Fischerei und Bootsbau Westafrika

Bei meiner letzten Übernachtungsstelle direkt am Strand konnte ich Fischer und Helfer beobachten, welche Fangmethode hier in Ghana praktiziert wird. Dabei wurde eines der großen Boote genutzt die seit meinem Exkurs nach Elmina überall und natürlich meist ganz in der Nähe vom Wasser hergestellt werden. Der Beitrag heute also mal Bootsbau und Fischerei.

Erstaunlich, wie sich allein im Westen Afrikas diese Thematiken unterscheiden. Angefangen in Marokko mit den relativ breiten Holzbooten die aber ebenso für die Hochsee geeignet sein müssen. Bild aus einer Werkstatt in Dakhla.

Wie später in Mauretanien und Senegal die immer bunt geschmückten langen und dünnen.

Durch die Mangroven in Guinea landen Fischer an den schlammigen Ufern der Flüsse und arbeiten mit kleineren leichteren Booten, Bauweise wieder etwas anders wie Bilder aus dem Archiv meiner letzten Tour zeugen

Zu Sierra Leone oder Liberia habe ich keine eigenen Erfahrungen aber an der Elfenbeinküste dann vermehrt bis überwiegend Einbäume und Pirogen die wirklich und ausschließlich aus einem Stück Holz „geschnitzt“ werden.

Nun erneut ein Wandel im Bootsbau nur wenige Hundert Kilometer weiter in Ghana. Es sind verglichen zum Rest gigantische Boote und das Hauptmerkmal ist der Kiel ebenfalls aus einem einzigen Baum, der also die Größe des späteren Bootes festlegt.

Hier mal eine sehr frühe, grob behauene Form die am Straßenrand auf die nächsten Arbeitsschritte wartet.
Ich habe die Konstrukteure mit einer Art Hacke oder Axt gesehen, spätere Feinarbeit wird mit dem Hobel erledigt. Zeitaufwändige Arbeit, da ist man gerne im Schatten tätig.

Das letzte Bild an der Hauptstraße der Küste und trotzdem einige Kilometer weg vom Meer. Dafür aber besser geeignet den riesigen Baumstamm angeliefert zu bekommen, der hierfür herhalten musste. Das größte Exemplar welches ich bis dahin gesehen habe. Einen Meter breit und um die 25m lang dieser Stamm.
Auf dieses Grundgerüst, quasi die unterste Lage folgen dann die Planken der Seitenwände, leicht gebogen und mit dem Hobel auf exakte Passgenauigkeit gearbeitet. Hier wurde angepasst, umgedreht und weggehobelt.

Dadurch kann die Breite und Höhe des Bootes beliebig erweitert werden und schon recht massive Exemplare entstehen.

Ebenfalls dort am Straßenrand beim Giganten zuvor lag eines in fast fertigem Zustand.

Wie man sieht spielt Symmetrie keine Rolle und Fugen werden mit schwarzem Zeug wahrscheinlich Teer gekittet. Wenn zusammengesetzt auch erneut über gehobelt, Wandstärke aber nie unter 5cm eher mehr.

Zum letzten Boot mal eine bewegte Aufnahme von Innen, dort wird noch gearbeitet und wie es scheint sind die Innenwände noch nicht fertig, auf jeden Fall noch sehr rau und splittrig.

Dass diese Giganten dann nicht mehr gepaddelt werden können ist klar, aber seitlich an einem Ausleger wie ein Dreieck einer dieser kleinen Außenborder finde ich etwas unterdimensioniert. Funktioniert aber.

Vorteil von größeren Booten es passt mehr rein an Besatzung und Hilfsmitteln. Es wird viel mit Netzen gefischt und die brauchen Platz.

Am letzten Strand dann hatte ich Zeit es ausgiebig zu beobachten. hier wurde eine See-Land Methode praktiziert. Der Kahn zog das Netz auf See hinaus und fuhr eine Schleife. Von Land aus wurde dann mit dem gefühlt halben Dorf ein ewig langes Seil Stück für Stück an den Strand gezogen und ggf auch die Position der ganzen Aktion dem Netz und der Strömung entgegen gegangen.

Die ersten Meter Netz dann leer was ich nach dieser Aktion als Kraftverschwendung angesehen habe, vereinzelt mal ein kleiner Fisch und etwas Müll darin verfangen, wandert direkt wieder in die Fluten.

Doch irgendwann kommt das dicke Ende und das ist eine Sackgasse und die hat es dann in sich.

Nun, im Vergleich zu den Fischen die in der Elfenbeinküste am Haken gefangen wurden waren die gleiche Gattung hier noch im Babystadium. Leerfischen bevor ausgewachsen, bei den engen Netzen kein wunder… und richtig was anfangen kann man damit auch nicht.

Ich habe mich mit einigen Fischern und auch Helfern unterhalten, aber so wird das hier nunmal gemacht und wie schon oft erwähnt ist vorausschauen nicht afrikanisch. Ghana also mit massenweise Trockenfisch da die kleinen Dinger nur an den Straßenrand gelegt werden und später zu Mehl und Bouletten verarbeitet werden.

Klar sind auch große dabei, wurde mir bestätigt… seht selbst…

Aber meine Einschätzung kann hier keine Denkanstöße geben, Irgendwann wird es hoffentlich nicht mal mehr kleine Fische geben, aber dann ist es zu spät und irgendwer schickt schon wieder Hilfspakete. Außerdem kommt dann die Ausrede, die Chinesen waren es mit den Trawlern vor der Küste… hab ich auch schon gesehen, aber jeder Meter vom Strand ist mit solchen Booten der Einheimischen voll. Bilder hab ich ja genug. Jetz noch ein Video, zur Aufwändigen Aktion.

Wie gesagt, interessant und in Verbindung mit dem Bootsbau mal ein Thema abseits der Reiseblogs das hoffentlich trotzdem Anklang findet.

7 Gedanken zu “Fischerei und Bootsbau Westafrika

  1. Roger-T. schreibt:

    »..Leerfischen bevor ausgewachsen, bei den engen Netzen kein wunder… und richtig was anfangen kann man damit auch nicht…aber so wird das hier nunmal gemacht und wie schon oft erwähnt ist vorausschauen nicht afrikanisch. »

    Du solltest bei Deinen Betrachtungen nicht in der (bequemen) Mitte stehen bleiben. Es genügt z.B. nicht, einige Fabrikschiffe fremder Nationen vom Strand aus zu bemerken. Wenn Du ihnen weiter draußen begegnet wärest, würdest Du schockiert sein. Es sind ganze Flotten, die an der gesamten Westküste mit Brachialgewalt das Meer leerfischen. Logisch, dass für die Afrikaner in Küstennähe immer häufiger nur der kleine Rest bleibt!

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      • Roger-T. schreibt:

        Ja, sie muessen nicht in den Laendern an Land, vor deren Kueste sie hemmungslos (und meist in legaler Grauzone, bzw. auch illegal) abraeumen. Sie fahren zu ihren Kunden – oder Herkunftslaendern. Die Produkte sind ja an Bord bereits hergestellt.

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  2. TG. schreibt:


    Wie Roger schon gesagt hat, alle blauen Pfeile in dem Ausschnitt sind Trawler, Fischfang- und Verarbeitungsfabriken. Das nur die, die den Sat-Transponder eingeschaltet haben. Die fahren so weit draußen, daß sie von der Küste nicht mehr zu sehen sind, da kommen die einheimischen Fischer nicht hin.

    Vielleicht findest Du ja noch einen Klimakompi, wie ich vorgesclagen habe. Wirst sehen, die Mimik erleichtert die Reifenpneumatik kollosal!

    Gute Weiterreise!

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