on the road again, Ivory Coast Highway

Genug Urlaub gehabt, mich packt erneut das Fernweh. Die letzten Tage schon hat sich leichtes Kribbeln eingestellt und eigentlich wäre ich schon weg gewesen. Doch dann hatte sich der Gegenbesuch vom Kanuausflug angekündigt wie im letzten Bericht zu lesen. Der ideale Zeitpunkt doch noch die ein oder andere Kleinigkeit an der WALKÜRE zu vollenden. Meine Suche nach Stoff mit afrikanischem Muster war final erfolgreich, wenn auch die Dimensionen nicht passend schienen. Also muss wieder ein tapferes Schneiderlein her und mit Fabrice, dem Bruder vom Angestellten hier, der uns auch zum Dorfchef begleitet hatte wusste ich also an wen zu wenden. Im Nachbardorf also ein Abstecher zum Schneidern. Dieser Beruf wie in Afrika üblich meist, wenn nicht durchweg von Männern ausgeführt. Er hat sein Atelier neben der strohgedeckten Lehmhütte unter einer erweiterten Veranda mit Stampfboden. Leider kein Foto davon, aber die Maschine uralt wenn auch keine Singer und der Riemenbetrieb per Fuß bewegt. Die Koordination zwischen Hand und Fuß braucht ne Weile Übung um gleichmäßige Nähte hin zu bekommen. Seine sonst üblichen Aufgaben hier sind Reparaturen und Kleider, Hosen und Hemden erschaffen. Die Muster dazu hat er soweit im Kopf, der Rest wird individuell auf den Kunden geschneidert, er macht das schon seit fast 20Jahren.

Mein riesiges Stück irgendwann auch perfekt und nach einer Stunde meinen Vorstellungen entsprechend. Alle vier Seiten umgebördelt und dazu noch seitlich zwei Elemente zur Verbreiterung angesetzt, ca 12m Nähte und einige davon doppelt. Das Ergebnis: mein fertiger, angetackerter Himmel.

Die Korkisolierung am Dach (die echt effektiv ist) also endlich verdeckt und vom Material in diesem Muster hab ich noch genug um später weiter kreativ zu werden. Das war aber noch nicht alles an Pflege am Mercedes. Ein lange überfälliger schleichender Platten am Vorderrad wurde im nächsten Ort behoben und ich hab mir die Mühe gemacht meine Holzwände mal wieder einzuölen, stilecht mit Kokosöl vom Markt, wahrscheinlich von Nüssen aus der Region. Dazu den ganzen Staub runtergebürstet und sogar feucht gewaschen. Autowaschen ist sonst echt nicht mein Ding denn ehrliche Patina braucht seine Zeit, aber Holz ebenso Nahrung und die trockene Hitze der Sahara hat einiges angerichtet. Die Spalten der Nut-Federbretter waren schon arg groß geworden. Nun mit dem neuen Öl und der Luftfeuchte des Regenwaldes hat sich echt alles wieder soweit ausgedehnt.

Das Reisemobil mal wieder kompakt und zusammengesteckt bereit zur Abfahrt.

Die letzte Nacht war eine unruhige, es fing kurz nach Mitternacht mit heftigem Regen an. Zum Glück hatte ich das Zelt vorne schon eingehakt und konnte die letzten drei Meter Seitenwände schnell und von Innen anbringen, sodass alles trocken blieb. Eine echt geniale Konstruktion, großen Dank nochmal an meinen marokkanischen Schneider der mir in Dakhla bei der Umsetzung auch dieser Idee aus dem Airtex Stoff half. Darf ich mich denn jetzt auch Dachzeltnomade nennen?

Trocken war alles schon wieder zwei Stunden nach Sonnenaufgang und der weinende Himmel zum Abschied hat sich auch wieder beruhigt. Nach dem Packen ging es nochmal ins Meer und dann der Abschied. Etwas lustiger und arbeitsreicher als gewollt, denn der harte feuchte Untergrund nur an der Oberfläche und ich fand beim Wenden eine Stelle um mich fest zu fahren…

Ich muss unbedingt die Sandbleche kürzen und am Anfang etwas mit Relief versehen, passen so nicht zwischen den Radstand und bei feuchten Verhältnissen eine Rutschbahn und nix geht. Aber mit einer nicht zu sehenden Pause von 30Minuten im nächsten Video verlasse ich also mein Urlaubsparadies doch noch. Erst weint der Himmel und dann weigert sich die Walküre den Strand zu verlassen, ich verspreche neue Abenteuer, alles wird gut!

Die Strecke führt mich ein letztes Mal durch Grand Bereby und dann zurück auf die sehr schlechte Küstenstraße vorbei an der Großstadt San Pedro. Kein Verlangen dort zu halten. Der nächste Ort aber Sassandra soll sehenswert sein. Ist eh schon wieder Nachmittag und wenn sich was bietet bleibe ich. Erster Stop Hafen, Verlangen nach Fisch fürs Abendessen, gab nix zum Mittag.

Der Hafen mal wieder eine Ruine, die aber immerhin (hoffentlich) demnächst eine neue Fischhalle bekommen wird, falls der Rohbau nicht wie üblich eine Ruine werden wird. Wie gesagt mit Nachhaltigkeit haben es die Afrikaner nicht so. Der ehemalige Kay ebenfalls eingefallen und komplett verrostet, die wenigen übrigen Kolonialbauten auch nicht mehr als solche zu erkennen. Fischer stranden jetzt wieder wie im Mittelalter am Strand.

Das sortieren und anbieten geht dann auch direkt dort von Statten, frischer geht nicht. Die großen Kähne halten nur kurz um Behälter entgegen zu nehmen die später durchs Wasser getragen werden.

Die kleinen Bote hingegen fahren an Land und werden gezogen. Hier mal eine Ausbeute an Deck.

Das Angebot ist wie üblich groß und ich bekomme was passendes. Sollte eigentlich niemand leer ausgehen hier.

Und die ganz kleinen Dinger werden im Paket verkauft. Gehen dann zum räuchern und trocknen ihre Reise auf Karren an.

Das Stadtzentrum ist nur 150m entfernt, reicht also. Für alle anderen Transporte der übliche Bus… und der folgende zwar kein Vorzeigeobjekt aber guter Durchschnitt. Normalerweise nur bunter gezeichnet.

Er läuft sich schon mal warm, hustet und spuckt, aber tut seinen Dienst mit recht martialischer Optik wie ich finde. Fenster sind überbewertet und Ladung aufs Dach, wenn auch bei uns schweres nach unten gelehrt wird. Da hat sich locker schon ne Tonne versammelt.
Hier in der Nähe werde ich nicht mit einem Schlafplatz fündig. Das Zentrum von Bergen eingerahmt, ich mache mich über den westlichen weg um an den anderen Strand zu kommen. Fast schon ohne Hoffnung, da ringsum alles bewohnt ist. Doch da sehe ich eine Einfahrt mit offenem Tor die nicht zu nem Grundstück führt. Der sandige Weg geht abwärts und das für ne ganze Weile mit recht vielen und großen Spuren versehen. Ich hab da so ne Ahnung und liege richtig. Am Ende wird direkt am Strand Sand zum Bauen mit LKW geholt. Und die machen irgendwann Feierabend und man hat seine Ruhe, außerdem führt der Weg noch weit genug weiter um eine idyllische Ecke zu finden.

Das Wetter heute diesig, die Reste des nächtlichen Regens werden wohl wieder in den Himmel gesogen. Es ist aber viel wärmer und natürlich schwüler als es auf dem Foto aussieht. Baden mal wieder nötig, keiner da, nackt geht also wieder. Auch Atlas darf sich wie gewohnt frei bewegen.

Ich hab also meinen Grill angeschmissen und bin zufrieden mit der Tagesetappe, vom Strand an den Strand, was will ich meckern. Das eine Ende sehe ich am Hügel westlich, das andere hinter Steinen im Osten, das schau ich mir am nächsten Morgen genauer an.

Und ich glaube wenn man Zeit und Muße hätte kann man bis zum Fischerstrand nach Sassandra um den Berg herum laufen. Jedoch lasse ich mein Heim nicht solange alleine und will heute auch weiter. Ein Video zum bewegten Eindruck der Region:

Wieder zurück aus der Sackgasse Stadt auf die Küstenstraße die hier nun ein wahrer Schlagloch-Albtraum ist. Aber es wird Besserung versprochen. Löcher werden zugeschüttet und die ausgefransten Ränder begradigt. Jedoch nicht wie bei uns mit Asphalt oder Bitumen, nein feste Erde wird drüber geschüttet und platt gewalzt. heißt auch dass man erst ne ganze Weile Slalom um die Berge fahren muss die die LKW schon abgeladen haben bevor die Walze da ist… Ergebnis immerhin mit meiner Reisegeschwindigkeit vereinbar.

Das Ergebnis und deren Haltbarkeit kann man sich vorstellen, nicht aber jedoch was die Auswirkungen bei Regen bringen. Soviel zum Thema Autowaschen… sinnlos und deshalb sowieso abgelehnt. Welcome to Africa.

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