Hügelige Landschaft im Osten Ghanas bei Amedzofe

Ich bewege mich also von der Küste weg nach Norden und habe in Ghana auch nicht vor nochmal dort vorbeizuschauen. Auf meiner Route liegt noch der Lake Volta und die Ecke mit den Gebirgen ganz im Osten des Landes. Die Fahrt führt mich am Staudamm Akosombo vorbei, was ich eigentlich vermeiden wollte. Die alternative Route aber vorbei am Bassin Volta dem kleinen See unterhalb des Dammes kann ich aber aufgrund der Größe der WALKÜRE nicht passieren. Da schaffen es also nur PKW drüber. Sehenswert ist der Damm nicht, besonders eigentlich nur weil die Ausmaße des entstandenen Sees dahinter unbeabsichtigt zu einem der größten in Afrika wurden.
Die Hauptstraße führt über eine Brücke, die mal in relativ gutem Zustand ist.

Das Problem hier in Ghana sind in der Summe doch die etlichen Kontrollposten die nerven und das Vorankommen erschweren, vor allem auf den Hauptstraßen will gerne mal jeder Dorfscheriff sehen wer da so vorbei kommt. Es fragen immer einige nach Geld, wenn auch eigentlich der Kampf gegen Korruption in Ghana recht erfolgreich scheint.

Die Hauptstraße N2 wollte ich aus einem weiteren Grund vermeiden, sehr schlechter Zustand und mein armer Truck musste selbst bei 30km/h immer mal übersehene harte Schläge wegstecken. Durch einen Blick auf die Karte entdecke ich eine Schleife die mich abbiegen lässt zu einem Abstecher direkt zum Ufer des Lake Volta. Exkurs über Anum und Dodi nach Dzemeni. Wie überall aber schwer eine unbesiedelte Stele zu finden. Doch final mit Erfolg wenn auch ohne Schatten.

Dieser stachelige Baum dann bei geöffneter Terrasse mit etwas Brechung der harten Sonnenstrahlen. Wie man sieht nicht gerade ein Idyll aber für heute ein guter Platz. Der See im Hintergrund dann so riesig, dass man das andere Ufer nicht erkennen kann. Sehr tief kann er auch nicht sein, es geht ne ganze Weile sehr seicht hinein und dementsprechend warm ist das Wasser, unverhofft klar. Perfekt mal die großen Elemente Wäsche zu reinigen. Teppich, Bettzeug und Handtücher… wieder zwei Stunden Zeit weg. Dafür trocknet alles sehr zügig und ist am Abend wieder einsatzbereit.
Die Nacht auch ruhig aber am Morgen hat sich rumgesprochen, dass da einer steht. Kinder wollen natürlich genau in der Nähe baden und auch die üblichen Gaffer versammeln sich im Umkreis. Kontakte und Gespräche hatte ich am Vortag schon genug, ist ja auch normal wenn hier was ungewöhnliches auftaucht, aber mit unserem Verständnis von Privatsphäre kommt man in Afrika nicht konform. Da sitzen einige stundenlang aus Langeweile in der Nähe im Schatten und gaffen, anderes Wort fällt mir dazu nicht ein. Da hilft nur ignorieren und irgendwann das Weite suchen. Vor allem, bevor es wieder zu warm wird. Die trüben Bilder vermitteln ein falsches Gefühl, es sind wieder mal über 35grad und nur ab und an eine Briese Wind über den See der sonst recht farblos wirkt. Der einzige Tupfer am Ufer.

Meine Mission trotzdem erfolgreich und es kam wie erwartet ordentlich Dreck aus meinen Textilien. Der Teppich hat sogar wieder sein original Kamel Beige angenommen, hoffe nur die heutige staubige Etappe ist nicht all zu lang bis wieder Asphalt erreicht wird.

Den Abstecher in den Fischerort Dzemeni haben auch noch nicht viele Touristen gemacht so wie alle schauten und es da aussieht. Für frischen Fisch war es aber noch zu früh und der Markt bot wenig Gemüse. Ich konnte aber glücklicherweise mein Lager mit einem anderen Grundnahrungsmittel auffüllen. Haferflocken, sogar aus Deutschland zu einem fairen Preis. Diese von mir geliebten Energiespender kalt als Müsli, oder warm als Porridge mit Allerlei kosten bei uns zwar nur die Hälfte sind es aber wert und selbst in Spanien ist der Preis wie hier. 20Pakete, also 10kg in eine Kiste, reicht für zwei-drei Monate.

Der „Hafen“ dann das übliche Elend zwischen Müllverbrennung und Fischräucherei. Die Boote hier noch ne Nummer größer als die für die See und mit zwei Außenbordern am Heck ausgestattet. Eine unglaublich hohe Anzahl fährt kreuz und quer über den Volta wie ich am Tag zuvor schon mit dem Fernglas beobachten konnte. Nicht nur zum Fischen, auch als Transportmittel für Sack und Personen.

Bei Todome geht’s auf holprigem Asphalt mir fehlenden Etappen bis Fume um dort scharf rechts den Berg hinauf nach Vane abzubiegen. Hier macht Fahren wieder Spaß, wenn auch der Düdo mit seiner Leistung keine Rakete bei über 10% Steigung ist. Ich besorge Obst am Straßenrand und freue mich auf die Ortschaft Amedzofe wo ich ne Menge gutes von gehört habe. Nach Vane geht es eine kleine Route nicht mehr ganz so steil durch schöne Landschaft weiter, hier im Schnelldurchlauf.

Der Ort ist eine Sackgasse vorm Berg Gemi der als Touristenort bekannt ist und man dort kein Außerirdischer ist. Ich fahre direkt zur Tourinformation um mich „anzumelden“ Es heißt man kann davor übernachten, ist mir aber zu zentral und Atlas hätte keinen Spaß. Alternativ bietet man mir an hinter der Kirche am Ende des Dorfes mein Lager aufzuschlagen, perfekt wie sich herausstellt.

Die Perspektive und das Weglassen machen dieses Bild schon traumhaft. Neben mir aber direkt der fast fertige Neubau eines Gebäudes das nicht nach Kirche aussieht. Der Abhang daneben dann leider wie gewohnt voll mit Müll und Bauschutt. Verpackungen von Fliesen und Säcke nun ohne Zement. Ich warte mal ab ob man hier Geld haben will, dann kann derjenige dafür gerne meine gesponsorte Mülltüte voll machen, oder ich tute es in Gegenleistung zum Bleiberecht.

Atlas hat seine Freiheit bleibt aber im Schatten unterm Truck und geht erst am Abend mit mir ne Runde. Die Kirche ist dann das Stück Wäldchen direkt neben mir auf dem Foto zu erkennen. Dort stehen einige Bänke und natürlicher kann man sich ein „Gotteshaus“ nicht vorstellen. Irgendwie lustig wenn auch Ruhestörung in meiner Nacht, war ein Gast gegen 3Uhr der mit Gesang und Gemurmel sein Gebet abhielt. Atlas hatte seinen Teil mit Bellen beigesteuert, ich mich aber mit sakralen Melodien wieder in den Schlaf singen lassen.

Die spinnen schon echt mit ihren Kirchen hier, Ghana ist so gläubig christlich wie man sich kein anders Land vorstellen kann. Hier haben die Missionare vollen Einsatz gezeigt und ihr Ziel erreicht. Lemminge…

Am Abend musste ich mein Dach wieder runter fahren, es zog ordentlich Sturm auf, der aber wenigstens eine Abkühlung herbeiführte. Geregnet hat es aber nicht. Dafür schwebten dicke Wolken am Morgen über das Tal. Diese Aussicht zum Frühstück, obwohl das Foto vom Vortag war.

Für die Besteigung des nackten Hügels direkt neben mir, dessen Gipfel vielleicht 300m entfernt war und unterwegs kein einziger Schattenspender stand wollte das TouriBüro 20ghs, also etwas über drei Euro, die ich dann lieber in Waren vom Markt steckte. Aber eine kleine Wanderung durch den nahen Wald Richtung Nachbardorf musste ich vor der Hitze am Morgen mit Atlas machen.

Meine Karte zeigte zwar eine „Straße“ nach Gbadzeme an, diese jedoch seit locker 10 Jahren nicht mehr befahrbar, heute sogar mit dem Moped eine Herausforderung. Nachfragen ergab, dass kein „Business“ mit dem Nachbardorf zu machen ist und wenn man jemanden besucht gibt es einen Dschungelpfad zu Fuß. Der vom Bild mit Atlas und einem guten Stück Steigung auf felsigem und in der Regenzeit schlammigem Grund. Schöner Ausblick auf jeden Fall.

Es gibt sonst noch einen Wasserfall in der Nähe, für den aber auch Gebühren erhoben werden, Afrika erleben also ein teurer Spaß. Ich hatte über einen weiteren Ruhetag hier oben nachgedacht, jedoch haben Kinder entdeckt, dass mein Hund auf ihr Bellen reagiert und das macht über Stunden auch keinen Spaß. Außerdem zieht es mich weiter bevor die Hitze zu groß wird. Abfahrt noch vor Mittag.
Das Dorf Amedzofe aber wirklich entspannt und relativ sauber, hübsch an den Berg gepflastert und für Reisende mit allem ausgestattet was benötigt wird (Unterkunft, Restaurant, geführte Wandertouren). Für Overlander eher nicht der Hit, da man für sowas hier nicht vorbereitet ist. Fand es trotzdem eine gelungene Abwechslung durch den bergigen Wald der Umgebung. Zurück geht es den steilen Anstieg wieder hinunter und weiter nach Norden.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s