Rückblick Westafrika bisher

Zwischenbericht Westafrika / Fazit zum Reisefahrzeug

Hier übrigens noch ein Nachtrag zum letzten Ausflug.

Ich bin nun zum zweiten Mal in dieser Region südlich der Sahara welche sich vom Sahel bis zum Regenwald erstreckt. Der Maghreb, wenn auch auf der Landkarte dazugehörig bedeutet für mich noch nicht Afrika, Marocco und auch die Westsahara bis Mauretanien sind eher orientalische Länder mit arabischem Flair. Das wahre Afrika beginnt südlich des Senegal Fluss.

Meine Erfahrungen die ich im blog immer so zum Besten gebe sind also eigene Eindrücke aus in der Summe 9Monate Aufenthalt, dabei ist der durchschnittliche Schwarzafrikaner ein tiefenentspannter Mensch mit freundlichen Grundzügen aber sehr in Schubladen denkend und von den Medien durch moderne Kommunikationstechnik in die Zange genommen. Er (der Mensch genderfrei) vergisst zunehmend seine Wurzeln und folgt gerne westlichen „Lebensweisen“ weil „wir“ den Erfolg ja vorgemacht haben. Die Fehler der Industrienationen aus denen gelernt werden könnte werden leider ebenso übernommen. Probleme wie Verschmutzung, schlechte Ernährung und dem bedingungslosen Vertrauen in moderne Medizin sind nur Beispiele. Die verständliche Skepsis nach der Kolonialzeit beschränkt sich also nur auf Vorurteile dem weißen Besucher gegenüber, sobald es aber um Konsum und Kommerz geht ist der Weiße oder Gelbe der Held dem nachgeeifert wird. Sie beuten ihre Länder ebenso aus denn vorausschauend zu sein konnte ich noch keinem vorwerfen. Man lebt im Jetzt und heute, wenn sich jemand Gedanken macht vielleicht noch über Morgen aber nicht viel mehr.

Die vielseitige Natur kann man strekenweise noch erahnen. Wenn es ein Park mal geschafft hat sich von Korruption fernzuhalten und wirklich die Natur in den Vordergrund zu stellen ist sie manigfaltig. Jedoch ist der Großteil des Gebietes, abgeholzt, verbrannt, mit unökonomischen Feldern oder Plantagen bestückt und allem möglichen chemischen Düngern belastet die in Europa verboten wurden. Die Tierwelt vertrieben, gegessen oder Zugrunde gegangen. Und auch vor den Küsten wird sich bald nix mehr regen. Ja, die Ausbeuter sind auch immer noch oder schon wieder internationale Firmen oder Mogule ganz oben China die mit Handelsabkommen für ein paar lausige Straßen und Infrastruktur Bodenschätze rauben und eine Mondlandschaft hinterlassen. Mit genügend Geld kann man sich hier alles erlauben und logisch sind Menschenrechte und Naturschutz da schnell zu übersehen. Trotzdem sehe ich (wie auch in Europa immernoch) Hoffnung denn junge Menschen mit Verstand werden zahlreicher. Permakulturprojekte oder andere Freidenker können sich besser vereinen und den Wandel selbst herbeiführen. Politik nehme ich wie üblich nicht zum Thema.

Die Natur hat mit den saisonalen Trocken und Regenzeiten allerbeste Möglichkeiten Fehler schnell wieder zu egalisieren und würde sich mit ein wenig Ruhe schnell erholen. Noch nirgends sah ich solch sprießende Vegetation die im Ursprung vielfältig und gesund bis hin zu medizinisch wertvoll ist.
Reisen als „Blondy oder blanc“ ist eine Herausforderung an Selbstdisziplin. Jeder will dein Freund sein und erhofft sich etwas, nur wenige sind an echter Freundschaft interessiert. Viele betteln unverhohlen auch Uniformierte, Geld verlangen wird als Sport betrachtet. Ja, alles erst durch Reisende provuziert die sich in fremden Kulturen nicht benehmen konnten und wie der Messias persönlich auftraten. Karamelle schmeißen gehört zum Karneval nicht nach Afrika und wer mit seinen Versuchen nach Bestechungsgeld Erfolg hat wird weiter angespornt, auch logisch, nicht mit mir. Zeitdruck ist die beste Waffe der Aggressoren. Sie stehlen dir bewusst Zeit, was sich andere wiederum mit „Geschenken“ erkaufen wollen. Die Bürokratie ist eine Karikatur unserer Eigenen und mehr ein Witz als ernstzunehmen, man muss aber mitspielen um voran zu kommen. Fazit, schnell mal Afrika geht in die Hose. Französisch sprechen hat Vorteile, manchmal hilft und reicht es aber wenn man das verschweigt und zumindest verstehen kann was da so gebrabbelt wird.

Die Währungsunion mit dem CFA ist ein cleverer Schachzug und erleichtert einiges, jedoch sind immer wieder Länder dazwischen Ausnahmen, was den Vorteil schwinden lässt da man trotzdem hin und her wechseln muss. Bargeld in Afrika ein Muss, es in Banken zu bekommen ein Glücksspiel und ne Visa Karte unverzichtbar, Geldwechseln meist nur an den Grenzen mit dementsprechender Währung simpel, Euros nicht gerne gesehen meist wird man auf den Schwarzmarkt verwiesen obwohl der CFA an den Euro gekoppelt ist.
Die Overlander Lebenshaltungskosten sind denen in Europa gleichzusetzen. Sprit ist billiger, wer sich gesund und regional ernähren will zahlt für Nahrung aber mehr als daheim. Obendrauf die teuren Visa und andere Hürden, Mieten und Unterkünfte sind günstig, fallen aber nicht ins Gewicht bei mobil lebenden wie mir. Lebe ich in Europa durch dumpstern auch von Treibstoff aus recycling Frittenöl gratis muss ich in Afrika 500,- pro Monat rechnen. Lebe damit auf kleinstem Fuß und scheue jede Sonderausgabe, esse am Straßenrand, gebe kein Geld für Wasser aus (Filter) und so gut wie nie für Camping etc. Aber schnell mal sind 100,- für einen Monat im Land an Formalitäten weg, 200-300 für Sprit bei ner Null dran für entsprechende Kilometer. Bleiben also 3,- pro Tag für Verpflegung in der Hoffnung dass keine Wartungskosten anfallen. Kumuliert hab ich also mit meiner entspannten Fahrweise meinen Verbrauch auf unter 10l für meine 4500Kilogram Eigenheim WALKÜRE reduziert, 14000km bisher durch unten aufgelistete Länder mit den lesenswertesten Blogs der letzten Monate als direkter Link.
Im Alltag hat sich meine Hubdachkonstruktion mehr als zufriedenstellend bewährt und immer wieder würde ich jeden alten Mercedes allen anderen Reisefahrzeugen vorziehen. Schlechte Straßen, ein bissel offroad, ungewisse Treibstoffqualität und unfähige Mechaniker also selbst Hand anlegen nötig und das gerne so wenig wie möglich.

Meine Mitbringsel also der Kombüsen und Lagerzustand sind immer noch zufriedenstellend und sogar zu umfangreich. Wie üblich hat man einfach zu viel Zeug dabei, angefangen von Klamotten über Werkzeug nach anderem Zeug, doch Haben ist besser als brauchen und wer weiß was noch folgt. Einiges konnte ich Stück für Stück unterwegs schon tauschen oder passend verschenken.
Atlas ist und bleibt mein bester Kumpel und der ideale Reisebegleiter. Ein Hund ist bei Alleinreisenden sehr zu empfehlen, die Verantwortung und Arbeit mit dem Racker wiegt die Gesellschaft und Hilfe seinerseits doppelt auf. Sicherheit ist gewährleistet selbst wenn er nur durch Bellen aufmerksam macht oder verschreckend wirkt. Ein Huskie oder andere nicht hitzeresistente Arten sollten aber in kühleren Gefilden bleiben, Atlas hat schon zu kämpfen, tagsüber ist aber Ruhe unterm Auto befohlen, abends blüht er regelrecht auf.
Gegen die Langeweile die hinterm Lenkrad oder bei längeren Aufenthalten irgendwo auftreten kann haben sich die guten alten Hörbücher bewährt. Durch Freunde gut und vielseitig ausgestattet hört man sich sogar Harry Potter an was einige Wochen dauern kann und ich echt nicht verstehe, warum das so berühmt geworden ist. Serien oder Dokumentationen oder ein guter Film am Abend ist bei mir zum Abschalten ebenfalls Alltag. Weit weg von Werbung und Nachrichten auch gerne online zu teilen. Internet gibt es überall, meist günstig und ausreichend. Ansonsten die beste Tauschbörse der Stick mit anderen Reisenden.

Als Reisezeit halte ich den Winter für ideal, wenn man etwas abgehärtet gegen Hitze ist. Auf dem Weg hatte ich ja im Oktober schon Schnee in Marokko und angenehme Temperaturen erst ab Dakhla. Kalt wurde es nachts noch in der Sahara, dahin träume ich mich gerne zurück, seit zwei Monaten fällt schlafen schwer bei Temperaturen um 30grad. Endlich verstehe ich Dachzelte, geschlossene Fahrzeuge kann ich für Afrikas Klima nicht empfehlen. Und der Staub findet trotzdem überall seinen Weg. Hab ich noch was vergessen? dann fragt mich aus, gebe gerne Zusatzinformationen.
Wie angesprochen hier meine Highlights dieser Tour: Eine Auswahl der 105 bisherigen blogs vom Trip die auf der hp zu finden sind.
Marokko im November

Agadir ad Aissa
https://mb407.wordpress.com/2019/11/27/der-agadir-id-aissa-bei-amtoudi/

Querung des Oued Rheris https://mb407.wordpress.com/2019/11/03/4655/

im Sand vom Erg Chegaga https://mb407.wordpress.com/2019/11/12/lac-iriki-ein-tag-am-see/

in Dakhla das Zelt fertigstellen https://mb407.wordpress.com/2019/12/12/die-letzten-details-an-der-walkure-sonnenschutz/

Wüste Mauretaniens im Dezember
Chinguetti Geschichte https://mb407.wordpress.com/2019/12/27/der-harte-weg-nach-chinguetti/

100.000 Kilometer auf dem Tacho https://mb407.wordpress.com/2020/01/05/100-000-das-erste-grose-jubilaum/

Sahel in Mali
Piste mit Tausenden Baobabs https://mb407.wordpress.com/2020/01/16/ankunft-in-mali-und-burokratie-in-kayes/

Elfenbeinküste / Cote d’Ivoire
Wanderung Berg und Dschungel in Man https://mb407.wordpress.com/2020/02/04/wanderung-im-dschungel-ein-traum/

Ghana Permaculture Institut https://mb407.wordpress.com/2020/02/27/gpi-das-ghana-permaculture-institute/

Und noch viel weitere Highlight die aber den rahmen sprengen würden.

Zum Thema Westafrika aus dem Archiv
Mali zum ersten https://mb407.wordpress.com/2018/02/04/malis-grenze-und-die-ersten-eindrucke/
Guineas einziger Strand
https://mb407.wordpress.com/2018/02/28/kokospalmen-bei-35grad-endlich/

die Casamance https://mb407.wordpress.com/2018/03/19/les-7-palmiers-kafountine/
Dakar als Ausnahme afrikanischer Großstädte https://mb407.wordpress.com/2018/04/01/dakar-metropole-die-sich-lohnt/

von mir sonst noch bereist, Bissau und Gambia, ausgelassen Sierra Leone, Liberia und Burkina Faso. Benin folgt demnächst und Nigeria zähle ich schon nicht mehr zu Westafrika.

2 Gedanken zu “Rückblick Westafrika bisher

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