Togo zur Regenzeit, ein Abenteuer.

Ich wollte es ja mal erleben und kam eigentlich auch gar nicht drum herum. Die Regenzeit im Dschungel ist angekommen. Fast täglich kommt irgendwie Wasser vom Himmel und der Boden ist dauerhaft nass. Freut die Farmer, problematisch wird das erst beim Thema Fortbewegung. Ich machte mich mit dem Fahrrad auf zum 15km entfernten Markt für kleinere Besorgungen, primär stand aber die sportliche Fahrt im Vordergrund. Dafür scheinen die Wege die ich zur Farm zurücklegen musste wie geschaffen.

Was für die Walküre mit dem breiten Radstand am rutschigem Untergrund des Wegesrandes eine Herausforderung war ist mit einspurigen Fahrzeugen nach wenigen Stunden Sonne ein knochenharter, festgefahrener Fahrbahnbelag. Schlimm wird es erst wenn die Häufigkeit der Benutzung den Quotienten des Wachstumsfaktors der Vegetation unterschreitet, dann hat man beim pedalieren mit solchen Aussichten zu kämpfen.

Immerhin fühlt man sich hundertprozentig in der Natur angekommen und hofft nur noch mit seinem Orientierungssinn in die richtige Richtung zu steuern. Wege führen nicht immer zu anderen Wegen, sondern hier im Busch auch häufig nur zu Feldern oder abgelegenen Farmen wie ich auf der Fahrt einige Male feststellen durfte. Also alles wieder zurück bis die nächste Abzweigung eine breitere Route aufzeigt.

Auf den noch breiter ausgefahrenen Wegen hingegen trägt die häufige Benutzung zur Bildung von Spurrillen und Schlaglöchern bei, die dann gerne mit Wasser voll stehen, länger feucht sind und mit dem nächsten Rad erneut wie ein Teig zur Seite gedrückt werden. Meist ist dann in der Rille fahren stabiler als auf dem Schlamm daneben.

Nur die richtige Rille finden ist die Kunst die schon etliche Fahrzeuge vor mir versucht haben zu meistern. Übrig bleibt dann ein Massaker und dessen Passage bedeutet eine schlammige Erfahrung wie man am Fahrrad sehen kann. Stelle man sich nun dies mit einem überladenen Moped samt Passagieren vor.

Da freut man sich doch regelrecht auf der Hauptstraße anzugelangen, die Afrika typisch mit roter Erde aufgeschüttet wurde. Wenn man mal ein Stück ohne querende Wasserläufe oder
Schlaglöcher findet ebenfalls schnell trocken und gut befahrbar.

Ich hatte also mein Etappenziel den Markt erreicht und konnte meine Einkäufe tätigen. Bedingt zumindest denn das Angebot unterschritt weit meine Wünsche vom Einkaufszettel. Zwiebeln und Piment also Chilli so ziemlich das einzige dargebotene Gemüse und in der Region hier ist Obst Fehlanzeige, Avocados dafür vom nahegelegenen Berg Mont Agou.

Immerhin ein paar Snacks wie frittierte Bällchen aus Maniok oder Teig sowie Tofu der hier simpel Soya heißt und gerne frisch frittiert mit scharfer Sauce (Piment) und einigen Scheibchen Zwiebeln gereicht wird. Stärkung für die Rückfahrt. Einer anderen Route folgend mit grobem Blick auf den Pfeil der Karte auf meinem Telefon hatte ich nur irgendwann nur noch knapp einen Kilometer zur Farm vor mir. Diese aber in einer Himmelsrichtung die kaum Verkehr erwartet.

Kein Wunder denn von Kati nach Süden kommend hatte ich westlich noch den Fluß Zio zwischen mir und dem Camp. Die Wege also wieder Sackgassen zu Farmen oder Feldern. Vor allem sind diese Pfade anscheinend gleichzeitig Abläufe für das Wasser. Ich hatte also einige interessante Abschnitte hinter mich gebracht. Immer wieder Kontakt mit verwirrten Anwohnern die meinen Wunsch zum Fluss zu wollen nur schwer verstehen konnten. Wasser gab es ja unterwegs schon immer genug.

Da waren es nur noch 300m laut GPS und damit eigentlich in Sichtweite zur Heimat. Doch wenn ein Palmenwäldchen den Blick nach markanten Bäumen versperrt auch keine Lösung des Problems.

Immerhin hab ich darin oder besser dahinter den Fluss gesehen und vier Schnapsbrenner getroffen die von ihrem Arbeitsalltag der Sodaby Herstellung unterbrochen wurden. Der harte Schnaps aus dem Palmwein gebrannt ist im Busch ein weit verbreitetes Gewerbe. Ich war fast richtig, da mir auf der anderen Uferseite die Vegetation bekannt vorkam und ich nur noch 200m weiter südlich muss um direkt bei uns queren zu können. Leider führen keine Wege von meiner aktuellen Position dort hin und wie immer beginnt jetzt das Abenteuer.

Ich wollte nun echt nicht wieder alles zurück und den großen Umweg bis zur nächsten Brücke nehmen, immerhin weitere 15km durch verschlungene Wege. Da nimmt man auch mal 200m quer feldein durch dicht bewachsene Vegetation in Kauf. Unglaublich wie weit doch dieser Katzensprung sich anfühlen kann. Dann wieder eine Hütte zu erkennen und Kinder die zwar erstaunt aber nicht total verstört sind mich zu sehen. Stellt sich heraus die kennen mich und sind exakt die vom anderen Flussufer wo ich die letzten Tage zum Baden war. Heimat so nah.

Nun hieß es nur noch Rucksack auf den Kopf um im brusthohen Wasser nicht alles zu tränken. Erster Marsch nur mit dem Gepäck. Der Blick in die recht aufgewühlten Fluten die hier zum Glück durch die Breite des Zio nicht all zu stark an einer Stelle fokussiert sind ist wenig Vertrauens erweckend. Hätte ich auch ohne dies als Badestelle zu kennen nicht gewagt. Der zweite Gang dann mit dem Fahrrad im Schlepp was, oh Wunder dank der mit Luft gefüllten Reifen mehr schwimmt als unter geht. Immerhin war die Technik danach dann auch wieder sauber. Logisch gab es eine ausgiebige Wartung und Pflege mit Öl an den richtigen Stellen. Tolle Radtour mit nur einem weiteren Motiv zwischendurch zur Ansicht.

Ich bin ja noch beim Kumpel auf der kleineren Farm als die von Zion Gaia die ich die nächsten Tage besuchen werde. Das Wetter wird hierfür erneut ein interessanter Faktor denn ich hoffe auf einen regenfreien Tag für trockene Verhältnisse. Morgen also eher nicht.

Dann bleibt als freudiger Abschied des Tages nur ein besonderes Abendmahl. Fufu in Heimarbeit und dazu Sauce. Dazu kommen neben Alutöpfen zwei weitere klassiche Küchenutensilien zum Einsatz. Jeder hat hier solch einen Stein mit Ganitplatte zur Verfügung. Damit werden Piment und Zwiebeln, Knoblauch und Ingwer zur Paste für die wie immer scharfen Sauce verrieben.

Arbeitsgerät Nummer zwei dann in ganz Westafrika bekannt. Holzkessel und Stampfer, Pilon genannt. Damit werden jegliche Teige geknetet, und in diesem Falle aus den gekochten Yams Stücken erst ein Brei gequetscht, der dann so lange behauen wird bis die Stärkeverbindungen sich komplett verkleben und den Fufu Teig ergeben.

Das Mahl dann ein Knödelball der heute mit dünner Erdnusssauce eher Suppe gereicht wird. Man knipst sich scherenartig mit den Fingern ein Stück ab, wälzt das in der Sauce und rangiert das dann am Besten ohne viel kleckern in den Mund. Leckerer als es aussieht und bei einem lustigen Abend mit Freunden ein Erlebnis.

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