Der große ATLAS der Welt – mein Reisebegleiter Hund

So heißt ein Buch was wohl jeder aus der Schulzeit kennt. Es begleitet mich auf meinen Reisen und lädt beim blättern immer wieder zum träumen ein, die Welt ist größer als sich selbst manch Reisender vorstellen kann. Doch das heutige Thema betrifft meinen kleinen ATLAS, den vierbeinigen Begleiter mit der vorlauten Klappe, dem schwarz-weißen Muster im Fell und seinen nun immerhin schon weit über 30 besuchten Länder dieses Globus.

Er ist seit dem 1.Mai 2008 an meiner Seite, damals als 8-9 wöchiger Tollpatsch in mein Leben getreten. Wenn man das grob zurück rechnet kann er im Schaltjahr am 29.Februar geboren sein. Als Terrier Mischung über Kleinanzeigen gefunden war er eigentlich nicht was ich suchte, aber in den Gegebenheiten der Berliner Wohnung mit Hundezucht auf dem Balkon konnte ich ihn auch nicht lassen. Er war wohl ein Unfall und kein begehrter Rassehund, finde heutzutage schon pervers wie wir Menschen uns Lebewesen mit kurzen Nasen und anderen Details zurecht züchten. Er also eine gesunde Berliner Straßenköter-Mischung.

Ich hatte damals nach Schule und Dienst bei der Marine auch mein entbehrungsreiches Studium abgeschlossen und nun endlich Zeit und etwas Geld um meinem Begleiter im nächsten Lebensabschnitt Futter bieten zu können. Wir hatten aber noch keine Idee von dem was da kommen mochte und was wir zusammen noch erleben werden. Erst einmal wuchs er als kleines niedliches Fellknäuel in einem für ihn riesigen FitnessCenter in Kreuzberg auf. Jeder fand ihn knuddelig aber schon früh lernte er sich mit gewissen Gesten und Lauten fremde Leute vom Hals zu halten. Die perfekte Alarmanlage war geboren. Das Finanzamt wollte ihn aber nicht als solchen einstufen. Fotos als Baby sind nicht mehr vorhanden, als Jugendlicher hatte er Energie ohne Ende und den passenden Platz dazu.

Meine Arbeitszeiten damals jenseits der 40h und Natur erleben hieß in Pausen und nach Feierabend auf dem Kreuzberg rumtoben. An freien Tagen ging es raus aus der Stadt. Zu Zeiten vor Atlas meist mit Zelt auf dem Motorrad, nun aber hatte ich Verantwortung und ein Vehikel mit Platz für Hund und Motorrad musste her, der erste PickUp kam und dann wurde auch das Zelt größer und bequemer. Eigentlich hat er auch irgendwie meine mobile Lebensphase eingeleitet. Die Fahrzeuge sind hier beschrieben…

Die Anfänge . LINK

Wir waren also unterwegs wenn möglich und so hatte er schnell mehr als nur ein Revier zuhause. In der Stadt ist es voll von Hunden, als Jüngling mit instinktivem Trieb brachte uns das so einige Schrecken, also wurde er mit 1,5 Jahren kastriert. Die interessante Anekdote dazu, am letzten Abend vor der OP in einem Dorf an der Elbe genoss er wie üblich die Freiheit und brachte es tatsächlich fertig noch seine Jungfräulichkeit zu verlieren. Ärzte sind ihm seither nicht geheuer und als halber Border bekam ihm die Betäubung auch nicht gut. Sonst hatten wir fast nie mit Veterinären zu tun. Der immer selbstbewusste Atlas wird in einer Praxis ganz kleinlaut. Was er ebenso gar nicht mag und kaum über sich ergehen lassen muss sind Vollwäschen. Aber zum Glück ist er keiner der sich gern in Zeug wälzt… (Foto aktuell aus Togo)

Die Jahre vergingen und im Dezember 2013 wagte ich den Ausstieg. Wir hatten damals einen Garten zum „aus der Stadt raus sein“ und die etlichen Überstunden vom Job wurden auch clever eingeteilt. In diesem Jahr gab es schon einige Touren durch Deutschland, Tschechien, Polen und Schweden. Doch zum Jahreswechsel hieß der Lebensraum dann VW LT bis an den Atlantik und zum Mittelmeer. Meine weiblichen Begleiterinnen wechselten alle paar Jahre und hatten ihre Not seinen Platz zu besetzen, doch einen Van zu bewachen wurde schnell seine Erfüllung. Jeden Tag woanders Gassi, perfekt. Am liebsten mag er Strand, dunkle Wälder und Gebirge, mehr Variation könnte ich mir auch nicht vorstellen.

Gesundheitlich hat er kaum Probleme gehabt, keine Unfälle oder Bekanntschaften mit gefährlichen Tieren bisher. Seine große Klappe hat nur einmal nicht gereicht und der Gegner ist auf Angriff übergegangen. Ein Ziegenbock in Mauretanien kam dem Bus zu nahe und das Ergebnis war ein ausgeschlagener Zahn und ein etwas erschrockener ATLAS. Seitdem hat er vorne eine Zahnlücke. Aber auch zwei Backenzähne fehlen nun auf einer Seite. Die erste Zahnreinigung vor der großen Tour ergab zwei Wackelkandidaten die vielleicht unterwegs Probleme machen könnten, wurden entfernt. Kauen nun etwas schwieriger.

Er ist mehr Abwechslung gewohnt als man einem Hund normalerweise zutraut. Temperaturschwankungen in den Wüsten ließen ihn tagsüber träge werden, in den kühlen Nächten dann wieder voller Energie.

Über längere Zeit nur warm und im Schatten liegen ist hier in Togo
angesagt. Wenn man selbst nicht mehr barfuß am Strand laufen kann kein Wunder. Der aktuelle Einflussbereich in den Bergen ist ein kühles Paradies, außerdem kann er sich vollkommen frei bewegen, obwohl ich auch einen Python und Skorpione in der Nähe weiß. Aber wie schon immer und selbst angepeilt vorgelebt, no risk-no fun. Lieber ein risikoreiches geiles Leben als ein langweilig sicheres an der Leine. Erfahrungen hat er ja genug.
Einige sogar noch vor mir gemacht. Ein optisch fester Untergrund muss nicht immer tragen… hab mit nem Kumpel in Bissau an einem trockenen Flusslauf geparkt, Nachdem der Kerl dreckig Heim kam hatten die Busse ihre Probleme.

Afrika mit Hund ist nix besonderes wie viele immer glauben. Interessiert eigentlich selten an Checkpoints oder Grenzen ist höchstens mal Gesprächsthema. Die Rückkehr in die EU bedarf dann einiger Papiere, Tollwutimpfung etc. Neben Impfpass gibt’s den EU-Heimtierausweis mit Chipnummer u
nd Foto, echt wahr. Führt immer zu ungläubigen Blicken wenn das Gespräch auf meinen Begleiter aus Europa aufkommt. Neid? Definitiv hat er ein tolles Hundeleben und erlebt viele spannende Orte.

Es gibt aber auch nervige Momente, wenn er mal wieder was undefinierbares zu fressen gefunden hat oder sein Alarmmodus zu sensibel eingestellt ist. Bemitleidenswert wird es bei Gewitter, dann geht’s ab in die Bude mit einem ängstlichen Blick. Wir sind beide Einzelgänger und trotzdem ein Team, er könnte definitiv mit keinem anderen als mir auskommen. Er hat seinen Platz auf dem Beifahrersitz mit Aussicht und wenn ich nachts in der Koje verschwinde macht er es sich auf der Couch gemütlich.

Einen Hund zu haben heißt Verantwortung und auch Einschränkungen in persönlicher Freiheit. Schnell mal länger weg bleiben wäre doof. Aber diese Aspekte wiegt er mit Verlässlichkeit auf. Wenn ich mit dem Motorrad unterwegs bin passt er auf die WALKÜRE und unser Zeug auf und freut sich auf meine Rückkehr. Meist mit Belohnung für geleisteten Dienst. Mit dem Fahrrad starten heißt für ihn aber ich bin nicht weit weg und er geht mich irgendwann suchen, muss also an die Leine. War mal auf der Farm mit dem Rad 10km zum nächsten Markt unterwegs und hab ihn auf halber Strecke am Rückweg im Busch getroffen… nicht cool…

So langsam wird er schon älter. Das ein oder andere Haar wird grau und man humpelt auch mal wenn der Sprung auf die Terrasse missglückt ist. Ich untersuche ihn täglich nach Parasiten wie Zecken und Flöhen, hab alles mit Kamm und Pinzette im Griff. Chemie nutzen wir nicht und Kokosöl mag er im Futter aber nicht auf dem Fell. Der Zahnlücke wegen sind große Fleischstücke oder Knorpel nicht mehr drin, die schluckt er zu schnell und ich muss alles klein schneiden. Aber auch an trockenem Reis würde der Idiot ersticken weil Fressen für ihn ein Sport ist.

Alles wird gut… Auf die nächsten Jahre und Länder mein Freund.

2 Gedanken zu “Der große ATLAS der Welt – mein Reisebegleiter Hund

  1. detlef / busfreaks.de schreibt:

    Na dann drücken wir mal die Daumen, das er dich noch sehr lange begleitet.
    Denn an diesen letzten Tag will heute noch keiner denken.
    Wir wünschen Ihm alles Gute und das er es noch sehr lange mit Dir aushält.

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