Einkaufstour in die Hauptstadt Lome / Urlaub

Es sind immerhin 200km diese aber echt nötig. Ich habe alle Dörfer und größeren Städtchen in der Umgebung abgegrast, nirgends anständiges Werkzeug geschweige dann passende Reifen zu bekommen. Es hilft nix, ich muss mich auf den Weg in den Moloch machen und mein Paradies verlassen. Die Aussicht am Morgen mit wehmütigem Schleier der sich aber schnell verzieht und eine angenehme Fahrt garantiert.

Die WALKÜRE mal wieder in zusammengestauchter Erscheinung und etwas leichtfüßiger ohne das Moped an der Front. Werde in der Stadt eher mit dem Truck unterwegs sein um Zeug zu transportieren.

Auch hinten etwas schmaler als sonst, die Ersatzschlappen stecken noch auf dem Unimog Projekt, Reifenschaden unterwegs also beim Universum abbestellt. Atlas kommt natürlich mit, muss seinen Platz aber mit Josias meiner rechten Hand teilen. Er war das letzte mal vor über nem Jahr dort und auch seine Kinder die dort bei nem Bruder wohnen und zur Schule gehen hat er länger nicht gesehen, Taxi ist teuer, die Fahrt mit mir gratis. Er brauchte also nicht lange zu überlegen und seine Frau bleibt alleine auf der kleinen Farm.

Afrikaner können nirgends bei der Familie ankommen ohne nicht irgendwelche Geschenke mitzubringen, das nötige Spielgeld dafür gibt’s als Vorschuss, seinen Lohn der letzten Wochen musste er in ein neues Telefon und neues Vorderrad seines Mopeds stecken. Ich hingegen werde wohl ne Menge Scheinchen noch unter die Leute bringen müssen. Auf geht’s also mit dem üblichen Chaos und interessanten Ladungssicherungsmöglichkeiten unterwegs.

Ohne Kommentar, und ja es ist ein Tisch, am selben Tag sah ich noch ne Frau auf dem Sozius mit nem etwas kleineren wo die Tischplatte aber zwischen den Personen steckte und die Beine nach hinten raus.

Die Fahrt verlief relativ entspannt, 50-60km/h wie gewohnt und der Schlaglöcher wegen auch nicht schneller empfohlen. Unterwegs ein paar Banken vergeblich abgeklappert trotz Visakarte und gegen Nachmittag in Lome direkt zum Reifenmarkt um meine gewünschte Größe zu erfragen.

Neu gibt es definitiv nicht und gebraucht zwar an jeder Ecke aber nicht katalogisiert oder sortiert, also gibt man bei der Menge der Händler die schon auf deine Ankunft warten seine Wunschgrößen an und das Suchen geht los. Heute nicht mehr in meinem Zeitplan also sollen sie in Ruhe bis Morgen Erkundungen anstellen, ich muss noch Camp im Coco Beach beziehen.

Doch herrlich mal wieder am Strand zu sein, Sonne satt, Sand vor der Terrasse – Urlaub. Das Dach hier nur auf 30cm hochgefahren, keine Not im Alkoven zu schlafen und so genügend Kopffreiheit und Ausblick, Zelt drumrum spar ich mir. Muss am Morgen alles wieder zusammenrödeln und zum Automarkt fahren. Doch erstmal in der Dämmerung ans Wasser. Gassi mal nicht im Dschungel.

Einen Monduntergang um den Vollmond sieht man auch nicht jeden Tag. Ps, wer es nicht entdeckt, der kleine Punkt links von der mittleren Palme. Auf der anderen Seite schiebt sich schon die Sonne über den Horizont und erwärmt alles zügig. Die Regenzeit ist hier vorbei, aktuell nur etwas kühl in der Nacht, angenehm zum entspannt schlafen.

Atlas also mal wieder glücklich, Kokosnüsse zum jonglieren.

Vor 8-9Uhr braucht man hier nirgends hin, meine abzuarbeitende Liste aber lang und die Dauer jedes einzelnen Punktes hängt nicht von mir ab, liegt in der Macht des Zufalls. Da wären die wichtigen Dinge wie zolliges Werkzeug, und fette Gummis, eine zusätzliche Felge wartete schon im Camp auf mich, Wahnsinn und fetten Dank an Michi, der eine 11×20 Unimog Felge in Togo auftreiben konnte. Meiner hatte ja nur drei gleiche und eine passende 9×20 Anhängerfelge die nun mit dem Ersatzrad vereint bleibt. 80Kilo Notrad quasi, durch irgendwie 10cm weniger Höhe also leichter als die anderen mit je rund 100kg. Und nein sie war nicht das mir fehlende Pendant von 1976 sondern eher neuwertig mit Mercedes Aufkleber von 2006, preislich sehr im Rahmen und weit weniger als was ich später für die Gummis ausgeben musste. Aber erstmal zum Metaller, ich brauche Stahl, Farbe, Schleifwerkzeug und Informationen. Letztere betrafen nen Sandstrahler der eigentlich meine mitgebrachten Spiralfedern von Dreck und oberflächlichem Rost befreien sollte. Anscheinend macht das hier kaum einer und auch für die Federn wäre das nicht die beste Methode, bleibt also wie es ist und Josias darf bei der Rückkehr mit der Schleifleine ran. Hier hat er übrigens frei, soll sich mal um seine Familie kümmern oder mich Nachmittags am Strand besuchen. Er will aber unbedingt helfen und kommt am zweiten Tag auf eine Einkaufstour ins Getümmel mit. Stahl besorgen heb ich mir für den letzten Tag auf, zumindest weiß ich schonmal wo und was.

Das mit den 365/80r20 haperte dann den ganzen Vormittag an einer zusätzlichen 5. 365/85r20 hätte ich haben können, Michelin X sogar wie mein Wunschprofil! Aber nach Recherche im Umfang doch zu unterschiedlich und nicht gut für den Allrad. Nebenbei checke ich die wilden Händler in der Umgebung. Vor lauter Troubel hab ich kaum Fotos, muss man sich aber wie ein open air Basar mit Autoteilen und Werkzeug vorstellen, jeder hat etwas von allem und man muss sich durchfragen, braucht ne Menge Nerven. hier mal ein Beispiel vom durchschnittlichen Angebot.

Als einziger Jowo also Weißer hab ich natürlich die meiste Aufmerksamkeit und Gefolgschaft hier in diesem gigantischen Viertel am Hafen. Das hat auch Vorteile und einer von ihnen schafft es wirklich mir gewünschte Reifen zu organisieren. Der Zustand für afrikanische Verhältnisse ein Traum, nur 16 Jahre alt, keine porösen Risse da nicht in der Sonne gelagert, noch relativ weich und keine Beschädigungen, Profil noch etwas vorhanden, wenn
auch Haifischzähne… Tada der Michelin X in doppelter Ausführung.

Normalerweise werden um 450-500.000 dafür aufgerufen. Da sprechen wir von fast 1000,-€! Immerhin hat der Kerl lange genug an meinen Fersen gehangen um mitzubekommen, dass ich nen armer Schlucker bin und selbst bei meiner Werkzeugsuche nebenbei knauserig. Er bot mir beide für 300.000cfa an, was knapp 500,-€ bedeutet. Ich will die Dinger und natürlich feilschen wir nun ne knappe Stunde. Junger Kerl der als Verkäufer sogar was drauf hat, fängt mit meinen Bedürfnissen und den Vorteilen seines Angebotes an… Das EVI Prinzip, ich als Diplomierter Ökonom… Ich argumentiere mit Alternativen die zwar schlechter aber weit billiger sind, bin nicht der klassische Jowo der mit Geld vollhängt, Budget vom Projekt das 45Jahre alt ist… Im Ergebnis bezahle ich 220.000 also 333,-€ für beide und bin trotzdem glücklich. Er hat immerhin ein übliches Halbjahresgehalt in der Tasche und für je nen weiteren 1000er gibt’s ein Ventil und das aufziehen per Hammer. Vorsicht Junge, der war teuer. Der Kompressor qualmt Rauchringe bevor der Motor dazu richtig anspringt.

Einer schonmal aufgezogen, die andere Felge muss ich erst lackieren. Für 15.000 hab ich nen fetten Knebel mit Verlängerung und 24er Nuss samt 24er Schlüssel bekommen, gängige Größe am Mog und nötig um die Bremsscheiben mit über 300Nm zu lösen. Für heute reichts mir und ich war erfolgreich. Den Rest des Tages hab ich mir also in einer leicht erhöhten Badewanne verdient.

Der Kopf brummt, kann verstehen warum Michi nur Leute losschickt um dem Troubel selbst zu entgehen. Morgen hab ich ja Verstärkung, fehlen ja nur noch Bremsleitungen und Schläuche, Bördelgerät, ein paar abgerissene Bolzen, die Kühlerreparatur, neue Batterien, Drahtvorschub Schweißgerät, Schleifaufsätze für die Flex… Kupplungsnehmerzyl und zur Abwechslsung mal Verkäufer spielen und meine Hydraulik unters Volk bringen.

Meine Route diesmal weg von der Hauptroute durch den Autoteilemarkt in die Nebengassen. Unglaublich umfangreiches Areal und meine Augen entdecken auf einem Händlerhof wirklich einen perfekt dastehenden, anscheinend frisch importierten Unimog. Schweizer Beschriftung, zum Brunnenbohren.

Ein Mechaniker grad mit Kleinigkeiten beschäftigt, Nummern getauscht und nach Tachowinkeltrieb und Kupplungshydraulik zur Suche beauftragt. Hier zu sehen die Cabrio Version mit GfK Hardtop als Trommelbremsenversion etwas älter als meiner. Der Inhaber ein nigerianischer Händler kam auch rum und hat meine Angebote der Hydraulik bekommen, handelt mit Baumaschinen und hört sich mal um. Es läuft…

2x100aH mit immerhin 12,4 Volt und im letzten Jahr produziert, Zuschlag zusammen bei 100.000 und damit günstiger als für die billigsten in der Heimat. Chinaware, ganz klar aber gibt nix anderes. Bremsrohre wird wohl das größte Problem und ne Bördelmaschine ausgeschlossen. Ich ergattere eine gebrauchte Leitung in gewünschter Länge von 1,50 für knapp 10,-€ (6500) unglaublich, dafür aber nen originalen ATE Schlauch leicht gebraucht für nur 4000cfa. Bolzen hab ich auch sogar nen Tankdecke für die WALKÜRE, der Öldeckel passt zwar, dichtet aber nicht perfekt ab. Es geht voran. Mittagspause und vielen Dank an meinen Josias der augenscheinlich an seiner Rolle Spaß hat und es ihm Spaß macht Leute auf die Suche zu schicken.

Einen Tag hab ich zwischendurch am Strand verbracht und Wäsche gemacht, die Felge geschliffen und lackiert, meine Holzhütte erneut gewienert und mit Leinöl behandelt, nebenbei das WLAN genutzt und updates durch die Technik gejagt. Erholungsurlaub ist das nicht. Die Zeit rennt. Rückfahrt für Freitag geplant, Pierre der Hotelchef und quasi mein Gönner mit Stellplatz am Berg und der Werkstatt als ehem. Inhaber vom Unimog ist auch hier zuhause. Wir fahren zusammen zurück und am WE ist ne Fete geplant, er muss mehr Zeug transportieren als in ein Taxi passen würde, bin gespannt.
Ich organisiere erstmal die Rechteckrohre, Flachstahl und Winkel und lasse etwas kürzen, mit der Handsäge… der arme Kerl. Material aber bezahlbar und auch Sperrholz gibt es hier für mein späteres Dach. Ein Baumarkt in Togo.

Der Tag der Abreise ist gekommen, mein Wohnraum mit Aussicht auf Kokospalmen, die meine Sicht aufs Meer versperren.

Doch bald schon ist alleine mit meinem Zeug die Hütte halb voll. Die beiden Reifen sind immerhin 110cm hoch.

Nachdem die Lebensmittel und Kühlbox, Hotelbettwäsche und etliche Kisten und Säcke den Rest füllten blieb für die Besorgungen unterwegs nicht mehr viel Platz.

Doch Afrika ermöglicht einiges, so kam die Ladefläche vorne mal gebührend zum Einsatz. 25kg Orangen, 10kg Kartoffeln, 50Liter Sprit für den Generator und Gas für die Küche, die WALKÜRE im Transporter Modus.

200Kilometer zurück in die Berge und auch die letzten 12km Piste hat alles überstanden, sogar die Eier. An der Ladungssicherung hat sich niemand gestört, die Kontrollposten alle auf Maskenpflicht geeicht. Zwei Weiße und dazwischen ein Einheimischer im ausländischen Fahrzeug, da muss doch was zu holen sein. Nur eine Kontrolle mit echten Problemen, ein Uniformierter der Straßensicherheit, kein Polizist oder Gendarm ist für Kontrolle der Papiere zuständig, ein Arschloch vom Auftreten her. Verlangt aber leider mein Passavant, das Zolldokument von der Einreise. Das war März und ist nur 30Tage gültig, ich seitdem im Land gefangen und sehe es nicht ein monatlich mich um ne natürlich zu zahlende Verlängerung zu kümmern. Selbes mit meinem Visa, ich bin es leid und hatte in Lome auch keine Zeit. Er will 15000 also die doppelte Summe was dieses Papier kostet als Strafe, na klar… also gibt es nix. Nen 1000er Trinkgeld hätte ich ja noch akzeptiert. Man diskutiert also bis der Gegner müde wird und dich weiter schickt, zum Glück war er an diesem Papier hängen geblieben nachdem ich alles andere zeigen konnte, Visa hat er wohl vergessen und meine abgelaufene Versicherung auch übersehen. Eine Fahrt nach Lome also ein Risiko, da bleib ich doch lieber auf meinem ruhigen Berg und bastel am Unimog. Ausflüge mit dem Moped stören niemanden, die zu kontrollieren wäre unmöglich. Nicht der Masse wegen, sondern weil niemand dafür Führerschein oder Versicherung hat.

Abenteuer Afrika, selbst wenn man hier schon über ein Jahr verbracht hat oder wie Pierre sein halbes Leben du wirst immer der Aussenseiter sein, der gemolken werden soll. Die verrückte Bürokratie öffnet dafür Tore.

Ein Gedanke zu “Einkaufstour in die Hauptstadt Lome / Urlaub

  1. Mobilix schreibt:

    Sehr beachtlich, deine Hartnäckigkeit und dein Durchhaltevermögen, bei so einem Klima. Aber zum Melken werden doch nicht nur die Weißen herangezogen, auch die Locals müssen ständig was abdrücken, wenn sie die Bürokratie heimsucht, oder?

    Liken

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