Die erste Sauna in den Bergen Togos

Es mag sein, dass es im Land vielleicht in den schicken Hotels in Lome schon eine Sauna, Hamamm oder sogar einen Wellnessbereich geben mag aber da wir hier oben so ziemlich das einzige Hotel überhaupt sind kann ich guten Gewissens mein Vorhaben so benennen. Ich baue eine Sauna in Afrika, klingt auf den ersten Schlag wahnsinnig, aber Dank der Höhenlage auf 800m und doch recht kühlen Tagen in der Regenzeit kann das Ding nur gut werden. Ob es zahlende Besucher geben wird ist ne andere Frage, aber wie bei vielen anderen Projekten auch bau ich mir die Welt, wie sie mir gefällt. Meine Wurzeln als Fitnesstrainer und Instruktor für Wellness und Gesundheit ließen mich berufsbedingt schon immer diesen wohltuenden Wärmeraum nutzen, später auf Reisen immer gern besuchter Anlaufpunkt eines der diversen Thermalbäder oder heiße Quellen, in Marokko mehrfach pro Woche auch in die Hamamms also Dampfbäder und öffentliche Badeanstalten, sowas fehlt hier. Es ist zwar häufig über 30grad aber mal nen heißes Bad oder ne Viertelstunde bei 80grad fehlen. Auch die meisten Duschen im Land sind unbeheizt, wenn man auch das Wasser nicht kalt nennen kann. Ich brauch ne Sauna und der perfekte Ort mit Aussicht ist schnell gefunden. Das Projekt neben dem Schildkrötenreservat vom Hotelchef abgesegnet und mit Geldmitteln für Materialien unterstützt, los ging es vor einigen Wochen mit dem Fundament.

Mein Kumpel Novinho, Maurer aus Kpalime half mir beim Fundament in der recht abschüssigen Lage mit Blick auf das Tal und die Serpentinenstraße hinunter. Ein anständiges Ringfundament mit etwas dünnerem Boden in der Mitte musste her, denn meine Idee ist obendrauf außergewöhnlich. Es soll ne afrikanische Rundhütte aus Lehm werden und sich in die Landschaft gut einpassen. Die Mauern also dick und schwer, gut isolierend und nicht überaus stabil weshalb es die Basis auch sein muss.

Ein Haufen alter Ziegel und Zementbrocken, Reste vom Hotelbau lagen überall auf dem Gelände rum und störten meine Landschaftsgärtnerischen Einsatz auf dem Gelände. Perfekt also zum verstecken und mal wieder viel Improvisation und das Ergebnis zählt. Also gab es einen 30cm breiten und tiefen Graben zu füllen, mit Armierung zu versehen und den flachen Bereich in der Mitte auf einen Schlag mit zu verbinden. Da kann selbst mein ausgebildeter Maurerkumpel noch was lernen. Die Steine und Holzplatten außen sind nur bis zum erstarren des Betons an dieser Stelle und verschwinden später.

Fertig sieht diese Platte immerhin mit Schnur und Wasserwaage abgesegnet doch recht ansehnlich aus. Ein zweiter Arbeitsgang ließ dann die quasi Außenwand vom Fundament mit weiterem Mörtel fließend stimmig in den Untergrund übergehen. Die beiden Steine im Hintergrund bedeuten die Maueröffnung für die Eingangstür und das braune Zeug im Zentrum ist das Baumaterial für die Wände, man könnte es profan Matsch nennen. Der Ursprung dieses Materials nur knapp 2km entfernt, da der Boden bei uns hier oben (siehe Gartenbeitrag) eher steinig sandig ist…

Ein alter und ausgestorbener Termitenhügel und damit auch ne Art recycling. Definitiv hab ich fetten Respekt vor den 2cm langen erbauen solcher Giganten die um die 5-7m hoch werden können und auch unter der Erde Wohnraum bieten. Niemals würde ich auf die Idee kommen einen lebendigen dafür zu zerstören. Der hier hatte aber schon ein Loch weil wohl jemand die Königin naschen wollte. Die Afrikaner fressen auch alles. Mit dem Anhänger sollte man also schnell Lehm abtransportieren können, jedoch ist das Gebilde hart wie Beton und selbst mit der Spitzhacke nur Zentimeterweise anzugehen.

Zum Thema Zement übrigens erwähnt, die 50kg Säcke gibt es hier (CimTogo ein Teil der Heidelberg Gruppe) für knapp 4000cfa also 6,-€ an jeder Ecke. Transport auf dem Moped bis zu 5Säcken! oder halt was ins Auto passt. Schnell mal verschwindet so ne Tonne Zuladung im Kofferraum… Beim Fundament bin ich mit 5 Säcken ausgekommen und hab auch nicht vor mehr von dem Zeug zu verwenden.

Zurück zum Termitier – Termitenhügel also von dem ich immer wieder gerne Fotos zeige.

Die extrem widerständige Außenhaut beschützt eine weitaus fragilere innere Struktur wabenähnlich in denen wohl das Leben stattfindet. Ich konnte mal einen halbierten Hügel von Innen bestaunen.

Sollte man einem lebendigen Hügel zu nahe kommen bekommt man es mit den Wasserköpfen samt Klauen der Soldaten zu tun. Die Greifzangen eignen sich auch zum Windverschluss falls mal keine Nadel und Faden zur Hand ist. Auf jeden Fall zwickt es bis aufs Blut und das Wasser in den Köpfen wird auch zur Reparatur und Instandhaltung der Behausung genutzt.

Wie gesagt war mein gewählter Spender schon unbewohnt, was auch aus einem weiteren Grund sehr zu empfehlen ist. Falls sich Eier oder Larven im Lehm befinden kann man so auch schnell ungewollt einen Stamm umsiedeln und deren Bau in andere Form bringen, so gab es zum Beispiel eine Küchenwand im Zion Gaia welche bewohnt war und zu bestimmten Zeiten mehr Verkehr auf der Wand als in der Küche herrschte. Von damals übrigens hab ich etwas Erfahrung sammeln können beim Bau der Rundhütte aus schwarzer Erde.

https://mb407.wordpress.com/2020/04/30/letzter-akt-auf-der-farm-hausbau/

Die Etagenhöhe der Mauer wurde hier deutlich größer angegangen als ich es geplant habe, das Heranschaffen vom Material, der Ort zum mischen und lagern etc. ließ mich kleinere Brötchen backen die dafür aber schneller trocknen und schneller weitergeführt werden kann.

Hier mal die Perspektive mit dem Kompost und Reservat im Hintergrund, die beiden braunen Lehmfundamente im Rondell erklären sich dann im nächsten Bild.

Eine Sauna braucht nen Ofen, mindestens einen und auch dieser soll aus traditionellen Materialen bestehen und mit Holz beheizt sein, was sonst… Also gibt es ein Gerüst aus Baustahl um die Form vorzugeben und Halt zu schaffen. Beim trocknen entweicht das Wasser dem Lehm und nimmt somit Masse, es entstehen unvermeidlich Risse die mit der nächsten Lage gekittet werden können. Alles experimentell, also baue ich einen Ofen mit Außenzugang und einen zum Feuer gucken von Innen.

Feuertaufe war übrigens vorzeitig und zum Glück nicht in der Bauphase der Dachkonstruktion… Das Buschfeuer kam bis auf das Gelände heran und half nicht einmal die letzte Schicht schneller zu trocknen.

Doch in der ständigen Sonne kann ich alle zwei Tage eine neue Schicht hinzu setzen, falls genügend Helfer zur Verfügung stehen am Vorabend die Lehmbrocken zu wässern und mit den Füßen zu vermischen. Bei der ersten Schicht noch unterschätzte ich die Arbeit enorm und startete solo…

Bekam aber nach dreckigen Füßen bei der Arbeit mit matschigen Händen immer wieder Hilfe eingespannt denn jedes Kilo Lehm muss gemischt, platziert, geformt und mit der restlichen Mauer
verbunden werden. Muskelkater am Folgetag vorprogrammiert.

So schrumpfte der Termitenhügel während die Rundhütte langsam wuchs. Materialbeschaffung oder Schlammpackung, kann schwer sagen was anstrengender ist.

Der Abtransport völlig staubig und mit tauglicherem Arbeitsgerät als dem Prado vom Chef nun also mit kleineren Portionen im Quad durchgeführt. Jeder Moment bereitet Freude und das vierrädrige Monster hilft mir enorm bei vielen kleinen Vorhaben auf dem großflächigen Gelände.

Zumindest war es irgendwann soweit, dass der Hügel abgetragen war und nun im Untergrund weitergehackt werden muss, noch anstrengender da genauso fest wie die stabile Außenmauer. Adäquates Arbeitsgerät und Schutzausrüstung Adilette bei mir oder Nike bei meinem Kumpel… oder ganz blank.

Als abschließendes Foto für den ersten Teil vom Bericht also etwas sichtbaren Fortschritt mit Türzarge. Diese hat seitlich gebohrte Löcher in denen sich Stahlbewährung versteckt die dann einen Kraftschluss mit der Mauer herstellt. Stück für Stück wächst der
Traum einer Sauna in den Tropen.

Und noch ein Bild zum Abschluß, etwas Inspiration wenn auch in etwas anderer Umgebung…

5 Gedanken zu “Die erste Sauna in den Bergen Togos

  1. detlef / busfreaks.de schreibt:

    Toll wie Du das wieder machst. Aber erst mal auf die Idee kommen, dort sowas zu bauen.
    Was ist denn mit dem Unimog Projekt?? Erstmal auf Eis gelegt??

    liebe Grüße an Euch beide.

    Gefällt mir

  2. Mr.Chili schreibt:

    Servus Phil
    Zum Lehm Abbau, vorher richtig Wässern hilft bei Abbau ungemein.
    Würde aber zum Mauer hoch ziehen, dem Lehm kurze ( ca2 cm)Stroh oder Gras stücke mit beimischen. Verhält sich wie dein eisen im Fundament.
    Wenn ich hier ein Fachwerkhaus Renovieren muß machen wir es auch nicht anders.
    In die Gefachungen kommen gespaltene Haselnuss stecken, die dann beidseitig mit Grundlehm beschmiert werden, nach dem austrocknen kommt dann noch eine Schicht fein Lehm (gesiebter feiner Lehm). Der mit viel Wasser Gefilzt wird. Wetterfest wird das ganze mit nem Kalkfarbanstrich.
    Wenn du samen brauchst schick mir mal deine Adresse.

    Gruß

    Gefällt mir

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s