Projektstart UNIMOG in Togo

Es geht los, das Projekt startet, die Randbedingungen sind in Sack und Tüten. Der Unimog ist meiner, wenn auch noch keine anständige Probefahrt stattfinden konnte. Eigentlich hab ich das zur Grundlage für meine Kaufentscheidung gemacht aber mangels einwandfrei funktionierender Technik wäre das leider nicht ohne Investition in die Fahrzeughydraulik möglich. Dies bedingt aber wiederum eine Entscheidung da ich niemandem das KFZ repariere und dann in Verhandlungen über gehe. Die Argumente lagen also auf meiner Seite. Die Bremshydraulik hatte Leckstellen und auch der Kupplungsnehmer tat seinen Dienst nicht. Der Motor wurde nochmals gestartet und sprang sofort an, qualmte auch etwas weniger und wurde akustisch auch von meinem Kumpel für gut befunden. Laut letztem Stand im Blog haben wir zusammen mit zwei Düdo Ersatzrädern das gelbe Ungetüm die 1,5km zum Camp ziehen wollen.

Dies wurde aber alleine eine erzählenswerte Geschichte. Anfangs hatte ich nur ein „kleines“ Rad montiert, dies hatte aber nur einige hundert Meter funktioniert, da die Differentialsperren eingeschaltet waren und bei unterschiedlichen Reifengrößen irgendwann greifen, heißt ich hatte hinten an der Stange kaum noch Kontrolle über das Lenkrad weil ein Rad sich sträubte. Beim Nachfolgemodell von dem Michi Ahnung hat sind die Sperren per Druckluft geschaltet und müssten ohne eigentlich von alleine wieder raus kommen. Immerhin hat er die selben Achsen in seinem 424er. Da kam kurz die Vermutung auf dass mit den Sperren oder dem Getriebe was nicht stimmt und dies der Todesstoß für mein Projekt wäre. Eine Restauration der Unimog Achsen hier in Afrika ohne nen Teiledealer nicht möglich. Und das Grundgerüst muss für mich passen! Es stellte sich dann aber raus, dass die Sperren hier ganz simpel durch einen Hebel am Ausgang des Getriebes mechanisch geschaltet werden.

Ausgehakt weil nicht einwandfrei. Das Problem besteht darin, dass dieser Hebel mit seiner originalen Betätigung nicht den kompletten Weg vollführen kann und ich mich um dieses Problem also später kümmern muss.

So hieß es also bei der Abschleppaktion ohne Wissensvorsprung eine andere Lösung finden, die hieß dann zwei gleiche Räder und bedeutete Radwechsel auf der Piste. Es klappte dann ohne blokieren und ich konnte meine ersten Meter hinterm Steuer des gelben Panzers abspulen. WALKÜREs Abschleppstange stellte den Kraftschluß zum UnimoG dar.

Leider fehlte vorne beim Gelben eine Öse und schieben wollte ich mich irgendwie nicht lassen. Per Spanngurt fanden wir eine Stelle am vorderen Kraftheber die auf Druck und Zug stabil sein sollte… Im Nachhinein ist man immer schlauer und Scheiße passiert nunmal. War doch nicht optimal und die Stange bewegte sich zur Seite in den Kühler… Der quittierte mit Wasserlassen, Mist verdammter.

Aber wenn ich schon alles überarbeite muss halt auch der Kühler dran. Auf jeden Fall steht das Ding jetzt neben meinem Heim und nicht mehr 1,5km entfernt. Hier hatte ich dann immer mal Zeit und Lust mir eine Lösung für die Hydraulik zu überlegen. Jedoch kommt man nicht überall ran und eine Schnellreparatur mit ein zwei neuen Leitungen und Schläuchen war nicht machbar. Auch die Kupplung nicht mehr in Gang zu bekommen. Da stehen sie also auf Togos Plateau und lassen sich vom Dunst der Wolken einkreisen um erste Kontakte zu knüpfen.

Ich hoffe es kommen keine Eifersüchteleien auf und für die gute Stimmung hab ich gleich mal die Bremsflüssigkeit an der Walküre gewechselt. Nach einem Jahr und 15tkm war es schon erstaunlich dunkle Brühe. Die Holzfassade bekam ja wegen dem durch zu viel Feuchtigkeit ansetzendem Schimmel eine Abreibung mit Seife und sieht nun auch wieder gut aus. Und final hab ich sogar mal Felgen geputzt, sind nun alle wieder silber, kann man bei diesem „vorher“ Bild echt nicht glauben.

Der Vergleich von den für Düdos schon großen 225/75r17,5 zu blanken 11×20 Zoll Unimog Felgen mit gleichem also passendem Lochkreis ist gigantisch. Stelle man sich die Dinger mit nem ordentlichen Gummi mal auf nem Bus vor… selbst unter der Pritsche müssten dann die Schutzbleche weichen. Anders widerum sehen Düdo Räder auf Unimog echt Scheiße aus wie das Bild zuvor beweist.

Die letzten 200m zur frisch gefegten Halle welche meine neue Werkstatt werden wird sollte der Gelbe noch Namenlose aber auf eigener Achse schaffen. Hierfür hab ich schnell mal die völlig verstellte und inaktive Handbremse wieder gangbar gemacht und eingehängt. Das komische Ventil was von der Wippe zum Druckluftventil geht ist anscheinend nur für den gebremsten Anhängebetrieb nötig, also Humbug. Und für die Kupplungsbetätigung hatte ich auch eine Lösung.

Naja, Notlösung, aber man ist ja nciht auf den Kopf gefallen. Wenn der Nehmer nur einen Hebel bewegt, kann mit entsprechender Verlängerung und anderem Winkel dies auch irgendwie ganz mechanisch also per Hand passieren. Hat funktioniert, wenn auch kuppeln mit dem rechten Arm und schalten mit dem linken nicht bequem ist, aber rollt. Atlas bei unserer ersten Fahrt natürlich dabei.

Und auch für den akustischen Genuss mal ein kleiner Einblick in die Wolke.

Der Motor hat laut dem Stundenzähler an der ESP 4575 Betriebsstunden auf der Uhr. Bei einer grob kumulierten Lebenszeit von 45Jahren also gerundet 400.000 Stunden sind das erneut gerundet gerade mal 1% Nutzzeit. Finde ich für eine Arbeitsmaschine nicht übermäßig viel.

Das qualmen werde ich also erstmal ohne öffnen der ZKD mit Überarbeitung der ESP und Abdrücken der Düsen einzurenken versuchen. Aber für solche Basteleien muss das Ding in die Halle. Komisches Fahrgefühl und man fühlt das Potential dieses Kraftprotzes mit sehr kurzen Gängen, der will einfach quer den Berg hoch… irgendwann.

Der Gelbe steht also an seinem Bestimmungsort und es kann losgehen. Ziel ist es hier am Eingang den Ballast am Heck loswerden um dann gemütlich darunter arbeiten zu können. Die Kipperladefläche mit seinen Kugelaufnahmen eine tolle Erfindung. Dank Highjack und Abstützung per Baustützen wollte ich das Teil eigentlich wie ein Tisch stehen lassen und drunter weg rollen.

Der Hydraulikstempel in der Mitte, der bis zu 70cm ausfahren kann ist mit zwei Schrauben an der Ladefläche verbunden, das Ding wäre doch der ideale Wagenheber soll laut WHB 5000 Newton drücken. Mal gucken was ich damit noch anfange.

Atlas hat seinen Platz zum beobachten gefunden und will lieber gar nicht hinsehen…

Die fixe Idee mit der auf Stelzen stehenden Ladefläche wäre selbst mit Querstreben eine zu wackelige Angelegenheit. Selbst ohne Seitenwände hat das Teil schon um die 150-200kg und wäre dann eine gefährliche Werkbank. Da hieß es doch lieber kontrolliertes Ablassen auf zwei schräg angelehnte Baumstämme die mangels anderweitig zur Verfügung stehender Technik afrikanische Verhältnisse bezeugen.

Da staunte selbst mein Helferlein, was mit etwas Köpfchen und hier nicht üblicher Vorsicht und Vorkehrung, den Kraft- und Hebelgesetzen und der Schwerkraft so alles möglich ist. Exakt wie ich es ihm zuvor beschrieben habe hebeln wir die Ladefläche hinten runter und trotzdem ist er überrascht.

Josias hab ich ja im letzten blog quasi als meinen zusätzlichen Arm vorgestellt, zähle bei dem Projekt auf seine Mithilfe und kann ihm die ganzen zeitraubenden Handlanger Aufgaben zuspielen. So entstand mit nur einem Fuchsschwanz diese Werkbank aus im Wald gefundenen Stahlkonstruktion mit eingelegten Brettern und einigen Kisten für Kleinteile.

Es geht also los, ab jetzt immer mal wieder ein Schrauberblog mit Fortschritten vom Unimog aus Togo.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s