Ghanas Küste der alten Festungen

Die etwas unruhige Nacht mit dem frühen Start am Morgen wirkte sich am heutigen Tage auf meine Energie aus. Ich wollte an die Küste und dort zuerst nach Elmina um eines der ältesten Kolonialbauten Afrikas zu sehen. Die Route immer mal wieder mit Mautstellen oder Kontrollposten, aber dafür doch recht zügig auf guter Straße. Vorbei an Cape Coast fand sich direkt zwischen Straße und Strand ein Palmenhain wo es mit ner ordentlichen Brise Wind ne entspannte Pause gab. Herrlich endlich wieder am Wasser zu sein.

Der Platz nicht paradiesisch, aber abgelegen genug und durch eine Hecke von der Straße getrennt, sodass man dies sogar für ne Nacht nutzen könnte. Atlas hatte ein paar Momente am Strand und bezog dann wieder Posten unterm schattigen Truck. Ich nutzte den Wind um mal im Heim durchzufegen und den Rest die Natur machen zu lassen, danach ein Bad und frisch geht es auf zum Sightseeing nach Elmina.

Kleinerer Ort mit alter Brücke für Fußgänger und neuerer für Fahrzeugverkehr vorbei an der Festung ganz am Ende thronend. Auf dem Bild oben aber eine weitere Burg die etwas Landeinwärts am Hügel steht. Überall Fischer und das übliche Angebot auf den Straßen, kein Schatten, auch nicht am Parkplatz, also kam Atlas zur Abwechslung mal an der Leine mit. Die Belohnung eine relativ grüne Wiese vor dem Elmina Castle auf der sich super rumwälzen ließ.

Der Eintritt in diese Festung immerhin fast 9,-€ und deshalb nicht auf meiner Liste, ich schau mir das von aussen an und mache eine Runde. Schon recht tropisch anzusehen, wenn der Kokospalmenstrand mit der Festung im Hintergrund und die Fischerboote auf dem Sand mal kein Postkartenmotiv wären…

Die paar Wolken und der Wind sind unsere Rettung heute, mal wieder Temperaturen jenseits der 35grad und über schwitzen oder hecheln berichte ich schon lange nicht mehr. Der Rest von Elmina zu vernachlässigen, also wieder raus und erneuter Stop unter den Palmen.

Am Nachmittag dann ab nach Cape Coast und damit einer größeren Stadt die offensichtlich ein touristisches Highlight in Ghana ist. Es gibt alles was man sich dafür vorstellen kann, sogar ein veganes Restaurant hab ich entdeckt. Mich zieht es für ein paar Kleinigkeiten in einen Supermarkt der den Namen doch wirklich verdient hat und belohne mich mit einem Eis am Stiel.
Das Schloss oder die seeseitige Festung hier erneut mit horrendem Eintritt umrunde ich wie gewohnt und finde am anderen Ende ein offenes Tor vor dem eine Touristengruppe grad von einem Führer bequatscht wird. Perfektes Timing mal rein zu gucken.

Wie zu erwarten nur ein paar Kanonen und Kugeln zu sehen, immerhin gepflegte alte Mauern und vielleicht auch irgendwo ein Museum, also nix verpasst wenn man es nicht ausgiebig besuchen mag.

Viel interessanter ist der Ausblick runter zum Wasser. Es ist Wochenende und die Fischer machen frei. Können sich aber anscheinend nicht aus dem Wasser fernhalten, auf jeden Fall stehen die Grüppchen vielleicht auch nur zum Schwätzchen dort in den Wellen und veranstalten eine ordentliche Geräuschkulisse.

Für mich wieder mal genug Stadt und ich ziehe weiter. Hatte ein paar interessante Gespräche mit Touristen unter anderem auch einem negroiden Amerikaner der hier lebt und von meinem Reisemobil fasziniert war. War mir echt sympathisch und wir hatten locker ne halbe Stunde gequatscht, er hat ein Haus in der Nähe und sicherlich wäre da auch Platz für mich, aber ich bin doch etwas platt und suche heute nur ne ruhige Ecke für die Nacht.
Laut Karte habe ich noch ein paar Kilometer bevor die Straße sich von der Küste abwendet. Auf diesem Stück versuchte ich zwei Einfahrten vergeblich und fand an der dritten ein Tor vor mit wahnsinnig freiem Land und einer ungenutzten Saline dahinter. Zwei Männer bewachen es und meinen es ist die Einfahrt zur Baustelle am Wasser die heute aber nicht benutzt wird. Mit ganz nett fragen lassen sie mich ein und ich finde 500m weiter meinen Traumplatz. Niemand in der Nähe, Wellenrauschen, Kokospalme und Busch für Windschutz. Das interessante an der Baustelle sehe ich erst am nächsten Morgen beim Spaziergang.
Hier wurde mit immensem Aufwand und gigantischen Steinbrocken auf über nem Kilometer der Strand aufgeschüttet der sich Stück für Stück die Palmen und wohl bald auch die Bauten der umliegenden Ferienresorts geholt hätte.

nun fehlen nur noch einige Millionen Kubikmeter Sand um daraus wieder einen Traumstrand machen zu können, gutes Gelingen… Wer bei google oder bing mal per Satellit schauen möchte: Anomabo Resort Beach und ich stand etwas westlich davon. Gäste gibt es wohl grad keine…

Die Tour entlang der Küste mit weiteren Forts oder Festungen die aber eher uninteressanter und kleiner werden. Fort Williams in Anomabu mal ohne Bild.
Die Route dann etwas weiter weg von der Küste und mein nächster Exkurs bei Apam zum Fort Patience. Keine Touristen mehr und die Straße dahin schlecht. Klassisches Fischerdorf mit viel Andrang an der Hauptstraße die gleichzeitig Marktplatz ist. Der Blick von oben:

Dabei ist der Hochsitz rechts im Bild anzumerken. Von dem ohne weitere Funktion Leute ihre Langeweile mit Blick über die Dächer der Stadt vertreiben können.

Und noch ein Stück weiter geschwenkt dann das Fort auf der Seeseite schwarz gesprenkelt wie alle anderen auch, Schimmel? Falsche Farbe? Na egal, ich fahr weiter.

Ich hab alles und auch Wasser ist aufgefüllt. Man kann eigentlich auch überall direkt am Straßenrand zum selben Preis wie auf dem Markt einkaufen. Ich passiere eine Region mit unendlich vielen Verkäufern von Kokosnüssen und erlaube mir mal wieder eine frische mit weniger Fleisch denn die runtergefallenen sind alle schon vollkommen ausgebildet. Der kleiner Mann hier, vielleicht 10-13Jahre, schwer einzuschätzen für mich mit seiner Machete geschickt und im Nu hab ich nen halben Liter Kokoswasser und anschließend was zum auslöffeln.

Nur um es erwähnt zu haben: 1,50cedi wollte er, zwei hat er bekommen, macht 33ct für die Nuss, Ghana ist teuer. In der Elfenbeinküste gäbe es dafür 3Stück. Mein nächster Abstecher sieht auf der Karte vielversprechend aus. Die Hauptstadt nicht mehr fern spekuliere ich auf ein Nachtlager am Strand bei Senya Beraku. Westlich davon der grüne Fleck ist aber doch kein Wald, trotzdem habe ich Glück und finde zwischen etlichen Privatgebäuden einen kleinen Weg direkt bis zum Strand. Etwas steil und schmal, nicht viel Platz zum Wenden und uneben ist es auch, aber hey, ich hab ne WALKÜRE.

Ein schattiges Plätzchen unter zwei halbwüchsigen Palmen mit viel zu viel Müll drum herum. Also erstmal den Sack ausgepackt und Plastik sowie die dörren Palmwedel entfernt. Abgeparkt und aufgebaut sieht das mit kleinem Setup dann so aus.

Klein weil das Dach nur hinten angelupft wird zur Luftzirkulation, herrscht doch ganz schön Wind heute. Ich musste mit 180grad Drehung um diese Palme zirkelnd meinen Arsch dem Wasser entgegen strecken, wieder Bonuspunkte für den wendigen kleinen 508er.

In die andere Richtung gesehen auch wirklich die letzte Möglichkeit vor dem Meer. Es geht etwas steiler abwärts, genug Landmasse um die Erosion noch rauszuzögern. Rechts neben dem Weg dann der Beginn eines Grundstücks mit frisch gebautem Haus drauf. Die Besitzer hatten nix gegen meinen Wunsch ne Nacht hier zu bleiben.
Atlas wieder mal im Spielmodus als der Tag langsam schwindet und sich ne Kokosnuss zum Spielen fand.

Perfektes Idyll um es mal wieder beim Namen zu nennen. Ich spiele schon mit dem Gedanken noch einen ganzen Tag zu bleiben, doch mein Innerer Entdeckertrieb hat sicherlich was dagegen. Auf jeden Fall war es hier nicht langweilig und meine Erlebnisse füllen dann den nächsten blog der sich mit Fischerei befasst.
Um die Forts an der Küste abzuschließen steuere ich bei der Abfahrt aus Senya Beraku noch aufs Fort hoch oben auf den Klippen zu. Naja, sie wurden im Osten immer kleiner und auch sonst ist der Ort nicht der Rede wert. So aber hat jeder seine individuellen Erlebnisse und der Exkurs von 15km Piste ab der Hauptstraße schreckt sicherlich auch viele Touristen ab.

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