Projekt UNIMOG 406 Ganzstahlführerhaus wird Cabrio

Die Restauration des Führerhauses ist gleichzeitig eine Neukonzeption der Ganzstahlkabine zum Cabrio. Das Dach war durch und ich will open air feeling im UNIMOG, also muss auch die schlecht reparierte und improvisierte Windschutzscheibe anderweitig ersetzt werden. Der ursprüngliche Winkel des Windschildes wird im Gegensatz zum Beispielfoto im letzten Blech-Blog jedoch nicht verändert und eine weitere kleine A-Säule entsteht. Dieser nun neue Zwischenraum bekommt ein kleines Fenster, würde sonst zu viel Sicht nehmen.

Die Oberkante ist gleichzeitig aus Stabilitätsgründen ein durchgehendes Winkeleisen bis zur B-Säule und damit oberer Abschluss der Türeinpassung die original bleibt. Ein Cabrio mit Stahlkarossetüren, ein UNIKUM. Fand ich jedoch als am wenigsten aufwändige Variante und clever doch Seitenfenster und die originalen Türen beizubehalten. Da die Scheibe der besten Sicht wegen aber nun mal diese Dimensionen angenommen hat und bei eventuellem Aufziehen einer Persenning diese direkt am Kopf streifen würde muss ich eh mehr Platz nach oben generieren. Luftig lichte dünne Hilfsstreben dafür.

Die Türen bedürfen natürlich an der Unterkante Reparation… und das nicht zu wenig. Da war schonmal jemand dran und hat massiv angebrutzelt, altes Blech drunter gelassen und alles mit Spachtelmasse vertuscht… eine Sauerei beim entfernen. Auch fand ich dieses Abschlussblech zum Einstieg mehr als unpassend.

Nicht dass ich die Illusion hätte die Kabine luftdicht zu bekommen, aber zumindest Staub oder Schlamm von unten hochgesprüht kann ich vermeiden. Außerdem wie gesagt muss eh alles an der Unterkante neu.

Sieht dann nach einige Anpassungen und gründlicher Entrostung und Grundierung innen final so aus. Braucht jetzt noch den Winkel zum Einstieg in passender Höhe und dann Farbe.

Die Fertigung der Bleche hab samt anpunkten lieber ich übernommen. Mein Schweißer wie gesagt darin nicht ganz so geübt, aber mit der Flamme kann er umgehen. Azetylen aus Karbid wie die Auflösung meiner letzten Rätselfrage hieß und alles auf dem Boden statt der Werkbank. Angewohnheiten bekommt man nicht weg, auch mit der Sonnenbrille ist das typisch afrikanisch, meine immerhin echte China Schweißerbrille war ihm zu dunkel.

Der Auspuff vom Moped warte als nächste Aufgabe auch mal wieder auf Spenderbleche, zur Zeit aber sieht man, brutzelt er grad an den Kotflügeln rum. Die hatten es ebenso nötig und werden final nur ihrem Zweck dienen und nicht schön oder gerade aussehen, Hauptsache fest für die nächsten Jahre.

Immerhin sind die hinteren unter der Ladefläche geschützt gewesen, waren mit nur wenigen Hammerschlägen und Handgriffen fertig zum Lackieren… wieder eine Aufgabe für meinen anderen Helfer, dessen Haupteinnahmequelle diese Tätigkeiten bei mir nunmal sind.

Atlas hat alles im Blick und bellt immer mal wenn sich Besuch nähert. Meist jemand aus den letzten Farmen den Weg hinter mir in den Busch hinein, man kennt sich. Lasse mich aber ungern von der Arbeit abhalten, gerade wenn es gut läuft. Eine zweite Tür wartet mit ebenso derber Karies.

Das Spenderblech aus den Überresten des Daches hat kaum noch gute Stellen übrig, so muss ich hier sogar stückeln, fällt dann aber auch nicht weiter auf…

Eine ordentliche Kantbank aus guter alter deutscher Produktion ist übrigens eines jeden Metallbearbeiters Grundausstattung hier. Echt wahr, jeder Schlosser hat mindestens ein Stück Eisenbahnschiene bei sich die zu Kolonialzeiten von den Deutschen hier verlegt wurden.

Gekantet werden musste bei der nächsten Baustelle auch ordentlich, Falz mit dem Meißel angedeutet und dann per Hammer auf entsprechender Ecke breit geschlagen. Die Nase des 406 hatte mal eine verpasst bekommen und der verdellte Träger war schief und krumm und mit Spachtelmasse kaschiert. Flog raus und wurde gerichtet.

Original sind dort ebenfalls zwei Bleche verbunden, eines formt die Rückseite und wurde dann auch beibehalten.

Und ein dreimal gekantetes U dann zur Blende an der Vorderseite, damit herrscht nun auch wieder Stabilität und Flucht mit der Motorhaube… wenn auch die OP durch eine Narbe erkennbar ist, Spachtelmasse kommt mir nicht ans Blech. Die Aufbringungen des Schmelzschweißverfahrens auch abgeschliffen sichtbar.

Bleibt auf der Zielgeraden zur Fertigstellung nur noch meine Idee den Überrollbügel anderweitig zu befestigen. Die Ecken hatte ich zur Entrostung und Versiegelung sowieso offen, schnell noch 50er Winkeleisen mit 16mm Löchern versehen und dahinter M16Muttern geschweißt, das ganze dann implantiert und ebenfalls mit der Grundplatte verbunden. Blech wieder drüber und in den nächsten Tagen zusammenfügen, Karbid war verbraucht, Nachschub muss im Dorf besorgt werden.

Immerhin nimmt das jetzt alles richtig Form an und entspricht meinen Vorstellungen. Bevor die Kabine wieder auf den Rahmen abgesetzt wird muss natürlich untenrum noch Farbe drauf. Unterbodenkonservierung hab ich vergeblich selbst in der 60km entfernten Großstadt Kpalime gesucht… muss also bei mehreren Schichten Grundierung und Endanstrich bleiben.

Dass dieser drauf muss und man keine Grundierung so lassen sollte da die offenporig ist und Wasser anzieht weiß man zumindest bei uns. Über dies und die Konsequenzen Rost macht sich aber kaum jemand hier Gedanken, wenn überhaupt Geld für Farbe da ist wird es grundiert, fertig. Hier am Morgen der bildhafte Beweis mit aufsitzendem Tau am gestrig lackierten Blech im Innenraum.

Der nächste Beitrag zur Blecharbeit dann hoffentlich mit kompletter Grundierung des Fahrerhauses. Dafür muss aber alles erst einmal geschliffen werden, wollte bisher nur direkt die frisch eingesetzten Bleche in Sicherheit wissen. Alles was rot ist kam also in den letzten Wochen neu dazu… hier mal ein Filmchen zum Überblick.

Bleibt noch die Mechanik am Klappfenster vorne fertigzustellen und die beiden vorbereiteten Bleche am Heck einzubringen, dann sollte es das gewesen sein. Da die Motorhaube zumindest keine Löcher aufweist muss die nur etwas gerichtet werden und bekommt dann direkt Lack . So kann man bei einer doch recht kleinen und übersichtlichen Kabine auch ne Menge Arbeit versenken… Immerhin günstig. Material war zumindest bis auf die paar Meter Rohr als Altblech vom Dach vorhanden, ein halbes Paket Elektroden und etwas Schleifutensil, macht knapp 20,-€ beim Baumarkt dazu Sauerstoff und Karbid sowie neuer Draht und rund 10 Arbeitstage die der Schweißer hier geleistet hat. Macht knapp 50.000cfa also keine 100,-€ und damit ein guter bis zwei normale Monatslöhne bei drei glücklichen Beteiligten. So gehört sich das.

2 Gedanken zu “Projekt UNIMOG 406 Ganzstahlführerhaus wird Cabrio

  1. Sepp schreibt:

    Hallo Philipp,

    immer wider gerne lese ich deine Einträge. Danke das du uns mit nimmst an abgelegene Orte und uns einblicke gibst in deinen Alttag.

    Grüße aus dem 9° kalten Bayern

    Gefällt mir

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s