Togos Hauptstadt Lome, Chaosbürokratie

Aus aktuellem Anlass, ich nenne ihn mal „C“ nur die Info, dass ich eine sichere Bleibe im Hinterland von Togo gefunden habe. Ein Permakultur Projekt mit allem was zur Selbstversorgung benötigt wird und weiteren helfenden Händen die auch von meinen Möglichkeiten profitieren. Ich hänge etwas über eine Woche zurück mit dem Blog und beschreibe nun meinen Aufenthalt in der Hauptstadt Lome. Die Vorstellung meiner neuen Heimat auf Zeit dann wie gewohnt demnächst. Alles wird gut…

Mein Aufenthalt in Lome dauerte dann etwas länger. Immerhin hatte ich eine bequeme, günstige Unterkunft im Coco Beach Camping chez Antoine. Mit ner frischen Dusche zu jeder Zeit oder dem Meer direkt vor der Tür. Leider war die kühle Brise jeden Abend wie weggeblasen und Schlafen eine schweißtreibende Angelegenheit. Aber wieder einmal Dank an die Walküre, die mit Sonnensegel und seitlichen Schattenspendern echt annehmbare Temperaturen im Inneren erhielt auch wenn sie selbst keinen Schatten abbekam. Atlas‘ Platz nicht nur während meiner Abwesenheit direkt unterm fahrenden Häuschen.

Abwesend mit dem Motorrad, zur 15km Fahrt in die Stadt meist um Visaangelegenheiten zu regeln. Nach erfolgreicher Verlängerung der 7Togo Tage auf 30 ging es auf der Karte zunächst geplant nach Benin weiter. Wie sich aber herausstellte war ein Gang in diese Botschaft völlig sinnlos, da nur noch online Visa vergeben werden und die auch nur für 30Tage. Wer nur für 7Tage ins Land will zum passieren nach Nigeria holt sich diese besser direkt an der Grenze.

Nigeria also wieder und immer noch das größte Problem in Westafrika. Bei zwei Botschaften wurde ich bisher abgewimmelt. Ein Visa von zuhause konnte ich nicht mitbringen, da die Gültigkeit schon längst überschritten wäre. In der Botschaft in Lome wollte man eine „resident permit“ eine Art Wohnberechtigung für Togo sehen da nur Einheimische hier ein Visa beantragen können. Diese kleine Hürde wurde beim Ausflug nach Kpalime in Angriff genommen und mit Hilfe eines durch eine Freundin Bekannten, deichselten wir was im Rathaus der hübschen Stadt unweit der Ghana Grenze wo ich letztens schon auf der anderen Seite war. Diese selbst mit Hilfe absolvierte Bürokratie ist echt ein Horror, der Zettel war erst ein Chaos für sich, meine Ansprüche nach nem Briefkopf, Stempel und Unterschrift samt irgendwas offiziellem wie nem Siegel wurden dann doch irgendwie erhört und natürlich musste auch Geld den Besitzer wechseln, Bürokratie haben die Kolonialisten ja zur Genüge hier eingeführt und damit das Unheil anrollen lassen.
Dieser Zettel ermöglichte uns (ich hatte diese Abenteuer zusammen mit Willi dem Motorradreisenden angegangen,) immerhin das Gebäude der Demokratischen Republik von Congo zu betreten. Da ließ man uns vorher ohne „permit de residence“ nicht einmal rein. Nun aber schlug uns die zweite Schikane die Tür vor der Nase zu. Es wird mal wieder eine Einladung benötigt, diese aber viel umfangreicher als in CI oder Ghana und nicht nur die Daten der Kontaktperson sind ausreichend, nein es muss ein offizielles Formular in Kinshasa gestempelt werden um dort dann seinen Weg nach hier aufzunehmen, verrückt. Also Absage: Hier die weiteren Anforderungen.

Wir brauchen aber ein Visa weiter südlich als Nigeria um dort zu zeigen, dass wir nur auf der Durchreise in Afrikas bevölkerungsreichstem Land sein werden. Kamerun bekommt man hier nicht, nur unter fraglichen Bedingungen in Benin oder einfacher erst in Nigeria. Also blieb nur der Gang nach der Republik Congo übrig. Ja richtig, es gibt ein zweites Congo und bei dem fehlt das demokratisch. Die RC ist auch viel, viel kleiner als die DRC und muss aber durchquert werden um weiter zu kommen. Wieder eine Fahrt zu einem recht unscheinbaren Gebäude in einer Wohngegend.

Immerhin sehr nette Mitarbeiter und entspannte Zeit beim Ausfüllen der Formulare, man ist sehr interessiert warum und überhaupt man mit nem Fahrzeug hier runter eiert. Bilder von meinem mobilen Haus machen dann die erstaunte Runde. Eines der einfachsten Anträge für Visa in Afrika bisher.

Trotzdem mussten wir erneut zum Termin hin, weil heute niemand zum Entscheiden und Stempeln da ist. Zweiter Besuch dann also mit der Botschafterin persönlich die sich über unsere Beweggründe informiert und doch positiv entscheidet. Wohl gemerkt alles ein paar Tage bevor diese „C“ Krise die Welt beherrschte. Für rund 70,-€ habe ich also die Erlaubnis erkauft ein weiteres afrikanisches Land zu besuchen.

Damit dachte ich eigentlich alle Hindernisse auf dem Weg nach Nigeria überstanden zu haben. Das fing beim ersten mal an, dass ich mit Willi die Hosen tauschen musste, da man mich mit ner kurzen nichtmal am Pförtner vorbei ließ. Die Geschichte musste ich nun alleine durchstehen, da mein Begleiter sein Visa nun doch per Pass aus Frankfurt zugeschickt bekommt. Immerhin hat er schon 550,-€ ja, Fünfhundertfünfzig in diverse Versuche und Nebenkosten versenkt. Nicht der erste und auch deshalb das am schwersten zu ergatternde Visa Afrikas.

Ok, ich also wieder den Eingang mit Temperaturmessung, Hände Desinfektion, Durchsuchung und ohne Telefon passiert um am ersten Schalter stolz meinen „Resident“ Zettel vorzeige… der abgelehnt wird. Sie wollen eine richtige Ausweiskarte sehen… hatte vorher keiner erwähnt. Wahrscheinlich nur die nächste Stufe der Schikane und selbst wenn ich die bringen sollte muss es wohl ein Togolesischer Pass sein… oder ich muss mich komplett einfärben was auch immer. Fuck Off, Nigeria also erstmal mein größtes Problem. Drum herum geht nur theoretisch, der Niger und Tschad rund um den See ist in islamistischer Hand und Straßen gibt es auch keine… Verschiffen nach Douala/Kamerun habe ich auch schon recherchiert. Selbst mit meinen Maßen im Container horrende teuer. Da wäre es fast einfacher per Grimaldi an Bord zu fahren (RoRo) aber ich selbst dürfte auch nicht mit und müsste mit Atlas fliegen… Alles ein Chaos und den genauen Preis kann man mir auch nicht sagen bevor ich nicht zur Vermessung vorgefahren bin. Die Hoffnung stirbt zuletzt, es gibt eine 350,-€ teure Variante mit einem Helfer vor Ort, der dich an der Grenze abholt um zusammen mit einem Beamten zum Flughafen Lagos zu fahren (5h) um dort ein arrival Visa für Businessmänner zu machen. Teilweise mit Antrag einer Geschäftsidee verbunden, echt total Banane. Ich warte erstmal ab was sich ergibt.

Wer denkt hier zu verzweifeln sollte mal versuchen in der Stadt Geld zu tauschen. Die fünfte Bank konnte es entgegen der ersten Anfragen dann doch nicht weil grad keine Verbindung zum Internet möglich ist…. Kein Wunder bei dem altmodischen Interieur hier. Immerhin klimatisiert.

Man muss dazu sagen, der Kurs zum CFA ist fix, da an den Euro gekoppelt, eigentlich nur gegenrechnen und fertig. Aber nein, Afrika. Eine weitere Bank hatte einen Prozess angekurbelt der mich eine halbe Stunde am Schalter stehen ließ… Zwischendurch immer wieder andere Kunden von der einzigen Bearbeiterin bedient, bis ich dies dann körperlich unterbinden musste und sehr bestimmt drängend auf finale Bearbeitung meines Anliegens bestand. Aber es lag nicht in ihrer Macht und ich wurde weiter geleitet… zum Schluss hatte ich die Schnauze voll und noch weitere Minuten zu kämpfen das was auch immer abzubrechen und mir mein Geld wieder auszuhändigen was vor mir sichtbar lag.

Lautstark und mit physischem Test an der „Sicherheits“ Absperrung aus Plexiglas. Dachte schon der Wachman wift mich raus bevor ich mein Geld wieder sehe. Hab dann Final in einem kleinen Dorf auf dem Weg nach Kplaime in einer unscheinbaren Dorfbank mein Anliegen klimatisiert und mit freundlicher Hilfe und sogar Abnahme meiner 5,-€ Scheine erledigt bekommen.

Wenn auch sonst nix am Tag zu erledigen war, die Fahrt alleine eine willkommene Abwechslung. Kleiner Umweg auf das gigantische Universitätsgelände mit etlichen Schattenspendenden Bäumen, oder vorbei am Palais des Gouverneurs.

Ansonsten die Hauptstraße parallel zur Küste ab Grenze Ghana vorbei am Hafen bis zum Stadtteil Avepozo unsere Hauptroute nach Lome. Keine Promenade oder ähnliches aber jede frei stehende Palme ein Platz zum verweilen, Autos am Straßenrand und immer mal ne Beachbar dazwischen. Alles in allem nichts besonders sehenswertes.

Wie überall, warum sollte man sich die Mühe machen eine Pier zu erhalten, die Leute übers Wasser spazieren lässt? Die Pfeiler immerhin noch wie man riecht zum anpinkeln geeignet.

Durch meinen Kumpel Michi kamen wir noch zu einer anderen interessanten wenn auch nicht mehr sehenswerten Institution. Dem Technischen Institut, was auch immer. Seit hier Deutsche Werkshallen zur Ausbildung von Fachkräften gebaut haben werden diese als Ausbildungszentrum für Kraftfahrzeuge, Metallbearbeitung und andere technische Bereiche genutzt. Mich Interessiert natürlich der KFZ Bereich und zumindest ein Haufen Motoren steht überall herum. Hier mal ein Klassenzimmer.

In der großen Halle dann alles was man braucht, Hebebühnen, Gruben und Werkzeug wie in einer richtigen Werkstatt, leider alles sehr verbraucht und teils nicht mehr funktionstüchtig. Der Werkzeugmacher Willi hatte die Hände über dem Kopf zusammengeschlagen als wir die Dreherei besuchten. Maschinen aus den 70ern die auch ohne PC ihre Arbeit perfekt leisten können, wenn ja wenn… der Zustand. Offene Verkabelungen, Rost an jeder Ecke, keine Laufflächen und nix gefettet. Klar sind wir nicht weit vom Wasser und Staub gibt es auch genug aber putzen tut niemand…
Michi hatte in der Werkstatt ein paar Arbeiten an seinem UnimoG machen lassen, wir haben eine Führung vom Stellvertretenden Leiter bekommen und sind herzlich eingeladen für welche Kooperationen auch immer vorbei zu kommen. Könnten alle Beteiligten profitieren wenn ich hier mal die WALKÜRE vor fahre, aber eigentlich sind die Dinge auf meiner Agenda dann doch lieber Sachen die ich selber mache… hat sich einiges angehäuft auf meiner Liste. Die kleinste Federlage hinten hat ein Bruchstück verloren, mein Stabigummi vorne ist nun auf der anderen Seite durch, Die Stoßstange will ich verstärken und vorhandene Tagfahrlichter einsetzen und endlich mal die Seilwinde auf 24V verkabeln, die Regenzeit ist nicht mehr weit.

Aber diese Tage in Lome waren ein echt bürokratisches Abenteuer, wie beschrieben mit Wochenendausflug der mal wieder Durchatmen ließ. Alles in allem schon ne schöne Zeit im Camp unter Palmen, aber den Rest des Tages rumsitzen ist nix für mich. Einzige Beschäftigung des Tages dann der Gedanke an die nächste Mahlzeit. Geräucherter Fisch mal als Abwechslung, aber samt aller Innereien doch meist mit bitterem Nachgeschmack.

Zum Glück kamen weitere Gäste auf den Platz, ein Spanier in einer Lieferwagenente über den ich später mal berichte und ein Pärchen mit nem T2 aus Argentinien, auch seit einigen Jahren unterwegs. Beide jeweils mit der Entscheidung den Trip hier als Wendepunkt zu sehen und die überteuerten Visa ab Nigeria zum Grund des Umkehrens zu erklären.

Der Van ein brasilianisches Modell mit trotzdem kleinen Luftgekühltem Benzinmotor. Noch viel weniger Platz als ich in zugeklapptem Zustand habe, dazu eine Katze und ein Hund… es gibt schon Verrückte.

In Lome generell schon ab und an mal Touristen zu entdecken, bei der Visaverlängerung hat man einige gesehen, Sehenswertes hat die Stadt kaum zu bieten, sicherlich irgend ein halboffizielles Museum oder den Voodoo Markt, aber mir genügt der Alltag der Straße. Hier mal eine Werbung an einer Ampel, für was auch immer…

Um etwas bewegten Eindruck von den Fahrten auf der hauptstraße zu bekommen mal wieder einen Clip gezeigt. Aufsitzen und Festhalten:

Wie gesagt, ich bin pünktlich raus aus der Metropole denn binnen wenigen Tagen hat sich hier die Lage auch auf europäische Verhältnisse in puncto Ausgangssperren und Panikmache hochgeschaukelt. Ich versuche nicht auf diesen Zug aufzuspringen, werde aber im nächsten Blog mal einige Fakten der hier herrschenden Situation zum Besten geben. Bei mir im Wald alles super und entspannt.

Was mich aber unheimlich aufregt, ist diese Lokations was auch immer von Facebook, seit einigen Wochen kann ich auf meiner eigenen WALKÜRE Page nix mehr posten denn mein Standort wird einfach nicht bestätigt, egal wie oft und wohin ich wechsel und das übernehme… Hilfeanfragen enden natürlich mit ellenlangen pc generierten todo Schritten, ich glaub ich gebs auf und kreire ne neue Seite…

4 Gedanken zu “Togos Hauptstadt Lome, Chaosbürokratie

  1. Peter schreibt:

    Ich lese gerne deine Reiseberichte mit und stelle immer mehr fest, dass dieses Afrika wohl nichts mehr für mich als Reisegegend wäre! Es bestätigt auch mein evtl. Vorurteil (?), dass es die Schwarz-Afrikaner in keinem ihrer Staaten schaffen ein funktionierendes Gemeinwesen aufzubauen! Die häufigen Seitenhiebe auf die angeblich schuldige Kolonialzeit kann man sich m. E. auch verkneifen! Nach so viel Zeit und der schlechten (?) Erfahrung damit wäre es Gelegenheit und an der Zeit es besser zu machen! Aber wie fast überall in der sog. Dritten Welt haben korrupte einheimische Clans das Ruder und die Kassen übernommen ohne geringste Rücksicht auf oder Verständnis für die Bedürfnisse und Notwendigkeiten der Bevölkerung. Es ist auch kaum irgendwo Besserung in Sicht. Schade um den wunderschönen und eigentlich reichen Kontinent!

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  2. Markus schreibt:

    moin philipp,

    wieder sehr kurzweilige lektüre in einer langweiligen zeit aufoktroierter isolation (das böse „C“, oder er, der nicht genannt werden darf?) .. trotz des/ deinen ganzen ärgers (kann der nichtreisende auch etwas nachfühlen – ämterwahnsinn ist dem deutschen ja kein fremdwort), musste ich trotzdem schmunzeln, denn erinnerten mich die ausführungen an eine der wohl legendärsten szenen der trickfilmgeschichte .. ich sag nur: passierschein A38 ;D ..

    kleine gedankenstütze: https://youtu.be/OIPS4ghHdMc

    Humor ist, wenn man trotzdem lacht!

    Grüße aus Dresden!

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