Das Ende der Regenzeit.

Im Hohen Norden kennen wir Frühling, Sommer, Herbst und Winter, doch hier in Afrika gibt es eigentlich nur zwei Saisons… die Regenzeit und die trockenen Perioden dazwischen. Zumindest für Westafrika sieht es folgender Maßen aus. Trockenzeit von November bis März, heiß und teils mit sandigem Harmattan Wind aus der Sahara. April bis Juni dann der erste Regen der den Staub wegspült und die Vegetation sprießen lässt. Eine kurze Schönwetter Periode zu Zeiten unseres Spätsommers und dann September/Oktober die Bohnenzeit genannte Regenperiode, Bauernkalender auf afrikanisch. Die Temperaturen meist um die 30grad in der Trockenzeit gen 40 und auch die Nächte zu warm. In den höheren Lagen wie bei mir auf dem Plateau eher angenehmer. Der Regen dann abkühlend bis 20grad und man muss schon langärmlig überziehen. Kein Wunder dass die Einheimischen dann frieren. Die Dauerfeuchte macht dann Naturmaterialien wie Holz und Leder zu schaffen, es kann schimmeln.

Ich befinde mich also seit Ende der letzten Trockenzeit in Togo und habe nun den Anfang der nächsten Periode erreicht und damit einmal den Zyklus durchlaufen. Der Regen hat sich seit über einer Woche schlagartig nicht mehr blicken lassen. Einige Bäume haben binnen weniger Tage ihre Blätter abgeworfen und die morgendlichen Dunstwolken gibt es auch nicht mehr. Dazu etwas Erklärung. Ich befinde mich auf einem Plateau 200km nördlich vom Ozean in den Tropen auf 8-900m und im Osten liegt mir Togo und Benin zu Füßen. Im Westen auf der anderen Seite des Plateaus folgt der Lake Volta, größter See Ghanas mit immensen Wassermassen. Wolkenbildung also auch direkt hier möglich.

Jeden Morgen gegen 6Uhr konnte ich mit anderen Himmelsspielen rechnen. Wolken oder keine war die Frage, doch immer gab es Nebel aus der Ebene, der von den ersten Strahlen gen Himmel gezogen wurde. Andere Beispiele:

Schon hübsch anzusehen und der perfekte Start in den Tag, man wusste nie was folgt, nur eines war gewiss. Meist hing zwischen 8-10Uhr um mich herum dann eine einzige Wolke. Nach den ersten Aktivitäten draußen war das der perfekte Zeitpunkt für ein entspanntes Frühstück in der Hütte.

Es sah also immer anders und doch ähnlich aus. Hübsch wie sich einige Anhöhen aus den Schleiern herausstrecken konnten.

Manchmal brauchte die Sonne auch etwas länger weil im Osten schon Wolken am Himmel hingen, der Nebel verspätete sich dann auch dementsprechend.

Es gibt kaum Zeitunterschiede zwischen Auf- und Untergang, vielleicht ne halbe Stunde übers Jahr verteilt, und der Sonnenstand hat sich auch um wenige Grad am Horizont verschoben. Dämmerung dann durch das bergige Gelände im Westen von mir gegen 17:30

Doch nun zum Regen direkt. Klar kam der in allen Formen, langsam und schleichend oder mit Gewalt und Blitz sowie Donner. Selten einen ganzen Tag lang, meist eher in Huschen wie man sagt oder mal mit nem halben Tag wolkenverhangenem Himmel. Dann immer wieder sonnige Abschnitte dazwischen, die genutzt werden müssen zum Klamotten trockenen einschließlich Wäsche waschen.

Diese Wolkenwand die ich vom Tal her kommen sah war keine Seltenheit. So ließ die Natur genügend Zeit für Vorbereitungen wie die Werkstatt aufzuräumen und daheim das Dachzelt zu schließen und Atlas ins Haus zu packen. Vom letzten Bild anschließend mal ein paar Videosequenzen.

Ich hatte früher schonmal ein paar Clips zusammen geschnitten kann man hier erneut betrachten wer noch nicht genug hat.

Der Regen also ergiebig und für die Natur nötig. In der Bevölkerung aber herrscht dann meist totaler Stillstand, selbst war ich selten unterwegs, mich hat es ein paar Male auf dem Moped erwischt, echt kein Zuckerschlecken. Auch sind die Wege dann stundenlang unpassierbar, oder halt matschig und mit Pfützen gefüllt.

Die zuletzt mal beschriebene Starkregen Heimfahrt kurz vor der Dämmerung war auf dem Moped war ein Erlebnis, welches mein Handy gerade so überlebt hat. 20 Zentimeter tiefe Bäche flossen mir teilweise auf meiner Bergpiste entgegen. Wer nicht raus muss wartet also einfach ab.

Einige Male musste ich mir das aber mit der Regenjacke mal in der Natur ansehen. Technik blieb dann meist zuhaus aus ersichtlichen Gründen, der Rest meiner Ausrüstung dann meist simpel gehalten.

Aber am liebsten hab ich den vorbeiziehenden Regen im Tal von meiner Terrasse aus beobachtet, sogar hören können. Wenn der Wind günstig stand blieb ich verschont.

Die geklärte Luft im Anschluss und das schnell wieder warme Gefühl von Sonnenstrahlen auf der Haut sind dann doch viel besser als ein grauer Herbst in Deutschland. Trotzdem bin ich froh dass es vorbei ist.

Dem Äquator recht nahe ist der Sonnengang am Himmel anders, der Mond liegt öfter mal und die Sternbilder sind zu anderen Zeiten sichtbar. Wer also keine Vorstellung von europäischem Wetter durchs Fernsehen bekommt kann sich unsere Jahreszeiten echt nicht vorstellen. Ich beschreibe es immer als halbjährliches Leben im dunklen, kalten Kühlschrank und damit noch entspannter als in der Tiefkühltruhe… Das Argument Wetter sollte mehr verbreitet werden um diese idiotischen Vorhaben von Wirtschaftsflüchtlingen endlich zu stoppen. Hier in den Tropen braucht niemand hungern oder heizen, das Leben genießen und zum Rest der verkorksten Weltpolitik und Wirtschaft halte ich heute mal die Klappe.
Die Regenzeit als Reisezeit für einen Besuch in den Tropen kann ich persönlich nur empfehlen, mal was anderes erleben und alle Nuancen der Natur hautnah mitbekommen. Im Fahrzeug abseits von Straßen dann aber wirklich nur mit 4×4, im Schlamm stecken macht keinen Spaß und selbst kurz davor bringt ne Menge Adrenalin.

Hier also nochmal der Clip mit der WALKÜRE durch den Busch bei Agou. Und dass nach zwei trockenen Tagen!
Ich wünsche euch nen entspannten Winter, und frische Kraft für die Natur. Ich hoffe hier wird es nicht nur sonnige Tage geben denn auch mal ein Schauer ist nötig.

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