Abidjan und Grand Bassam

Der Stellplatz unter Palmen wie gestern schon beschrieben dann alles andere als romantisch, wenn auch für die ruhige Nacht und das üppige Fischmahl am Abend perfekt gewählt. Hier gezielt hinfahren braucht man aber nicht, außer man hat Lust auf solche Ansichten.

Reiseführer könnten das sicherlich schönreden und mit Floskeln wie endloser Sandstrand nahe der Zivilisation umschreiben, Fakt ist: Die Hauptstadt keine 50km entfernt und hier die Auswirkungen zu sehen. Gut ausgeruht geht es also noch vor 7Uhr auf die Etappe Abidjan. Der Feldweg vorbei an den Hütten der hier heimischen, die wohl neben Fischfang noch Kokos Verarbeitung auf der Agenda haben.

Dann erneut über die Lagune per Brücke und auf der Hauptstraße weiter Richtung Osten. Relativ schnell schon das erste Chaos in den Vororten, da Zubringerstraßen etc fehlen. Also muss alles was in die Stadt will über einspurige vermüllte mit Marktständen gesäumte Wege wo jeder der schneller vorankommen will auch abseits fährt. Gelassen läuft es bei mir, ist zum Glück nicht die erste Erfahrung mit afrikanischen Millionenstädten. Irgendwann und dabei spielt Zeit heute echt keine Rolle bin ich dann mitten drin und spontan herausgerissen aus der sonst gewohnten Infrastruktur.

Man muss sich das mal vorstellen, Brücken die keinen Fluss überspannen und breite Straßen ohne nennenswerte Schlaglöcher. Eine andere Welt für jeden dörflichen Taxifahrer oder Weltreisenden der schon ein paar Monate im Dschungel unterwegs ist. Das Farbenspiel am Himmel aber durchweg dieses dem tristen Winter in Europa ähnliche grau ohne Chance die Sonne zu sehen. Smog hält sie fern aber nicht deren Auswirkungen, stickige 38grad sind es heute…

Ich hab hier nix zu tun, muss mich um kein Visum kümmern und habe keine Lust nach nem 24V Kompressor zu suchen, nur einen Stop am Supermarkt will ich mir doch antun. In einem Einkaufszentrum hat sich ein französischer Giga-Supermarkt angesiedelt… hab da noch vage Erinnerungen wie sowas bei „uns“ aussieht. Per Metalldetektor und Personenkontrolle darf man die „Mall“ betreten und landet in einer anderen Welt. aufs kühlste klimatisiert über frisch polierten Marmorboden vorbei an Elektrofachgeschäften und Boutiquen mit echter Mode. Spieleladen, Geschenkartikel der ganze Scheiß den die Welt und erst recht hier nicht braucht… Und im Supermarkt dann ein WOW-Erlebnis der schockendsten Art. Hier können nur Superreiche und Diplomaten mit Afrikaproduktphobie einkaufen gehen. Anders kann ich mir es nicht erklären warum man für ungesunde, verpackte und um die Welt geschickte Ware wie Tütensuppen das dreifache an der Kasse blechen soll. Schlimmer noch und auch ökologisch unsinnig das von mir im „Futter blog“ angesprochene Frischeangebot. Brokkoli und Paprika für 12,-€ das Kilo… Daumen hoch Globalisierung.

Hier dann auch der durchschnittliche Kunde, leider nicht ganz getroffen wie gewünscht da der gut gebaute schwarze Boy nicht richtig zu sehen ist. Seine doch recht unförmige und modisch alles andere als vorbildliche Gönnerin eine Franzosin dann auch mehrfach mit der Aufforderung er solle sich aussuchen was er will… Ekel, fremdschämen und der Drang hier raus zu müssen.

Ich schnappe mir ein Baguette zum selben Preis wie auf der Straße und hab genug von Großstadt. Raus.

Durch die Stadt musste ich trotzdem, da Grand Bassam als nächstes auf meiner Liste abzuhaken ist. Die ehemalige Hauptstadt des Landes zu Kolonialzeiten gilt als UNESCO Weltkulturerbe unweit von hier. Abidjan liegt auf der Karte gesehen schön an Lagunen mit Küstenstreifen. Naja, die Realität kann man vergessen, und der Strand mit Hauptverkehrsweg in Richtung Grenze zu Ghana vielleicht irgendwann mal eine Promenade. Im Bau ist irgendwas auf jeden Fall, nur müssen dann noch die Wellblechhütten und Slums auf der anderen Sraßenseite dekoriert oder verblendet werden. Zur Farbe am Himmel keine weitere Erklärung.

Es dauert einige Kilometer und dann ebenfalls mehrere Abzweigungen zur selten genutzten Route d’Azuretti die als Piste alternativ nach Grand Bassam führt. Zwischen etlichen Bars und Strandclubs die zur Hälfte aber auch bessere Zeiten gesehen haben findet man ab und an ein unbenutztes Fleckchen und meine Mittagspause ist gesichert.

Auch private Anlagen wie Wochenendhäuschen sind hier beidseitig also auch auf der der Lagune zu finden. Angesagte Gegend und Einige Objekte recht groß mit Wachschutz. Auf jeden Fall weit entspannter als alles ringsum und wenn ich in Abidjan zu tun hätte wäre der Exkurs zu einem ruhigen Nachtlager hier raus wahrscheinlich obligatorisch.
Zwischendrin noch ein kleines Dorf in dem ich meine Mahlzeit zum vernünftigen Preis finde. Ein Stück später dann eine bekannte Situation die hier aber aussichtslos scheint. Linienbus festgefahren. Nur drei Meter neben der Piste… und die Jungs dachten wirklich die WALKÜRE kann per fettem Abschleppseil hier was ausrichten. Ich tat ihn den Gefallen und konnte nicht mehr als ein straffes Seil und durchdrehende Räder generieren, lustig war es trotzdem.

Dann erreiche ich Grand Bassam und auch hier gibt es high society am Wasser.

Es folgt sogar die ein oder andere recht ansehnliche europäisch geführte Ferienanlage mit dementsprechenden Preisen. Doch mein Ziel ist das große Ganze sehen und schnell wieder verschwinden.
hier ein Überblick zum Kulturerbe.

Echt wahr, das sind die Kolonialstilhäuser und wenn auch optisch
verfallen meist bewohnt oder genutzt. Hausbesetzer in Berlin hätten es nicht besser inszenieren können, Fenster gibt es schon Dekaden nicht mehr.
Das hier zum Beispiel ein Hotel und Restaurant.

Auf der Rückseite hängen Klimaanlagen aus den Fenstern.

Fast schon wieder von der Natur zurück erobert ist dieses Gebäude Unterschlupf für eine Kunstgalerie die ich dann lieber nicht betrete.

Die Fahrt durch den Ort also wieder mal erschreckend interessant.

Und mit ganz viel Phantasie kann man sich ins 19.JH zurück versetzen und eine blühende Enklave im sonst ausgebeuteten Afrika erkennen. Vergangenheitsbewältigung auf afrikanisch?

Ich hab genug gesehen und nehme die Schnellstraße zurück. Mich führt es noch einmal durch die Großstadt, aber mit Scheuklappen und Navi stur auf kürzestem Wege. Verkehr zum Nachmittag wie zu jeder anderen Tageszeit auch.

Der PickUp vor mir fast schon kunstvoll mit Kasavas bepackt und oben der dunkle Beriech ist das perfekt eingepasste Ersatzrad. Aber irgendwann bin ich fast durch und meinem nächsten Ziel nahe. Da pfeift es mal wieder vom Straßenrand. Man muss dazu erklären dass ich auf der linken und dritten Spur war und rechts am Rand die Bullen standen, mich natürlich als Opfer auswählten… Keine Chance und auch keine Lust mich jetzt noch schikanieren zu lassen. Mit gemütlichen 45km/h geht es also weiter bis mich doch ein Mofa mit aufgemalten Buchstaben Police zum halten zwingt. Ich habe sein Pfeifen nciht beachtet und nun mit einer Strafe zu rechnen. 25000 schreibt er handschriftlich auf eine art Quittung… ein Monatsgehalt für Geringverdiener. Es wird wieder ein längeres Spiel zwischen Dokumenten zeigen und Erklärungen, ich bin kooperativ aber habe meine Grenzen. Ich werde keinen Franc zahlen und frage ihn ob man so mit Touristen umgeht. Ob er ein Rassist sei und denkt dass ich für die Fehler der Weißen büßen müsste. Er soll von mir aus seinen Boss holen einen richtigen der sich ausweist, wen auch immer.

Sieg auf ganzer Linie, ich bekomme meine Dokumente zurück und werde freundlich verabschiedet… man kann es ja mal versuchen, gibt sicherlich genügend Touristen die sich hätten einschüchtern lassen.

Auch sowas gehört zum Abenteuer Afrika, die Elfenbeinküste nicht der Spitzenreiter für solche Vorfälle aber weit bis zur Poleposition ist es nicht. In der Summe wirft es nur ein ganz schlechtes Licht auf dieses Land was 2012 noch im Bürgerkrieg steckte und viele Uniformierte seither wohl immer noch etwas kämpfen wollen.

Für mich mal wieder ein Steinchen zur Meinungsbildung und zum Konsequenzen ziehen, ich habe meine Reiseroute nochmal überdacht und berichte demnächst. Zwei Punkte aber noch auf der Liste, der erste beginnt hier um die Ecke in Bingerville… andermal.

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