Universales Motorgerät UNIMOG

Diese Geschichte beginnt kurz nach dem letzten Wegweiser vom Kloster kommend mit der schönsten Aussicht über den Rand des Plateaus hinein nach ganz Togo.

Ich habe diese Route gewählt, weil die Serpentinen auf der Karte hier so interessant aussehen und ich ungern eine Strecke doppelt fahre, dafür sogar lieber einen Umweg in Kauf nehme um neues zu sehen. Man könnte also meinen das Schicksal und der Entdeckerdrang hat mich hergeführt. Die Gegend dicht bewaldet und anscheinend dünn besiedelt, ein richtig naturbelassener Ort. Doch was sehne meine Augen dort auf einer eingeebneten Fläche neben der Piste?

Eine komplett ausgenommene Pistenraupe, einen Teilgeschlachteten und verunfallten LKW und ein sogenanntes Buschtaxi, einen alten Toyota Landcruiser, der einzig wahre AllradPKW neben dem alten Landrover.

Das Fahrwerk sieht etwas mitgenommen aus, kann aber daran liegen, dass der halbe Motor eines LKW im Inneren vor sich hin gammelt. Mir blutet mein Altblech Herz und hoffe dass sich bald jemand um dieses noch recht gut erhaltene Schmuckstück kümmert. Togolesische Nummernschilder sind immerhin dran verschraubt.
Unglaublich, da ist man im tiefsten Busch und findet solche Schätzchen, da fragt man sich immer wie die her kamen, warum stehen bleiben und was dann irgendwann mal mit den Resten passieren soll. Ein Frevel wie ich finde. OK, der LKW hatte frontal einen Baum gerammt, kann nur noch als Ersatzteilspender dienen, davon hängen aber noch reichlich dran, die Baumaschine ist sicherlich ein rares Teil hier im Land, warum also es erst soweit kommen lassen? Und einen klassischen Toyota als Lastenesel zu missbrauchen und dann das Zeug nicht einmal wegtransportieren… mannoman. Ich fahre lieber ab…. Komme aber nicht weit.
Meine Augen spielen mir einen Streich, ich kann es kaum glauben, ich träume. Unfassbar nach dem was ich hier schon hab stehen sehen. Hier steht ein Unimog am Wegesrand und wächst langsam ein.

Es ist eines der ersten richtigen und letzten rundlichen Modelle dieses von Mercedes als universales Motorgerät entwickelte Gefährt mit dickem Motor, Portalachsen und allen möglichen Allradsperren versehenen Wunder der Technik aus den 60er bis 70er Jahren. Quasi die potente ich-fahre-überall-hin Verwandtschaft von meiner im Vergleich recht zivil anmutenden WALKÜRE. Aus der richtigen Perspektive echt ein Schmuckstück.

Togolesische Nummer, Rückleuchten Fehlanzeige und beide Reifen Fahrerseite seit Ewigkeiten platt, sonst optisch eigentlich komplett… jetzt blutet mein Herz komplett aus, das ist eine Schande.

Das muss ich mir mal genauer ansehen, das kann ich so nicht akzeptieren oder ignorieren. Anscheinend eines der letzten also moderneren Ausführungen mit Scheibenbremse, die Felgen haben eine Prägung von 1976 und die Dutzenden Druckluftleitungen unterm Fahrzeug sind verwirrend aber alle vorhanden, nur angegammelt. Zentrales Element wie der Name schon sagt und auch wirklich gut sichtbar im Zentrum der 6Zylinder Motor mit dem gigantischen Getriebe das wie ich glaube mehrere Untersetzungen ermöglicht.

Die Türe klemmt aber das Fenster ist offen, das ist doch ne Einladung. Ich zwänge mich durch und bin erstaunt wie kompakt man hier sitzt. Das Radhaus verschiebt die Kupplung mittig unters Lenkrad, gefühlt hatte ich in meinem 1er Caddy mehr Platz, dagegen ist der 508 ein Reisebus. Die Instrumente aber nostalgisch chic, mehr braucht man nicht. Beim Blick auf den Tacho verschlägt es mir die Sprache, das kann gar nicht sein, da stimmt doch was nicht. Angeblich erst 12406 Kilometer runter. 406 lautet übrigens die Bauart dieser Unimog Reihe, den es früher mit dem OM 312 und später mit dem OM352 Dieselmotor gab, der unter anderem auch in einige potente 613er Düdos gewandert ist.

Ja, ich habe Platz genommen und meine Gefühle spielen verrückt, ich bin verliebt, mein Herz aber eigentlich glücklich vergeben, so ist aber nunmal das Leben und Bigamie in Togo gesellschaftsfähig und an der Tagesordnung. Ich habe auf jeden Fall eine Mission, ich muss etwas über die Geschichte des Unimogs rausfinden und vielleicht sogar seine Zukunft steuern.

Schweren Herzens aber mit dem Versprechen wieder zu kommen verlasse ich das Schmuckstück mit einem letzten Foto, das spätestens jetzt jeden den es bisher kalt gelassen hat noch ins schwärmen bringen wird. Ich bin Bastler, Träumer, Konstrukteur und habe die WALKÜRE vor über einem Jahr fertig gestellt, da fliegen mir schon wieder Ideen durch den Kopf…

Aber gut, ich muss mich erstmal trennen, die Gedanken frei bekommen. Will heute noch zum Wasserfall Gbaledze und diese sagenhafte Serpentine unter die Räder nehmen. Bei der ersten Aussicht schon werde ich nicht enttäuscht.

Wie man auf dem Bild sehen kann steht mein Truck mitten drin. Ich halte mich hier schon seit geraumer Zeit auf und es kam niemand vorbei, diese Piste sozusagen ein Geheimtipp. Der Blick über den Rand hinaus in die Weite eine Augenweide und neben dem verhassten Geräusch von Kettensägen finden aber auch Vögel in mein Ohr. hier mal live.

Ja, das Wetter ist abwechslungsreich und macht es erst spannend, die Regenzeit kann immer wieder Überraschungen bringen wie die letzten Blogs ja bewiesen. Hier am Berg regnet sich solch fette Wolke gerne mal ab. Sieht aber auf dem Foto auch echt toll aus. Um der Eifersucht Einhalt zu gebieten und all meine Schwärmerei für den gelben Ackergaul aufzuwiegen hier zum Abschluss mein kompaktes, handliches, taugliches, kleines, großes rollendes Zuhause. DANKE

8 Gedanken zu “Universales Motorgerät UNIMOG

  1. Tom schreibt:

    Gibt es eigentlich einen bestimmten Grund, warum du hier mit so einem kontrastarmen „graue Schrift auf weißem Grund“-Design arbeitest?
    Ich find*s echt nervig.

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  2. Tom schreibt:

    Unglaublich die Geschichte mit dem UNIMOG…wieso der um alles in der Welt mitten im Nirgendwo steht und sich noch kein togolesischer Schrauber dem angenommen hat…bin mal gespannt, ob Du mehr in Erfahrung bringen wirst…

    alles Gute weiterhin, ein stiller Mitleser
    Tom

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  3. Flood schreibt:

    Vom Unimog und seinen Portalachsen schwärmen nur die, die keinen haben oder noch nie einen hatten – scheint mir jedenfalls so. Wo ich meinen Deutschland hinbringe, da rollen meine gewiss nicht minderbemittelten Werkstatt-Chef und -Meister nur mit den Augen, beglückwünschen mich zu meinem Mut und meinen, sie würden nie mit einem Unimog nach Island o.ä. reisen… von wegen all der Getrieberäder und -rädchen, die sich in den Portalachsen bzw. Radvorgelegen drehen (und reiben)… und überhaupt sei der Unimog ein Kurzdistanzfahrzeug (Agrar, Straßenbau bzw. -pflege,…) und keine Langzeitreisenmaschine. Ach ja, und ich weiß nicht, wieviel Leute neben meinen 1300 L (435er) gestanden haben und naiv meinten „der kommt überall hin“ – und nein, das tut er nicht, von wegen Gewicht und Breite und Höhe und überhaupt wegen Physik & Naturgesetzen auf diesem Planeten namens Erde, die auch ein Unimog nicht außer Kraft setzt! Ich bin an verdammt viele Orte damit nicht gekommen, zu denen ich es mit einem Toyo oder Landy geschafft hätte (und auch umgekehrt – es gibt keine ideale, perfekte, alles-schaffende Allround-Reisemaschine, das ist eben die Wahrheit).

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