herrlich bergige Gegend um Wli in Ghana

Es gab noch eine letzte Ecke die ich mir in Ghana anschauen wollte, Stück weiter nördlich und direkt an der Grenze zu Togo, die Wli Wasserfälle. Nicht all zu weit, also schon recht zeitig dort. Dank iOverlander fand sich eine von Deutschen geführte Anlage mit großzügigem Garten der der Walküre Platz bot.

Atlas war der Star im Camp da die Besitzer wohl ihren früheren Hund sehr vermissen. Es gibt auch einige Hütten mit Besuchern und die offene Paillotte ist am Abend das Restaurant für die Besucher.

Für mich heißt es Dach aufklappen und den Rest des Nachmittages aussitzen. Erst ab 16Uhr kann man der nachlassenden Sonne wegen wieder Aktivitäten nachgehen. Durch das offene Dach und dessen Dämmung kann mein Reisemobil auch in voller Sonne stehen und bietet im Inneren angenehmes Klima. Selbst Kochen geht dann klar und wenn mal kein Lüftchen weht hilft ein kleiner Ventilator für Umwälzung.

Jedoch muss ich unbedingt noch das Sonnensegel über der Terrasse fertig stellen, eigentlich fehlen dafür nur noch zwei Stützen… im Sessel kommt man sonst mit Hitzschlag binnen drei Minuten um. Mal wieder 38grad hier heute.

Mein erster Ausflug führt mich aber nicht zu der Attraktion hier, es ist Sonntag! Ich laufe also in die andere Richtung und blind auf die Berge zu, irgend ein Weg führt mich immer weiter. Am liebsten schattig und mit etwas kühlem Wasser für den Hund.

Die Vegetation dicht und vielseitig, so wie man sich das wünscht.

Der Weg führt natürlich immer irgendwie zu Ansiedelungen, Farmen oder abgelegenen Feldern. Trotzdem klappt es hier in der Region Hand in Hand mit der Natur zu arbeiten und nicht alles zu roden oder zu verbrennen. Immer mal wieder kleine Plantagen oder Bananen wild in die Gegend gepflanzt. Trübt meine Einblicke in den wilden Dschungel nicht.

Es war ne tolle Wanderung und damit auch der Abschluss des Tages. Hier noch wie üblich mit Bewegung und Ton und mal etwas Atlas. Tolle Wanderung mal wieder barfuß.

Wie üblich geht gegen 18Uhr die Sonne unter, wird sich ja auch demnächst hier relativ nah am Äquator nicht ändern. Durch den Biorhythmus nach Hell/Dunkel hab ich mich auf Abendessen zur Dämmerung eingepegelt und dann noch zwei drei Stunden Hörbuch, oder Papiervariante, Film und Blog schreiben. Zeitig im Bett und morgens kurz nach 5.00 fit für den neuen Tag.
Der Wald mit dem Wasserfall ist für Touristen nur in Absprache im Büro und nach Zahlung einer Gebühr zu betreten. Es gibt viel zu viele verschiedene Tarife und wer beide Fälle mit einer Wanderung verbinden will ist dafür schnell 10,-€ los, ungeheuerlich. Büro macht aber erst gegen 8Uhr auf, da steht die Sonne schon recht hoch. Ich hab also am Tag zuvor Bescheid gegeben mit Atlas 6Uhr spazieren zu gehen und auf dem Rückweg zu bezahlen.
Im Vergleich zu meiner recht wilden Wanderung gestern Abend war das hier schon recht enttäuschend. Ein breit ausgetrampelter Pfad mit immerhin wenig Müll aber doch auch wenig sehenswertem am Wegesrand. Für Atlas jedoch ideal und man kreuzt den Fluss der den Wasserfall speist einige Male, teilweise abenteuerlich.

Nur der Blick dem Wasserlauf folgend führt in dichtere Flora mit hoffentlich auch einigen versteckten Tieren. Die „Lower Falls“ also tieferen Wasserfälle dann relativ zügig und ohne viel Aufwand zu erreichen.

Ein fast idyllisches Bild wenn man die richtige Perspektive wählt. In Realität aber enttäuschend, da ringsum Bäume gekappt und einige Hütten errichtet wurden. Für Besucher ausgelegt und zum Glück niemand dort. Man könnte ins natürliche Becken steigen und sich beregnen lassen, die Brühe sieht mir aber nicht einladend aus, also geht es nach dem letzten Bild direkt wieder zurück.

Atlas wider am Bus abgeliefert, er verbringt seinen Tag nun hoffentlich und wie üblich im Schatten unten drunter, mache ich mich erneut auf den Weg. Der ideale Spaziergang für ihn am Morgen.

Ich hab Wasser dabei und auch ein zweites Frühstück dass nun endlich wieder dank Nachschub aus Haferbrei besteht. Mit Datteln und Bananen gesüßt sowie mit Leinsaat, Kokosraspeln oder Zimt mit genügend Variation für den Geschmack. Ich hab vor etwas wandern zu gehen, hinauf auf den Berg ohne Schatten nur mit Hut bewaffnet. Außerdem hab ich heute Morgen ein interessantes Schild entdeckt. „Baumschule“ mit Camp.

Tolle Gegend nur ein Abstecher vom Pfad entfernt und irgendwie doch im Wald. Ich hab vorne im Touristenbüro meinen Obolus bei der Putzfrau abgelegt, war noch keiner da (Montag Vormittag)
Die Jungs in der Baumschule dann zwar nett und entspannt aber so richtig aktiv sind Afrikaner erst recht Rasta dann eher nicht. Es werden Cacao Sträucher statt wirklich notwendiger Bäume gepflanzt. den ganzen Sonntag über hab ich mehrere Kettensägen in den Bergen widerhallen gehört, nachpflanzen ist aber nirgendwo Thema, wenn sich die Natur nicht kümmert bleibt bald nix zum sägen…

Immerhin eine Innovation da die Jungs alte Trinkwasserbeutel als Pflanzgefäße nutzen. Jedoch hab ich auch eine ganze Fuhre ausgedienter Anzuchtbeutel, also Erde mit Plastik gemischt in einer Grube gefunden… ich sag dazu nichts mehr. In dem Camp hat in der letzten Regenzeit der Fluss sich ein anderes Bett gesucht und damit Land weg gespült und auch den Zugang erschwert. Es hilft nun Bambus über toten Baum gelegt… aber Vorbereitungen für die bald kommende nächste Regenzeit und eine eventuelle in Bahnen geleitete Rückführung ins alte Flussbett ist wenigstens schonmal im Gespräch gewesen. Man hört es heraus, ich wäre damit nicht zu frieden und würde meine Energie am Tag sinnvoll nutzen.

Aber irgendwann hat hier mal jemand (Namen wahrscheinlich im Hintergrund lesbar) Hand angelegt und ein Kompostklo erschaffen. Trockentrenntoilette mit Holzspan, gute Sache und nützlich. Jedoch wie überall keine Wartung und Pflege und allein schon die Treppe macht nicht mehr lange. Will nicht wissen ob je das Reservoir unterm Sitz geleert wurde oder ob das auch als Einweg Lösung betrachtet wird wie alles andere. Aber mit fremden Federn schmücken…

Wenn es nur eine Ausnahme wäre, aber die seit Wochen und Monaten immer gleiche Art mit Ressourcen und Dingen umzugehen lässt natürlich auch mein Engagement schwinden. Hopfen und Malz verloren würde ich behaupten, warum noch mehr Energie verschwenden und „helfen“. Wie gesagt ein schönes Camp mit Potential. Große feste halboffene Hütte die als Bar dient und leider auch ein neues Dach benötigt. Die Balken alle mit Pilz befallen, da überall der Schilfbelag Löcher zeigt. Klar ist die Luftfeuchte auch immer hoch, aber offensichtliche Schäden werden halt ignoriert. Genug des (mal wieder) meckerns.

Ich mache mich auf den Weg zur Aussicht. Und es geht wie erwartet ordentlich den Berg hinauf. Dieser ist steinig und verliert recht bald die Vegetation die Schatten spenden könnte. Es ist noch vor 9Uhr und ich schwitze wie man es sich nicht vorstellen kann. Meine Geschwindigkeit und Atmung zwar auf Sparflamme und durch die Nase mit weniger Wasserverlust doch eher sportlich motiviert als entspanntes Wandern. Immerhin das Dorf Wli schon hinter mir gelassen.

Geräusche von Trommeln und den gehassten Kettensägen finden aber ihren Weg, es weht sonst kein Lüftchen und auch Vögel trifft man hier kaum. Der Blick am Berg vorbei in sattes Grün mit vielseitiger Natur.

Der Blick hinauf dann trostlos und anstrengend. Eigentlich nur eine Qual und für die Runde müsste man schon ein paar Stunden ansetzen.

Wenn dann mal ein paar Bäumchen den Weg säumen sind sie zu klein um Schatten zu werfen, zum Glück ist mein kleiner Kamerad nicht dabei, der würde hier eingehen.

So kommt es also dass ich auf halber Strecke das Vorhaben abbreche. Den ersten Ausguck erreicht kann man immerhin über dem mittleren Baum den dünnen Wasserfall erkennen. Der Weg würde jetzt noch um den Berg zur oberen Kaskade führen und dann durch die Vegetation mit Abstieg zu unteren und über den breiten Pfad von heute Morgen zurück zum Start. Den Bereich kenne ich ja, fühle also nix verpasst zu haben.

Also alles wieder retour, immerhin etwas leichter da abwärts. Die Ansicht zwar die Gleiche, trotzdem mit letztem Bild zur Erinnerung an diese Strapaze 9-10Uhr morgens. Hat nix mit Fitness zu tun, aber bei solchem Wetter einfach nur ne Qual.

Unten im Wäldchen kam mir dann ein älterer Tourist mit Führer entgegen. Er hat also die große Runde mit Guide gebucht, wird dann nicht nur Fluchen und schwitzen, sondern hat dafür sogar ordentlich Kohle bezahlt. Ps. Der Wanderweg ist auf beiden meiner genutzten offline Karten klar erkennbar. In Realität mit etwas Verstand nicht zu übersehen. Ansonsten hier die Preisliste 6ghs sind 1,-€

Für mich hieß es aber Mission erfüllt, ich treffe am Eingang nun weitere Guides an. Touristen wohl die einzige Einnahmequelle hier im Dorf. Wahrheitsgemäß habe ich den Loop nicht absolviert und war heute früh mit Hund im Wald spazieren wie besprochen, für den Besuch im Camp muss ich nix bezahlen und für meinen Obolus kann man mir keine Quittung geben, dafür bekomme ich es sogar zurück. Fast schon mit schlechtem Gewissen, aber wofür eigentlich. Dass hier mal wenig bis kein Müll rumliegt… sollte selbstverständlich sein. Oder dass man als Tourist sich schöne Ecken des Landes (der Natur) ansieht und damit indirekt Geld in die Region bringt. Aber für alles zahlen macht keinen Spaß. Ich war etwas shoppen und ja, mein Camp wurde von Deutschen erschaffen. Die haben sich hier Land gekauft und sind geblieben. Haben mit viel Aufwand und Angestellten aus dem Ort etwas erschaffen und pflegen es, hübsche Anlage und auch beim Overlander vermerkt. Ich genieße eine wohltuende kalte, wohl eher lauwarme Dusche und mache mich wieder auf die Socken.

Alternativ stünde nur ein weiterer Nachmittag im Schatten sitzen an, da ziehe ich den Fahrtwind vor und mache wieder Kilometer. Denn wie sich herausstellte, kann ich hier in WLI nicht die Grenze passieren, da die zu klein ist und auf der Togo Seite kein Visum ausstellt. Auch der Zoll fehlt hier, aber für Backpacker und Leute mit Visa aus Accra und Carnet ginge das hier vielleicht.
Für mich heißt es also wieder ab in den Süden und die nächste Grenze probieren. Stört mich jetzt nicht, für Ghana hab ich noch Zeit und es ist schon bezahlt… das kommt ja noch obendrauf. Westafrika allein durch die Visa ein teures Pflaster in dieser Welt für Reisende. Und der Sprit ist fast der Gleiche da mein nächster Stop Lome ist, wo in Togo ein Kumpel auf mich wartet… Die Richtung stimmt, ich berichte.

2 Gedanken zu “herrlich bergige Gegend um Wli in Ghana

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