Bei Man im Westen der Elfenbeinküste das erste Stück Regenwald

Es wurde also eine weitere Nacht im langsam dichter werdenden Dickicht der Sahelzone fast schon trockener Regenwald zwischen Mali und Ivory Coast. Die Piste breiter und besser, trotzdem hat man nach 250km von Bougouni bis voraussichtlich dem ersten Asphalt in Odienne gestrichen die Schnauze voll von Staub und Schlaglöchern. Man übersieht trotzdem mal das eine oder andere wo selbst 25km/h zu viel sind und die WALKÜRE muss harte Schläge einstecken, sorry mein Mädchen, du bist stark.
Das Frühstück hab ich dann sogar während der Fahrt immer mal per Löffel genossen. Meine vorerst letzte Melone wie sich herausstellen sollte, aber es kommen andere Dinge auf den Speiseplan.

Fast geschafft und ich passiere Orte wie Sanaferedougou oder noch etwas größer Samatiguila. Hier sogar schon ein Stück echte Straße, die zumindest das Zentrum frei vom Staub der vorbeifahrenden LKW zur China Fabrik oder was auch immer etwas nördlich liegt, fern hält.

Ganz lustig zu erwähnen, mitten im Dorfkern wo ich kein Foto von habe waren hunderte Menschen mit Besen (also 50cm langen Palmwedeln) in gebeugter Haltung und haben die Straße gefegt. Alles von einem Polizisten überwacht der den „Verkehr“ regelte und mich während der Wartezeit mit einem netten Plausch unterhielt.

Am Ortsausgang dann wieder der abrupte Wechsel auf rote Erde. Und ich hab nen LKW vor mir den ich schnell überholen muss.

Es sieht so aus als wolle man die A7, ja die Piste heißt wie eine deutsche Autobahn, in die Zukunft bringen und rodet dafür schon anständig die angrenzenden Bereiche.

Und endlich erreiche ich Odienne und finde eine dreckige überfüllte Kleinstadt vor. Keine schattenspendenden Bäume wo ich in Ruhe parken könnte, also verschiebe ich die Beschaffung der Zolldokumente auf die nächste noch größere Stadt und mache mich somit auf die nächste Etappe nach Man, etwas nasal am Ende ausgesprochen, eher wie Mong.

Richtig glatter Untergrund und sehr wenig Schlaglöcher, immer noch die A7 und hier eine echte Nationalstraße mit Fernbusverkehr und allem was man sich so denkt. Man sieht es, die Vegetation wird dichter, kein Flecken unbewachsen wenn auch das mannshohe Gras furztrocken. Es ist bald wieder so weit und ich muss mich nach nem Schlafplatz umsehen, schwierige Aufgabe wie sich heraus stellt. Mein Weg aus dem Nachtlager dann mal abgefilmt. Ist nicht einfach eine ruhige Stelle zu finden die trotzdem befahrbar ist, warum auch sollte jemand sich die Arbeit machen eine Schneise zu schlagen und dann am Ende nicht zu wohnen? Hier war es wohl ein Arbeitsplatz der nem Steinbruch ähnelte.

Ich hab es am Vortag noch bis hinter Touba geschafft. Nahe der Grenze zu Guinea und überhaupt entlang der Strecke immer wieder Kontrollposten die aber mit normalem afrikanischem Eifer Papiere oder ab und an das Innere des Reisemobils sehen wollen. Man kommt also auch nicht schneller voran.

In Touba hab ich dann erstmal gut eingekauft. Papaya, Ananas und Bananen günstig und frisch wie nie zuvor im Leben. Auch war ich noch nie südlicher wenn ich auf der Karte mit Conakry und Djibouti vergleiche. Ich bin auch wieder erreichbar und hab Internet auf dem Telefon. Zusammen mit vier Jungs am Straßenrand dann für 3000,-cfa also 5,- ne Karte mit 8GB. Das funktioniert hier so: Man kauft ne Karte für 500cfa und guckt ob die funktioniert, also das 3G angezeigt wird. Dann lädt der „Verkäufer“ über sein Telefon Guthaben auf deine Nummer. Mit diesem musst du dann über Codes in ein Menü um dein Paket zu buchen. Nicht einfach, denn hier kann sich die Telefonindustrie noch mit Bonus und Zusatzangeboten austoben und einige gelten nur Tage oder wochenweise, also nicht sehr übersichtlich. Aber ich bin wieder online, wenn auch nach
meiner Rechnung 1450 + 200% keine 8000 ergeben.

Ansonsten sieht die Elfenbeinküste anders aus, es gibt keine Rundhütten mehr, in den Dörfern baut man richtige Häuser und auf dem abgelegenen Land ebenfalls rechteckig aus Bambusrohr mit Lehm ummauert. Dächer meist Wellblech, selten Schilf oder Palmblatt. Es gibt neben Hühnern und Enten auch Schweine zu sehen und der Seitenstreifen der Asphaltstraße wird zum Trocknen aller möglicher Dinge inklusive frischer Wäsche benutzt. Das sollte man mal an einer deutschen Bundesstraße probieren. Ansonsten keine Baumwolle mehr, hier der letzte Laster der mit Berg und stampfen beladen wird.

Ich kriege es irgendwie nicht mehr ganz zusammen, hab vor Man aber nochmal einen Übernachtungsplatz eingelegt. Der über eine sehr unwegsame nicht für Fahrzeuge gedachte Zufahrt auf ein großes Plateau aus roter fester Erde bestand. Entweder Lagerplatz oder Abbauort für den Untergrund der Pisten. Sehr ruhig und abgelegen da ich einen Defekt am Fahrzeug zu vermelden habe und erstmal nach Ersatzteilen im Keller nachschauen muss.

Nicht so schlimm, die Piste hat mich eine Stabilisatorlagerung an der Vorderachse gekostet. Die Gummis waren zwar neu, aber gegen Totalverlust durch verrutschte Briede ist halt nix zu machen ausser ersetzen. Die letzten Kilometer hatte ich schon ein schwammiges Gefühl, war aber zu weit um die Stahlplatte zu suchen die ebenfalls abhanden gekommen ist. Gummi kann ich leicht ersetzen, alles wichtige dabei.

Und wenn schonmal in den Tiefen des Kellers hab ich auch die Snackbox geöffnet und mal ein paar Nüsse und Müsliriegel raufgeholt. Herrlich wenn man nach einigen Monaten mal wieder „shoppen“ kann. Wohlgemerkt sind das alles Dinge die ich im Sommer in der Heimat „recycled“ habe also Funde vom dumpstern mit abgelaufenen MHD die es noch bis Afrika geschafft haben 🙂

Nur Teile aus der nächsten Kiste wurden gezielt gekauft, da wäre seit langem mal wieder eine Marmelade und ein Pesto kann auch nicht schaden.

Der Cidre in der Sektflasche ist noch vom Ticketkauf bei Carlos, sollte eigentlich Silvester geleert werden, hab ich aber irgendwie verpasst. Und der Wein, nunja, der reist schon ne Weile mit, auf der ersten Tour 2014 in Marsala/Sizilien Italien gekauft… stand dann ewig im Garten rum und wartet auf den richtigen Moment…
So ist das mit Dingen die Andere wahrscheinlich nicht verstehen. Ich genieße das Leben generell und erinnere mich gerne an besondere Momente. Dieser Platz hier zum Beispiel, wenn auch recht unscheinbar hat sowas in meinem Kopf fest gemeißelt.

In der Dämmerung am Abend (Foto ist vom Morgen) hatte ich leider keinen Apparat zur Hand. Es umschwirrten mich mehrere Runden in 10-50m Entfernung zwei Vögel, völlig lautlos mit sehr wenigen Flügelschlägen. Beide der gleichen Gattung groß wie eine Amsel und relativ farblos oder dunkel in der Erscheinung. Wahrscheinlich Männchen und Weibchen, denn einer davon mit einer Pracht die ich noch nirgends gesehen habe. Wie zwei zusätzliche Flügel erhoben sich Federn die ca 1,5x so lang waren wie der Körper selbst um am Ende aufgefächert wie Ruder nach oben zeigten. Der Ursprung könnte der Kopf gewesen sein, tippe aber eher auf den Rumpf, da die mal nach oben und mal seitlich weg standen. Die Recherche und Umfragen hat bisher nix ergeben, Paradiesvogel oder Wundersylphe kommen dem noch am Nächsten. Wie gesagt einzigartiger Moment.

Die weitere Strecke dann bis Man immer grüner und zunehmend auch hügeliger am Sraßenrand. Die Region hier mit etlichen Bergkuppen auch berühmt für sogar einige Felsen. Und bemerkenswert die gigantischen Bäume überall.

Was ich noch interessant finde, dass viele vereinzelte oder auch in Gruppen liegende Gräber den Straßenrand säumen. Friedhofskultur mal anders und immerhin entlang des Weges und nicht mitten im Dschungel meist ganzjährig zugänglich.

Ich erreiche den Ort und finde dort in einer Werkstatt/Schrottplatz ein annehmbares Stück Metall welches demnächst also mein Gummilager an der Vorderachse in Position halten wird. Außerdem kaufe ich Obst, und fühle mich fast schon als hätte ich jemanden ausgeraubt. 20 Minibananen 100cfa also 17ct und die Papaya und Ananas jeweils um 250. Die großen gelben Dinger sind stärkehaltige Kochbananen die aber in reifem Zustand auch roh gegessen werden können, alles zusammen keine 2,-€ und genug für einige Obstsalate.

Noch nicht auf dem Bild und später noch überall zu finden Avocados und damit meine Frühstück perfekt. Jeden Morgen also wieder frisches Obst in eigener Schale.

Ich steuere die Caskaden von Man an, etwas westlich der Stadt und an einem kleinen Weg gelegen. Natürlich lauern hier mehr als genug Taugenichtse die sich Geld „verdienen“ wollen. Dass 500cfa Eintritt für die Wasserfälle und etwas zum Parken fällig werden ist mir schon bewusst. Bei dreisten Versuchen mich aber um 10.000 cfa zu erleichtern kann ich nur laut lachen. Der Parkplatz außerdem ein betonierter Platz ohne Schatten und mit am Wochenende zu viel Verkehr für meinen Geschmack. Ein Kerl mit Schildchen am Hals stellt sich mir als Chef des Dorfes vor und geht auf meinen Wunsch ein, etwas weiter oben am Weg mir einen abgelegenen Platz zu suchen. Wir werden fündig und uns auch einig. Er bekommt den Eintritt für die Sehenswürdigkeit und weitere 500 zum Übernachten außerdem eine Warnweste von mir damit er noch Wichtiger aussieht.

StellplatzStellplatz

Alles andere als eben aber trotzdem stabil steht die Walküre also am Wegesrand mit losem Stabi an der Vorderachse und leicht verschränkten Rädern. Hinten genug Platz für die Terrasse und oben zum Dach aufstellen. Hier bleibe ich. Was an Verkehr an mir vorbei fährt sind meist Einheimische auf Rollern, bergab gerne auch ausgeschaltet um Sprit zu sparen. Einige Fußgänger die von den wenigen Feldern auf den Hügeln kommen. Darunter später auch ein netter alter Mann mit ner Schaar Enkeln. Ihm gehört das Stückchen Land an dessen Zuweg ich stehe, geht aber alles in Ordnung so. Er muss mehr als lächeln, als ich ihm erzählte dass ich nicht um eine Gebühr herum kam. Er baut oben Kaffee sowie Wurzelgemüse an und hat auch Mangobäume dort. Sein Vater hat im Krieg für Frankreich gekämpft und sich danach wieder hier niedergelassen. Aus dieser Zeit wahrscheinlich auch noch die Schubkarre die komplett aus Metal und Vollgummi schon mehrfach repariert wurde.

Ich war grad am Kochen und und er kennt auch Süßkartoffeln, gibt es hier aber nicht. Und die Chips die ich daraus gemacht habe haben gemundet. Er bekam als Dank noch eine große Knolle von mir und ich hatte sonst noch einige interessierte Besucher am Haus im Wald.

Mein Plan sah vor am nächsten Morgen mit dem Fahrrad den Berg hinauf zu fahren. Vorher aber kam noch ein Auto und hielt direkt bei mir. Netter Kerl mit Fahrer vom Amt für Naturschutz sozusagen. Ich dürfe hier nicht stehen, der Bereich ist geschützt. Soviel also zu dem Abzocker vorher, erzählte das blaue vom Himmel, Chef vom Dorf… Felder von seinem Opa… hat ja der echte Alte korrigiert und dann mich auf einen Platz verwiesen wo ich nicht stehen dürfte… Ich entschuldige mich und erzähle die Geschichte und hab heute Abend keine andere Alternative. Er will wissen wie dieser Augusto aussieht und findet ihn hoffentlich in seiner neuen gelben Weste. Ich darf auf jeden Fall bleiben.

Es war eine recht milde, fast schon schwüle Nacht und die Luftfeuchte hier im Wald war spürbar. Der Ausflug am Morgen dann eine sportliche Leistung wenn auch die Sonne noch nicht richtig am Himmel stand. Locker eine Stunde braucht sie auf jeden Fall um sich durch die Dunstschwaden zu kämpfen, warm und drückend ist es aber doch recht schnell.
Der Ausblick von weiter oben dann gigantisch. Bewaldete Hügel und immer wieder herausragend große Bäume. So stellte ich mir den Regenwald vor, ich bin angekommen. Hier mal etwas Fernsehen dazu.

Ich wollte eigentlich bis zum nächsten Gipfel, dort jedoch ne Funkstation, wahrscheinlich abgesperrt und außerdem hätte ich einen mühsam erklommenen Berg wieder per Abfahrt hinter mir lassen müssen um auf den Rückweg erneute Strapazen auf mich zu nehmen, nein Danke. Kräfte sparen, ich hab da später noch was vor. Man im zentralen Westen der Elfenbeinküste ein paradiesisches Revier.

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