Von Mäusen und Mönchen

Ich bin also am Nachmittag im Kloster angekommen, Danyi Dzogbegan heißt der Ort und das Monastere hier ein anscheinend gut funktionierender landwirtschaftlicher Betrieb. Man hört von diversen Auszeichnungen für Spitzenkaffee und auch Konfitüre wird neben vielen Kräutern und Pulvern produziert. Normalerweise gibt es hier ebenfalls Voluntäre und Besucher die mithelfen können, mich hätte die ganze Organisation ja interessiert. Aber der Hotelbetrieb ist zur Zeit ausgesetzt und nur der Shop geöffnet. Ich darf trotzdem eine Nacht in der Allee am Eingang stehen.

Diese Allee ist was ganz besonderes, diese Bäume habe ich noch nie gesehen, von deren Früchten aber schon einmal gehört. Jackfruit und damit wie die Kalabassen echt gigantische Klöten an den Stämmen hängend.

Laut Wiki werden die Dinger bis zu nem Meter groß und 35kg schwer, hauptsächlich in Asien vertreten, ich habe sogar das Vergnügen kosten zu können. Bei der Ernte am nächsten Morgen lassen die Jungs eine reife Frucht fallen und die platzt auf. Zuckersüß und sehr klebrig, stärkehaltig, ein unverwechselbarer Geschmack. Zwischen den ganzen Fasern die vom Stamm bis zur noppigen Außenhaut führen verbergen sich immer mal solche gelben Früchte mit Kern in der Mitte. Hier wie gesagt ein kleines Exemplar im Vergleich zur Ananas.

Im Shop gab es auch ne Tüte Jackchips, also getrocknete Knabberei die wiederum nen anderen Geschmack hat. mit 500cfa bezahlbar. Mich reizt noch Honig und Guavenmarmelade, aber Preise haben die hier schon ganz ordentliche. Die Produkte werden wohl auf 100Hektar im Umland angebaut. Eine Führung kann ich leider nicht bekommen.
Das Gelände besteht hauptsächlich aus der kegelförmigen Kirche in der auch morgens und abends Messe gehalten wurde.

Ringsum etwas Wald und grüne Vegetation die zu Spaziergängen nur einlädt.

Sogar ne richtige Wiese findet sich auf der sich Atlas mal wieder ausgiebig wälzen kann.

Und was hier so als Unkraut am Wegesrand wächst kann sich so mancher als Zimmerpflanze vorstellen.

Wie gesagt ein interessanter Ort wenn es was zu tun gäbe. Ich habe am Morgen aber eine andere Mission in meiner Hütte. Seit Tagen, wenn nicht Wochen schon beherberge ich unfreiwillig einen kleinen Nager. Erinnerungen werden wach, als ich im früheren Bus schon eine Maus aus dem Senegal bis nach Deutschland importierte. Die hatte im Armaturenbrett gewohnt und sich überall rumgetrieben. Hier aber in meinem Holzhaus auf der 110cm hohen Pritsche hab ich keine Ahnung wie die rein kam.

Auf jeden Fall knabbert sie immer mal Mangos und Avocados an, mag Reiskekse und liebt trockene Hundefutter Bällchen. Atlas stört das aber herzlich wenig, Mäuse vertreiben war noch nie seine Stärke gewesen. Ich hatte nur die Befürchtung, dass sich meine Korkdämmung als Super Polsterung zum heimisch machen anbietet. Es half also nix, schon im Zion Gaia hatte ich mehrfach alle Kisten aus dem Keller ausgeräumt und sie damals auch schon einmal zu Gesicht bekommen. Leider war sie doch irgendwie auf den letzten Drücker entwischt. Ist fast schon keine Maus mehr, locker 10cm ohne Schwanz in glänzendem Schwarz. Ich hielt früher mal Ratten, finde die also ganz putzig. Nur alles anfressen selbst nur um zu gucken was drin ist muss nicht sein.

Doch diesmal war ich erfolgreich, hab jede Kiste auf die Terrasse gestellt und dort ausgepackt, dabei definitiv den Kameraden entdeckt und von der Plattform springen sehen, Kapitel abgeschlossen… dachte ich. Mit guter Laune packte ich alles wieder zusammen und machte mich auf den Weg. Aber schon in der nächsten Nacht wurde ich erneut von Knabbergeräuschen geweckt. Ich hatte mir in Kpalime eine klassische Mausefalle und eine Klebefalle organisiert und aufgestellt. Die erste mit einem Stück Tofu bestückt und hinter meinen Obstkisten aufgestellt und zum Glück stehen lassen. Denn plötzlich gibt es einen Knall und das kann nur die Falle gewesen sein. Mir graut es schon fast das Ergebnis betrachten zu müssen. Doch wider allen Erwartungen ist sie nicht tot, atmet noch und guckt mich erstaunt und eingeklemmt an.

Entweder sind es Zwillinge gewesen, oder sie hat es doch tatsächlich geschafft wieder zurück ins Paradies zu gelangen. Exakt die gleiche Maus und das muss ich schon respektvoll huldigen. Ich nehme sie also mit der Falle nach draussen und bringe es trotzdem nciht übers Herz ihr ein Ende zu machen. Weit genug vom Truck entfernt lass ich sie laufen und scheuche sie noch etwas durch die Vegetation. Ihr geht es anscheinend gut, nix gebrochen. Und Bitte bitte komme nicht zurück, letzte Chance.
Wieder einen Tag später knabbert es erneut im Küchenschrank, ich werd nicht mehr. Aber irgendwie ist sie vorsichtiger geworden denke ich, es hört sich leiser an. Ich mache ganz vorsichtig das Schubfach auf und sehe einen Schwanz, greife ihn und habe eine ganz kleine graue Maus zwischen den Fingern. Ne Wohngemeinschaft bin ich nicht, also in hohem Bogen über die Terrasse in die Freiheit. Ich hoffe das war es dann erst einmal gewesen. Obwohl ich noch einen weiteren Mitbewohner im Bücherregal habe, der ist aber geräuschlos und immer mal niedlich anzusehen, kümmert sich um die Insekten die das Licht umschwirren und kann auch kopfüber an der Decke laufen. Ich hab einen kleinen Gecko an Bord, der darf bleiben.

Mit der Abfahrt vom Kloster bin ich mal wieder etwas planlos. Hatte eigentlich gedacht hier etwas zu bleiben und auf Michi zu warten der immer noch in Lome ist. So mache ich mich also auf den Weg zu neuen Erkundungen und habe da einen Wasserfall auf der Liste zu dem ich über eine abenteuerliche Piste laut meiner Karte fahren muss. Hier oben auf dem Plateau gibt es viele Wege zwischen all den kleinen Dörfern und irgendwie macht mir Reisen so am meisten Spaß.

Doch wer sich nur mit OSM Karten durch die Welt schlagen möchte muss auch immer mal mit Rückschlägen rechnen. So zum Beispiel gab es hier mit den Wolken am Horizont kaum Aussicht auf Weiterkommen. Nur so entdeckt man aber solche faszinierenden Orte.

Eine andere Piste die mich auf kürzestem Wege zur Hauptstraße bringen sollte wurde dann auch immer kleiner bis der Pfad im Dschungel endete. Dafür hat mein Reisemobil dann doch nicht die nötige Kompaktheit. Also wieder retour.

Es gibt hier oben Straßenschilder, zumindest gab es sie mal. An den Hauptgabelungen der Pisten wurden vor Jahrzehnten diese Betonklötze aufgebaut und mit Wegweisern bemalt. Aber in Afrika kümmert sich ja niemand um Wartung und Pflege, so hat der Zahn der Zeit und der Wille der Natur nix informatives mehr übrig gelassen.

Ich hatte also einen interessanten Tag in einer wunderschönen Region. Bin jetzt kurz vor der Abfahrt ins Tal hinunter und hebe mir diese Geschichte aber für den nächsten Blog auf.

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