Wochenendausflug nach Kpalime

Am Wochenende raus aus der Großstadt, ist auch bei Einheimischen mit genügend Kleingeld so Brauch. Im Camp das hauptsächlich ne Strandbar ist, tummeln sich dann haufenweise Besucher und es wird laut. Bester Zeitpunkt mal Reißaus zu nehmen. Ein Bekannter mit nem etwas auffälligeren Fahrzeug hat vorbei geschaut und wir schmiedeten den Plan allesamt einen Ausflug in die Berge zu machen um seinen Klappzeltanhänger dort abzuholen. Längere Geschichte…

Dieses Teil bedarf etwas mehr Erklärung, es ist ein Unimog im G-Kleid mit Überrollbügel-Eigenbau-Buggy-Chassis. So wie er da steht als schnellaufende Arbeitsmaschine in Deutschland zugelassen und auf eigenen Achsen vor drei Jahren nach Togo gefahren. Hatte hier etwas mehr Zeit gestanden als geplant und dementsprechend Wartungsstau und Rost anfallen lassen. Der Anhänger mit dem Dachzelt in weiser Voraussicht etwas abseits der Küste bei Bekannten abgestellt, dorthin führt also unser Konvoi aus UnimoG, WALKÜRE und Honda African Twin. Wer von uns am bequemsten reist ist dabei keine Frage:

Ich mache als langsamster zuerst los und will mir auf dem Weg noch den Mont Agou ansehen, immerhin Togos höchster Berg wenn auch mitten im Flachland nur ne Erhebung von nicht einmal 1000m. Ideale Gegend um etwas abgekühlter eine angenehme Nacht zu verbringen.

Der Weg dorthin dann mit einem Wolkenschauer und überschwemmten Straßen die echt abenteuerlich zu befahren waren. Aber das Moped hinter mir hat es auch geschafft, der Buggy kommt nun doch erst Morgen 🙂

Die erste Möglichkeit auf dem Berg abseits der schmalen Asphaltstraße wurde dann als Nachtlager auserkoren, mal wieder mit Tarnfarben also auch kaum von Trockenzeitvegetation zu unterscheiden… perfekt.
Für Zelt und Moped war vor mir noch Platz und bis auf einige verwirrte, passierende auf Mopeds war es ruhig. Ich hatte am nächsten Morgen „Großes“ vor und wollte die höchste Erhebung des Landes mit dem Fahrrad erklimmen. Klar kann das nur vor 8Uhr morgens geschehen, also Abfahrt 6:30 mit leichtem Sonnenschein im Rücken.

Atlas blieb daheim und Willi konnte schonmal in Ruhe sein Zelt verpacken. Mir standen knapp 700Höhenmeter auf 8Kilometer Wegstrecke bevor, sollte in einer Stunde zu schaffen sein. Muss echt sagen, früher ging das alles einfacher, oder liegt es am Wetter? Schon grenzwertig keuchend und schwitzend zog ich mit jeder Pedalumdrehung wie ein Uhrwerk dem Gipfel entgegen. Sowas sieht man hier wohl nicht all zu oft, in den zwei kleinen Dörfern unterwegs wurde ich dementsprechend oder eigentlich wie immer angestarrt. Zwischendurch wollte ich fast schon aufgeben, hatte meine Wasserflasche vergessen und gut was weg geschwitzt. Zum Glück wurde es weiter oben etwas kühler und ich tauchte sogar in eine Wolke ein. Das Ziel musste jetzt also heißen SIEG.

Da war dann Schluss an Absperrung mit Uniformierten und einem Sendemast durch den Nebel zu erkennen. Aussicht fällt also auch flach, dann halt direkt wieder in die Abfahrt, die keine 10Minuten gedauert hat. Verdientes Frühstück und vor 9Uhr schon wieder brütend heiß draußen. Das letzte Bild noch vom abgeschiedenen Platz

Der Berg an sich also keine für Touristen sehenswerte Ecke, wie ich finde. Obendrein verlangt man wohl unten an einer Hütte eine Eintrittsgebühr, die am Abend zuvor nach dem Regen aber unbesetzt gewesen war. Die Vegetation wie überall, wenn wild…

Wir trafen uns dann um den Konvoi wieder zu vervollständigen in der Stadt Kpalime und ich muss sagen, mal ganz angenehm keine Blicke zu verspüren, da alle aber wirklich alle auf den Straßen die Köpfe wie gebannt auf den Buggy fixierten.

Es ging hinter Kpalime bei Denyi den Berg hinauf in ein Waldschutzgebiet, dann wieder in ein abgelegenes Tal um erneut einen Kamm zu passieren. 2Stunden für 50km, also meine gewohnte Reisegeschwindigkeit. Abgelegener geht es in Togo kaum, denn fast schon war ich wieder in Ghana. Die letzte Abfahrt hatte es dann an Steigung in sich. Bei Regen kommt man hier ohne Allrad schwer wieder hoch dachte ich noch, aber mit dem Unimog als Begleitung keine Sorgen. Hab davon ein Zeitraffer Video am nächsten Tag in die „aufwärts“ Richtung gemacht.

Der Abend dazwischen war ein Erlebnis für sich. Leider kaum verwertbare Fotos von den ganzen Aktionen vor Ort. Der Anhänger hatte natürlich einen Standplatten und selbst der Unimog hatte Schwierigkeiten den aus seiner Senke zu zerren. Das Zelt musste doch mit WD40 zum öffnen der Scharniere und Reisverschlüsse überredet werden, Mäuse hatten irgendwie leichteren Zutritt gefunden. Der etwas niedergeschlagene Besitzer konnte also auch gleich mal Bettzeug an die umstehenden Dörfler verschenken.
Der größere Akt war aber vorher schon, mit Beendigung erst am nächsten Morgen, den Ersatzreifen zu montieren. Ohne Felge… und deshalb mit viel Arbeit verbunden. 20Zoll Unimog Räder mit Montierhebel abziehen. Den mindestens ebenso alten Reifen mit Schlauch wieder auf die Felge wuchten ebenfalls, dabei ein nicht unerheblicher Riss in der Karkasse die den Reifen auf der Felge hält.

Luft wollte er auch nicht annehmen, was mich zu einem Trick von früher greifen ließ, den kannten die Afrikaner auch noch nicht. Es gab auch keinen Reifenservice in dem Dorf und so waren wir selbst gefragt. Feuerzeug und ne Dose Bremsenreiniger haben bisher immer Erfolg gebracht, ein zwei Spritzer in den Reifen und dann mit dem Dosenflammenwerfer entzündet… PENG, es war schon Dunkel und nachtschlafende Zeit. Ein gigantischer Knall zeugte vom spektakulären Misserfolg. Ich hatte einen Reifen auf dem Gewissen. Der war wie befürchtet am Riss nun komplett hinüber und keine Chance mehr auf irgend eine Felge zu montieren. Feierabend für heute, zur Vergnügung von allen Beteiligten konnte nach der Explosion den die weißen Besucher in dem ruhigen Dorf beschert haben nun eine Taghelle Erleuchtung durch meine LED Leiste nun auch niemanden mehr schocken. So wurde nachts noch das Zelt bewohnbar gemacht. Sieht beim nächsten Tageslicht dann so aus.

Ein ereignisreicher Nachmittag, denn zwischendurch hatte es doch noch einmal anständig geschüttet. Den Starkregen hatte Willi zum outdoor Duschen genutzt, ebenfalls ein Lacher bei den Schwarzen. Wir selbst hatten einen Kumpel dabei und einen Mittelsmann zum Dorfältesten hier, der durch seinen Sohn vertreten wurde. Irgendwie hab ich zwischendurch noch für alle Nudeln mit Tomatensauce gekocht und mich wie ich finde selbst übertroffen. 3Kilo Pasta und Eine Sauce aus Tomatenmark, getrockneten Tomaten, Gewürzen und Oliven wie sie sonst nur Italiener hinbekommen. Ja, der Typ mit dem rollenden Haus kann in seiner Küche sowie unterm Auto zaubern… aufregender Abend.
Die Lösung am nächsten Morgen hieß nicht wie geplant mein Ersatzrad verkehrt herum an den Bundeswehranhänger mit gigantischer Trommelbremse zu montieren, sondern einfach den Schlauch im alten eingerissenen Mantel zu erneuern, also wieder Montierhebel im Einsatz, hätte man von Anfang an einfacher haben können… Aber es wurde gut und wir fuhren ab, nicht gemeinsam aber mit individueller Geschwindigkeit, ich Voraus. Hatte heute noch nen anderen Termin.

Auf dem Rückweg mal ein Tourifoto von einer doch recht vorzeigbaren Kirche gemacht. Türen offen, Gesang und Leute drinnen, Sonntag Morgen in Togo. Wollte nicht weiter stören.

Ja, Moped blieb beim Camping stehen, die fehlenden 100kg auf der Vorderachse machten sich bemerkbar. Einen Bekannten von einer Freundin in einem kleinen Dorf südlich Kpalime besuchen war der Plan. Vielleicht kann der uns sogar weiter helfen mit einer bürokratischen Problematik wie sie nur Afrikaner nach Kolonialem Vorbild erschaffen können. Dazu schreibe ich aber gesondert demnächst mehr.

Der Besuch war dann herzlich und freudig wie erhofft. Ein Minister im Ruhestand freut sich über Besuch in seinem doch ansehnlichen Haus was trotzdem noch nicht ganz fertig gestellt ist. Großfamilie und viele Geschichten zu erzählen natürlich kommen auch einige Verwandte gucken. Mit einigen Neffen und seiner Schwester machen wir einen Ausflug auf dem Moped um die Trinkwasserversorgung des Ortes gezeigt zu bekommen. Bei uns macht sich niemand über sowas Gedanken, hier aber ist man stolz auf einen kleinen Damm mit Bassin der einen Gebirgsbach staut und von dort mit Rohren gefiltert ein Reservoir in Dorfnähe speist. Herrliche Gegend rings herum und wir besuchen eine kleine Farm mit umliegenden überschaulichen Feldern. Yams und Taro wird angebaut und auf Nachfragen erklärt. Jetzt erschließt sich für mich auch, warum Yams im GPI in Ghana mit Moringa kombiniert wurde, die Pflanze braucht eine Stütze, hier ist es Bambusrohr.

Man zeigt und Kakao und Kaffee, Noni und Moringa, Colanuss und Ölpalmen… alles wie gehabt wenn man sich schon länger in Westafrika bewegt. Doch die Pressmethode zur Trocknung der was auch immer Paste, ist sehenswert.

Säcke mit Steinen und das was unten raus läuft ist unbrauchbar. Danach besuchen wir noch eine Destille in der Palmwein gesammelt und „verbessert“ wird. frisch gezapft kribbelt der etwas auf der Zunge, mithilfe einer kuriosen Anlage aus alten rostigen Fässern macht man daraus gerne Schnaps. Nicht zum probieren geeignet, wegen fehlender Termometer huscht gerne auch mal Methanol mit rein, macht blind…

Makaber lustig fand ich die am Häuschen angebundenen Riesenschnecken in der Ecke, wohl noch nicht groß genug für ne anständige Mahlzeit. Bis dahin wohl zum Haustier verdammt… der Mensch.

Rückfahrt auf dem China Moped war dann auch wieder ein Erlebnis. Man muss sich das so vorstellen, Fahrer ein Kopf kleiner als ich, vielleicht 60Kilo, dann kommt aber noch der andere Neffe mit, um die 70Kilo und ganz hinten drauf, fast schon auf dem Gepäckträger sitzend dann meine 90Kilo die allesamt doch angenehmer als gedacht durch die Gegend fahren. Dafür wurden eigens zweite Soziusfußrasten angebracht, vielleicht schon Zusatzausstattung ab Werk.

Nach kurzer Stärkung besuchen wir im Ort Gbalave noch ein paar deutsche Relikte des ersten Weltkrieg. Nette Aussicht auf die gegenüber liegenden Hügel.

Logisch, ein Bunker und die Konstruktion aus Eisenbahnschienen und Feldsteinen mit massig Beton echt immer noch stabiler als einige heute erbaute Gebäude. Eigentlich nix wirklich sehenswertes aber in Anbetracht der Geschichte des Landes irgendwie doch schön mal hier gewesen zu sein.

Nur wenige Meter weiter interessiert mich viel mehr mal wieder eine natürliche Festung. Termiten haben hier eine locker 3Meter hohe Burg gebaut. Wie üblich sieht man niemanden und ich frage einfach mal unsere Experten. Es gibt nur wenige Momente wo Termiten extern aktiv sind, Hochzeitsflug und ab und an in der Regenzeit. Ansonsten findet das Leben in der Stadt statt. Dafür reißt er ein Stück Turm weg und man sieht die Gänge innen. Es dauert eine Weile bis sich dieser Defekt rumgesprochen hat und die Termiten anmarschieren. Armee und Baumeister in einem. Gigantische Köpfe mit fetten Kieferzangen. Dass die nicht zur Zierde da sind merkt man wenn man den Finger hinhält. Autsch, und jeder Biss führt zu Blut selbst durch Hornhaut. Sie verbleiben auch an der Stelle, kein Wunder, dass man damit im Survival Wunden „nähen“ kann. Termite als Klammer nutzen, Kopf abtrennen, fertig.

Der Kopf ist gleichzeitig Wasserspeicher, welches für den Bau der Lehmfestung benötigt wird. Beim Biss tritt also erstmal Wasser aus, echt interessante Geschöpfe der Natur. Wir wollen nicht weiter stören und ich helfe beim Wiederaufbau indem das abgetrennte Stück Turm passgenau aufgesetzt wird, den rest verkitten die Jungs von Innen, damit die Termik in der Burg wieder stimmt.

Es ist schon spät und wir schlagen unser Lager vor dem Haus von Napoleon auf. Der heißt echt so. Hat hier gute Kontakte im Ort und will versuchen uns am nächsten Morgen bei was bürokratiuschem zu helfen, bevor das aber zu langweilig wird fliegt das in den nächsten Beitrag.

Wir verlassen Kpalime dann gegen Montag Mittag wieder mit Kurs auf Lome. Hunger und die Lösung am Straßenrand. Selbst wenn die Köchin kein französisch spricht kann man sich verständigen und in die Töpfe gucken. Heute Pate mit Ziegeninnereien und scharfer Sauce, was sonst. Das Pate dann relativ geschmacksneutral aus Mais und anderem Getreide gestampft und gekocht zu einer Puddingkonsistenz. Macht satt, der Geschmack dann durch weg scharf und typisch Innereien wie sie Atlas sonst gerne frisst.

Manchmal ist es auch ganz gut nicht genauer zu wissen wie das so zustande kommt. Die kleinen Gedärme zum Beispiel von dieser Roullade am oberen Tellerrand sind auf einen sauberen Knochen gewickelt… verkocht oder abgenagt, keiner weiß es… War aber echt essbar und mal wieder was Neues. Und wie gewohnt, zum Glück hatte ich meinen Löffel mit, der Gast ist sonst mit den Fingern.
Die Route zurück nach Süden führt an einer Reisanbaugegend vorbei, dort erstmal gut und günsitg, regional eingekauft. Auch Ananas, Mangos, Papaya und Avocado werden allen Ortes angeboten. Zwischendurch eine Region mit Erdnüssen. von geröstet bis Mus also Erdnussbutter auch frisch zu haben. Was die Natur hier alles bietet. Eine Ecke wird für Holzkohle gerodet und dazwischen immer auch Felder für Yams und Maniok, Das braucht Platz und zum Ende der Trockenzeit ist Feuer der einfachste Helfer. Direkt am Straßenrand ein Buschbrand.

Wo sich bei uns jeder gleich das schlimmste vorstellt und die Feuerwehr ruft ist das hier normal. Die Natur ist in der Regenzeit so schnell am Nachwachsen, und die großen Pflanzen werden nur oberflächlich angekokelt. Trotzdem nciht die optimale Methode für Kleintiere und bodenlebende Insekten.
Alles in allem ein ereignisreicher Ausflug in die Gegend um Kpalime, schön dort, ich komme definitiv wieder, sind nur 150k von der Hauptstadt entfernt.

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