Nebel, Dunst und Qualm… alles Wolken

Erst überfällt der Kerl seine Leserschaft mit einer wilden Idee aus dem Dschungel und dann lässt er eine Weile nix von sich hören. Aber alles hat seine Gründe und hier in Afrika ticken die Uhren langsamer. Keine Sorge, ich bin immer noch hier oben am Golden Eye, unweit meines jungfräulichen Traumes dessen Ecken und Kanten im Geiste Formen annehmen. Auch real hat sich zumindest ein Etappenerfolg eingestellt, der Motor läuft. Davon gibt es zwar keine Bilder, aber ne weiße Qualmwolke kann sich jeder Vorstellen.
War bis dahin nicht ganz einfach gewesen. Traum einer Reanimation, Batterie ran, Knopf drücken und Bingo, naja… nach der Tankreinigung kamen die Filter dran, danach hab ich was ging aus der ESP abgesaugt und mithilfe einer 12V Förderpumpe alles wieder entlüftet da die Handpumpe undicht ist. Der besagte Knopp war zwar im Armaturenbrett aber ohne Verbindung zu jedweden Kabeln auf der Rückseite. Anschmeißen auf die rabiate Art und anscheinend nicht zum ersten Mal. Das kleine Kabel zum Magnetschalter war schon getrennt und wurde wahrscheinlich regelmäßig zum überbrücken benutzt. Zum Glück gibt es beim Unimog an der Stelle ne Serviceklappe die mit zwei Schrauben zu öffnen ist.

Auf jeden Fall prustete er anständig das restliche alte Gesöff durch die Einspritzdüsen. Eine Batterieladung hatte aber ausgereicht um Lebenszeichen in den Himmel zu blasen. Klingt soweit wie ein alter fetter Mercedes, blechern und kraftvoll. Klar gehören Ventile eingestellt und etwas unruhig läuft er auch was sich sogar mit dem Finger an der ESP bemerkbar macht, aber er läuft. Der weiße Qualm könnte verbranntes Wasser sein, immerhin war der Vorratsbehälter obenauf leer und drei Liter sind nachgeflossen. Andererseits kam klares Wasser unten aus dem Kühler raus. Weißer Qualm ist meist Indiz für ne defekte Zylinderkopfdichtung aufgrund Übertemperatur die vielleicht einen Ausstieg der Wasserpumpe als Ursache hat. Kann aber auch alter Scheiß sein der sich in Motor und ESP abgelagert hat, lief schließlich ein Jahr nicht. Gasannahme tut er brav und nebelt dabei auch etwas bläulich, also verbrennt Öl und zur Krönung gibt’s obenrum auch etwas schwarz dazwischen, was nach nicht optimal eingestellter ESP aussieht. Immerhin konnte ich in all dem Qualm kein grau erkennen, was auf unverbrannten Kraftstoff also der Verweigerung einer Einspritzdüse schließen ließe. Hört sich nach nem 6Zylinder an…

Ich hab die Schose dann mal laufen lassen, stört hier im Busch niemanden wenn es mal ne Wolke mehr gibt. Grund dafür die Hoffnung auf Besserung und die zu erwartende Druckluft. Ich hab da mal was an den Kessel gebastelt um diese Luft mit meinem ordinären Schlauch abgreifen zu können um die Reifen zu Füllen. Aber hier kommt wieder das Schicksal mit einem Wink… Meine Füllpistole tut es nicht mehr, keine prallen Gummis, keine Probefahrt. Soll nicht sein. Die Handhabung der 6Getriebehebel hab ich nun zwar verstanden, warte aber immer noch auf meinen Kumpel Michi, selbst UnimoG Treiber und meine letzte Instanz zur Entscheidung „dafür oder dagegen“.

Ja, der Michi sitzt immer noch am Coco Beach und schlürft Cola. Erst kam die Gesundheit dazwischen, dann die Technik vom KFZ, dann das Wetter, ist halt Regenzeit. 200km reißt man da ungern im oben ohne Buggy ab. Also verweile ich hier und bin (noch) gelassen. Meine Freizeit verbringe ich mit Spaziergängen und Mopedfahren. Ich hab die Wahl zwischen 15km Fahrt oben auf dem Plateau durch Schleichwege und breite Pisten nach Apeme zum Markt am Freitag oder 15km die Serpentinenpiste hinunter nach Kpele Ele zum Markt am Mittwoch. Jeder Markt ist gleich und mehr Auswahl gibt es auch nicht aber trotzdem ist das halt das einzige Ereignis in der Umgebung. So komme ich zu Honig, Zucchini und Tofu und hab Zwiebeln und Knoblauch aufgefüllt aber der Hammer ist eine Ladung Ananas für eine ganze Woche. 8Stück kindskopfgroß für 1000cfa, also eins fuffzig. Die holprige Fahrt auf dem Gepäckträger hatte mich eine gleich nach der Ankunft lutschen lassen müssen.

Das Wetter ist jetzt nicht schlecht, aber auch nicht mehr durchgehend sonnig wie gewohnt. Hier oben am Berg immer ein interessantes Schauspiel und am Morgen startet es verheißungsvoll bis die Sonne Feuchtigkeit aus dem Tal zieht und hier oben Wolken daraus bastelt. Das alles bei angenehmen 25-30grad.

Regnen tut es recht selten doch trotzdem ist die Luft gesättigt von Feuchtigkeit. Noch nicht so schlimm, dass es an meiner Decke kondensiert, die Walküre ist dafür luftig genug gebaut. Abends Fenster und Türen zu, Zeltbahn ringsum dicht und erst gegen 9-10Uhr wenn der Dunst vom Morgen sich verzogen hat, alles wieder auf.

Aber der ein oder andere Schimmelfleck wurde schon entdeckt. So hat man auch zu tun. Der Sekretär brauchte mal Pflege und hat ne Neue Ölung bekommen.

Dann hab ich gleich den Kleiderschrank sortiert und wirklich ein Hemd und meinen Kilt mit Stockflecken gefunden, Waschtag… Im Bücherregal alles bestens, mein Gecko wohnt auch noch hinter Victor Hugo und freut sich am Abend im Licht Insekten zu fangen. Immerhin macht der keinen Krach oder Dreck.
Kann man leider nicht von der Maus, ja schon wieder – oder immer noch, behaupten die ständig meine Avocados anfrisst. Da ich in der Kabine schon alles raus hatte und keinen Eingang fand kam nun auch mal die kleine Couch dran die eigentlich nur Ablageecke ist. Darunter Wohnraumbatterie, und Klimbim wie Angelzeug, nicht benötigter Kartuschenheizer, defektes Autoradio samt Lautsprechern, Abdeckplane fürs Moped (wäre clever die mal zu nutzen…) Naja auf jeden Fall ne Menge Zeug was ich nicht nutze und deshalb nie im Fach bin. Die Maus hingegen schon. Einstieg wohl über eine der Pritschenöffnungen die früher zur Container Fixierung auf der Ladefläche dienten. Hab ich offen gelassen, weil man nie weiß wofür zu gebrauchen… blöde Idee, also vernagelt… alle viere.

Dort ist jetzt anscheinend Ruhe doch ganz aufgeben mag die Kleine noch nicht. Ich hatte sie einmal flitzen sehen, wow ein Blitz. Es ist nun eine Klebefalle und eine altmodische mit Köder aufgestellt, dazu leigt das Fischernetz bereit aber letzte Nacht hörte ich es unter mir…? Da schläft Atlas, wäre nicht das erste Mal, dass er von einer Maus bewacht wird. Die erste im früheren Bus hatte in einem alten Stiefel 30cm neben seinem Bett gewohnt. Die hier nun anscheinend 50cm entfernt im Armaturenbrett. Wurde sowieso mal Zeit das Cockpit aufzuräumen. Hundehaare, Staub und ne Menge in Vergessenheit geratener Dinge. Ist halt doch ein Unterschied, wenn die Frontpartie nicht mehr Wohnraum ist und nur zum Fahren benutzt wird und die Alarmanlage drin wohnt.
Auf jeden Fall unterm Handschuhfach fündig geworden, ist ja auch alles schön mit Armaflex isoliert, dazu ein paar Papierschnipsel, Lager ausgehoben. Mal gucken wann ich wieder beim Keller anfange… „to be continued“ heißt es in der Glotze.

Wo war ich… Freizeit. Langeweile kann man schon sagen. Hörbücher hab ich ohne Ende, ab und an nen Film und auch richtige Bücher wie zur Zeit Jules Verne auf französisch, Joy Fielding auf deutsch und eine Empfehlung an alle „integrative nutrition“ von Joshua Rosenthal. Hab’s in Originalsprache aus New York wenn auch in China gedruckt. Keine Ahnung ob’s das in Deutsch gibt, aber es beinhaltet so ziemlich alle meine Ernährungsgewohnheiten mit ausgiebigen Erklärungen und ist nicht irgend ein Diät Buch sondern Lebenswegweiser. (PS, für die die es nicht wissen, hab selbst ein Diplom in Ernährung und ne Menge an mir ausprobiert, auch vegan) wer also gesünder Leben will sollte das als Bibel ansehen!
Meine Couch oder der Sitzsack auf der Terrasse also ein Großteil des Tages unter mir. Vom Letzteren kann man mit dem Fernglas auch ab und an super in der Gegend rumgucken. Dann läuft meist Musik, denn ganz in Ruhe brauche ich nicht ständig. Viel los ist hier oben nicht, nur am Wochenende Hotelgäste und der Betreiber unter der Woche meist in Lome. Und wenn man Glück hat herrliches Wolken und Farbenspiel am Abend.

Bei all der Aufregung um den Unimog hab ich fast schon Schuldgefühle der WALKÜRE wegen. Immerhin mal Öl gecheckt und im Motorraum alles an seinem Platz vorgefunden. Reifen halten nun dicht und mein zuhause ist der gewünschte Wohlfühltempel, Danke dafür. Zweimal bin ich auch die 1,5km zum Unimog gefahren um keine Batterie und Werkzeug schleppen zu müssen. Dafür war es mir auch zu umständlich das Dach zu senken, klappt also auch so und ist mehr als stabil gebaut. Hier dann mal zwei architektonische Wunderwerke.

Nur der Anblick von Außen macht mich grad etwas traurig. Auch hier setzen sich schwarze Punkte ans Holz. War das letzte Cocosöl etwa nicht gut, oder zu dick aufgetragen, oder einfach das Resultat der halbtägigen Feuchte? Man kann zur Reinigung Essigessenz nehmen oder Wasserstoffperoxid, Zitronensäure tut es wohl auch, Alkohol anscheinend nicht. Alles vorher genannte hab ich nicht zur Hand bis mir bei diesem Wort meine Handwaschpaste einfällt die extrem nach Zitrone riecht. Die Glibbrige Masse in Wasser vermischt und mit der Handbürste einmassiert. Halleluja kommt da ne Brühe runter. Zweimal klar nachspülen nötig, noch nicht perfekt aber 90% entfernt, jetzt ist nur die Frage, so lassen oder was anderes drauf? Diesel? Altöl oder doch wieder Cocos?

Nun fragt der Kerl schon nach Haushaltstipps mangels anderweitiger zu schildernder Erlebnisse. Bin jetzt schon zwei Wochen hier oben und genieße es, trotzdem kommt Ungeduld und Langeweile immer öfter auf.
Ich glaub ich fang Morgen mal an die Holzwerkstatt aufzuräumen, wenn halt nicht für mich, dann als Dank für meine Duldung falls der Deal doch nicht klappt. Vorher aber erst mit dem Moped zum Markt… ich brauch Tofu, will Bolognese machen, vielleicht gibts sogar richtiges Fleisch in annehmbarer Qualität, läuft ja genug rum hier oben… vielleicht schneid ich mir mal ne Scheibe ab.

Die haben hier ein Leben, werden täglich durch die Hügel gescheucht und knabbern sich überall was weg. Kommen dabei ganz gut rum, was ich von oben so beobachte kann, Wenn das also nicht Biofleisch aus Freilandhaltung mit Grassfütterung ist.

PS, hab mir auch schon zwei Hühner gekauft, die laufen aber noch beim Nachbarn rum, der brauchte Geld und wollte die zum Markt bringen. Bringe es aber nicht fertig die mit ihm zu schlachten… noch hatte ich nicht genügend Appetit 🙂

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