Mein Camp in Zion Gaia

Meine Tag am Strand von Lome waren gezählt, netter Platz zum Verweilen aber mir wurde langweilig. Die Motorradausflüge mit Willi hatten sowieso bald ein Ende, er bekam seinen Pass mit Nigeria Visum aus Deutschland zugeschickt, hat dann im dritten Anlauf doch noch funktioniert. Eine Tour zum Abschied mal in die andere Richtung zum Togosee. Nix besonderes und wie es scheint die ganze Küste von Togo komplett zugebaut. Hier der einzig sehenswerte Spot unterwegs.

Außerdem kam das Wochenende auf uns zu und im Coco Beach sollte eine besondere Veranstaltung statt finden, dann lieber reißaus bevor es laut und voll wird. Wohin? Nach Norden, erneut in Richtung Kpalime da ich den Mount Kloto mit dem Motorrad umrunden will. Unterwegs ein Stop im kühlen Wald fü den Gassigang mit Altas. Mhhh, hier kam wohl schon länger kein Zug mehr vorbei, lohnenswerte Beute für Stahlbausammler.

Durch einen Bekannten bekam ich einen Tipp mal bei nem Farmprojekt vorbeizuschauen. Etwas abseits der Route hinterm Mount Agou, der ja von mir die Woche zuvor als höchste Erhebung Togos mit dem Fahrrad pedaliert wurde. Von hier echt mickrig anzusehen.

Ich musste die N5 (Lome-Kpalime) eine mäßig gute Landstraße verlassen um auf der N9 wieder ne Piste vorzufinden. Schon erstaunlich was so als Nationalstraße gilt und immerhin fährt auch ein Bus.

Das Camp oder exakt beschrieben das Zion Gaia permaculture project war laut keiner Karte, weder maps.me noch online per Route erreichbar, GPS Koordinaten halfen grob aber mit einigen Fehlversuchen passierte ich diverse kleine Dörfer und sah meinen ersten Kalabassen Baum aus dessen Fußballgroßen Früchten, die nicht genießbar sind, zumindest Schüsseln hergestellt werden.

Naja, was dort drunter lag erklärt sich nur durch den Einmarsch von Chinas Plastikschrott, Kalabassen wohl kaum noch nötig. Vielleicht hole ich mir mal eine und schnitze nen Lampenschirm draus, echt hart das Zeug.

Ich stand in Kontakt mit dem Eigner der Farm und irgendwie wenn auch sehr skeptisch fand ich dann meinen Weg der definitiv nicht oft von Fahrzeugen benutzt wird die größer als ein Mofa sind.

Wow, toller Platz und im Gegensatz zur Umgebung ne Menge Bäume auf dem Gelände. Die vorgefundenen Leute echt freundlich und meine ersten Tage auf nem Behelfsparkplatz gingen schnell und interessant vorüber. Gleichzeitig war die „C“ Krise am hochbrodeln und anscheinend gab es sowieso bald keinen Weg mehr irgend woanders hin. Das Schicksal hat sich also mit meinem Unterbewusstsein gegen meinen üblichen Entdeckerdrang verschworen und ich entschied mein Lager hier im Zion Gaia für länger aufzuschlagen.

Der ausschlaggebende Faktor für mich wie üblich der Zugang zu sauberem Wasser. Meine Filteranlage kann ne Menge, freut sich aber über hochwertigen Input, der ist durch den Fluss Zio gegeben, klares frisches Wasser aus den am Horizont zu sehenden Bergen. Der Weg durch 300m Dschungel ein Erlebnis und Traum für jeden Spaziergang mit Hund.

Der Fluss selbst in der Trockenzeit nicht leer, nur knietief, was sich schnell mit etwas Regen in den Bergen zur Hüfte aufschaukelt. Ein kühles Bad zu jeder Zeit…

Und das ist echt nötig, man schwitzt selbst bei bedecktem Himmel. Die Regenzeit ist nahe und es gab schon ein paar Schauer, ab und an aber immer wieder Sonnenschein. Arbeiten nur am Morgen möglich…

Ich komme noch auf viele Details vom Camp zurück und es ist zur Zeit des Schreibens auch schon mehr als eine Woche vergangen in der ich ordentlich angepackt habe. Nicht nur mein nun frisch und für länger gewählter Standplatz hat individuelle Veränderung nötig, sondern auch die gemeinschaftliche Arbeit in dieser Comunitiy die nun für ein paar Monate meine Heimat sein wird.
Wie man im Bild zuvor sieht hab ich mein Sonnensegel aufgebaut, um mich herum Platz geschaffen und sogar etwas Rasen für Atlas unter den Blättern und Ästen des Waldes gefunden. Das Projekt selbst besteht aus einem Gemeinschaftspavillon und einer Außenküche mit separatem Spültisch.

Einige Volunteers also Freiwillige die hier gegen Arbeit ihren Urlaub verbringen und was lernen wollen, kommen in Zelten unter. Es gibt aber auch eine echt erstaunliche Holzkonstruktion mit Schwebebettmöglichkeit.

Komposttrenntoilette und auch ne Dusche die ich aber noch nie benutzt habe, Baden im Fluss eher mein Ding.

Außerdem wird alles Brauchwasser per Schubkarre vom Fluss geholt. Da ich sonst auch mit 10l am Tag ausgekommen bin für mich keine Umstellung in puncto Sparsamkeit. Die Gruppe hier besteht aus dem Eigner und einer Freundin mit Kind, zwei weiteren jungen Single Franzosen und einem Spanier mit Fahrrad der schonmal hier war und das gleiche „Problem“ wie ich hat. Die Tage sollen noch ein paar Deutsche kommen, bin gespannt, hab schon ne ganze Weile meine Muttersprache nicht genutzt.
Weiterhin gibt es eine ordentliche Anzahl von Hühnern und einigen Enten, ein Dutzend Ziegen und zwei Katzen mit denen sich Atlas erstaunlich gut arrangiert. Hier mal ne kleine Gruppe der sonst gut 60 gefiederten.

Natürlich wird ein Großteil der Arbeit auf den Feldern vollbracht. Ne Handvoll Einheimische aus dem Nachbardorf sind täglich dabei und runden das MultiKulti ab. Es wird Maniok und Yams, Mais und viel Gemüse angebaut. Es gibt Papaya, Bananen und eine Baumschule, die Details folgen.

Der Tag also etwas geordnet, was meiner Lebensweise echt gerecht wird. Genügend Aufgaben gegen die Langeweile und meine Kreativität kann ich auch ausleben. Wir essen zusammen und ich koche auch gerne für mehrere Personen. Hatte vor dem Ausbruch aus der Zivilisation ja schon öfter mit dem Gedanken nach Selbstversorgung gespielt, nun also mal die Möglichkeit es real zu probieren und mich mit meiner Kraft einem Projekt zu widmen wo es auch die Chance gibt die Früchte der Arbeit zu ernten.
Die Regenzeit ist außerdem im Anmarsch und viele weitere Faktoren spielen positiv auf meine Entscheidung mich also kurzfristig sesshaft zu machen. Zion Gaia zwischen Kpalime und Kati also meine neue Heimat. Internetempfang erstaunlich gut und ich bin echt glücklich dies genau jetzt gefunden zu haben.
Die nächsten Blogs dann wohl keine Reiseberichte mehr aber passend zum Thema meiner homepage der Aussteiger mit Ambitionen zur Selbstversorgung in Togo. Irgendwann werden auch die Reisebeschränkungen hier wieder aufgehoben und ich kann zu weiteren Ausflügen ins restliche Land starten. Visa in Togo zumindest eine einfache und günstige Angelegenheit die mich nicht beschränkt, die Reisekasse wird extrem geschont da Unterkunft und Verpflegung gegen Arbeit das Einzige ist wenn ich keinen Sprit benötige und der Erfahrungsschatz wächst mit jedem Tag. Herrlich.

4 Gedanken zu “Mein Camp in Zion Gaia

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