Der botanische Garten Aburi in Ghana

Ja, mich interessieren Pflanzen, ich habe einen grünen Daumen und finde es wichtiger darüber unterwegs zu erfahren als von Menschen Erschaffenes zu begaffen. Wir können viel aus der Natur lernen und vielleicht auch für unsere Zwecke nutzen, außerdem ist es immer wieder einzigartig. Da fragt man sich zum Beispiel ob es normal ist dass Kokospalmen aus solch verkrüppelten Blättern wachsen…

Ich starte also am Strandschalfplatz kurz vor der Hauptstadt und bin binnen Minuten auch in dichtem Verkehr gefangen. Berufsverkehr in die Stadt hinein, einspurige Dorfstraßen die meilenweit schon verstopft sind, herrlich. Ich muss eigentlich gar nciht in diese Stadt, es gibt aber keinen Weg dran vorbei da wo ich als nächstes hin will. Ich lasse aber den Agbolongshi aus, den wohl größten Elektroschrottplatz der Welt wo unter anderem Computer „recycled“ werden. Auch gebe ich nach wenigen Versuchen auf einen 24V Kompressor zu finden und fahre Zur Togo Botschaft um meine Infos zur Einreise zu verifizieren, klappt einfach an der Grenze, also weiter ohne Wartezeit. Gegen Nachmittag hat der Spuk ein Ende und ich erreiche etwas nördlich den kleinen historischen Ort Aburi der den Botanischen Garten beherbergt. Der In Abidjan war ja ein Reinfall, bin gespannt. Die Route dahin sehr ordentlich und kurz vorm Ziel sogar mit einer Panoramastraße den Berg hinauf. Der Garten dann zentral im Ort und gut zu finden.
Interessante Aufteilung, da auch eine Herberge ein großzügiger Parklatz und einige Restaurants auf dem Gelände zu finden sind. Ich zahle also Eintritt von knapp 2,- und darf mit dem Truck rauf. Finde einen schattigen ruhigen Parkplatz und mache meine erste Runde durch den Park.

große Bäume vieler Arten und überall auch Erklärungstafeln, so stell ich mir das vor. Gefällt mir und ich werde bis Morgen bleiben. Dann will ich eine Tour buchen um etwas genauer einzutauchen, außerdem erwarte ich Besuch von einem anderen Reisenden. Die Nacht sehr ruhig aber schwül, es hat leicht geregnet am Abend und als Resultat ergibt sich eine mystische Landschaft im Morgengrauen.

Der Park ist großräumig, hat aber nur einige begehbare Wiesen, wir trafen beim Spaziergang Hühner an obwohl mir Pfauen lieber gewesen wären. Weiter unten den Berg hinab gibt es einen dunklen dichten Wald…

Wir haben uns gleich morgens verabredet und waren nun zu dritt für eine Tour. Organisation ist nicht so einfach hier und auch Nachfrage nach einem Experten begleitete uns dann Patrick durch die Pflanzenwelt. Beste Wahl überhaupt, er arbeitet hier seit 39Jahren und kennt dementsprechend alles. Der Park schon über 100Jahre alt und der älteste Baum dann der hier.

Erstaunlicher aber finde ich den 100Jahre alten Giganten daneben der ein Traum jeden Holzfällers ist, passt auf kein Foto. Daneben aber der Stumpf eines noch Älteren überwuchert mit allen möglichen Pflanzen sieht bei Tageslicht ebenso spektakulär aus wie weiter oben heute Morgen im Dunst.

Wir erfahren viel über die verschiedenen Arten hier, Zimt, Weihrauch, Bäume für medizinische Zwecke und welche die Trauben reifen lassen die zu Wein verarbeitet werden. Wir schnüffeln an Teilen der Rinde und zermahlenen Blättern, sehen Mimosen am Boden zusammenzucken und bekommen auch einen Einblick in was hier wann geschaffen wurde. Es gibt Bäume die bringen gigantische Fruchtkörper hervor in denen Samen reifen. Erst dann gibt der Deckel den Inhalt dieser Amphore frei und die Daumengroßen Samen fallen raus. Hier im Bild verkehrt herum wie in der Natur vom Baum im Hintergrund hängend.

Es ist wirklich umfangreich und wir machen auch einen Abstecher in den Wald, der aber enttäuschend war weil dort wieder mal viel Müll und kein Stück gepflegt. Dafür die Wiesen und Wege oben gestutzt und ordentlich. Ein abgestorbener Baum trägt sogar eine Schnitzereiskulptur.

Die Natur findet selbst auf anderen Bäumen Lebensräume und so sind einige Lilien und Lianen irgendwie doch Parasiten und Anhängsel.

Das Zeug hier zum Beispiel ist in Deutschland eine der beliebtesten Zimmerpflanzen, war es zumindest im Osten. Wächst auch ohne Erde und schlängelt sich mit Hilfe quer durch den Raum, Wurzeln entstehen an jeder Knospe und in der Natur wächst sie von oben bis auf den Boden- hier mal ein ganzer Ballen der an wenigen Stängeln hängt.

Als außergewöhnliche Exemplare findet sich eine liegende Palme die dann doch die Richtung gewechselt hat.

PalmePalme

Und als Bonus ein noch größerer Schlingficus wie schon im Bericht des Affenwald erklärt. Dieser hohle Baum bei dem der frühere Wirt abgestorben ist konnte ungehindert und nachweislich nach 30Jahren einen Sieg über den anfänglich als Leiter genutzten Baum erringen und ihn erwürgen.

Aber die Tour ist erstmal rum, hat gut zwei Stunden gedauert und war jedem von uns nochmal den Eintritt wert. Hunger nagt und unsere Reisegruppe schwärmt zum Essen aus. Ein Motorradreisender der nen Austauschstudenten auf dem Weg getroffen hat der hier in Ghana bald ein Semester Elektrotechnik startet und vorher das Land sehen wollte. Es gibt ne Menge zu erzählen bei Fufu mit Sauce. Zur Feier des Tages heute mit Antilope die einen echt wilden Geschmack ähnlich dem Reh hat aber wie alles Fleisch hier weit entfernt von zart und auf der Zunge zerfallend gekocht wurde. Ausgewogene Zutaten aber unkreative Verarbeitung selbiger, Afrika.

Draußen ist es mal wieder heiß und sonnig, der Park bietet angenehmeres Klima und Schatten, wir bleiben noch für individuelle Erkundungen, vor allem des Kletterbaumes.

Noch viel Höher, aber auch weniger verästelt wie der Letzte ein komisches Gefühl zwischen einer Pflanze die den Wirt zerdrückt hat hinauf zu klettern. Fotos wirken nur weiter unten, also hier mal das aufgelöste Suchbild.

Etwas Park in Bewegung und besagte Ritze dann in folgendem Video zu erkennen.

Wie gesagt echt ein lohnenswerter Stop und auch angenehmer und abgesehen vom Eintritt gratis Parkplatz der noch eine zweite Nacht meinem Heim Platz bot. Es gibt zwar einigen Fußgängerverkehr aber gut abseits hinter einem ausrangierten Bus das nötige Stück Privatsphäre und so blieb auch der Biker mit der gleichen Route auf meiner Terrasse Gast. Wir werden uns vielleicht noch das ein oder andere Mal über den Weg fahren, wenn auch seine Reisegeschwindigkeit und Beweglichkeit eine andere ist. Hat alles seine Vor- und Nachteile und genügend Erfahrungen zum Austausch. So hatte mein Mopped und ich Gesellschaft.

Am nächsten Morgen dann keine Dunstwolken im Park und der alte Sikorski der hier warum auch immer abgestellt wurde nicht ganz so neblig in Szene gesetzt wie gewünscht. Interessante Technik, da der Motor noch vorne drin steckt und die Welle zu den Rotoren führt… egal.

Ein toller Ort aber nun geht es weiter ich fahre etwas in den Norden und er direkt in Richtung Grenze Togo. Weiter geht’s.

3 Gedanken zu “Der botanische Garten Aburi in Ghana

  1. Alex schreibt:

    Interessant!
    Vor allem wie groß so ein Ficus wird. Und da „beschwert“ sich meine Mutter, dass der, den ich mal recht großem Stolz mit 10, auf der Kirmes gewonn, nun etwa 24 Jahre später, von 50cm auf 2m anwuchs. 😉

    Gefällt mir

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