Metallverarbeitung in Afrika – Abenteuer Schweißen

Für diese Etappe der Restauration und der unkonventionellen Umbaupläne für meinen Unimog habe ich mir Hilfe geholt. Einen Tollier, also Blechkünstler der anders als ein Souder en arc also Schweißer für Stahlbau auch mit Karosseriearbeiten klar kommt… hoffentlich.

Wie alles andere auch findet man niemanden im Umkreis von unter 15 Kilometern, also muss einer aus den nächsten Dörfern antanzen um hier seine Arbeit zu tätigen. Die Suche hatte etwas länger gedauert und war final erfolgreich, unten aus Agave fährt der einzige Mechaniker, der nun seine Werkstatt den Azubis also ner Horde Jungs überlässt, morgens mit seinem Moped die Piste zur Werkstatt hoch. Die Tage zuvor ist schon sein Equipment eingetroffen… ne fette Aze-Sauerstoff Buddel und eine weitere Kuriosität.

Es wird also mit Flamme Stahldraht (nicht Blei oder Zinn) gearbeitet, was die Funktion dieses „Verdampfers“ ist hab ich immer noch nicht ganz verstanden, auf jeden Fall kommt eine Art Stein ins Innere und wird mit Wasser versetzt, der Produziert ein weiteres Gas was zugesetzt wird. diese Steine sind weiß und spröde wie Kreide, müssen mit altem Motoröl gegen den Zerfall geschützt werden, archaische Technik? Wer weiß mehr darüber?

Weiterhin hab ich 2,5er Elektroden für das hier vorhandene E-Hand Schweißgerät organisiert, da es ohne größere Aktion kein Mig/Mag Gerät aufzutreiben gab. 99% aller Schweißarbeiten hier in Afrika werden mit diesem (altmodischen) Verfahren getätigt, also muss ich mich damit mal befassen.

Aus den in Lome organisierten Vierkantrohren und Flachstahl Stücken hab ich mich als erstes an die Vision meines Scheibenrahmens gemacht. Gewicht spielt eine untergeordnete Rolle, ich wollte ihn etwas stabiler um beim Klappen nicht zu verwinden. Auf das Gerüst dann die Flacheisen gepunktet um eine Nut für die später folgende Glas oder Plastikscheibe zu erhalten. Mittelsteg damit es stabiler ist und die Fensterflächen etwas kleiner werden, fertig.

Das hat mit Ausmessen, anpassen und auf Gährung schneiden, anschleifen anpunkten und erneuten Schweißübungen doch ne ganze Weile gedauert. Außerdem hab ich immer mal wieder Löcher in die Mitte der ungleichmäßigen Rohre gebrutzelt, das Ausgangsmaterial ist echt auch minderer Qualität und schon rostig beim Kauf. Doch am Ende des Tages lag das Resultat fertig bearbeitet und zum Lackieren vorbereitet vor mir.

Nebenbei hab ich dem Schweißer Bleche gefertigt und Ideen zu vermitteln versucht. Der Fußbereich im Fahrerraum war als erstes dran und sollte schon stabil werden. Also will ich Winkeleisen an die Überbleibsel der verrosteten Karosserie anbringen um dann eine dickere Bodenplatte einzulegen. Er hätte wohl einfach Blech reingehämmert und festgepunktet… und ich hab dann im nächsten Jahr noch wenig Blech übrig und der Fußraum rostete immer kleiner. Nun ja, bin gespannt was draus wird, vorne hat sich die Pest ja bis unter die Pedale gearbeitet. Platz schaffen war am Vorabend also angesagt.

Lenkrad samt Säule raus und die Formteil-Gummiblende als einziger Schutz vor Dreck aus dem Motorraum ebenfalls. Diese war mit kleinen Blechen verschraubt und hatte selbst einige Risse, ging schon zum Reifendienst um mit Kleber und Fahrradschlauch eine Reparatur zu erfahren. Überlege jetzt nur noch ob Farbe drauf das früher schon angesprühte Ding hübscher macht oder eventuell eine Dämmung aus Leder es verblendet und gleichzeitig etwas Schall isoliert.

Nach all dem Zeug was nun schon das Fahrzeug verlassen hat ist es auf und unter der Werkbank ganz schön voll geworden. Passt aber, denn zum Arbeiten gehen die Afrikaner lieber auf den Boden, ich hab mir da eine rückengerechtere Stelle auf der Platte frei gelassen.

Mein Kumpel und Helfer Josias hilft auch bei Verständigungsproblemen, ihn verstehe ich immer noch am Besten und der Schweißer ist wie er ein Kabier aus dem norden Togos. Außerdem hat er mit Drahtbürste und Schleifleine die Aufgabe den Hilfsrahmen oder die Pritschenspinne lackierfertig vorzubereiten. Im Hintergrund auf der Fahrerseite der Blechkünstler versteckt.

Wer sich genauer die Karosse angesehen hat ist sicherlich erschrocken, ja das bekommt man wieder hin. Musste die Ecken hinten öffnen da ich keine frische Farbe auf alten Pfusch pinseln mag. Außerdem haben die Löcher von Unten nur einen Teil des alten Roststaubes im Inneren des geschlossenen Holmes entfernt, der lag dort Zentimeter dick und musste ausgekratzt werden. Anscheinend eine Schwachstelle vom Unimog, da gibt es original keine Möglichkeit auch nur Hohlraumkonservierung einzusprühen.

Frisch geschliffen und mit Rostschutz verpinselt kann ich später ruhigen Gewissens behaupten alles getan zu haben das Leben dieses Unimog zu verlängern, selbst wenn mein Cabrioumbau viele als Verstümmeln ansehen. Das Dach wie erwähnt war aber eh nicht zu retten und eine geschlossene Kabine ist hier in Afrika eine schwachsinnige Sauna. Der angeknabberte untere Träger der Plattform die ja immerhin die Stabilität der Kabine gibt wird wohl noch mit nem Winkeleisen verstärkt…

Ja, dann ist die Katze ja aus dem Sack, es wird ein Eigenbau mit zwei gläsernen, originalen Heckfenstern als Schutz vor Zugluft von hinten. Dazwischen der Durchgang zur späteren Wohnkabine. Zusammen mit den originalen Türen die oben einen neuen Auflagepunkt als Verbindung zum A-Holm bekommen wirkt das schon wie ich glaube. Nur dass vor dem ersten Fensterrahmen nun ja noch ein zweiter ne angemessene Position finden muss, schwanke da noch zwischen drei Varianten, teils mit kleinen Fenstern seitlich. Das Original ist gebogen und meine Konstruktion flach, kommt an den Enden also knapp 15cm weiter nach vorne.

Sowas ergibt sich kreativ später beim konstruieren und ist auch Hauptgrund warum ich einen Schweißer auf Zeit engagiert habe mit mir zu arbeiten und nicht für mich etwas fertig zu stellen. Ideen entstehen im Prozess des Schaffens. Man kann beiderseitig auch noch ne Menge lernen. Er kann frei gestalten ohne kalkulieren zu müssen, Arbeitsmaterial geht komplett auf mich, seine Zeit wird bezahlt. Ein Konzept was der typische Afrikaner nicht versteht und ne Weile drüber nachdenken muss. Ich fragte ihn als Beispiel was er pro Woche in seiner Werkstatt verdient, wo er ja sein würde wenn er nicht hier bei mir arbeitet. Manchmal nix kam als nicht ganz clevere Verhandlungsbasis. Ok, dann in größerem Maßstab gefragt, was brauchst du im Monat um gut zu leben… auch keine Idee, Geld kommt und geht halt, das ist Afrika. Was er haben will weiß er also nicht aber als ich was vorschlage wird verhandelt und drauf geschlagen. Ich gehe von einem durchschnittlichen Arbeiter aus der zwischen 30-50.000 cfa im Monat bekommt. Er ist Spezialist und arbeitet für einen Jowo, also teurer, logisch. Josias bekommt 2.000 für Handlangerarbeiten am Tag, will die Kluft auch nicht zu groß werden lassen also bekommt der Schweißer das doppelte und alle sind glücklich, dazu noch 500 für den Sprit in sein Moped. Ich hoffe nur dass er seine Leistungen dafür noch etwas steigern kann…

Das Blech ist, naja noch nicht was ich mir vorgestellt habe aber wie gesagt er lernt dazu. Ich will später keine Spachtelmasse die alles verdeckt, gute ehrliche Blecharbeit mit Rostschutzfarbe überstreichen und lackieren, fertig. So deutsche Tugenden wie korrekte Maße und saubere Arbeit ist nicht seine Stärke, immerhin mehr als pünktlich erschienen. Mir geht es um bestmögliche Qualität damit ich später keine Spachtelmasse auftragen muss um den Pfusch zu verblenden, Karrosseriedichtmasse fand ich in ganz Lome nicht. Dass Bleche also am liebsten ohne Spalt zum Nachbarn oder gesetzte Punkte auch wirklich Kontakt haben ist also ein Umstand der kontrolliert und öfter nachgearbeitet werden muss. Vorbereitungen der Bleche also Entfernung der Farbe und Anpassung der Ecken wo man später schlecht ran kommt ist auch hohe Kunst die sein Handwerk bisher noch nicht benötigte. Ich bin kein Experte, hab aber oft genug mit welchen zusammen gearbeitet, Bleche können auf Stoß oder überlappend, gerne mit passender Falz geschweißt werden, original werden schon eher Punkte als durchgehende Nähte gesetzt, dafür auch Löcher vorgebohrt um Außenkanten sauber zu halten… er lernt dazu wie erwähnt.

In der Summe ist es aber fast aufwändiger mit ihm zu arbeiten als es in ähnlicher Qualität alleine hinzubrutzeln… zumindest hab ich die Entscheidung getroffen die Konstruktionsarbeiten der Kabine selbst zu übernehmen, mit dickerem Material hab ich keine Probleme. Zumindest hat er eine weitere Fähigkeit die mir fehlt… mit der Flamme schweißen. Dies wird bei kleineren Löchern angewandt und auch zur Reparatur des Tanks mit den winzigen aber zahlreichen Rostlöchern ist es die bessere Variante.

Anschließend geht dieser dann in Josias Hände um gesäubert, geschliffen, grundiert und lackiert zu werden. Und mein fleißiger Nachbar hat wieder einen Tag Arbeit gefunden. Dies hat sich wahrscheinlich rum gesprochen und auch andere wollen sich was dazu verdienen. An einem Tag war mein Helfer mal verhindert aber die Arbeit musste getätigt werden. Bevor also der andere Nachbar nur zum quatschen und gucken vorbei kam drückte ich ihm einen Pinsel in die Hand. So unverschämt war es dann doch nicht. Er war ne Weile da und interessiert, hab ihn mit zum Essen eingeladen und danach gefragt ob er am Nachmittag was lackieren mag. Das Ergebnis zufriedenstellen, erste Schicht Grundierung auf der Heckspinne.

Der ganze Unimog-gominU ist nun in einem sehr erleichterten Stadium und bekommt quasi ab diesem Zeitpunkt Stück für Stück seine frisch bearbeiteten Einzelteile wieder implantiert. Auch mit Blechen abschneiden bin ich fertig, ein Stück alte Nut vom Fensterrahmen vorne musste noch weichen und auch der Schnorchel wird noch versetzt werden müssen. Ein Winkeleisen über der Tür wurde schonmal eingesetzt, nun kann ich weiter planen und überlegen. Dahinter an der Heckwand brauche ich noch etwas mehr Kopffreiheit, auf jeden Fall mal das äußere und innere Blech zusammen bringen, nen Deckel auf den Hohlraum quasi.

Mit dem Winkelschleifer Bleche schneiden ist auch nicht seine Spezialität, man nutzt hier halt eher den Meißel um was annähernd passendes auszuhacken. Ich fertige also aus Pappe ne Schablone und übertrage die Maße auf ein nicht rostiges Stück vom alten Dach, passe das erneut am Objekt an und wir punkten es dann für die letzte Bearbeitung. Dirigieren ist also nicht und ich gebe ihm einen Tag frei um weitere Vorbereitungen in Ruhe zu erledigen.
Der Strom für die Maschinen kommt aus dem Generatorhäuschen vom Hotel. Ich habe ein langes Kabel bekommen und auch den Schlüssel wenn keiner da ist. Hab mich eh vorher schon um die Wartung und Wehwehchen der Dinger gekümmert, hoffentlich hält das Aggregat durch und hat nicht wieder ein Problem wenn ich am Arbeiten bin. Er produziert Strom am internen Generator aber kann anscheinend keine Batterie laden die zum Starten benötigt wird. Gibt es für die 12V die hier anscheinend nicht funktionieren dann original einen Wandler oder ne zweite Lichtmaschine?

Der 12kW Diesel ist genügsamer als die 3kW Benziner die als Backup in der Ecke stehen, auch hab ich keine Ahnung ob die ausreichen würden wenn mit 120Ampere Metall verschmolzen wird… Grob nen Liter pro Stunde muss ich schon rechnen, aber die Kosten sind nunmal nicht zu umgehen. Elektrizität in der Wildnis, ein Traum.

11 Gedanken zu “Metallverarbeitung in Afrika – Abenteuer Schweißen

  1. bullitöter schreibt:

    Acetylen und Sauerstoff in eine Flasche zu füllen, wäre, abgesehen von der Machbarkeit, wohl keine gute Idee. Daher ist in der Gaspulle nur Sauerstoff. Die Kuriosität ist ein Karbidentwickler. Da drin wird aus Wasser und Karbid (die weißen Steine) Ethin, also Acetylen entwickelt.
    (Jugendspass meines Vaters um 1950: Karbid in eine Flasche mit Wasser , zudrehen und in ein Erdloch stellen….. Bumm. Wäre jetzt die Gelegenheit.)
    Ethin wird nicht einfach in Flaschen gefüllt, sondern in welche in denen sich eine poröse Füllung befindet die mit Aceton getränkt ist in welchem wiederum das Acetylen gelöst ist. Bevor es das gab, verwendete man auch hier Karbidentwickler.

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      • Jörg schreibt:

        Man nennt den Behälter dafür Entwickler. Sieht normalerweise anders aus. Oben ein Deckel, darunter ein Korb wo die Kabitsteine reinkommen, dann wieder zusammen bauen und man hat solange Gas zum schweißen bis sich die Steine aufgelöst haben. Irgendwann muß der ganze Entwickler gereinigt werden. Wir haben früher (DDR) dann damit die Wände gestrichen, also Scheune von innen usw. Ist sehr weiß mit etwas Blauschimmer.
        Hier im Senegal auch üblich.

        Viele Grüße aus dem heißen Senegal
        Jörg

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