Bobiri Butterfly und Lake Botsomtwe

Es gab mal wieder ne spontane Planänderung da ich eigentlich weiter in den Norden des Landes wollte. Ghana aber hier schon wieder ziemlich trocken und die Regenzeit noch gut vier Wochen entfernt. Ein Kumpel ist mir etwas voraus und hat enttäuscht die fast leeren Wasserfälle Kintampo und Fuller besucht und auch der Nationalpark Mole ist grad in einer Art Schlummerpause und nur wenige Tiere zu sehen. Dieser Abstecher wären gut 500km die ich mir also spare und lieber meinen Weg mal wieder an die Küste einschlage. Das näher gelegene Ufer des Lake Volta, eines der größten menschgemachten Stauseen Afrikas wenn nicht gar der Welt muss auch warten. Ich drehe also den Kompass auf Süden und schlage eine recht gute Straße nach Nkoranza ein. Schon erstaunlich dessen Zustand im Gegensatz zur Hauptstraße und auch weiter nach Ejura kann ich nicht klagen. Flankiert von immer wieder sehr hübschen neu erbauten Häusern ist die Gegend um Techiman eine wohlhabende Ghanas. Ich bin im Ashanti Land und komme der Hauptstadt Kumasi nahe, hab aber keinen Bock drauf wenn auch dort der Palast mit dem König der Goldbehangenen residiert. Bei Adanwomase biege ich durch ein Dorf ab welches für bestimmte farbige Klamotten berühmt ist, interessiert mich nicht, will heute noch in die Natur.

Das Bobiri Butterfly Sanctuary ist nach den Affen ein weiterer Wald in dem was geschützt werden soll. Zumindest kann man Schmetterlinge nicht dressieren und deshalb hoffentlich etwas weniger touristisch. Die anfahrt ab der Hauptstraße kurz vor der Mautstelle schon mal eine sehr holprige Piste die nur selten oder zu oft von großen Fahrzeugen genutzt wird. Letzteres scheint mir der Fall wie sich später rausstellt.
Nach drei-vier Kilometern durch den dunklen schattigen Wald kommt man an der Rezeption mit Gästehaus an. Es ist Nachmittag und ich entscheide noch nicht was ich vor habe. Der Eintritt in den Wald kostet 20ghc und ein netter Kerl der hier mit seiner Familie wohnt ist der Aufpasser der gerne seine Unterkunft vermietet hätte. Ich brauche auch keine Tour, da er selbst zugibt zur Zeit wenige Schmetterlinge zeigen zu können.

Nett gemacht ist es auf jeden Fall und ganze Seminargruppen hätten hier Platz mit Küche und getrennten Schlafzimmern.

Der Aufenthaltsraum zwar etwas unstrukturiert und die Erklärungstafeln an den Wänden vergilbt aber für afrikanische Verhältnisse sauber und zweckmäßig.

Wer also mit dem Bike unterwegs ist und ne günstige feste Bleibe braucht kommt hier für 10,-€ unter. Jedoch wird für Fahrzeuge die im Wald, wenn auch am Straßenrand vor dem Tor nächtigen umgerechnet 5,- verlangt, Schweinerei und ohne mich. Aber es war eine ruhige Nacht und ich bereue den Ausflug nicht. Es gibt einen Rundwanderweg „three sisters“ um die nähere Umgebung die ich mit Atlas am morgen fast noch in der Dämmerung startete. halbe Stunde ist man durch selbst mit lesen der wenigen Erklärungstafeln für die Vegetation. die drei Schwestern sind dabei 2,5 noch stehende Urwaldriesen in einer Gruppe.

Da wären wir auch schon beim negativen Aspekt dieses geschützten Waldes, hier fahren täglich Holzfäller mit mehreren Lastern hinein und natürlich ordentlich beladen raus. Den Hauptweg der noch mindestens 5km weiter nach Osten führt hab ich am Spätnachmittag zuvor schon mit dem Fahrrad eher sportlich als touristisch in Angriff genommen. Teils staubige Piste mit Höhen und tiefen und kaum idyllisch am Wegesrand. Wollte aber mal wissen wo es hinführt und habe immer mehr Abbiegungen in alle Himmelsrichtungen entdecken müssen. Der Aufpasser meint es ist staatliches Gelände und immerhin werden nur selektiv Bäume gefällt war seine Antwort auf meine Frage. Logisch… die suchen sich durchweg die großen Dinger aus.

Einen Platz solchen Massakers entdeckte ich und konnte mir da erst die Ausmaße dieser Giganten vorstellen. Weit über 50 Meter war der Ansatz der Krone vom Ort des sternförmigen Stumpfes entfernt. Die Verarbeitung anscheinend gleich vor Ort nötig um das schwere Ding irgendwie abtransportieren zu können. Egal aus welcher Perspektive, ich hab es nicht auf ein Bild bekommen, hier mal ein Hochkant Panorama zur Verdeutlichung.

Man muss dazu sagen, dass an der Krone eindeutig schon eine früher abgebrochene Stelle zu sehen war, sonst aber ein kerngesunder Stamm anscheinend. Kann nur von früheren Fällungen in der Nähe stammen, war also definitiv des Holzes wegen… in einem geschützten Wald laut meinen Informationen.

Das was dort an Verschnitt rumliegt wäre bei uns für nen ganzen Hof und Winter ausreichend. Aber ich soll ja nicht werten und kenne die Hintergründe nicht. Bin nur emotional nicht unbetroffen und würde gerne mehr große Bäume in den letzten Wäldern des Landes sehen. Tropenholz ist immer noch gefragt auf dem Möbelmarkt und auch vor Ort gerne Baustoff für Boote etc. wie sich in einem späteren Beitrag erkennen lässt. Hier also der letzte Überblick als Video bevor ich meine Rückkehr aus dem Wald antrete und wie erwähnt am nächsten Morgen den Bobiri Wald verlasse.

Meine Route querfeldein führt mich zum lake bosomtwe den ich bei Abono am Westufer umrunde. Dafür muss man oben am Eingang der Abfahrt eine Touristengebühr von 10cedi also fast 2,-€ bezahlen… Afrika ist nirgends umsonst und in der Summe für mich viel teurer als Europa. Diskutieren hilft aber nicht und sehen will ich es, kann euch nur mit Fotos den Gang ersparen.
Es ist das komplette Ufer mit Camps und Lodges zugebaut, kein rankommen ans Wasser. Ich habe nur das Glück am heutigen Wochenende eine Baustelle ohne Arbeiter vorzufinden und wenigstens ein paar Stunden am See zu verbringen.
Entgegen meiner üblichen Berichterstattung erspare ich euch heute die Baustelle mit knapp 10neuen Stelzenhäusern und Betonfundamenten, Fußballplatz und Kokospalmen am Ufer. Ich lichte direkt den See ab der eigentlich auch gar keine Schönheit ist. Süden:

Norden…

Und alles zusammen.

Immerhin reicht es zum Baden und Handtücher durchspülen, auch Atlas nötige ich mal zum schwimmen. Ich bin ausgeruht und hab gespeist, es ist kein idyllischer Platz für ne Nacht also ziehe ich weiter. Das Wetter optisch trüb, glaubt mir aber wärmer als man denken könnte. Auch die Brühe hat locker 30grad und somit keine Abkühlung möglich. Ein feuchtes Handtuch auf den Schultern ist heute mal wieder meine Klimaanlage zum Fahrtwind. Die Uferstraße kürzlich erst verbreitert wurden, sieht wie ne frische Wunde aus und staubt gigantisch. Da kommen mir vier Weißbrote entgegen die definitiv noch keine Woche Sonne gesehen haben. Sonst wären es Rothäute, wenn auch ihre Vorfahren dagegen was zu tun gepflegten. Es sind Amis und diese hier, wenn auch freundlich welche der schlimmsten Sorte. Sie sind als Missionare hier und helfen beim Bau von einer Kirche, als wenn es in Ghana noch nicht genug davon geben würde. Auch versuchen sie mich zu bekehren und wünschen mir dass ich den Lord auf meinen Reisen finde und solche Sprüche… kann mit religiösen Fanatikern egal aus welcher Richtung irgendwie nix anfangen.

Der südliche Ausstieg aus dem Kessel der einem Vulkan gleicht ist dann eine echte Generalprobe für die WALKÜRE, das Wüstenschiff (Ihr grüner Vorgänger) hätte hier aus mehreren Gründen passen müssen. Steiler kann man sich eine Staubige Piste nicht vorstellen, erster Gang teilweise nötig. Kehren wurden gebaut in denen Autos mit Frontantrieb Probleme beim Lenkeinschlag haben dürften und nur der kurze Düdo ließ sich unproblematisch rumzirkeln… und in der Regenzeit kann man das auf alle Fälle selbst mit nem Allrad vergessen wenn er keine Schaufelräder oder Spikes montiert hat.

Es war also mal wieder an der Zeit mein geliebtes Gefährt an seiner ganz sensiblen Stelle am Armaturenbrett zu streicheln und Dank auszusprechen für diese Leistung. Immer ein gutes Wort und dafür nie im Stich gelassen, Mercedes mit Herz.
Der Blick von oben ebenso unspektakulär wie aus allen anderen Winkeln, in real nur eine Nuance besser und nur dank Geräuschen und Gerüchen speicherbar. Der Bosomtwe See bei Kumasi… kein Abstecher wert.

Es ist Nachmittag und zur Küste schaffe ich es nicht mehr. Ich holpere entspannt auf die N8 zu die mich dann auf Asphalt nach Süden führt. Fahre heute bis zum frühen Abend und suche mir dann was abgelegenes. Von der Hauptstraße Augen auf nach etwas Wald, dann in eine Nebenstraße und von dort in eine kleine Einfahrt die nirgendwohin führt. Das Geheimnis für ruhige Nächte wenn keine Dörfer in der Nähe sind. Eine Stelle ist gefunden, sieht so aus als wäre es ein Versorgungsweg um die Cashewplantage auf der anderen Seite zu erreichen. Die Meter um mich rum totale Wildnis und eine Lücke die eigentlich keine ist, aber gerade genug Platz für mein Lager halb rückwärts in den Busch. Terrasse ins Dickicht, herrlich und weder von der Straße sichtbar noch führt der Weg zu einem Haus oder kann ich Spuren erkennen. Ich klappe mein Dach auf und koche mir was anständiges, klassischer Abend mit einem Film zum Abschluss und der herrlichen Brise um die Nase mit ruhigem Schlaf unterm Moskitonetz wenn ich auch schon wochenlang keine Mücken mehr gehört, geschweige gesehen habe.

Aber meine Nacht wird unterbrochen. Es ist gegen 22:3o und gefühlt 20Taschenlampen und 50 Leute stehen um mich herum. Ok, nur auf einer Seite, auf dem Weg und nageln mir ein Gespräch an die Backe. Ich muss mich also anziehen und suche mir den ältesten aus der Gruppe um wenigstens nicht mit einem Publikum sprechen zu müssen. Sie sind vom Dorf woher ich dezent Musik hören konnte, haben gehört hier ist ein Auto im Wald. Wahrscheinlich von der einen Familie die am Abend nett begrüßend hier durch kam. Warum auch niemand die Klappe halten kann.

Keiner versteht was ich hier mache und überhaupt was das soll. Reisende in eigenem Haus auf Rädern kennt man hier nicht und warum die eher in die Natur als in ein Dorf wollen erst Recht nicht. Alle Erklärungen anscheinend sinnlos, auch zeige ich einigen wenigen Auserwählten mein Heim und erkläre, dass ich gerne Morgen früh im Dorf rum komme und allen weiteren Fragen zur Verfügung stehe, jetzt aber wirklich gerne schlafen würde. Privatsphäre versteht man hier eh nicht und meine Bitte in Ruhe gelassen zu werden stößt auf taube Ohren. Zumindest der Älteste und einige vernünftige scheinen nett genug zu sein und verschwinden. Jedoch höre ich nur 100-150m weiter an der Straße Gespräche und Musik aus Mobiltelefonen… das wird nix mehr…

Ich döse nochmal ein mit dem Versuch es zu ignorieren und der Hoffnung dass Langeweile sie vertreibt. Kann eigentlich auch ganz lustig werden Morgen früh im Dorf aufzutauchen und allen von der Reise zu erzählen, vielleicht kann ich mich auch irgendwie nützlich machen oder erkenntlich zeigen mit Rat oder Tat. Aber da vernehmen meine Ohren Holzarbeiten. Machete auf Baumstamm und der Länge dieser Aktion und dem Knacken am Ende nach zu schließen eine Fällung… Mitten in der Nacht. Wieder Taschenlampen am Truck und mir wird es zu bunt. Ich bin sauer und heiße sie barsch an zu verschwinden. Ich muss also mein Camp abbrechen und bereue es mein Dach offen zu haben, dauert etwas und bringt mich auch ins schwitzen. Abfahrt mit dem fetten Scheinwerfer am Dach der zum ersten Mal richtig zum Einsatz kommt. Was muss ich am Ausgang erkennen, besagter Baum versperrt meinen Weg… clevere Meute. Dahinter steht ein Pickup in Dunkelblau mit flackernden roten und blauen Lichtern auf dem Dach, Polizei. Ich ignoriere also die Dörfler die sich um meine Dankbarkeit gebracht haben und erkläre den Uniformierten die Geschichte, auch dass ich das Ok des Dorfchefs habe und nicht weiß was daraus wurde…
Meine Machete aus dem Wagen holend mit der Flutlichtanlage sichtbar wo am besten anzusetzen, kappe ich einen Ast und fahre raus aus dem Dickicht… Die Polizei will mich zum Revier bringen, das liegt aber zu weit in die Richtung aus der ich kam, also meine ich eine Tankstelle oder ein Posten reicht mir auch für die nun schon verkorkste Nacht wenn sie um meine Sicherheit besorgt sind.

Hatte also die restliche Nacht an einer Tanke mit Polizeiposten verbracht und war 6Uhr am nächsten Morgen dann wieder unterwegs. Die erste Störung meiner Nachtruhe seit nem halben Jahr, eigentlich ganz guter Schnitt, ist mir früher in Marokko häufiger passiert.

2 Gedanken zu “Bobiri Butterfly und Lake Botsomtwe

  1. Wolfgang Dickmann schreibt:

    Hallo Phillipp,

    ich verfolge mit Begeisterung fast täglich Deine Reiseberichte. Aufmerksam wurde ich mit Deiner Etappe durch Marokko, ein Land das ich seit Anfang 70er fast jährlich bereise und immer wieder neue, entlegene Orte entdecke.
    Ich hoffe Du bist bei guter Laune und wahrscheinlich bald auf dem Weg nach Togo.

    Über einen Nachbarssohn, Thomas Liemersdorf erfuhr ich von einem Klimaschutzprojekt im Südwesten Togos (Nähe Kpamilé), bei dem er verschiedene Projekte (Brunnenbau, Aufforstung, Schafstall, Schulwald etc.) leitet. Er arbeitet für natureOffice, der besagten Klimaschutzorganisation.

    Vielleicht liegt dieser Projektort auf Deiner Route und Du findest dabei noch mal Abwechslung bei deutschprachiger Konversation. Tobias wird möglicherweise momentan noch in der Schweiz verweilen. Das Team in Togo besteht aber ausser ihm noch aus weiteren Deutschen.

    Hier noch einige Daten:

    U.a. Aufforstung, Wasserfilterprojekt in Aboudzokope

    6°40’13.3″N 0°42’47.0″E

    6.670346, 0.713066

    82 km nordwestlich von Lomé (Luftlinie)

    28 km südsüdöstlich vom Kpalimé (Luftlinie)

    39 Strassenkilometer über Agou

    http://www.natureoffice.com/klimaschutzprojekte

    Klicke, um auf Praktikumsbericht_Togo_natureOffice.pdf zuzugreifen

    siehe dort auch Karte S. 10

    Ich wünsch Dir auf Deinem Trip viele weitere wertvolle Erlebnisse und Eindrücke

    Wolfgang Dickmann

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