Projekt Unimog 406 – druckluftunterstützte Scheibenbremsanlage

Zweikreis Scheibenbremsanlage mit kombinierter Ein-und Zweileitungsanhängerbremsanlage

So die offizielle Bezeichnung meines Unimog Models im WHB. Bevor ich mich an Instandsetzung der Bremsanlage mache hier nochmal die offenen Fragen zu den Leitungen der Hydraulik und Pneumatik.
Thema Ausgleichssperren vorne und hinten die ja an den Achsen kleine Gewinde haben wo Schläuche per Überwurf an die Druckluft angeschlossen werden um im Differential über eine Membran die Sperren zu aktivieren, die ohne Druckluft wieder in die Ausgangsposition (ungesperrt) zurückweichen. Auf dem Weg dorthin sitzt ein Überstömventil welches an einem T-Abgang auf der Leitung zwischen Kessel und Bremskraftverstärker pneumatisch (BKV) liegt, was macht das genau?

Wie kann ich zukünftig die Diffsperren per manuellem Ventil oder ähnlichem betätigen da mir das sogenannte 4/3 Wegeventil zur Betätigung der Ausgleichssperren am Getriebehebel fehlt. Denkt dran, eine afrikataugliche Lösung ist gefragt, spezielle Ersatzteile hier schwer bis gar nicht verfügbar. Ich hoffe auch die vordere Achse nicht auseinander nehmen zu müssen, obwohl die Öffnung ohne Abdeckung jahrelang möglichem Dreck ausgesetzt war, hoffe der kleine Eingang hat nicht viel abbekommen, wie kann ich den zur Not reinigen? Mit Alkohol fluten? Luft reinpusten hilft ja nix ohne Ausgang. Nächstes Thema:

Das ZweileitungsAnhängeSteuerventil normalerweise unter der Ladefläche montiert, hatte nur eine Verbindung zum kleinen Kessel die nun nach der Entfernung offen ist und eine Leitung die vor zum BKV geht und nun ebenfalls offen liegt (an meiner Hand zu erkennen). Am schnellsten wäre beides zu verbinden, aber ist das auch clever? Hab ich dann das Zweikreisschutzventil zwischen mittleren und kleinen Kessel umgangen weil die andere Leitung die vor geht ja direkt aus dem großen Kessel führt. Oder nen Denkfehler, vielleicht sogar nen sinnlosen Kreislauf installiert?

Pneumatik ist mir halt neu, mit Hydraulik hab ich mehr Erfahrung und auch wenn jetzt viele die Hände überm Kopf zusammen schlagen… ich passe mich den gegebenen Umständen an und bastle afrikanisch. Der ALB flog ja raus und die Anhängerbremse ist auch nicht mehr nötig, ein paar Leitungsbrüche gab es auch und Material ist schwer zu finden. Hier die Ausgangssituation die meine Entscheidung mangels fehlender Leitungen, Feder zur Achse und unbekanntem da offenem Zustand, erhärtete. Das Teil wandert aber nicht in den Müll.

Also lieber ohne ALB als versuchen das zu reparieren und vervollständigen, geht bei den meisten Düdos auch so und immer nach dem Motto simplere Technik ist besser. Meine beiden Finger auf folgendem Bild zeigen beide Bremsrohre die vom Hauptbremszylinder (HBZ) vorne abgehen. Die beiden Schläuche darüber sind für vordere und hintere Sättel der Vorderachse bestimmt. zur Zeit aber noch ohne jegliche Verbindung zueinander.

Die Prüfanschlüsse rechts sind mangels Prüfgeräten hier eh sinnlos und fliegen ebenfalls raus. Habe nun also eine Bremsleitung mit allen vier Sätteln also den zwei Schläuchen der Vorderachse am T-Stück verbunden und die Andere direkt mit der Leitung nach hinten. Lastabhängig ist in zukünftiger Verwendung des Fahrzeuges nicht mehr relevant. Die hinteren Sättel sind größer als die vorderen und von der Hubmenge sollte es ebenfalls mit von Mercedes eingerechneten Reserven für alle sechse gleichzeitig reichen. Ich hatte schon einmal angefragt, aber noch keine Auflösung meiner Frage gefunden: Die hinteren Sättel der Vorderachse wurden also nur bei Anhängerbetrieb zur Verstärkung der Bremsleistung genutzt und evtl. im Handbremsbetrieb per ebenfalls entferntem Handbremsventil von mechanischer Umlenkung gesteuert, korrekt? Hab nun also dauerhaft eine vereinfachte und vorne stärker ausgeprägte 6Sättel Einkreisbremse installiert, richtig?

Die ebenfalls total verrostete kleinere Luft-Leitung vom Anhängerventilblock ganz nach vorne in den kleinen Kasten mit drei Leitungen der definitiv eine Verbindung zwischen BKV und Druckluftanzeige im Tacho herstellt ist auch hinfällig. Zeigt mir jetzt wahrscheinlich zukünftig nur den direkten Druck im HBZ an, worauf es ja eigentlich ankommt, oder? Die Leitung an meinem Finger geht zum Tacho, die unten drunter fehlt nun und die Öffnung wird verschlossen. Sieht zwar nach Bremsrohr aus, hat aber wohl keine Flüssigkeit sondern Druckluft im Inneren.

Soviel zu den verwirrenden Wegen. Nun also zu den Wirkungsstätten, den Festsätteln, Bremszangen oder auch Bremssättel genannt. Die hinteren liegen schon einmal frei und werden als erstes angegangen. Ein Hebel mit Innenliegender Welle betätigt altmodisch aber zuverlässig die Handbremse per Seilzug und damit eine Seite der Bremsbeläge, funktioniert. Zumindest diese beiden Kolben sind gangbar. Ich will mir das trotzdem genauer ansehen und mal vorsichtig auseinanderbauen. Ich hoffe es gibt keine großen Überraschungen, die angefragten Reparatursätze bei Mercedes sind unheimlich teuer und weit weg, außerdem wären Passschrauben nötig, die ebenfalls ins Geld gehen. 6Repsätze mit entsprechenden Schrauben und schon ist man im vierstelligen Eurobereich, unglaublich. Sollte sich eigentlich nur um ein paar Staubkappen und Dichtringe handeln. Überschaubar…

Die Kreuzfeder wie gewohnt durch Ausschlagen der Haltestifte zu entfernen. Meine Bremsscheiben zum Glück noch in einem guten Zustand und ohne Einlaufrille. Um an die Halteschrauben der Sättel zu gelangen muss die Scheibe runter. Diese ist mit 10, ja zehn Stück stabilen Schrauben mit 24er Schlüsselweite, die etwas innen versteckt und mit 300Nm angezogen sind befestigt. Klar, darüber wird alle Kraft ans Rad übertragen. Mein Werkzeugkasten hatte nicht ausgereicht, der Knebel ist abgebrochen, Zollwerkzeug für LKW musste her und wurde in der Hauptstadt besorgt.

So und mit nem übergestülpten Rohr als Verlängerung wurde das dann was. Dafür aber musste die 24er Nuss außen etwas abgedreht werden, passte sonst nicht in den Spalt. Erstaunlich fand ich, dass die Handbremse als Gegenhalter für meinen brachialen Einsatz ausgereicht hat. Die Scheibe und die Radnabe sind also ab, darunter der Simmerring zum Vorgelege, das mit Innenliegenden Zahnrädern die Funktion der Portalachsen ermöglicht.

Und wie man sieht muss wieder etwas auf die „zu besorgen Liste“. Der „Ölstopper“ wie der Dichtring im französisch togolesischen frei übersetzt „arret huile“ heißt hat die Funktion seines Namens eingestellt und lässt Öl durch, direkt auf die Bremsscheibe, uncool. Außerdem fehlt das dann im Vorgelege (nur 250ml).

Hoffe noch die genauen Maße rauszubekommen, mit den Teilenummern von Mercedes kann hier niemand was anfangen, eigentlich baut man das Teil aus und schickt damit jemanden los, wäre aber eine nicht rückgängig zu machende Entscheidung die ich gerne noch aufschiebe, rollt ja so auch… Also erstmal an anderer Stele weiter gebastelt. Die Staubkappen der vier Kolben hinten sind allesamt durch, heißt auch diese aus dem Namen resultierende Funktion nicht mehr gegeben. Hoffentlich darunter nicht verrostet.

Ich hatte Glück und wie gesagt nur jeweils der äußere, nicht von der Handbremse betätigte Kolben war etwas fest, Danke WD40 für erneute Lösung meines Problems. Jedoch reichten meine 6,5 Bar Druckluft vom Mini Kompressor nicht aus um die Kolben komplett aus ihrem Sitz zu bewegen, rutschen nur etwas hin und her… aktueller Stand meiner Entscheidung ebenfalls, reicht mir, muss es nicht forcieren, funktioniert bevor ich es zerstöre und keinen Ersatz finde. Hinten abbocken und weiter geht’s dann vorne.

Dafür lege ich die Karre lieber hinten auf den Boden da mir meine Holzstützen doch zu wackelig waren. Sportbootoptik am Unimog und wieder eine interessante Erscheinung….

Der Endtopf war demontiert und der Krümmer nun in einer der Schwerkraft ausgesetzten optimalen Position um innenliegendes Öl oder dickflüssig mit Ruß vermischten Sprit ablaufen zu lassen. Eigentlich kann es eher nur unverbrannter Sprit sein, oder wie sollte sich Öl ohne durch den Brennraum in den auspuff schleichen können. Könnte auf jeden Fall auch Ursache für das qualmen sein, da die Reste im System beim Betrieb warm werden und in Rohr und Tüte verdampfen und Qualm erzeugen. Demnächst also mal Start ohne Pott und schauen was dann fließt.

Doch alles zu seiner Zeit. Die Bremse der Fahrerseite schaut gar nicht mal schlecht aus, alle vier Staubkappen intakt aber so weit im Sattel, dass ich die noch nicht sauber ab bekomme. Grund waren die recht neuen Beläge und der wie bei allen vieren gute Zustand der Scheiben, heißt hier alles neuwertig am Anschlag. Die Kolben bewegen sich zumindest und erneut lagen alle 10 Schrauben der Bremsscheibe im Öl.

Also etwas erleichtert aufgrund des Zustandes die Gegenseite angehen. Doch blankes Entsetzen folgt auf die Hochstimmung. Beläge sind nicht zu entfernen, deshalb auch die Scheibe fest wie Hulle und nur mit Brechstange irgendwie frei zu bekommen. Unter der Abdeckplatte lebten schon einige Individuen…

Die Beläge nicht mehr ganz so toll aber dahinter alles verrostet und anders. Ja, die Kolben und überhaupt der ganze Sattel gleicht nicht der gegenüberliegenden Seite. ATE 31/32 hab ich auf der Fahrerseite ATE 15/16 mit nicht mehr existenten und eingerosteten Kolben auf der Beifahrerseite. Resignation und Panik, neue Sättel bekomme ich hier so gut wie nicht ran, oder? Das war es dann mit dem Projekt, ein Unimog ohne Bremse irgendwie doof. Wer erneuert einseitig Bremsanlagen… Afrikaner… Doch dann kommt mir ein Geistesblitz.

Vier fast identische Festsättel auf der Vorderachse, zwei jeweils nur spiegelverkehrt, heißt Entlüftungsschraube und Eingang für Leitung an anderer Position. Heißt aber auch, dass ein Sattel von rechts hinten dann links vorne passt und links hinten dann rechts vorne. Ich nehme meine Aussage von weiter vorne also zurück und baue die dauerhaft 6 Sattel Unimog Scheibenbremsanlage wieder auf vier zurück und nehme dazu beide von der Fahrerseite, lege die Eine Leitung vorübergehend still bis ich für die beiden defekten Sättel der Beifahrerseite vielleicht doch durch Zufall Ersatz oder ne Reparatur finden kann.

So will es das Schicksal also mal wieder gut mit mir und es geht weiter. Für die Bremsanlage fehlen mir nur vier Staubkappen und die sollte es aufzutreiben geben, zur Not im Briefchen aus Deutschland.

Um das Thema Hydraulik abzuschließen noch schnell zur Kupplung. Der Nehmerzylinder ja hinüber und noch hab ich keine Rückmeldung von den Beauftragten. Einen hab ich ja im Lome an einem hübschen Modell verbaut gesehen, kurios mit erweitertem Hebel an hinterster Position.

meine Idee nochmal…

Dieser Mog ein frischer Import aus der Schweiz und allein das Profil der Reifen machte mich neidisch. Vier neuwertige Michelin XZL und auch sonst stand das Cabrio mit Hardtop als Brunnenbohrmaschine gut da.

Dabei entdeckte ich auch das bei mir fehlende Winkelgetriebe für die nicht existente Tachowelle. Nicht unbedingt notwendig aber auf meiner Wunschliste. Jemand ne Ahnung wo die sonst noch verbaut waren?

Ich bin also wieder zurück auf dem Berg und schraube glücklich in ruhiger Abgeschiedenheit mit etwas milderen Temperaturen als in der Hauptstadt. Echt unglaublich welches Glück ich mit dem Projekt und der Möglichkeit der Werkstatt hier oben hatte. Kaum zu glauben, wenn man das Chaos vorher sieht.

Nun eine luftig offene Halle mit anständiger, gut gefüllter Werkbank. Keinen Zeitdruck und genügend kleine Dinge abzuarbeiten die je nach Laune angegangen werden können. Schrauben als Hobby wie es sein sollte.

2 Gedanken zu “Projekt Unimog 406 – druckluftunterstützte Scheibenbremsanlage

  1. Roger-T. schreibt:

    Wer sich dem Aufbau von Ruinen widmet (z.B. auch Architekten), kennt die Konfrontation mit einer Kette überraschender Probleme. Aber längst nicht jeder ist dabei so zufrieden/gluecklich wie Du! LOL

    Du wirst ja sicher etliche Antworten auf Deine vielen technischen Fragen erhalten, deshalb von mir hier nur ein Hinweis auf die aktuell dramatischen Ereignisse (die Du sicher verfolgt hast) der – gar nicht so weit entfernten – Region, die Du ja bereisen willst/wolltest.
    Halte Dich besser in nächster Zeit fern vom Norden (siehe Dreiländer-Dreieck), denn dort braut sich wieder etwas zusammen! Erzähle nicht jedem von Deinen Plänen…….

    Gutes Schaffen!

    Roger-T.

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  2. Nils schreibt:

    Hoi Philipp… wenn Luftleitungen zum Tacho/ Kombiinstrument gehen haben die mit Bremse und Vorratsdruck zu tun. Das würde ich nicht rauswerfen. Fest sitzende Bremskolben/ hydraulische ALB zerlege ich meist mit der Fettpresse… das geht schöner als mit Luftdruck. Ich bastel mir da immer was mit passender Hohlschraube, oben ein Loch mit Gewinde rein für einen Schmiernippel. Die Gummis sind dann natürlich für die Tonne wenn sie Kontakt mit Fett hatten… sind sie wahrscheinlich sowieso…
    Ach ja… hab eine neue Handynummer… müsste ich dir per WhatsApp geschickt haben.

    Gutes Gelingen und beste Grüße

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