst in diesen schweren Zeiten einfach nur dasitzt und jammert kommt halt nicht weit. Mit Garten samt Wasserversorgung bilde ich mir eine Grundlage die auch ohne das bisherige existierende Wirtschaftssystem mein Leben ermöglicht. Afrika gegen Europa diesbezüglich weit im Vorteil, denn jeder hat hier ein Feld oder Garten, eine handvoll Hühner und Ziegen und kann selbst ohne Geldmittel zumindest davon überleben. Wer nicht alles nötige selbst erzeugt kann immerhin Tauschen und wird satt. Was hat Herr Max Mustermann der Steuerberater in seiner 3-Zimmer Wohnung im Zentrum einer deutschen Großstadt mit dem hübschen Auto vor der Tür… Seit einem Jahr wird unser System ausgehungert und viele müssen an ihre Reserven. Aber bevor ich hier wieder Diskussionen lostrete denkt sich jeder seinen Teil.

8 Gedanken zu “Hühnerstall und Kompost

  1. detlef / busfreaks.de schreibt:

    Phillip, deine Taten sind einfach genial, gerade die Idee und auch Durchsetzung derer.
    Mach weiter so, dann geht es Dir so besser als manch anderem hier.

    Lg an euch beide.

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  2. Marc schreibt:

    Hallo Phillip, ich freue mich über jeden Beitrag aus deinem Abenteuer und lindere so etwas mein bald unerträgliches Fernweh nach Afrika. Bitte weitermachen!!! Übrigens auch tolle Website. Wenn ich dann einen Toyo für meine nächste Afrikatour gefunden habe schaue ich mir eines Tages mal dein Gesamtergebnis an – liegt auf meinem geplanten Weg. Bis dahin viele Grüße aus der alten, fernen Heimat.

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    • mb407 schreibt:

      Dafür ist er gemacht aber nicht die Gegend hier. Der Pflug war der Untergang der Natur… ein Waldgarten viel effektiver als ein Feld mit jährlichen Gräsern die viel Dünger und Wasser brauchen…

      Neuer Beitrag dazu in Arbeit

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      • stagecoachpress schreibt:

        Die Seite mit Einblicken in deine Gedanken und Tätigkeiten ist klasse! Die Geschichte: …‘ gebe mein Zuhause auf und ziehe in den selbstgebauten Van ‚ gibts ja zuhauf, lese ich auch immer wieder gerne. Aber jetzt deine umgekehrt: steige aus dem Van und werde sesshaft mit Gedanken zur Nachhaltigkeit ist ohne Beispiel. Weiter so ! und danke fürs teilen, ist für mich als Leser immer inspirierend .
        Grüße Karl

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