Zeitwert, was ist eure Zeit wert

Heute mal ein vielleicht philosophischer Ansatz eines blogs über Zeit und Afrika. Bei meiner ersten Reise jenseits der Sahara über Mali nach Guinea und Bissau bis Senegambi brachte die übliche Winterflucht aus Europa nicht die gewünschte Ruheperiode um sich richtig einzuleben. Selbst wenn man zügig durch Marokko reist ist die Entfernung und meine Reisegeschwindigkeit im Oldtimer doch hemmend aber eben auch als entschleunigender Aspekt zu beachten. Vor Dezember hatte ich es auch auf dieser Tour nicht nach Schwarzafrika geschafft. Mitten in der Trockenzeit ist dies auch die meiner Meinung nach beste Reisezeit für das Afrika südlich der Sahara. Immerhin bin ich nun seit März in Togo und kann glaub ich den Wandel zur Regenzeit gut einschätzen. Aktuell ist Saison der Bohnen und der Regen soll noch 3-4 Wochen sporadisch wie üblich übers Land ziehen und überall Feuchtigkeit hinterlassen die auch bei sonnigen Tagen dann schnell schwüle humide Luft und frische Wolken bewirkt.
Als Aussteiger ohne zeitliche Begrenzung hab ich ja den Vorteil der Ungezwungenheit und entschieden die Problematik Coronovid auszusitzen. Nix drängt und die Zeit fühlt sich auch nicht verloren an. Dadurch ermöglichten sich mir erst die Erfahrungen auf der Farm, beim Strandleben in der Hauptstadt oder aktuell mit dem Projekt im Busch. Wie mein generelles Motto ja lautet; aus jedem Malheur, Misgeschick oder anderweitig passierendem Scheißdreck folgt irgendwie die Chance für was unerwartet Gutes. Danke also Schicksal für mein Verbleib in Togo zu dieser für viele andere harten Zeit.

In den früheren Sommersaisons mit 3-4 Monaten in der Heimat, wo ich mir zügig meine Reisekohle für die kommende 8-9monatigen Schlechtwetterperiode nördlich der Pyrenäen und Alpen zusammenkratzen musste, war Geld verdienen und Zeit ein untrennbarer Zustand. Oft hatte ich persönliche Vorhaben gegen die Möglichkeit bezahlte Arbeit abzuleisten hinten angestellt. Kann mir gut vorstellen, dass bei Vielen im Hamsterrad des Überlebens dies ein Dauerzustand ist. Für mich hieß es zum Glück nur eine gewisse Zeitspanne durchhalten und später dann die Früchte der Arbeit genießen.

Unumgänglich kommt mir also die Überlegung, was ist Zeit wert wenn schon nicht generell als dauerhaft und unaufhaltbar schrumpfende Lebenszeit angesehen. Kann mir nur Blindheit diesbezüglich erklären und haufenweise von den Medien vorgegaukelten Träume, welche man sich selbst mit viel Geld und Ansehen erst erarbeiten muss, bevor der Konsument überhaupt daran denken darf diese auszuleben. Es grenzt schon moralisch an Diebstahl wenn man als Querdenker nicht bis zur Rente an seinem vorbestimmten Platz sitzt und fleißig in die ach so soziale Gemeinschaftskasse einzahlt. Wie kann der Kerl nur in seinen 30ern das Leben geniessen, Schweinerei… Neid und Eifersucht sind starke Gefühle, kann ich nachvollziehen.

Aber selbst Schuld, ich hatte den Augenblick genutzt und alles hinter mir gelassen, die Möglichkeit hat jeder. Keine Eile zu irgend etwas bindendem zurück kehren zu müssen ist echter Luxus und deshalb auch, fühle ich selbst nach den bisherigen 6 Jahren on the road zum ersten Mal im Leben so richtig frei zu sein. Ein Gefühl dass ich jedem nur mal empfehlen kann. Meine Umstände hier in Togo sind ohne Beanstandung und können auch wenn’s Not tut noch ein weiteres Jahr beibehalten werden. Geld ist da zum Glück auch kein begrenzender Faktor, da das Leben ohne Dieselverbrauch echt erstaunlich günstig ist. Mit einem Euro bis 1,50 am Tag komme ich hier super aus und gönne mir mehr als der Durchschnitt. Dass ich selbst aktuell einen Großteil der Reisekasse in einen Traum zwischendurch und das Projekt UNIMOG stecke steht auf einem anderen Zettel, sehe da meine Investition in die Zukunft unterwegs…

Was ist also Zeit wert wenn man am Ende einer Episode, lass es Woche, Monat oder Quartal sein… mehr raus hat als man zum glücklich Leben braucht? Klar sind Vorsorge und Sparvorhaben für dazu nötige Investitionen sinnvoll, aber bis zu welchem Einsatz an der verrinnenden Erdenzeit? Viele höre ich sagen, wenn ich in Rente bin mach ich auch sowas wie du, aber was sagt dann der Geist zum schwachen Fleisch? Wenn die Zeit erst verstrichen ist kann selbst ein Haufen Geld das nicht wett machen. Beim Thema Weltreisemobile diese Sichtweise angewandt bringt Klarheit. Logisch braucht man dann halt die dafür kompfortable Technik wie fließendes Warmwasser und automatische Eintrittsstufen, komplizierte Solartechnik und nen Kühlschrank an Bord der niemals nicht ausfallen darf. Mit 65 glaub ich auch nicht mehr meine Körperhygiene mit im Topf beheiztem Wasser in einer Schüssel stattfinden lassen zu wollen oder mein Hubdach teils mit Körperkraft ohne Hydraulik, Pneumatik oder sonstige Elektromechanik anheben zu müssen. Luxus und Kompfort kostet halt, wer nur günstig will bekommt halt auch Handarbeit die dann diese Geldzeit Rechnung aufwiegt.

Was ist also deine persönliche Zeit wert? Gibt es eine reale berechenbare Summe die erreicht werden muss bei der man sich an einem Punkt der Entscheidung befindet. Entscheidung zum -lass ich sein- oder besser noch lass ich von jemand anderem für Geld erledigen, wovon ich in der Zwischenzeit mehr verdienen kann. Ist dies nicht Ziel unserer perversen Gesellschaft dadurch alleine eine Separierung der Qualitätsbürger stattfinden zu lassen? Ist die Zeit eines Politikers oder Firmenbosses an sich mehr wert als die jedes anderen? Immerhin werden selbst in der Deutschen Justiz Tagessätze zum Ausgleich für Gerechtigkeit an den Einkommensverhältnissen angeglichen.

Einfach mal gerechnet waren für mich zu Zeiten der Heimsaison mit diversen Fahrzeugreparaturen und anschließenden Verkaufsaktivitäten in der Summe natürlich das Geld nötig welches ich im Rest das Jahres für Sprit und Futter benötigte. Falls es also mal nicht in drei Monaten reichte wurde verlängert… und erst der letzte Winter, in dem ich in Portugal die WALKÜRE erschuf und nebenbei arbeitete und meine Entscheidung zur Umkrempelung meines Besitzes traf, ermöglichten mir ein Polster das mit über zwei Jahren nicht weiter überschaubar nötig scheint. In dieser Zeit kann viel passieen, wie man sieht, aber selbst wenn nicht ist dieses Detail ebenfalls ein beschränkender Faktor in unserem Denken? Muss ich mich persönlich zumindest die nächsten zwei Jahre unabhängig und sicher fühlen oder sind es bei anderen vielleicht erst 5 die man bewusst vorgeplant haben muss um sich ins Abenteuer zu stürzen? Bei Weltreisenden höre ich öfters, dass in den Vorbereitungen über Budget gesprochen wird… Ist das Budget nicht einfach dies was nötig ist um es aktuell möglich zu machen. Vielleicht sollten wir mehr den afrikanischen Weg einschlagen Hand in den Mund und nicht an Morgen denken, zumindest in allen Dingen die moralisch vertretbar sind und nicht der Natur oder Gesundheit schaden.

Was ist also eines Jeden Zeit wert? Klar fährt der vielbeschäftigte Geschäftsmann auf der Autobahn alles was geht ohne auf den Spritverbrauch zu achten während der Budgetreisende schaut bei welcher Geschwindigkeit er am ökonomischsten und ökologischsten voran kommt… Da ist der Weg des Herrn Doktor ins teure Restaurant mangels Freizeit zum Kochen ein vorbestimmter. Oder der überteuerte Griff an der Tanke zu Snacks der Bequemlichkeit wegen selbst zu wuchernden Preisen nachvollziehbar. Zeit ist Geld. Und ich sage immer und lebe es auch, wer Zeit hat braucht kein Geld. Anders herum kann man sich aber höchstwahrscheinlich mit allem Geld der Welt keine Lebenszeit zurückkaufen.

Nach diesen doch recht pragmatischen Ansichten ist meine Zeit also aktuell 1,50 und damit 1000cfa pro Tag wert da ich sonst alles hab was ich brauche und diese Summe zur Aufrechterhaltung des jetzig entspannten Zustandes reicht. Bleibt nicht viel übrig für Sonderausgaben, wozu aber auch. Da wasche ich also meine Wäsche lieber selber wenn auch dieser Service hier für nur Pfennige an Andere abgegeben werden könnte. So jedoch hab ich aber auch in der Hand die biologische Seife aus eigener Herstellung vieler Afrikaner den Chemieprodukten vorzuziehen die Einzug gehalten haben und heimisches verdrängen. Oder ich flicke meine Fahrradreifen zum vierten Mal statt einen neuen Schlauch aus China zu kaufen. Benutze die Bürste und den Pinsel am Projekt bis sie auch wirklich ihren Dienst abgeleistet haben.

Ist man also erst mit weniger Budget oder mehr Zeit für was auch immer ein nachhaltigerer Zeitgenosse? Wird nicht viel zu oft in der Industrie die Entscheidung für Profit und gegen die Umwelt getroffen oder umweltbewusste Methoden nur eingesetzt wenn sie auch zumindest langfristig mehr Profit bedeuten? Ist die Menschheit soweit hingerichtet worden muss man schon fast sagen, dass die Perversität nicht gesellschaftskonform anzusprechen ist. Immerhin werden Produktionszyklen ebenfalls immer kürzer und neu kaufen statt reparieren steht als Motor der Konjunktion vor allem anderen. Mein 40Jahre altes Fahrzeug ist hunderte Male recourcenschonender als die etlichen produzierten Einheiten auf dem Weg der Evolution in den aktuellen Wahnsinn. Nachweislich und trotzdem durch Medien als Dreckschleudern verunglimpflicht und mit Strafzahlungen belegt. Zeit umzudenken, oder zumindest nicht alles zu glauben.

Ich nenne mich nebst Reisendem und Aussteiger auch ab und an Hippie, wenn ich auch selber einige Formen dieser Subkultur gespalten betrachte. Nirgends aber wird mehr nach meinen angestrebten Gepflogenheiten gelebt oder bewertet. Nackt sein oder barfuss gehen wenn man sich danach fühlt, nicht alles ablehnen was vom Gesetzt her illegal ist, die doktrinierten Regeln der Gesellschaft hinterfragen. Niemand bleibt an einer leeren Kreuzung bei roter Fußgänger Ampel stehen, oder?… die Meisten aber doch hinterm Steuer bei selbst 100%iger Risikofreiheit. Warum verteufelt der Großteil der Bevölkerung bewusstseinserweiternde Pflanzen, oder generell Geschmack abseits der Norm die die Medien vorzugeben scheinen. Fernsehen schon immer mit großem Einfluß und Suchtfaktor für den guten Bürgen, vorgegaukeltes Zugehörigkeitsgefühl wenn man weiß was aktuell Trend ist… Wer kann heute schon mal nen Tag wirklich aufs Telefon verzichten, den Medien komplett aus dem Weg gehen (keiner Werbung oder Propaganda ausgesetzt zu sein scheint unmöglich), nur reine Musik oder Literartur geniessen. Perverse Resultate daraus folgen wenn die Jugend, selbst schon zu meinen Zeiten, diejenigen Mitschüler ohne Markenklamotten ausschließen. Wie kann man diesen Zyklus beenden?
Raus in die Natur, Tiere wahrnehmen und wenn es auch nur heißt einen Ameisenhaufen zu beobachten. Sonnenuntergänge bewusst erleben. Der Aufgang gibt dann vielleicht sogar Bonuspunkte, ich verzeihe mir selbst nur schwer jede verpasste Minute des Tages im Sinne von glücklich genossen. Ich bin vom Thema abgekommen, werd diesen Gedanken jetzt aber noch vollenden. Hippie sein heißt bei Vielen sich bunt oder unkonventionell anziehen und mit Farben Freude ausstrahlen, naja nicht mein Ding aber schwarz oder oliv hat auch viele Nuancen… Fröhlich sein, mehr lächeln und einfach mal jemanden nett grüßen, Umarmen könnte schon verschreckend wirken. Mehr positives Denken in die Welt setzen und selbst negativen Momenten Gutes abringen. Das Geben (nicht nur materiell) dem Nehmen überwiegen lassen ohne sich selbst vernachlässigt zu fühlen.
Und wenn man das so sieht und mit fremden Kulturen vergleicht ist das nicht weit weg… Hier unten hat niemand viel aber genug um soeben genannte Umgangsformen wirklich und aus tiefem Herzen zu leben. Ich werde so oft beschenkt, dass es mir anfänglich unanständig vorkam dies auch entgegen zu nehmen. Jedoch ist Ablehnung eine Beleidigung also nimmt man dankend an und überlegt schon in diesem Moment wie man demjenigen dafür etwas Gutes tun kann. Problem an der Wurzel gepackt und aus Eigeninitiative gelöst.

Wie angesprochen hab ich grad ein Restaurationsprojekt eines aus dem Busch geretteten Fahrzeuges in der Mache und dafür immer mal Hilfe nötig. Der Afrikaner ist langsam, unpünktlich und unzuverlässig… in unseren Vergleichsmaßstäben. Jedoch ist am Beispiel meines Helfers Josias jeder dieser Punkte hinfällig. Er lebt fast vollkommen ohne Uhrzeiten und kommt halt wenn es morgens passt, was ist da ne Stunde später wenn noch der ganze Tag zur Arbeit reicht. Klar ist er auch nicht der schnellste, aber dafür auch in der Relation günstig was wiederum wie oben beschrieben in Zusammenhang steht. Ich bezahle 1000,- für nen halben Tag also in unserer Zeitrechnung rund vier Arbeitsstunden. Damit hat er seinen Lebensunterhalt eingebracht. Für ihn reicht der grobe Plan Morgens bis Mittags oder Nachmittags bis zum Abend. Die Arbeit wird ja erledigt… Zuverlässig ist er also definitiv in anderem Maßstab und hat mir bisher schon viel geholfen, beide glücklich.

Ich hatte schon beim Schweißer das Problem geschildert, dass meine Bezahlung dieses Experten nach Anwesenheit also der wert seiner Arbeitszeit gegen Geld schwer verständlich zu machen war. Man konnte den Aufwand dieses Projektes jedoch nicht im vorhinein überschauen und ich wollte fair abrechnen und ihm täglich etwas geben. Im Nachhinein hat er sehr gut daran verdient und ich ein gutes Gefühl ihn nicht übers Ohr gehauen, oder mehr als ausgemacht beansprucht zu haben. Dass er obendrein noch ne Menge lernen konnte geb ich mal als Karma Bonus an.
Das Projekt also relativ entspannt betrachtet ohne festen Zeitplan, mich hetzt ja nix und so konnte ich auch die Verzögerungen bisher ohne Stress akzeptieren. Wenn es mal nix zu tun gab hab ich mich anderweitig beschäftigt, so ist der Lauf der Dinge. Hab einmal auf meiner Terrasse gesessen und meine Schuhe genäht. Schon fern ab der Normalität, die Dinger sind für andere nix wert für mich aber bequem und das zählt. Autoreifensohle und Ziegenleder Handarbeit aus Marokko, sowas bekommt man hier leider nicht.

Nach den Nähten dann die Sohle wieder angeklebt und fertig. Klar hätte ich das auch machen lassen können aber ich hatte grad die Zeit… und damit das Geld gespart.

Auch irgendwie nachhaltig wenn man dem Afrikaner vermittelt dass altes Blech immer noch nutzbar ist. Anstatt neues minderer Qualität zu kaufen wurden alle Teile der Restauration aus dem originalen übrigen Blech gefertigt. Das hat zwar etwas mehr Zeit beansprucht die passende Stelle zu finden und das Blech vorzubereiten aber am Ende wurde alles gut. Das Dach hat seinen Dienst getan und der Rest ist nun wirklich für die Presse. Der erhöhte Einsatz von Zeit hat sich für Natur und Geldbeutel gelohnt.

Passt nicht ganz in die Thematik aber vielleicht doch. Hab einmal auf der Straße einen Bautrupp oder Holzhändler gesehen. Im Pickup saßen drei Leute, die Ladung reichte bis zum Dach… und dazwischen liegend fanden noch weitere 5 Helfer Platz. Wozu ein anderes Fahrzeug nutzen wenn mit etwas weniger Bequemlichkeit alles günstiger erledigt werden kann. Alle kommen irgendwie zum Ziel und können dort weiter machen.

Kein Wunder, dass hier noch manpower eingesetzt wird. Einen ganzen LKW mit Sand vollschaufeln benötigt halt viele Arbeitskräfte und ist immer noch günstiger (und sozialer) als ne Maschine dafür anzuschaffen. Selbes Thema bei allen alltäglichen Aufgaben. Die Feldarbeit wird per Hand erledigt die Gerätschaften dazu meist aus eigener Herstellung.

Gezeigte Hacke wurde aus einem stabilen Ast und nem Stück Altmetall gefomt. Einzig das Allzweckwerkzeug Machete gibt es industriell hergestellt für 1500 an jeder Ecke und selbst der Rasen wird allen Ortes damit gestutzt. Bequemlichkeit hängt auch mit Gewohnheit zusammen. Wasser wird auf dem Kopf tragend geholt, hab noch nie jemanden sich darüber beschweren gehört. Die Installation von fließend Wasser würde auch den „Wert“ der meisten Unterkünfte selbst überschreiten. Und das ohne Wertung weil man glücklich ist und es ausreicht ein Dach über dem Kopf zu haben. Ob Holzhaus oder aus Lehmstein, mit Blechdach oder aus Bambus…

Hatte hierzu mal einen Überblick verfasst. Klar sind die Gegebenheiten anders, man braucht keine Baugenehmigungen oder Ausstattungen wie Heizung außerdem kocht man draussen. Doch dafür verschuldet sich auch niemand bis ans Lebensende für eine Unterkunft.

Link zum Hausbau

Trotzdem wird den Leuten hier anderweitig das Geld aus der Tasche gezogen. Mikrokredite sind überall erhältlich und Zinsen sind horrend. Reales Geld versenden über flooz, dem überall präsenten Marktführer ist wie Diebstahl. Millionen Togolesen schicken ihren Angehörigen so kleine Summen an Geld, dass in winzigen Bretterbuden in jedem Dorf eingezahlt und ausgezahlt werden kann. 1000 verschickt und 15% als Gebühren bezahlt… und keiner meckert oder denkt mal darüber nach. Schweinerei. Selbst Guthaben vom Handy an ein anderes verschicken kostet 10%, die beiden Mobilfunkunternehmen sind das größte Übel im Land. Bei vielen geht die wenige Kohle hier verloren und keiner hat ne Ahnung über die Tarife. So erkläre ich erst meinem Umfeld wie man Pakete aktivieren kann um Rabatte zu nutzen. Ohne solche sind 1000cfa bei zwei Anrufen schnell weg, ich komme damit 6mal länger aus. Diese Lockangebote und Rabatte sind auch zu kompliziert für viele Afrikaner. Ich hoffe es gibt Licht am Ende des Tunnels für Afrika…

Also dann mal wieder Grüße von mir, schiebt die ausgeartete Berichterstattung auf die Regenzeit, da gibt es Momente wo man nicht seiner Agenda folgen kann. Der Nachbar hat das noch einfacher gelöst. Sich unters Vordach gesetzt und gar nix gemacht als in den Regen zu schauen… das wäre nicht mein Ding, dafür ist mir meine Zeit zu wertvoll.

Ich war mit Badelatschen und Regenjacke im Dschungel unterwegs, auch interessant.

8 Gedanken zu “Zeitwert, was ist eure Zeit wert

  1. Tom schreibt:

    Gute Analyse unseres Wahnsinns.

    Gerade aktuell in der Diskussion über den menschengemachten Klimawandel:
    Wir sollen neue Autos kaufen, die Häuser dämmen (mit Kunststoff, der nur ein zwei Jahrzehnte hält), und sonst noch was – der irrsinnige Konsum und der Transportwahnsinn soll immer weiter gehen. So gut wie niemand zweifelt die Doktrin vom „Wachstum“ an.

    Kürzlich las ich einen Artikel, der das sehr schön auf den Punkt brachte
    (ich zitiere Ch.Stöcker):

    „Viele Menschen wissen nicht, dass ein konstantes prozentuales Wachstum am Ende eine Exponentialfunktion ergibt, also so eine Kurve, die nach rechts immer steiler wird, bis sie fast senkrecht aussieht. Das ist aber so. Ein konstantes Wirtschaftswachstum von zwei Prozent pro Jahr zum Beispiel sorgt dafür, dass sich die Größe einer Volkswirtschaft in etwa 35 Jahren verdoppelt. Wir machen das mit Absicht. Ja, wir streben es sogar an.“

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      • Roger-T. schreibt:

        Ohne auf Deine zahlreichen Bekenntnisse (alle gehören zu einem bekannten Repertoire, was ja nichts daran ändert, dass einige wahr sind) einzugehen, hier ein Hinweis auf schiefe Beispiele:

        Exponentialfunktionen für Jahrzehnte auf wirtschaftliches Wachstum anzuwenden, zeugt von absoluter Unkenntnis und triftet schon in Ideologie ab. Man muss nur einmal auch in die nähere Vergangenheit (XX. Jahrhundert) blicken, um zu begreifen, dass hier populistisch ein lineares Denken in die Zukunft extrapoliert wird, welches mit der Realität nichts zu tun hat.

        Es gibt keine einzige langanhaltende Periode ohne Schwankungen aller Art. Die exponentielle « Vorausschau » beachtet also z.B. weder Katastrophen (Natur – und/oder Pandemien) noch Kriege und anderes mehr, in denen es keine konstanten prozentualen Zuwachsraten mehr gibt! Es kann stocken, rückwärts gehen, oder einfach abgewürgt werden.

        Dieser Einwand gilt gerade für die aktuelle globale Situation so überzeugend, dass er eigentlich jedem Nachdenkenden klar sein müsste. Wir stehen vor gewaltigen sozialen, politischen – und damit auch wirtschaftlichen – Umwälzungen, die noch von keinem System erfasst werden können.

        (Trotzdem finde ich die Stöcker-Kolumne interessant und wichtig!)

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      • mb407 schreibt:

        Mal völlig deiner Meinung… und Ursache für die aktuelle Situation, wer will den Krieg, Hunger oder sonstige Einschnitte? Die die danach wieder Wachstum predigen können…

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  2. Tom schreibt:

    „Exponentialfunktionen für Jahrzehnte auf wirtschaftliches Wachstum anzuwenden, zeugt von absoluter Unkenntnis und triftet schon in Ideologie ab. Man muss nur einmal auch in die nähere Vergangenheit (XX. Jahrhundert) blicken, um zu begreifen, dass hier populistisch ein lineares Denken in die Zukunft extrapoliert wird, welches mit der Realität nichts zu tun hat.“

    Abgesehen davon, dass das neue Modewort „populistisch“ hätte rausgelassen werden können:
    Wie sonst lief denn das Wachstum in den letzten Jahrzehnten?

    Also in dem Zeitraum, den ich selber überblicken kann, (und das sind schon eine ganze Menge Jahrzehnte), lief es genau wie oben beschrieben.
    Wer’s nicht glaubt, kann gerne selber suchen, zB. nach „Wirtschaftswachstum weltweit seit 1960“

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    • Roger-T. schreibt:

      « Wie sonst lief denn das Wachstum in den letzten Jahrzehnten? »

      Es gab – in der Summe – ein Wachstum, aber kein exponentielles – also das, worüber wir hier gerade sprechen. Und das ist ein erheblicher Unterschied (siehe Teichrosenbeispiel!).

      « Abgesehen davon, dass das neue Modewort „populistisch“ hätte rausgelassen werden können.. »
      Ich verwende Begriffe nach ihrem Inhalt und nicht nach ihrer temporären Aktualität! (Diese Freiheit solltest Du mir schon lassen. 😉 )
      Wenn wir aber gerade dabei sind: ich sehe bei der (zudem falschen) Verwendung des Begriffs « exponentiell » hier klaren Populismus. Wer hatte denn z.B. im Publikum schon eine Vorstellung von dieser Größe, seit sie unentwegt (und hier zu Recht; siehe R-Wert!) bei der Pandemie verwendet wurde?

      « Also in dem Zeitraum, den ich selber überblicken kann, (und das sind schon eine ganze Menge Jahrzehnte), lief es genau wie oben beschrieben. »


      Man sollte Kenntnis nicht mit Erkenntnis verwechseln. Kenntnis ist heute eine Frage geduldiger Finger beim Klicken und bedeutet deshalb nicht unbedingt viel.
      Du kannst (und das geht schon tiefer) – wegen Deiner Lebenserfahrung – vielleicht historische Ereignisse verknüpfen. Aber auch das schliesst einen Irrtum in der Bewertung nicht aus.

      (Eben weil ich die Darlegung Stöcker’s für wichtig halte, ärgert es mich, wenn er sich in einem Teilaspekt seiner Argumente so leicht angreifbar macht.)

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  3. thorsten schreibt:

    … jeder, der antwortet sollte angeben wie viele kinder er hat (bei mir sind es zwei jungs). das ändert die weise wie die beiträge zu lesen sind 🙂

    liebe grüße thorsten

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