Das Prado Abenteuer…

Ich berichtete zuletzt ja von meinen persönlichen Aussichten hier am Hotel Golden Eye, den geplanten Aktivitäten, Projekten und der Abenteuerlust vom Inhaber. Sein Kumpel aus Polen der leider nur zu Besuch ist und über einen Wechsel seines Lebensmittelpunktes zu uns nach Afrika nachdenken muss, wird in wenigen Tagen wieder im Flugzeug sitzen. Also hatten wir drei noch eine letzte Tour zusammen geplant. Es ging nach Badou und damit knapp 100km nördlich in die Nähe der Grenze zu Ghana. Der Ausflug im weichgespülten Toyote LandCruiser als Prado Version… bequem mit Klima. Atlas und Namek die Huskey vom Chef mit an Bord.

Unterwegs war Agouti essen angesagt, eine Art Meerschwein-Ratten-Eichhörnchen. In Temedja kennt Denis die dafür bekannte Lokalität. Dazu die obligatorische Schüssel Fufu und das hier neu am Markt befindliche deutsche Bier Djama – Geschäftsessen mal anders.

Wir hatten neben Planungsgesprächen auch den Besuch einer ehemaligen deutschen Viehzucht auf der Agenda, erster Stop also auf der Suche nach der Ferme Marox die noch vor 5Jahren in voller Blüte stand. Doch im Dorf und auch bei der Station der Gendarmerie die nun in einem alten Kino einer ehemaligen Gemeinschaft / Sekte hauste wusste niemand etwas.

Wie so alles was mal anständig erbaut wurde wird der Verfall ohne die nötige Wartung schnell seinen Lauf sehen, die Dachkante ist schon weg… Ich unterhalte mich mit einem der Uniformierten dort und bekomme mit, dass es nicht einmal Strom gibt… Ein Solarpaneel zum Handy aufladen. Und das Gebäude gilt als Kaserne für die ganze Region mit Einfluss bis Ghana. Die AK47 umgehängt vielleicht auch nur ne leere Attrappe, immerhin dürfen wir mal ein Foto machen, sonst streng verboten. Die Fotos heute im blog zum Großteil übrigens von Mike, dem polnischen Journalist mit seinem hypermodernen Smartphone…

Die Farm haben wir durch etliche Nachfragen im Dorf dann doch noch gefunden, völlig eingewachsen und alles was mal brauchbar war (Fenster, Türen, Tore, Dächer…) ist verschwunden. Die Geschichte dazu ein Afrikanisches Märchen, leider viel zu oft wahr. Vormals von einem Deutschen und Schweizer aufgebaut und super sauber gehalten, 1500-3000 Schweine, Rinder und Truthähne sagt man waren hier anzutreffen, erfolgreich über Jahrzehnte geführt bis das Alter den letzten Chef zum Verkauf an den Präsidenten trieb. Doch die Chance für die Bevölkerung in der Umgebung weiterhin gewinnbringend Arbeit zu finden verlosch und wie früher die Scheiße ging nun alles andere den Bach runter. Und das binnen weniger Jahre Misswirtschaft unglaublich… aber das ist Afrika. Die letzten Überreste der Gebäude mit sechs Schweinen irgendwelcher Anwohner die seit Wochen in ihrem eigenen Dreck stehen und verbarrikadiert sind, ein Jammer.

Die letzten Kilometer bis Badou dann eine erstaunlich gute, wenn nicht sogar die beste Straße in ganz Afrika, durch hügelige Wälder mit einer phänomenalen Abfahrt zum Schluss hinunter in die Stadt. Ich muss hier unbedingt mal mit nem anständigen Motorrad durch die Gegend jagen. Denn nur wenige Kilometer weiter findet man die Kaskade Aklowa die schon immer mal auf meiner Liste stand ich aber noch keine Zeit dafür fand, auch heute nicht mehr und Morgen warten andere Pläne. Zuerst einmal im Hotel einchecken. Seit über einem Jahr meine erste Nacht außerhalb meines rollenden Heimes mit Feststation auf dem Plateau..

Echt luxuriös würde ich behaupten, hab keinen Vergleich aber kann nicht meckern, sauber und relativ gepflegt mit weißen Bettlaken und funktionierenden Klimageräten. Den lärmenden Kasten hab ich aber ausgeschaltet und altmodisch das Fenster geöffnet. Immerhin keine Umgewöhnung im Platzgefühl, der Raum echt winzig und Atlas fand unterm Tisch ne Ecke.

Daneben dann ein Bad mit WC und Dusche, was will man mehr. Warmwasser gibt es zwar nicht aber Raumtemperatur ist völlig ausreichend in Afrika. Ein weißes Handtuch und ein frisches Stück Seife…

Drei Angestellte sitzen im Foyer rum, wahrscheinlich einer vom Empfang, einer von der Bar und der dritte aus der Küche. Besucher gab es wohl länger keine, der Tourismus selbst der heimische ist grad am Boden. Ein Zimmer kostet 11.000cfa und damit unter 20,- ist aber ne Stange Geld im Land. Abendessen könnte man für 3500,- wir zogen aber zusammen auf nen Spaziergang los um was unterwegs zu suchen. Ein Erlebnis eher für alle Einwohner, denn drei Weiße mit zwei Hunden hat es hier anscheinend noch nie gegeben. Für den Afrika-Neuling Mike eine Erfahrung mit vielen Eindrücken und Fotos aus jungfräulichen Augen. Hab mich anscheinend schon an solche Ansichten gewöhnt und wäre nicht darauf gekommen sie euch zu zeigen:

Er hat nen Haufen solcher Fotos geschossen und ich werde demnächst mal nen Bilderbeitrag mit Stadtansichten zusammenstellen, doch nun weiter mit Text. Nach ner großen Runde mit den Hunden suchten wir ein Restaurant mit traditioneller Küche, abends jedoch eher schwierig hier. So kam es zum Streetfoodmahl mit gebratenen Fleischspießen, Yams-Pommes und nem Teller Bohnen mit Öl und Gari. Der Platz dafür wurde schnell improvisiert und lag mitten drin im abendlichen Geschehen in Badou.

Wir vertieften einige Ideen samt Plänen und besprachen den folgenden Tag, müssen definitiv am Abend zurück auf dem Berg sein da schon am folgenden frühen Morgen für die beiden die Abfahrt nach Lome ansteht. Zurück im Hotel dann auch zeitig Feierabend, wir sind alle geschafft. Die Nacht war unbequem und kurz. Die Matratze war keine Qualität mit Federkern wie bei mir zuhaus‘ und der Muezzin hatte hier um 3:30 seine Gesangsübungen vom Türmchen begonnen. Nach kurzer Pause dann kurz nach vier voll losgelegt. Unbegreiflich… aber was soll’s, ich machte mich auf zu nem Spaziergang dessen Resultat etliche Fotos waren… später!

Frühstück bei mir bestand wie üblich aus vielen Früchten, im Hotel wurde schnöde Kaffee, Baguette und ein Klecks Marmelade gereicht, nein Danke. Wir checkten zeitig aus und fuhren die perfekte Straße raus aus der Stadt wieder zurück aufs Plateau. Dort links abgebogen in die Kleinstadt Kougnohou, die als Drehkreuz in der Region gilt und zum Markttag anscheinend tausende Besucher anzieht. Ich machte mich mit Mike auf den Weg zur Post, hatte ihm von den Ansichtskarten erzählt die man überall altmodisch verschicken kann, Denis besorgte während dessen ein paar Kleinigkeiten. Wie üblich waren wir die Attraktion und vor der Abfahrt gab es etliche Fotos… Mein Bart mal wieder Gesprächsthema.

Ich hingegen hatte andere Motive unverständlicher Natur. Es sind 30grad und man trägt kurz und FlipFlops, wer also kauft hier von diesem Haufen Winterhandschuhe?

Der Ausflug hier her hatte einen Grund, den Beginn einer alten Piste, die früher einziger Zugang in die Gegend war bevor der Asphalt durch die Berge gelegt wurde. Heute unbenutzt, maximal noch mit dem Moped als Verbindung kleiner Farmen befahren. Wir haben uns auf ein Abenteuer eingestellt und die Machete eingepackt. Die Gegend wie zu erwarten abgelegen naturbelassen.

Den Prado pilotierte Mike und hatte schon etwas Stress. Offroad fahren liegt schon ne Weile zurück und wenn nur einer Spur von Zweirädern zu folgen ist kann man schon mal im Abseits landen.

Was von hier vielleicht harmlos aussieht hätte schlimm enden können, das linke Vorderrad hängt in der Luft über einem Abgrund einer kleinen Brücke die den 5m tieferen Bach überspannt. Blöd nur dass der Prado kein echter Allradler ist und nur ein Mitteldifferential besitzt… heißt über Kreuz gesperrt. Für diesen Falle doof, da links vorne in der Luft hängt, die Karosse auf dem Boden liegt und rechts hinten dadurch abgehoben ist. Die beiden Räder mit Bodenkontakt bekommen keine Energie… Zur Hilfe kommt hier auch niemand also ruhig Blut und Selbsthilfe…

Zum Glück befand sich seit der letzten Ortschaft dieses Seil im Kofferraum und zwischen Baum und Achse gespannt mit nem Ast als Aufrollknebel wurde es auch zu ner Art Seilwinde. Jetzt fehlt nur noch etwas Gewicht auf der Achse, pünktlich traf ein Moped ein… welches von vorne kam und im tiefen Gestrüpp landete. Völlig unerwartet hier einem Auto zu begegnen hatte der Fahrer mangels funktionierender Bremsen keine andere Wahl, ja ist häufiger so dass keine der beiden Bremsen am Moped funktionieren… idiotisch!
Die ersten Versuche ergaben nix und letztendlich brachte den Erfolg die Luft aus dem Reifen zu lassen um die Auflage und Traktion zu erhöhen. Hieß mangels Kompressor dann der Reifenwechsel im Anschluss. Mike der uns fast in den Abgrund gesteuert hätte hatte nun die Hosen voll und ich durfte ans Steuer.

Zum Glück war der Bach zum Waschen ein himmlisches Plätzchen, hier kann man erahnen was hätte passieren können, also hackte ich schnell noch den Busch von der Böschung und stampfte einen Stock als Warnung in die lose Erde.

Weiter ging die Fahrt… im Automatik Prado. Muss gestehen, fühlte sich bequem an und hat Spaß gemacht. Das Lenkrad stand etwas schief, hatte wohl der Querlenker etwas abbekommen und wie sich später herausstellte war auch die Servo ausgefallen, kräftig kurbeln bin ich aber vom Düdo gewohnt und hatte mich nur etwas gewundert. Hin und wieder gab es sogar ein Stückchen Asphalt zu sehen. Meist jedoch ne völlig ausgewaschene Piste mit knietiefen Löchern zur Umfahrung bestimmt.

Die Gegend herrlich, bergig und in sattem grün, Natur pur… und wir waren sogar Zeugen ohne es auf Foto festhalten zu können, wie sich eine gut 100-150cm lange schwarze Schlange die erst wie ein Stock aussah vom Sonnenbad auf der Strecke verscheuchen ließ und im Gebüsch verschwand. Schwarze Mamba… zum ersten Mal gesichtet. Danach kamen wir durch diese Schlucht und es ging auf der anderen Seite die Hügel wieder hinunter.

Fotostop nach ner Etappe mit viel Konzentration auch um Mike wieder von seinem Schrecken zu befreien… weiter machte ich es mir hinten neben Atlas gemütlich, Namek in der dritten Sitzreihe, umgeklappt gleich Kofferraum.

Es folgten nun einige kleinere Dörfer, total von der Zivilisation abgeschnitten selbst ohne Handyempfang oder Strom. Viele zerfallene Kolonialbauten und ab und an ne hübsche Kirche mit Autofelgen Glocke vor dem Tor. Ich könnte etliche Bilder zeigen, hab mich aber auf dieses hier beschränkt.

Der Weg wurde wieder breiter, es gab ein paar Brücken die zum Glück stabile vernietete Stahlkonstruktionen und schon 120Jahre
alt waren. Herrliche Bäche flossen darunter hindurch.

Dann wurde es ne richtige Piste und wir erreichten Atakpame wo es ins altehrwürdige Roc Hotel ganz nach oben auf die Terrasse zum verspäteten Mittagessen ging. Hübsch gelegenes Städtchen von Hügeln umgeben, wird‘ ich später mal genauer besichtigen. Es folgte etwas organisatorisches und die später entspannte Heimfahrt über die Asphaltstraße und Piste bis hinauf zum Golden Eye, wo wir pünktlich zur Dämmerung eintrafen. Diese Route heute wird vielleicht im Februar 2022 noch eine Rolle spielen, geplant ist eine Rallye mit historischen Fahrzeugen, wir hatten die Tage ein Treffen mit dem Veranstalter, welcher direkt vom Präsidenten das O.K. zu diesem erstmaligen Vorhaben hier in Togo gegeben hat. Klingt alles sehr erfahren und gut organisiert, die beiden ehemaligen Rallye Fahrer tauschten sich mit Neuigkeiten über Namen aus, die ich früher regelmäßig bei den Übertragungen auf EuroSport gehört hatte. Im Dezember soll es eine Begehung dieser Piste mit den Entscheidungsträgern geben, am liebsten würde ich dann schon begleitend im Unimog meine Testfahrt machen, die perfekte Strecke dafür… und hilfreich falls wieder jemand den kurzen Weg in den Bach sucht.

4 Gedanken zu “Das Prado Abenteuer…

  1. Jürgen Ender schreibt:

    Mein Gott! Der Marox Chef war ein sehr guter Freund vor mehr als 20 Jahren. Baute die Farm auf, hatte seinen tollen Supermarkt, seine damalige Freundin leitete das Alt München Restaurant — er war ein sehr aktiver Mensch!!!!!! In Frankreich hatte er auch noch ein beeindruckendes Anwesen. Wann er diese Welt verlassen hat ( ich lebte 1996-2001 in Togo), das weiß ich nicht. Weniger als 20 Jahre später ist alles down the drain, Afrika….. Dir weiterhin bewegende Tage und beste Grüße. Jürgen

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