von Kpalime bis Kpime, Togos Plateau

Ich hatte also die schlammige Piste erfolgreich hinter mir gelassen und wieder festen Boden unter den Rädern… solange man das von den roten Pisten behaupten darf. Wie angesprochen musste ich die Räder wieder zurückbauen, da die sich berührenden Zwillinge keine längere Strecke so durchgehalten hätten. Die M/T Schlappen also wieder unters Heck und mit den etwas zivileren Gummis für die bald folgende Teerstraße gewappnet. Dabei ist mir erneut aufgefallen, dass die doch Luft verlieren, seit die in Lome neu (gebraucht) aufgezogen wurden. Ein Stop beim Mechaniker also unumgehbar wenn ich nicht jeden Tag pumpen mag.

Beschädigungen wurden nicht entdeckt, hab ja die Gummis auch gründlich vorm Kauf gecheckt. Jedoch das Aufziehen nicht überwacht und da waren die Jungs wie gewohnt wohl schlampig. Entweder war der Felgenrand nicht sauber oder die sandigen Umstände haben einen luftdichten Übergang bei den schlauchlosen Rädern verhindert. Half also nix, runter mit dem Gummi, sauber machen und wieder 6bar auf die Schlappen. Dieser wollten jedoch nicht zurück in sein Bett ploppen und die Luft entwich bevor der Reifen Druck aufbauen konnte. Ich dachte an Spanngurt oder die Bremsenreiniger und Feuer Methode, die Profis hier haben Pate genutzt, das gleiche Wort für Teig, Pasta und das Nationalgericht, simpel und auch eine Mais-Wasser Mischung. Man lernt immer dazu.

Der Überstand wurde dann weggeschabt und die Dinger sind prall und dicht mit Seifenwasser getestet, es rollt also wieder. Wie man oben im Bild die orange Pulle sieht, konnte ich auch mal wieder meine Gasflasche bei der Total Tanke tauschen. Es war zwar noch ein Schluck drin, aber wer weiß wann solch Gelegenheit im Norden kommt. 10,- für die große Flasche die mich halbvoll seit Mali 4-5Monate hat täglich kochen lassen finde ich jetzt sehr angebracht. Und hier feuert man trotzdem mit Holzkohle die Ursache der meisten Abholzungen in Westafrika ist, aber dazu mehr demnächst mal gesondert.

In der Kleinstadt Kpalime hab ich noch weitere Vorräte aufgefrischt und einem Fufu Restaurant Besuch abgestattet. Mal wieder überall mit interessanten Leuten ins Gespräch gekommen. Kpalime gilt als eine der hippsten und legersten Städtchen des Landes. Auch ne Menge Voluntäre und Touristen verirren sich hier, die Nähe zu Lome und am Fuße der Berge Agou und Kloto gelegen ein perfekter Ausgangspunkt für Ausflüge zu Wasserfällen und noch unberührter Natur. Ich mag den Ort der von mir mit dem Moped schon mehrfach besucht wurde, da nur 30km von der letzten Farm entfernt. Hier steht auch die von deutschen erbaute Kathedrale, die es mal mit nem Foto in den Blog geschafft hat. Hier mal noch der Link zur Erinnerung an die Rundfahrt Mount Kloto, auch schon wieder ein paar Monate her, exakt bevor der Corona Wahnsinn die Welt lahmlegte.

Link zur Mopedtour Mount Kloto

Ich hab für heute keine Pläne mehr, hatte erst überlegt mal nen Samstag in der Stadt zu verbringen, das Nachtleben soll hier sagenhaft sein, aber sowas ist ja gar nicht mein Ding und ich suche lieber das Weite, raus in der Natur. Nahe der Kaskade Kpime werde ich unerwartet schon am Nachmittag fündig. Dass hier Guards stehen die Eintritt verlangen ist mir sowieso klar, aber es gibt keinen richtigen Parkplatz also Ruhe vor weiteren Besuchern und den Weg hinauf will ich mit dem Truck auch nicht absolvieren. Lieber am nächsten Morgen mit einer Wanderung zum Staudamm oben mit dem Bassin den Tag einläuten. Ich finde nur 200m weiter vor dem kleinen Wasserkraftwerk mit Erlaubnis der Wächter dort einen recht idyllischen Platz unter nem gigantischen Mangobaum.

Als meine Terrasse dann ausgeklappt war und ich den Schatten genoss waren die Temperaturen im Heim so angenehm, dass ich gar nicht erst das Dach ausfahren brauchte, ne Gute Entscheidung wie sich später noch rausstellen sollte. Ich verbrachte den Nachmittag gemütlich mit vielen Gesprächen mit den Jungs am Eingang der Kaskade und auch den Wächtern des Kraftwerkes. Themen wie üblich mein Reisegefährt und über Gott und die Welt, Probleme Afrikas und die Perspektiven und Wünsche der Einheimischen. Eigentlich immer das Gleiche, nur seit Wochen hatte ich kaum „neue“ Kontakte, und mich so mal wieder drauf eingelassen. Wieder mal den Wunsch einer Handvoll junger Leute vereitelt nach Europa zu wollen, woher nur all die Gerüchte kommen, dass „dort“ alles möglich ist und man Arbeit findet und sich Autos und Häuser leisten kann. Leider nicht für unqualifizierte Afrikaner und dafür das Paradies verlassen? Sie haben hier ein Dach über dem Kopf, Freunde und Familie, sind gut genährt und erfreuen sich an angenehmem Klima, haben obendrein alle viel neuere Telefone als meiner Einer und wollen all dies nur um mit mehr Geld noch sinnloseren Konsum zu betreiben. Einen richtigen Traum, einen Plan fürs Leben kann mir niemand vorweisen… und diese, meine Erfahrungen immer ähnlich aus mehreren Dutzend solcher Begegnungen. Aber egal, es war ein kurzweiliger Nachmittag.

Die nähere Umgebung bietet mir alles was ich heute noch brauche, eine saubere Stelle am Bach mit sehr klarem Wasser für ein reinigendes Bad und eine Menge Mangos die überall ungenutzt und schon verrottend am Boden rumliegen.

Echt wahr, die gigantischen Dinger, also die zweite größere Variante grün bis violett die neben den kleinen Gelben hier zu bekommen sind interessieren anscheinend niemanden. Am Straßenrand bekommt man aktuell gerade das Stück um 100cfa aber gratis schmecken sie mir doch noch besser. Handtellergroß und reif zum löffeln, ein Genuss. Viele gammeln schon und sind Futter für Insekten, einige jedoch sogar noch fest und unberührt, die werden also ein paar Tage mein Frühstück sein.

Den Abend wie üblich ruhig und mit der Dämmerung eingeläutet. Was anständiges gekocht und mit Hörbuch und Film bis zur Nacht verbracht. Das Kraftwerk übrigens mit einer monotonen Geräuschkulisse der laufenden Turbine nicht unangenehmer als Meeresrauschen, für mich ging das in Ordnung. Doch dann vereitelten andere Geräusche meinen Schlaf. Donnergrollen und aufziehender Regen. Heute wie gesagt ohne Notwendigkeit das Zelt anzustecken, hab das Dach unten, nur die Fenster vorne in der Kabine müssen zu. Atlas mal wieder gar nicht glücklich, er hasst Gewitter und mutig wie er sonst immer ist verkriecht er sich schon bei aufziehenden Stürmen.

Doch was in den nächsten Stunden so abgeht hat selbst mir Angst eingejagt. Das Gewitter hier am Fuße der Berge in voller Stärke direkt über uns. Und plötzlich eine Explosion, ein Einschlag wie von einer Bombe direkt neben mir. Ich spüre es am ganzen Körper, der nachhallende Donner und das Grollen lässt den Truck erzittern, meine Ohren klingeln aber ich bin noch da. Atlas ebenfalls, mehr als irritiert aber wohl auf. Der Blitz muss direkt neben mir eingeschlagen sein. Und wie ich dann feststelle ist es totenstill und komplett dunkel. Das Kraftwerk summt nur noch nach, die Turbine in den letzten Umdrehungen, kein Licht mehr, das hat es also erwischt. Mir gehen natürlich ein paar Dinge durch den Kopf aber ws bleibt mir anderes übrig als weiter zu schlafen. Meine Konstruktion sollte eigentlich auch ein faredäischer Käfig sein mit all dem Holzummanteltem Stahlgerüst. Und außerdem schlägt ein Blitz selten mehrfach an eine Stelle… hab ich gehört.

Am nächsten Morgen dann wieder Sonnenschein. Das ist Regenzeit in Togo, alles wieder vergessen. keine optischen Beschädigungen am Kraftwerkt zu erkennen, vielleicht hat die Antenne alles abgefangen.

Das Foto entstand gegen Mittag, man sieht im Hintergrund den kleinen Wasserfall. Diesen hab ich mir dann am Morgen genauer ansehen wollen und bin gegen 6Uhr mit Atlas auf die 5km Wanderung aufgebrochen. Der Weg eher eine breite Allee frisch mit Bruchsteinen gepflastert und noch nicht komplett fertig. Nicht so romantisch durchs Gebüsch wie ich mir das vorgestellt habe. Die Straße hier hoch wird aber nicht nur von Besuchern genutzt, oben liegen ein paar Dörfer und auch ein Hotel. Die Aussicht zurück jedoch belohnt trotzdem. Die Sonne noch hinterm Hügel versteckt, Gegenlicht sonst kein gutes Foto.

Und auch mit der Zoomfunktion kann man etwas anstellen, wie gesagt ich fotografiere und filme alles ausschließlich mit meinem 9Jahre alten iPhone, aber ich glaube das kann sich sehen lassen.

Die leicht ansteigende Straße hat dann doch eine Wanderwegabzweigung und steilere Abkürzung. Der Frühsport ist also doch gegeben und hier dann auch der Weg für Atlas.

Eigentlich kann man sich den kompletten aufstieg abr sparen. Da ist eine alte Staumauer mit einem ruhigen See und davor ein paar Betonhäuser die wohl der zweite Teil des Kraftwerkes oder der Wartungsmannschaft waren. Heute Heim von Familien die afrikanisch mehr vor der Tür hausen. Den Anfang vom Wasserfall kann man auch nicht erkennen, nur den Überlauf hören. Ein Foto und Rückmarsch.

Fast ganz unten, in der ersten Biegung gibt es einen Abstecher zum Fuße des Wasserfalls zu machen. Jedoch finde ich das weder besonders noch vorzeigbar. Die Gesamtansicht der Wand schon eher, hier das letzte Foto der Kaskade Kpime.

Ich kann also um die Mittagszeit recht entspannt starten und meinen Weg nach Norden fortführen. für heute will ich aufs Plateau hinauf und bei Danyi ein Kloster besuchen. Nein, so schlimm ist es um mich noch nicht geworden aber das Monastere Danyi Dzogbegan ist für seine Gartenarbeit berühmt und stellt Naturprodukte her, für Marmelade und Kaffee berühmt. Dort kann man auch als Helfer fungieren, hab ich gehört.

Der Weg entlang der guten Asphaltstraße Kpalime-Atakpame führt mich an der Mautstation vorbei. Hier hatte ich mehrfach schon diskussionen über meine Fahrzeugklasse und heute ging kein Weg dran vorbei eine Gebühr für LKW zu bezahlen, immerhin mit korrekter Quittung… was nützt diskuttieren, wenn bewaffnete Gendarmen im Rudel auf dich einbrüllen. So macht Reisen Spaß aber der Ruf von Uniformierten bei Touristen ist denen Wurscht. Da lob ich mir doch die kleinen abgelegenen Straßen wie die den Berg hinauf.

Oben natürlich zwar auch ein Posten der ein Geschenk von dir will, aber mit etwas Zeit und einem entspannten, freundlichen Gespräch gehen wir beide mit einem Lächeln weiter in unseren Tag. Gegenseitiger Respekt und ein paar nette Worte können das Leben doch viel einfacher machen. Ich brauche diesen ganzen Stress echt nicht und geniesse gerne jeden Moment meines Tages. Doch irgendwas ist ja immer. Mein Gaspedal will jetzt nicht mehr in seine Ausgangsposition zurück. Andere würden fluchen, ich sehe das als Zeichen meiner geliebten Walküre mal eine Pause einzulegen und nachzusehen.

Schattiger Platz und Atlas hat seine Freiheit, ich erstmal meine Wassermelone und als der Motor etwas abgekühlt war konnte ich auch das Häubchen im Inneren runter nehmen. Dazu natürlich ne Ganze Menge Geraffel entfernen und gleich mal den Fußraum etwas entrümpeln. Man, da sammelt sich schon was an. Die Ursache dann wie erwartet der Verlust der Rückholfeder. Diese natürlich nicht wieder zu finden und Ersatz wird also improvisiert. Drei Dinge finde ich zur Auswahl, kleiner Spannriemen, Expandergummi oder Fahrradschlauch. Ich entscheide mich für letzteren und schneide diesen in kleine Scheibchen welche wie Kettenglieder zusammengesteckt nun das eine mit dem anderen Ende verbinden und Spannung aufbauen. Noch etwas stramm aber ich hoffe das legt sich. Und ein gebremster Gasfuß ist gut für die Tankstellenrechnung.

Mac Guyver wäre stolz auf mich und meine WALKÜRE ist wieder einsatzbereit. Der Tag noch jung und ich bin froh und glücklich wieder on the road zu sein.

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