Projekt UNIMOG – Blechflickereien

Die Karosserie des UNIMOG ist in erstaunlich gutem Zustand gewesen im Vergleich zu anderen 45 Jahre alten Fahrzeugen. An tragenden Rahmenteilen ist so gut wie nichts von Rost befallen, nur der hinten freigelegte untere Träger weist eine Schwäche auf und eine der typischen Bögen an der Nase des 406 ist durch.

Doch ich muss nicht weit schneiden um stabiles Material zum Ansetzen zu finden.

Drei Millimeter dicken Flachstahl und davon zwei Stücken unten und gebogen dann vorne um den Rahmen zu flicken und ein 1mm Blech um alles hübsch zu kaschieren. Meine Schweißpunkte zur Fixierung wurden dann fachgerecht vom engagierten Blechkünstler mit der Flamme und nem Stück Draht verschmolzen. Die Auflösung der gezeigten Eigenbauaperatur zur Gaserzeugung aus dem letzten blog war übrigens der Verdampfer der Ethin, also Acethylen aus Karbid mit Wasser herstellt. In der großen Buddel befindet sich dann reiner Sauerstoff. Zusammen das altbewährte Gas für das Autogenschweißverfahren auch Gasschmelzschweißen genannt.

Solche ähnlichen Reparaturen mit von mir vorbereitete und eingepassten Stücken hat der Schweißer dann immerhin recht ordentlich verbunden. Detaillierte Anpassung von Blechen oder auch nur annähernd genaues Arbeiten ist nicht des Afrikaners Tugend. Kein Wunder wer mit Meißel statt Flex geübt ist und das Ergebnis bei all der Flickerei allenortes nicht auffällt. Jedoch will ich den UNIMOG so gut es geht wieder herstellen, heißt Sicken behalten und nicht einfach Bleche aufbrutzeln und Hohlräume dahinter lassen. Auch hatte der anscheinend noch nie auf Stoß geschweißt und deshalb keine exakt passenden Bleche anfertigen müssen.

Die andere Variante mit überlappend aufgesetzten Blechen durch Bohrlöcher zu verschweißen um saubere Kanten zu behalten war ihm auch neu. Im Innenraum des Beifahrers unterm Sitz also perfekt zur Ausführung der Lehrstunde. Danach Schlacke ab und Überstand runter schleifen, Rostschutzfarbe drüber, fertig. Hier kann man auch gut erkennen dass die anschließend immer überlackiert werden soll, ist offenporig und zieht Wasser. Der Tau am Morgen nur auf dem roten Grund.

Die Ursache von Rostlöchern außen an der Karosse sichtbar ist meist Lochfraß von Innen, so muss man an die Wurzel des Unheils.

All das braune Zeug dort oben rechts in der Ecke sichtbar war eine Zentimeter dicke Schicht von Ablagerungen aus Rost und Sand die natürlich auch ne Weile Feuchtigkeit an Ort und Stelle halten und jedes drüber genagelte Blech ebenfalls sofort angreifen. So gesehen an einigen weiteren „reparierten“ Stellen.

Man kann schon mit Nieten arbeiten, hab ich auch schon gemacht, aber bitte wenigstens vorher die Blechcorona entfernen und saubere Verhältnisse schaffen, Rostschutzfarbe kann nicht schaden, macht nur leider bei anschließendem schweißen keinen Sinn, das verbrennt. Beim gezeigten Loch aus dem Beifahrer Kotflügel hab ich aber den Vorteil im Motorraum von Innen ran zu gelangen und die Naht später zu putzen und mit Farbe zu versiegeln.

Ja es läuft und hier noch ein paar weitere Flicken mit zufriedenstellendem Ergebnis.

Wer sich jetzt wundert warum die Blechsstücken alle ebenfalls gelb sind, ganz klares Recycling und bisher kam noch kein minderwertiges afrikansich-chinesisches Blech ins Projekt. Spender war das Dach mit seinen großen ebenen Bereichen die nicht wie alles drum herum von Rost befallen waren. Gleiche Qualität und irgendwie ein Gutes Gefühl bei diesen Implantaten. Es wurde weniger…

Etwas wehmütig jedoch musste ich den Schnorcheldurchgang entfernen der leider mit dem neuen Fensterrahmen kollidieren würde.

Fenster übrigens auch ein Stichwort. Die Falz, die aus dem Blech des Armaturenbrettes und seines Nachbarn oberhalb der Motorhaube zusammengepunktet ist, musste auf kompletter Länge von links nach rechts weichen. die beiden Bleche wurden dann bündig und eben erneut zusammen geschmolzen und geben nun frisch geschliffen und grundiert eine glatte Fläche die zumindest mittig zur Auflage des Kippfensters bei geschlossener Position dient. Die beiden Seiten sind dann erweitertes Armaturenbrett und zusammen gefühlt mehr Innenraum, da das neue Fenster knapp 15cm weiter vorne hausen wird.

Und auch der Fußraum ist nun fertig, eigentlich komplett neu geschaffen. Das war eher nen Akt dem Schweißer zu erklären wie es werden soll, hab es dann selbst gefertigt und er eingebracht. Eine Umrandung von Winkeleisen an die unten schon weggerostete Blechkante der Überreste. Darin liegt nun eine stabile 2mm Stahlplatte die mangels Dichtmasse mit ordentliche Farbe an den Rändern „versiegelt“ wurde. Diese Platte stammt aus einer Bordwand der Pritsche und war nicht einfach rauszutrennen, dünne Scheiben gibt es hier kaum und mit ner 3mm Trennscheibe schleift man ne Weile durch so dickes Material…

Es gab noch weitere kleine Löcher, die dann nicht mit Blech und Elektrode, sondern direkt Flamme und Draht quasi aufgefüllt wurden. Damit kann er ganz gut und brachte so auch nen Großteil der Flicken ein. Das hatte für die Arbeitsteilung den Vorteil, dass ich mit E-Hand schon Punkte setzen konnte zur nächsten Etappe um das Projekt voran zu bringen.

Das Ergebnis von der ganzen Brutzelei ist weit weg von perfekt, aber meinen Vorstellungen entsprechend solide und ordentlich gemacht. Jeder andere würde die Hände über dem Kopf zusammen schlagen, ich aber hauptsächlich den Rost entfernen und den Verfall aufhalten. Ich will später auf Spachtelmasse verzichten und die Wunden und Narben des verdient in die Jahre gekommenen Arbeitstieres offen zur Schau stellen. Außerdem wie üblich mit der Rolle lackieren, also wozu der unnötige Aufwand?

Ich komme kaum mit dem Schreiben vom blog hinterher, es läuft grad am Projekt und ich teile den Beitrag Blechkunst um später weitere Fortschritte zeigen zu können, die großen Baustellen warten ja noch…

2 Gedanken zu “Projekt UNIMOG – Blechflickereien

  1. detlef / busfreaks.de schreibt:

    Hallo, ich war nun drei Wochen in Urlaub, wenn man es so nennen kann zu diesen Zeiten.
    Nun habe ich alles auf einmal gelesen und bin überwältigt, wie Du die Arbeiten so meisterst mit den doch geringen Hilfsmitteln.
    Also viel Spaß und gutes gelingen weiterhin.

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