Projekte am Golden Eye

Es ist grad still geworden um den Unimog, zum Einen weil ich eine kleine Arbeit extern in Auftrag gegeben habe (nächster Bericht dazu folgt), zum anderen weil ich meine Zeit grad anderweitig verwende.

Wie erwähnt kann ich hier am Hotel meine Ideen und Erfahrung einbringen um in der recht gästelosen Zeit einige Verbesserungen in Angriff zu nehmen. Zuerst waren da die früher schon erwähnten Schildkröten bei meinem Kumpel die ein passendes Zuhause gesucht haben. Warum also nicht eine schön hergerichtete Stelle erschaffen die in der Nähe von Kindern und Kunden mehr Aufmerksamkeit auf das stetige Verschwinden heimischer Tierwelt bringt. Die Materialien dazu waren ebenfalls vorhanden und quasi ein halb zugewachsener Steinhaufen. Die Lokalität wird unter schattenspendenden Bäumen mit dem Wasseranschluß in der Nähe erschaffen, ein vom Natursteinwall umzäuntes Freigelände.

Das rund 50qm große Gebiet war doch arbeitsintensiver freizulegen als gedacht. Dabei war nicht das Graben oder Aufschichten der Steine das Problem, sondern simpel das Heranschaffen der Brocken vom nur 20m entfernten Haufen, aber mach das mal hunderte Male bei sonnigem Sommerwetter. Ich hatte natürlich Hilfe bei der Umsetzung, anfänglich noch vom Polen Mike der zu Besuch war und git anpacken konnte, und wieder einmal ist es einfach Relität, dass zwei Jovos die Arbeit von vier Amebos wuppen können. Nicht nur die Fertigkeiten, sondern auch der Wille, Zeilstrebigkeit, die Bereitschaft sowie das Durchhaltevermögen sind alles Kriterien die Einheimischen leider fehlen. Selbst gute Bezahlung ist kaum Anreiz für Arbeit über dem Minimaleinsatz von Kraft und Schnelligkeit. Da wird jede Gelegenheit zu Gesprächen genutzt, oder man verschwindet komplett wenn mal nicht genau aufgepasst wird. Ausruhen ist die Lieblingsbeschäftigung bei der Arbeit und leider auch der Grund warum hier viele Dinge nicht fertiggestellt wurden und vom Betreiber resignierend akzeptiert wurden. Mir wird militärischer Drill vorgeworfen, aber hey immerhin mache ich es selbst vor und bin dabei, also verlange ich nix unmenschliches.
Irgendwann dann war es doch soweit und die neuen Bewohner konnten einziehen. 5 an der Zahl vorerst, zwei Weibchen und drei Männchen. Was ich vorher auch nicht wusste wie man die unterscheidet… die Männchen haben eine Delle an der Unterseite des Panzers der ihnen das Begatten auf dem runden Weibchenpanzer erst ermöglicht.

Fertig ist das Areal noch nicht, das früher mal als Chatteau benutzte Mauergebilde, also die Basis für ein erhöhtes Wasserreservoir, wird noch mit Bambus verblendet und dient als Unterschlupf für die Kriecher. Keine Augenweide hier am Eingang und trotzdem historisch da der Grundstein davon immerhin in Anwesenheit des Präsidenten gelegt wurde… Alles Gründe warum ich diese Stelle wählte. Einen kleinen Teich gibt es auch noch.
Generell hat der Einfahrtsbereich der Hotelanlage schon immer mein ästethisches Auge gestört. Links nun die Schildkröten (hinten im Bild) und rechts ein minimierter Steinhaufen der noch sinnvoll wegrationalisiert wird. Dazwischen stand die Maracuja Pflanze (aktuell von mir abgeerntet) und der Busch über den sie sich gerankt hatte war ein wildes Chaos. Das muss sich ändern. Ein Tag mit der Gartenschere, die ich als Geflügelschere mit mir rum kutschiere und ich hab soweit möglich gerettet was zu retten war. Der Busch hingegen wurde abgehackt und die Wurzeln ausgegraben um einer vormals gepflanzten Palme (Gegenstück zur anderen Seite) den nötigen Freiraum zu geben. Palmen am Eingang sind ein tolles Willkommen. Nur noch die steinige Erde sortieren…

Ebenfalls ein vom Steinwall umgebenes Beet für Blumen ziert nun diese Stelle. Der Boden aber war von Steinen durchsetzt, und fix bastelte ich ein Sieb aus Holz und Maschendraht. Den Aushub einmal drüber geschmissen und gleichzeitig die Wurzeln entfernt… Arbeit von 6-10… dann kam die Sonne rum und es wurde zu schweißtreibend.

Kann sich aber sehen lassen, wenn auch noch die Pflanzen fehlen. Ich plane einmal Zuckerrohr am Abfluss des Waschbeckens und heimische palmenartige im Rundbeet. Immerhin kann die Maracuja nun etwas geordneter in die nächste Saison starten. Und all die Arbeit nur für ein anständiges Hundebett…

PS, wer hier mit Steinen rumhantiert muss Obacht vor Bewohnern dazwischen haben, wie auch in der Holzwerkstatt, da Kriechtiere gerne dem feuchten Boden entschwinden wollen und sich anderen Unterschlupf suchen. Hübscher Kerl.

Mein Garten fehlt mir und die Arbeit mit der Natur hier erdet wie ich immer schon wusste. Es ist anstrengend und vielleicht gerade deswegen aufregend. Meine Pläne sind soweit alle von den beiden Chefs durchgewunken, die nun einem gemeinsamen Fahrplan folgen. Neben den Aussenanlagen kümmere ich mich um die Erschaffung eines Wellnessbereiches mit der Konstruktion einer Sauna im afrikanischen Rundhüttenstil. Holzofen aus Lehm erklärt sich von selbst und dabei ein Ausblick wie von meiner Terrasse ebenfalls, der Platz dafür schon festgelegt. Die Renovierung Wasserversorgung und eine schon vorhandene aber nicht installierte Schwerkraftwasserpumpe stehen als Nebenprojekt aber primär an.
Weiterhin wird ein Campingareal gestaltet und die Holzwerkstatt aufgeräumt um meine zukünftigen Arbeitsgeräte darin unterzubringen. Drei Exemplare der AsiaWing 250 sind immerhin schon eingetroffen, Motocrossmaschinen made in China und gar nicht mal so verkehrt. Diese sollen an Gäste und Besucher ausgeliehen werden um geführte Crosstouren durch die Gegend anzubieten… Philipp der Instruktor, genial.

Wie alles in Afrika aber bisher nur genutzt und nie oder stümperhaft gewartet. (die restlichen sind zum Glück noch verpackt und neu) Die Elektrik bei den gebrauchten ein Chaos, weil mal ein zwei Schalter zu Bruch gingen. Aber ich bekomme sie Stück für Stück zum Laufen und bin echt erstaunt über die Power und Fahrbarkeit. Auf meiner Hausstrecke den Berg hinunter (natürlich in voller Schutzkleidung… ok, Protektoren in der Hose fehlen) war sie echt agil. Hinauf aber der Wahnsinn, Beschleunigung und Driftverhalten genial, Streckenrekord beim ersten Versuch. Ich glaub das passiert jetzt häufiger so.

Die andere Maschine dann später in eine andere Richtung getestet hat mich unterwegs mit leerem Tank stehen lassen, die Reserve reicht also für keine 10km… Mit Crossstiefeln wandern war nicht meine Absicht, also muss das jemand anderes erledigen. Meine Telefonjoker waren alle zu weit weg, also hab ich die Jungs auf dem nahen Fußballplatz gefragt… Doch wie auch bei der Gartenarbeit ist Geld bekommen gern gesehen, es sich aber verdienen müssen eine andere Sache. Ich fand dann doch zwei junge Erwachsene die auf dem Weg vom Markt nach Hause waren, dahin war ich grad zum Einkauf unterwegs. 500 für einen Liter Sprit und weitere 500 als Belohnung, (als Vergleich dafür bekommt man zwei Essen und für 1500 arbeitet man sonst nen ganzen Tag!) da sind 2x 1,5km Fußmarsch ins nächste Dorf schnellverdientes Geld. Wie sich herausstellt sind das Bekannte von nem Kumpel und vielleicht hab ich demnächst etwas engagiertere Helfer bei den Projekten…

Mein Rastplatz am Bach unten im Tal dann perfekt für die Wartezeit, die andere Seite den Berg hinauf ging es später dann mit frischem Sprit und lautem Getöse, lustige bikes… Leider fand sich nach dem Marktbesuch noch ein Elektrikproblem und ich hatte Kumpel Rasta doch zum herkommen überreden müssen, Folge – Abschleppen. Er fährt grad die andere Cross weil sein Moped kaputt ist, passt doch.

Zurück zu den Projekten… die an der Zahl meine Liste mehrseitig füllen. Den Eingangsbereich optisch aufwerten, Hecken für die Aussicht stutzen und den Wildwuchs als Brandschutz der kommenden Trockenzeit entfernen. Abraum als Kompost auf zukünftige Plätze von Tropenpflanzen lagern… Ananas, Papaya, Bananen… ist mir grad zu karg hier oben. Es gibt ein paar Dinge für die Zimmer fertigzustellen, voran die Kleiderschränke die im Rohbau in der Werkstatt stehen. Doch zuallererst mal noch ne persönliche Bastelei. Ich hab nen zweiten vierbeinigen Begleiter… nein keines der Welpen denen es echt gut geht. Der Huskey vom Chef bleibt hier oben in milderem Klima als in Lome entspannter und gesünder, wenn das auch Atlas nicht unbedingt gefällt. Die 6 jährige hat ein paar Problemchen und wird mit gutem Fleisch aufgepeppelt, schläft derzeit unterm Bus bis ich ihre Hütte fertig habe. Genügend Altholz lag ja in der Werkstatt rum. Klotzen war also angesagt. Ne Stabile Basis die ein paar Jahre halten soll.

Da alles zusammen zu schwer zum bewegen wird mit abnehmbarem Oberteil aus rohen Balken vernagelt, die dann mit Brettern beplant und innen abgeschliffen wurden. Außen mit Öl versiegelt. Genügend Belüftung gelassen und für die stürmische Regenzeit auch zwei verschließbare Fenster installiert.

Mit Terrasse natürlich, Gabentisch für Wassernapf etc. Mal schauen ob sie mir jemals wieder von der Seite weicht. Wir joggen regelmäßig und wie auch Atlas ist sie immer gerne überall dabei. Im Busch jedoch muss ich auf die Jägerin etwas aufpassen, hat sich nun schon zweimal eine kleine Ziege von den Nachbarn geholt.

Da niemand anderes zur Stelle war und die Einheimischen das ganze Ding gerne ins Feuer hauen um danach auch die Haut zu essen hab ich mich mal im Schlachten versucht. Kopf und Füße ab, Bauch aufschlitzen und das Fell am Stück abziehen. Waschen, salzen und aufhängen… leider hat sich dann in schon trockenem Zustand über Nacht ein anderes Leckermaul drüber her gemacht.

Die Innereien hab ich mir gebraten und den Rest im Ofen für den nächsten Tag vorbereitet. Gutes Futter für alle Beteiligten, lecker. Trotzdem ne Menge Arbeit und Überwindung, sollte man im Leben jedoch mal gemacht haben um mehr Respekt zum Fleischverzehr zu schaffen.

Wir lassen es uns hier also sehr gut gehen und Langeweile kommt nicht auf. Letztens wurde sogar mal ein einheimischer Film mit fiktiver Armee gedreht, das Gelände vom Golden Eye bietet Platz und Aussicht, demnächst dann auch noch hübsche Details.

Das Hotel echt ein toller Ort zum Verweilen, hier mal Bilder vom Profi… die Aussicht von der Terrasse

nachgereicht auch noch ein paar Fotos von der Radtour, der Wasserfallabseilung und nem abendlichen Lagerfeuer.

6 Gedanken zu “Projekte am Golden Eye

  1. Carsten schreibt:

    Nach mehrfacher Kritik an Konsum, verfehlter Entwicklungshife und Ausbeutung der Einheimischen machst Du an genau solch einem Projekt mit. Mit geführten Motocross- und Offroadtouren wird doch nur die von Dir so gesuchte unberührte Natur gestört und zerstört. Das Ganze hilft an Ende auch nur den Betreibern.Wie das mit den Projekten zu Ende geht wenn diese mal nicht mehr vor Ort sind hast Du auch schon mehrfach aufgezeigt. Nachhaltig wird Dein neues Projekt auf jedenfalls nicht.
    Nur meine persönlichen Gedanken dazu.
    Ansonsten bin ich beeindruckt davon,mit welcher Kreativität deine Projekte umgesetzt werden.
    Der Bau der Walküre und auch das Unimog Projekt hat mich begeistert, Klasse Ideen und mit einfachen Mitteln umgesetzt, faszinierend.
    Bleib gesund,und weiterhin gutes Gelingen.
    MfG, Carsten

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    • mb407 schreibt:

      Keinesfalls, Ziel ist mit modernen Wegen die Natur dem unwissenden nahe bringen. Mit den Bauern der Umgebung in Zusammenarbeit, so hat regional jeder was davon.
      Ich werde mich nicht verbiegen und meinem Grundsätzen treu bleiben.

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      • Carsten schreibt:

        Naja, Motocross und Offroadtouren um die Natur nahe zubringen find ich schon seltsam.
        Und was Tourismus für Einheimische am Ende bringt sieht man ja selbst in Europa.
        Schade um die ansehnliche Gegend.
        MfG, Carsten

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  2. bulli-on-the-road.de schreibt:

    Der Beitrag zeigt doch wieder -vor allem am Anfang- wie europäischer Idealismus und afrikanische Realität auseinanderklaffen. Auch die Pistenkuh hat mal einen sehr beeindruckenden Beitrag zum Thema Entwicklungshilfe geschrieben. Hier ist noch erheblicher Lernbedarf vorhanden – auf beiden Seiten. Und wir Europäer sollten auch bei denen, die hoffnungsvoll zu uns kommen, kritisch deren Erwartungen hinterfragen.
    @Carsten: wenn in der Weite Togos mal 3, 4 Crossmaschinen durch die Landschaft pflügen, wird das kaum eine Spezies um ihre Existenz bringen-laß mal die Kirche im Dorf.

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