Mauretaniens Süden am Senegal, raus aus der Wüste

Die Hauptstadt und seine dreckigen Seiten ließ ich hinter mir. War am Montag nur “schnell” in der Botschaft von Mali und hab auch mal in der deutschen Hallo gesagt. Geld wechseln stand noch auf der Agenda, was in NKC gar nicht so einfach ist. Also irgendwie ein erfolgreicher Tag und wieder raus aus der Stadt. Ganz schlimm ist es im Süden in Richtung Meer. Der Strand nördlich des Fischhafens war dagegen noch das reinste Paradies, hier aber weht der Wind den Müll der hinter die letzten Wohngebiete gekippt wurde überall hin. Und das in Ausmaßen die man sich nur bei einer Millionenstadt die sie nunmal ist denken kann. Wie ich erfahren habe gibt es eine Müllabfuhr die per LKWs in eine Deponie östlich der Stadt also in die Wüste schaffen, der Rest hier also “illegal” entsorgt. Dann folgen die Zementwerke und der Containerhafen am südwestlichen Ende, Industriegebiete wenn auch nicht annähernd so strukturiert wie man sich das vorstellt. Container werden auf die gleichen alten Mercedes Laster mit Flachbett verladen die hier alles bewegen, Transporter karren Haufenweise Arbeiter an, grauer Betonstaub liegt überall. Genug gesehen.

Für mich heißt es heute in Richtung Grenze zum Senegal fahren. Einmal bin ich ja schon über Diama ins Land eingereist. Will nun zumindest Rosso die andere Alternative mal sehen. Man hört ja immer Horrorgeschichten wie die Abfertigung an einer der korruptesten Grenzen von statten geht. Ab Rosso soll mich dann ein Weg parallel zum Senegal Fluss nach Osten führen.
Manchmal ist der Straßenbelag erneuert, da können höhere Geschwindigkeiten gefahren werden und Warnschilder mit heimischem Charackter stehen am Rand.

Landestypischer geht es kaum mit Eselskarren und PickUp… Der Typ mit Hut hätte nur nen Turban tragen müssen. Es gibt nur vereinzelt unbedeutende Ortschaften die nicht zum anhalten einladen, jedoch hab ich den ersten Bruder der WALKÜRE am Straßenrand entdeckt und will mal genauer gucken.

Es werden Zementsäcke und Steine verladen, wahrscheinlich bis der Laderaum voll ist und nicht was per Zuladung machbar ist. Immerhin auch di schwere Ausführung mit recht passabler Technik, scheint noch nicht all zu lange im Einsatz zu sein.
Neben den üblichen Shops am Straßenrand und der vermüllten und versandeten engen Straße dazwischen auch das gewohnte Bild nur wenige Meter weiter. Warum sich auch Mühe machen wenn es überall so aussieht, dieses Stück Land nutzt anscheinend niemand… oder alle.

Die Strecke hier runter wieder sehr spärlich befahren, Straßenschäden an der Tagesordnung, das neue Stück war nur kurz. Vorsicht also geboten. Man fährt Slalom um Schlaglöcher … oder muss halt mit den Konsequenzen rechnen.

Der Wagen vor mir war ein Bremer Transporter, und hörte sich schon an als wenn der Auspuff keine Funktion mehr hat, nun ist er eben weg, wen störts… Es folgt die Abzweigung nach Diama, die zum Damm und durch den Nationalpark führt. Sehr staubige und rüttelige Angelegenheit. Ich fahre links und betrete endlich wieder Neuland.

Erstaunen regt sich wenig später, kaum vorstellbar wie sich das Bild wandelt.

Bester Asphalt, gesäumt von dichter Vegetation, bin ich wirklich noch in Mauretanien? Der nahe Strom hat echt positiven Einfluss auf diese Region. Und da endlich die erste Palme, die nicht halb vertrocknete Dattel ist, da muss ich anhalten. Herrliches Ensemble.

Die letzten Kilometer vor Rosso werde ich dann wieder aus meinem Traum gerissen. Alles beim Alten. Staub, Dreck und schlechte Straßen. Rosso ist sowohl Name der Stadt auf hiesiger Seite und auch die auf der des Senegal heißt so, per Fähre verbunden ist der Fluss die natürliche Grenze, Abfertigung an beiden Häfen, will ich mal gesehen haben. Man kommt mit dem Ende dieser Straße direkt darauf zu. Eine Lastwagenschlange und weiter vorne diverse KFZ, jeder denkt ich will rüber und beim Stop an der letzten Tankstelle ist es ein Spießrutenlauf mit Schleppern, Händlern, Helfern und Versicherungsvertretern. Außerdem will jeder mein Motorrad oder sogar den Truck kaufen, sogar in Euro bezahlen, Geld muss es also geben. Ich erkläre dass ich nur gucken will und hab bald Ruhe, parke irgendwo und gehe zu Fuß weiter. Hinter dem Tor ist es dann ruhiger, gerade auch Mittagspause.

In den Hafen komme ich nur nach mehrmaligem fragen, will nur ein Foto der Boote machen und bin dann wieder weg. Unglaublich, denn diese kleinen Kähne sind der Weg über den Senegal. Bis zu drei LKW sollen da drauf wie ich mir sagen ließ.

Rosso gilt als Zweitgrößte Stadt in Mauretanien, kaum zu glauben aber Atar ist auch nicht größer. Wenn es so ist, wohl die einzige zweitgrößte eines Landes ohne ordentliche Straße. Die Hauptstraße die weiter nach Osten führt sieht auf jeden Fall so aus.

Eigentlich dreht sich in den nächsten Querstraßen alles nur um Handel. Dabei gibt es nix besonderes, Üblicher Plastikschund und Nahrungsmittel wie gewohnt. Nur auffallend viel Reis wird hier umgeschlagen. Es gibt eine Armee von Frauen die Reis sieben und damit wohl in höhere Qualität umwandeln. Reis soll hier unten im Süden angebaut werden.

Je weiter man von der Hauptstraße weg kommt um so kleiner werden die Wege, je enger wird der Markt. Da Wohnhäuser fehlen und die Gebäude nur ein Erdgeschoss haben ist das wohl der größte Markt den ich je gesehen habe. Selbst in Marrakesch wohnen Menschen dazwischen. Hier sieht man auch die Kids im Bild, die Bevölkerung ist überwiegend schwarz.

Ich hab ein paar Sachen aufgestockt und bin wieder unterwegs. Schnell wandelt sich das Bild hinter der Stadt. Die Route auf einem kleinen Damm, beidseitig mit Feldern umgeben. Atlas freut sich schon drauf.

Es ist zwar gekappt und vertrocknet, wird also als Heu im restlichen Land vertrieben, aber immerhin Natur. Stroh und Heu sind hier ein großer Wirtschaftszweig für die Viecher in Mauretanien. Meiner Meinung nach viel zu viele für dieses karge Land und deshalb hat auch nix ne Chance zu wachsen, aber so ist es und wird sich nicht ändern. Zufüttern können sich die wenigsten leisten. Der Transport ist auch teuer.

Schon lustig wie der Laster mit hinten hängenden Säcken ans Maximum beladen wird. Ich bin dann lieber mal zur Seite gefahren als mir das Monstrum entgegen kam. War übrigens noch auf dem Weg zur Hauptstadt hin.

Die Felder meist durch Pumpen bewässert die Gräben befüllen, deshalb diese Segmentierung im Bild mit Atlas. Macht natürlich die ganze Bearbeitung kompliziert, da Wege dazwischen fehlen und auch große Maschinen nicht helfen können. Der Ansatz war irgendwann mal da…

Da fragt man sich manchmal wie fortschrittlich war das Land, oder hätte es werden können und warum ist es gescheitert. Und das ist nicht die einzige Feldmaschine die ungenutzt rum steht. Hat man hier wenigstens die demontierten Teile genutzt um eine andere wieder flott zu machen oder liegt das auch irgendwo auf Halde bis es nix mehr taugt?

Weiter geht’s mit Problem zwei… keine Wege zwischen den Feldern, alles bewegt sich auf der Straße und das ist ne Menge. Meist Vieh, hier mal eine Herde von vielen.

Der Fluss also zu meiner Rechten mit verschiedenen Nebenarmen zur Bewässerung der Felder in der Nähe genutzt. Die direkten Meter daneben dann von Kleinbauern in Beschlag genommen und bisher hatte ich keine Chance auf ein Rankommen. Erst als die Straße etwas weg führt und an einem Nebenfluss ein zugängliches Stück frei wurde hatte ich meinen Pausenplatz gefunden.

Das Ufer hier von Schilf befreit damit man (Vieh) ans Wasser gelangen kann ohne direkt im Schlamm zu versinken. Die Fotos zwar etwas diesig, aber das liegt am aufziehenden Sand in der Luft, es braut sich wohl ein Sturm zusammen. Bringt dem ganzen Ambiente hier eine noch mystischere Erscheinung, dazu noch eine Ruhe…

Ich kann die Natur hören. Endlich wieder Grillen, Frösche, Vögel und alles ungewohnte Geräusche – Afrika
Ich hab also mein Heim aufgebaut, hier bleibe ich, sitze mit dem Fernglas auf der Terrasse. Ein Traum für jedes Teleobjektiv an einer Kamera, was mir fehlt, deshalb muss ich das gesehene in Worte fassen. Ich beobachte Vögel, reiherartige in grau oder komplett weiß, Schwalben aber filigraner mit langen Federn, und auch längeren Flügeln zum Körper gesehen. Flugmanöver als wäre ein Anfänger hinterm Steuerknüppel, abgehakt und schlenkernd, beim Beute verfolgen?

Dann sehe ich, wie heißen die, Eisvögel? die in der Luft stehen und dann ins Wasser tauchen. Aber nicht so bunt wie aus der Bierwerbung, weiß, blau gecheckt, Schnabel doppelt so lang wie der Kopf, nicht grad zielsicher, aber hartnäckig, ist mehrfach hintereinander direkt ins Wasser getaucht. Flapp Flapp flapp trotzdem ohne Erfolg. Sitzt nun auf nem einzelnen Halm Schilfgras und schaut ins Wasser und kümmert sich nebenbei ums Gefieder. Die Sonne wie erwähnt nicht richtig da, bedeckt aber nicht durch Wolken.

An ein paar Fässern sammeln sich kleine gelbe Spatzen, Tauende im Schwarm in den Bäumen oder am Boden im Sand picken, ein auf und ab wie Wellen von Vögeln. Wie sich herausstellt sind das Futtertröge und sie kümmern sich um die Reste.

Atlas neugierig was da vonstatten geht und bringt Bewegung in die Gruppe. In den Sträuchern auch diese gewebten runden Nester, die ich zumindest mal ins Bild bekommen kann.

Dunkelblaue große Vögel mit langem Gefieder erinnern an Krähen, stolzieren herum mit kleine Sprünge, drehen den Kopf und benehmen sich irgendwie albern. und es gibt mittelgroße Hellblaue aber eigentlich eher schimmernd türkis sind, nur doch dunkler. Eher simpel in der Erscheinung nur etwas dicker, wie Stare. Ich glaub ich muss mich mal in die Vogelwelt Afrikas einlesen. Haben fast schon nen ernsten Ausdruck in den Augen und auf dem Boden sieht man besonders den braunen Bauch bis zu den Beinen. Das Gefieder ändert je nach Licht seine Farbe, deshalb im Flug schwer zu beschreiben. Oder doch zwei verschiedene? Später sehe ich welche ohne braunen Bauch und noch schimmernder, aber ungefähr in selber Größe und Form nur mit anderem Blick. Unglaublich vielfältige Vogelwelt.

Und das waren nur die Auffälligsten neben den ganzen unscheinbaren Grauen und Braunen die am Ufer oder auf den nahen Feldern durch die Gegend streifen. Taubenartige mit rötlicher und bläulicher Färbung oder die Stelzbeinigen grauen mit schwarzem Bauch und Kopf nur zwei weißen Partien am seitlichen Hals. Ziemlich großer Kopf.
Dann wieder ein anderer, weißer Bauch, grauer langer Schwanz und braune eher runde Flügel, mittelgroß und auch ein eleganter Gleiter. Ich krieg ne Macke… Gestern hab ich schon nen Raubvogel gesehen, viel größer als ein Falke aber kein Adlertypischer Kopf.
So mausere ich mich also zum Ornithologen und habe wohl meinen Stellplatz gefunden, die Terrasse wieder mal der perfekte Platz für Beobachtungen. Mein Ersatzreifen ohne Felge und nagelneu, deswegen sauber und fährt immer im Wohnraum mit, bietet die optimale Basis für den Sitzsack den im letzten Winter meine schwedischen Freunde an der Schrauberhalle wegen Platzproblemen loswerden wollten. Das beste Sofa aller Zeiten und kann über Nacht auf dem Dach bleiben. Der Sack fliegt zur Abfahrt nach dem Einladen als Ladungssicherung oben drauf.

Ich bekomme später am Nachmittag einmal Besuch, der Farmer kommt mit Familie auf nem Eselskarren vorbei um die schon wartenden Rinder zu füttern. Hier hat sich ne ganze Herde eingefunden, aber anscheinend gehören nur ein paar davon ihm, denn er treibt viele weg die futtern wollen. Die Kids helfen und sind wie überall nicht zimperlich im Umgang mit Schlagstöcken. Ich glaube nicht, dass es sein Land ist, im Gegensatz zu ringsum gibt es hier keinen Zaun, keine Felder, nur die Tränke. Ich hatte trotzdem gefragt und darf bleiben, für eine weitere Nacht mein kleines Idyll.

4 thoughts on “Mauretaniens Süden am Senegal, raus aus der Wüste

  1. womo-adventureRene says:

    So jetzt habe ich auch noch angefangen dich zu stalken..
    Wir kennen uns von marokko an der quelle, Neujahr vor 2 Jahren..
    Im Herbst will ich auch ganz runter nach Südafrika. Mal schauen was dich auf dem Weg alles so erwartet und welche Route du nimmst.
    Mach weiter so du einsamer Vogel

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