Alltag im Busch – Besorgungen

Öfters hab ich ja schon von meinem eremitischen Leben hier oben berichtet. Weit ab vom Schuss könnte man es nennen, denn selbst zum Markt muss ich mich 12-15 Kilometer aufs Moped schwingen, Piste wohl bemerkt! Das macht man nicht täglich und so halte ich mich an die Gegebenheiten. Runter ins Tal am Mittwoch nach Agave, oder Samstag nach Ele, Freitag in die andere Richtung nach Apeyme wäre auch drin, je nachdem was die Küche noch so hergibt. Dort finde ich stets Tomaten und Tofu, Reis Mehl und alle anderen verpackten Kleinigkeiten, zur Not auch „frischen“ Räucherfisch aber 250km von der Küste entfernt nicht mein Verlangen. Das war es dann aber wenn man den heimischen getrockneten Mais, die Yamswurzeln, das Gombo Grünzeug und Millionen von Chillischoten nebst der ganzen China Plastik mal wegdenkt. Der Rundgang auf einem Markt könnte also nach den ersten 5 Ständen als erledigt betrachtet werden, es gibt aber 100 davon und alle bieten das Gleiche. Jedoch laufe ich immer alles ab und finde auch mal was exotisches. So war ich letztens über Süßkartoffeln glücklich. Ich hab mir nun eine Art Einheimischen Status erobert, heißt meine Spezialisten gefunden die ich regelmäßig aufsuche. Tomaten hier, Maniokbällchen dort und ne Schüssel Aimolou auf der Bank neben den Frauen verzehrt. ne Kokosnuss zum runterspülen und dann ganz nach hinten um meine Portion in Zwiebeln und Chili mit rotem Öl eingelegten Tofu statt nur blank frittiert vorne an der Straße abzuholen. Dabei passiere ich die üblichen 20 Stände mit Boui aus Naturschalen der Kalabasse getrunken. Eine Art alkoholisches „vergorenes“ Getränk aus Mil und vielleicht auch Mais, da ist immer am Meisten Betrieb und ich werde regelmäßig eingeladen. Die müssen mich für den einzigen echten Muselmanen hier halten da ich immer freundlich dankend ablehne und behaupte keinen Alkohol zu trinken. Togos Bevölkerung je im Drittel Christ, Muslim oder Voodooanhänger. Markt beginnt 9Uhr und endet nachts. Wer alles verkauft hat kann dann die Kohle gleich erneut unters Volk bringen. Abends wird es laut mit Musik, höre es manchmal bei mir oben am Berg… vielleicht muss ich mal bis in die Dunkelheit dort bleiben…

Wenn es Baumaterialien fürs Projekt sein sollen sind wir schon bei einer Entfernung von 38km für die kleineren Besorgungen in Adeta, der nächsten „Stadt“ mit Baumarkt, Bank, Tankstelle und dem Krankenhaus der Region. Kommt rund alle 7-10 Tage vor.
Doch damit hat man dann auch schon alles gesehen, die angebotene Ware gleicht sich in jedem Geschäft und die Auswahl ist recht mau. Für KFZ Ersatzteile oder ein größeres Sortiment an Stahlrohren und selbst für diverses Obst muss man schon nach Kpalime fahren. Diese schön öfters besuchte Stadt mit deutscher Kathedrale am Fuße des Mount Kloto ist eigentlich das touristische Herz Togos und Eingang in die bergige Region Plateau von Lome kommend. Hübsch anzusehen und zwischen Tanke, Marktplatz und Kreisverkehr auch recht geschäftig. Immerhin gibt’s hier Ersatzteilshops und Werkstätten zum abklappern. Eine kenne ich noch von früher und der Chef hat Kontakte nach Ghana, kann nicht schaden. Sein Einsatzfahrzeug ist auch ne individuelle afrikanische Mischung, japanischer Herkunft mit deutschem Mercedes Diesel.

Kpalime hat drei richtige Baumärkte, also Quincallerien sogar mit Depot, einem Lager an Rohren und Winkeln… gut sortiert würde ich immer noch nicht behaupten.

Immerhin kann man mir sogar mal nen Überblick bieten um nicht nur auf Zuruf jeden einzelnen Preis abfragen zu müssen.

Es gibt also Flachstahl, Cornier Winkel, Carre und T-H sowie U… Rechtecke kennt man nicht… Mehr zu dem was man daraus basteln kann dann demnächst im Schrauberblog. Ich hab meinen Korb heute voll mit Melonen und Ananas sogar Papaya kommen grad wieder zur Saison. 5l Getriebeöl in einem Behälter und nicht nur in Literflaschen war schwer zu organisieren(will ja nicht unnötig Müll fabrizieren), Schweißer Handschuhe aus Leder und etwas Zubehör wie Elektroden, Trennscheiben und ne Drahtbürste. Ne Klarsicht Schutzbrille zum Moped fahren hab ich mir auch gegönnt, Kpalime liegt von mir über ne Stunde Fahrt entfernt…
Bei der Abfahrt runter ins Tal hab ich meinem Schweißer aus Agave an der Hauptstraße seine Karbidfabrik wieder gebracht. Die Blecharbeiten sind abgeschlossen, auch dazu bald separat mehr zu lesen. Ladungssicherung hat so hier wohl noch niemand gesehen, bei uns würde man trotzdem die Hände überm Kopf zusammen schlagen, nein kein alternativer Antrieb fürs Moped.

Die gute alte Aprilia mit ihren 20Jahren auf dem Buckel hat nun schon 3300km mit mir in Afrika durch… damit 10% ihrer gesamten Lebensnutzung im letzten Jahr alleine geschafft. Heiß begehrt hier unten zwischen all den Chinamopeds, werde ich mehrfach täglich nach Verkauf gefragt.

Der Markt von Kpalime übrigens der größte der Region 250Stände geschätzt mit größerer Auswahl in der Summe. Jedoch alles auf staubigen Wegen unter Wellblech, man kennt es hier nicht anders.

Das nächste Foto mal mit größerer Übersicht, nur geteilt durch eine Art Graben oder Flutkanal, bei Regen möchte ich nicht dort unten sein. Gummistiefel erforderlich.

Das komische an der Sache ist, dass ich diese Fotos aus einer massiv betonierten, zweietagigen mit Stahlgerüst überdachten Martkhalle geschossen habe die fast leer und ungenutzt ist. Etwas dunkel muss ich zugeben, anscheinend gibt’s kein Strom, aber weit bequemer und geordneter wäre hier machbar… aber erzähl das mal nem Afrikaner… also bleibt man im Dreck unter Wellblech. Steht wohl seit Kolonialzeiten leer… die große Palme im Innenhof kann das Alter bezeugen.

Ich hab also mal wieder was erledigt und genug vom Trubel… zurück in den Busch. Die Fahrt trocken und heiß bis schwül. Das Wetter hatte heute mitgespielt, ist ja immer noch Regenzeit und Wolkenspiele vor meiner Terrasse hab ich ja auch schon thematisiert.

Morgens bei der Abfahrt konnte ich mal selbe Phänomene aus anderer Perspektive knipsen. Wenn man da durch fährt hat man plötzlich feuchte Wimpern.

Immer noch besser als Regen, mal wieder ein Schauer der im Tal vorbeigezogen ist… erstaunliches Schauspiel.

Zurück daheim gab es auch etwas zu tun. Die Hündin von meinem Helfer und Nachbarn Josias hat gerade frisch und zum ersten Mal geworfen. Viermal gesunder Nachwuchs und ich darf sie alle begutachten. Drei Weibchen und ein Kerl… und nein ich brauche keinen Kameraden für Atlas.

In seiner Hütte ist zwar mehr Platz als in der WALKÜRE aber vier Welpen machen schon Lärm. Immerhin ist die Milch mit geschlossenen Augen schwer zu finden und die Geschwister nerven.

Da hab ich ihm angeboten aus dem Haufen ungenutzter Natursteine schnell ne Hundehütte vor der Tür zu zimmern. Fester Fußboden leicht erhöht, Platzierung neben dem Hühnerstall.

Rund und wie hier üblich mit Dachbalken zur späteren Strohdachverkleidung die ebenfalls isoliert. Eher zu heiß als zu kalt ist hier das Thema und so gab es den Schattenplatz unter der nicht genutzten Schüssel mit Blick auf die zu bewachende Hütte vom Chef…

Beim Steinerücken ist mir übrigens eine hier normale Hausspinne, wohl vergleichbar mit unseren Weberknechten unter gekommen. naja, Arachnophobie kann ich da schnell nachvollziehen. 10cm lange Fühler und die vorderne Beine sind zwei Scheren einem Skorpion gleich… mit Dornen wie bei Heuschrecken.

Die Hühner fressen die übrigens auch ganz gerne, also nie verkehrt sich Federvieh zu halten, sind auch gute Alarmanlagen wenn man das Gegacker versteht.
Ich hab mal wieder den Busch erkundet und ne Abkürzung zur Farm mit der Milch und Käse gefunden. Quer durchs Tal und an zwei Hütten vorbei in Richtung Ankouvie. Nicht mit dem Moped machbar und wahrscheinlich jeweils der Weg von der Piste zum Hof über den ich dann spaziert bin. dazwischen fast unberührter Dschungel, wenn man von dem sporadischen Kaffee mal absieht.

Kleiner Wasserlauf unten in der Senke, hübsches Örtchen für Selbstversorger.

Damit mal wieder eine Meldung von mir per Buschfunk, weiter geht es mit Erklärungen aus der Werkstatt, der Unimog aktuell mein Lebensmittelpunkt. Essen, Schlafen, basteln… und wenn das Wetter nicht mitspielt die Zeit vertreiben.

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