Die Lagunen der Elfenbeinküste

Der Küste Cote d’Ivoirs nach Osten folgend kommt man in der nach den vielen Lagunen benannten Region vorbei. Die erste die ich mir ansehen wollte war bei Fresco, hatte aber kaum zugängliche Stellen und so hielt ich im Ort nur zur Mittagspause bei üblichem Fufu mit Sauce und Fisch.

Meine Etappe am Nachmittag brachte mich noch bis Grand Lahou, wo ich mir am Übergang vom Bandama River zum Meer eine schöne Stelle erhoffte. Das wären zwar nur 150km seit meinem Start heute Morgen, doch wie im letzten Beitrag zu sehen geben die Straßenverhältnisse nicht mehr her. Außerdem gibt es mehr als genug Kontrollposten meist mit nervigen Uniformierten die eigentlich nur eines im Sinn haben, wie kann ich dem Weißen Geld abknöpfen. Das verringert weit meine Freude über dieses sonst so herzliche Land. Die Krone setzen am Ende meiner Etappe aber die Bullen im Ort auf die Spitze. An der unumgänglichen Kreuzung haben sie sich postiert und mich natürlich als Opfer rausgefischt. Papiere abfragen ist die erste, leichteste Übung. Als wenn mir das Sicherheit bringen würde, dass die immer und meist sogar alle paar Kilometer meine Daten sehen. Pass, Führerschein oder die Zolldokumente, einige wollen auch ins Auto schauen, was ich noch eher gegen Schmuggel etc. verstehe. Es würde auch nicht helfen Tourist auf Auto zu schreiben. Auf jeden Fall hat die Truppe sich hier gegen mich mit allen vorhandenen unterlagen verschworen und bemängelt nun dass das Motorrad vorne montiert ist. musste ja irgendwann mal soweit kommen. Die Erklärung aber der Witz schlechthin, es könne ja runterfallen und deshalb solle ich es wie alle anderen aufs Dach schnallen… Wie blöd muss man sein um solchen Mist auszusprechen. Klar ist ein Moped mit Gummizügen auf dem Dach ungefährlicher als ein fest verzurrtes am Rahmen fixiertes Bike in 50cm Höhe.

Naja, sie haben ihren Aufreißer gefunden und wollen 10.000cfa Höchststrafe, also knapp 18,-Euro Bußgeld dafür. Ruhig bleiben hilft hier nicht mehr, ich stehe schon ne halbe Stunde und diskutiere mit allen vergeblichen Argumenten. Wir einigen uns auf einen Kompromiss, der mich aber ne weitere halbe Stunde Arbeit kostet. Doch alles ist besser als korrupten Bullen Geld in den Rachen zu werfen. Es hat sich eine ordentliche Menschenmenge gebildet und mir bleibt also nix übrig als mein Moped hinten einzuladen.

Also Klappe auf, Moped ab und runter, Rampe nach hinten und das Ding mit Hilfe hinauf zu schieben. Neben dem Fahrrad wie zuletzt in Spanien steht also nun die Aprilia in meiner Küche. Super!
Aber was soll es und wie üblich kann ich später meist doch einen positiven Nutzen aus solchen Momenten herausnehmen. Ich fahre bis zum Ende der Straße und sehe vor mir die Lagune mit Sandstrand zum offenen Meer nur 500m weiter. Dahin fahren einige Boote als Personenfähre und ich beschließe morgen früh einen Ausflug zu machen. Die Walküre kann also sicher mit gut verstautem Motorrad im Inneren warten während Atlas und ich eine Bootstour unternehmen. Doch erstmal gab es am Abend kalte Küche, heißt Früchte bis zum Abwinken.

Der Nachtlagerplatz nur wenige Meter neben den Fähren kann ich am Abend die Füße im Wasser baumeln lassen und später sogar noch meine Wäsche waschen. Den Weg ins Bett übers Motorrad krabbelnd geht das auch schon mal, umpacken sinnlos, muss morgen nochmal durch die Stadt und will nicht erneut „erwischt“ werden.
Die ersten Boote nach dem Sonnenaufgang, mein Frühstück nehme ich mit, das gibt’s heute am sonst unerreichbaren Strand.

Auf der Lagune schwimmen je nach Gezeiten diese Inseln von Seelilien in die eine oder andere Richtung, tolles Schauspiel dass ich am Abend schon bewunderte. Das Boot passiert mittendrin noch die mit Urwald bewachsene Insel im Hintergrund.
Die Ufer mit Mangroven und diesen Wasserpflanzen voll.

Die Boote verkehren hier im Dreieck zwischen dem Anleger am Festland und den zwei Dörfern die sich beidseitig des Ausgangs der Lagune zum Meer entwickelt haben. Dabei ein Überblick der all meine Karten als falsch darstellt.

Mein Reisemobil steht am Ende der gelben Straße und das Boot fuhr mich direkt südlich auf die wie ich dachte östliche Ecke. jedoch hat sich vor 10Jahren schon die Natur Land zurück geholt und den Flusslauf verändert. Dabei sind einige Kolonialbauten des ehemaligen größeren Dorfes Lahou-Kpanda ins Meer gerissen worden. Hab mit einem älteren Ansässigen geredet und Bilder gezeigt bekommen. Der aktuelle Uferverlauf wie rot dargestellt.
Da stehe ich also am blauen Punkt und blicke auf die andere Seite und bin froh hier gelandet zu sein. Drüben von einem bis zum anderen Ende nur Dorf und dementsprechend keine Ruhe zu finden.

Mal wieder etwas aussagekräftiger in bewegten Bildern. Der Schweif vom offenen Meer im Süden über das Dorf auf der anderen Seite nach Nord zur Insel hinter der das Festland zu sehen ist.

Neben mir legen aber auch grad ein paar Fischer an und ziehen ihr Boot an Land. Der Strand dann von einigen im Salzwasser gestorbenen Wasserlilien die mit den Gezeiten aufs Meer und mit der Flut an Land gespült wurden.

Das Dorf auf dieser Seite ist ein weit ruhigerer Platz mit wenigen Hütten ohne sonstige Infrastruktur dazwischen. Strom braucht man keinen, Wasser wird mit den Fähren von der anderen Seite geholt und Brennholt anscheinend auch.

Ansonsten haben die Hütten meist geflochtene Palmenzäune und außerhalb sowas wie gemeinschaftliche schattige Arbeitsplätze für Fischer etc.

Der größte dieser Plätze ist gleichzeitig der Sammelplatz für alle die mit der nächsten Fähre rüber wollen. links sieht man die Insel und gerade aus das Festland.

Ich hatte zwei ruhige Stunden und alles gesehen, der Strand in eine Richtung wäre endlos und würde mich bis nach Abidjan führen. Es kommen anscheinend noch einige Hotelanlagen, die iohre Gäste dann auch mit Fähren im Ort vorher abholen, paradiesischer kann man sich Urlaub unter Plamen auch nicht vorstellen.

Bei dieser Wanderung habe ich auch den alten Arm der früheren Flußmündung ins Meer entdeckt. Der Strand hier knapp 50m breit und in den letzten Jahren hat mal jemand Kokospalmen gepflanzt um nicht erneut einen Wechsel befürchten zu müssen.

Die Rückfahrt dann wieder mit den üblichen Passagieren und für jeweils eine Gebühr von 500cfa also unter einem Euro sicherlich überteuert, für mich aber den Ausflug wert gewesen.

Truck ist abfahrbereit, auf zur nächsten Etappe wieder vorbei durch die Stadt in der heute keine Bullen warten. neuer Tag, neue Etappe und die Hauptstadt rückt immer näher. Hab aber heute noch keinen Bock auf Großstadt und will das gleich morgens und erholt angehen. heute also letzten Stop strategisch günstig finden, iOverlander hilft und zeigt Parken unter Kokospalmen.
Hinter der Stadt Songon führt eine Brücke über den Teil der Lagune die hier echt gigantisch breit die Küste vom Festland trennt. Die letzten Meter entlang der Hauptstraße schon ein Albtraum, da nur noch Plantagen zu beiden Seiten zu sehen sind. Wenn nicht schon ausgewachsen, dann gerade neu am entstehen…

So wundert mich es auch kein Stück, dass die idyllische Umschreibung unter Palmen dann auch so aussehen kann.

Wenn auch recht abgeschieden und ruhig, stelle ich mir das doch anders vor und nicht eine Plantage von Kokos direkt am Meer. Doch für heutige Zwecke völlgi ausreichend und ein passender Stellplatz ist gefunden, keine lose nuss direkt überm Dach, sind schon Leute von erschlagen worden!

Am Strand sehe ich dann rund 500m weiter eine Menschentraube um ein Boot stelzen. Der ist wohl grad gelandet, da gibt’s Fisch, perfekt. hab auf den letzten Metern heute keinen gefunden und wollte den nicht den ganzen Tag mit mir rum schleppen und früher kaufen. Der Zufall also mit mir.
Ich hab keine Fotos von der Aktion an sich, das Boot wurde an den Strand gefahren und ausgeladen, später etwas weiter draußen geankert. Der Fang ist zwischen den ersten Reihen schattenspendender Palmen auf dem Boden ausgebreitet. Bergeweise Fisch, es war ein großes Boot. Die einheimischen beginnen zu sortieren und feilschen, jeder bekommt seinen Anteil, der Rest kann verkauft werden. ich hab Zeit und halte mich etwas abseits, bin aber natürlich bemerkt und frage mich nach dem Boss durch. Nett und zuvorkommend willkommen geheißen solle ich mir was aussuchen. Hab mein Grillrost dabei und wäre mit einem Fisch mittlerer Größe für 500cfa völlig zufrieden. Einen zweiten bekomme ich als Zugabe geschenkt. und die Krone obendrauf, da Atlas sich grad über die Reste am Strand her macht noch einen für meinen Hund, vielen lieben Dank, ein Festmahl wartet heute auf uns. Die drei Fische aus dem letzten Blog also zubereitet:

So habe ich also einen entspannten Abend und packe wieder mein Motorrad nach vorne, schuppe und nehme die Fische aus, starte den Grill und finde mich auch in der Lage mal einen zu filetieren. Wenn es schief gegangen wäre mehr für Atlas, so aber in der Pfanne perfekt und der schwarz-weiße ist mit drei Fischköpfen und einigen Flossen und Gräten sowie den Innereien sehr zufrieden. Und ich weiß nun auch, dass drei mittlere, also knapp 1,5Kilo Fisch mein Limit sind. Die Grillbanane war eher zum nachstopfen falls ich doch ne Gräte übersehe, hälfte ging auch an Atlas… Ein Festmahl für 85ct.

Der Platz also annehmbar und aus entsprechendem Winkel betrachtet doch irgendwie schön. Die Nacht war ruhig, seit den vorbeiziehenden Kühen am Abend gab es nix aufregendes und nur die ein oder andere Nuss fiel in der Umgebung zu Boden, wurde von mir natürlich am Morgen eingesammelt 🙂

Auf zur nächsten Etappe… im nächsten Blog.

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