Jahresrückblick 2019

Zum Ende eines hoffentlich bei allen glücklichen Jahres gibt es überall Bilanzen und Erinnerungen an vergangene Momente. Ich glaube der Mensch braucht diese Form der Bewertung seiner geleisteten “Arbeit” um vielleicht auch mit guten Vorsätzen zukünftig evtl. gegenzusteuern. Hier also mal mein Jahr 2019. Und ich kann mich nicht beschweren. Ich hab keine Laster denen ich mir bewusst bin oder die es abzusetzen gäbe, ich hoffe ein guter Mensch zu sein, verwirkliche meine Träume und hoffe die Natur gebührend zu respektieren. Das ist das wichtigste auf diesem Planeten, oder?

Aber von vorne. Den letzten Jahreswechsel in Portugal verbracht. Interessante Einblicke in die Hippiekultur erhalten und mich doch irgendwie davon abgegrenzt, ist mir alles zu unstrukturiert das vernebelte in den Tag hinein Leben. Mag aus meinem Munde und aus konservativer Sicht etwas komisch erscheinen, aber ich hab es dann doch etwas zielstrebiger mit meinen Träumen. So hab ich zwar viele interessante Leute kennen gelernt aber meine Zeit doch sinnvoll zu nutzen gewusst. Ich blieb zum ersten Mal seit Jahren im Winter auf dem europäischen Kontinent um der Nachfrage als Mechaniker bei HippieBussen gerecht zu werden. Nebenbei trat die WALKÜRE in mein Leben, zu diesem Zeitpunkt noch völlig unvorhergesehen, was daraus mal werden sollte.

Die Bastelzeit in Portugal – RÜCKBLICK klick

Selbst für mich wieder interessant zu lesen, dass ich eigentlich ein Breitmaul für mich restaurieren wollte als die Pritsche schon in mein Leben getreten war. Downsizing statt andersrum… Doch mit der Zeit und einigen Zufällen kristallisierte sich heraus, dass ich doch eine Chance geboten bekomme was Großes entstehen zu lassen. Ich war schon ne Weile unterwegs und mein alter Bus perfekt dafür, doch den Traum einer Weltreise hätte ich damit nicht angehen können. Wieder einmal hilft nur bei 0 anzufangen und sein Ding durchzuziehen. Die Walküre entstand, ein Expeditionsmobil. Hier erneut alle Schritte des Aufbaus. (wer hier klickt ist ein paar Stunden beschäftigt!)

Klick hier für die ganze Umbaustory

Portugal rückblickend der perfekte Platz dafür, teils zu kalt zum rumgammeln, also arbeitet man sich warm und hat genug Zeit sich seine Träume bunt auszumalen. Ab und an dann doch angenehm zur kreativen Pause am Strand zu sitzen und die Gedanken kreisen zu lassen. Weltreise, großes Wort aber wo beginnen. Auf dem Landweg gibt es von Europa zumindest nur zwei Richtungen. Erstmal in bekannten Gefilden beginnen. Meine letzte Reise nach Westafrika war zeitlich doch etwas knapp geraten. Das sollte nächstes Mal anders werden. Im Sommer zurück in der Heimat sein um Garten zu pflegen und Reisegeld zu verdienen wie die Jahre zuvor ein toller Plan aber reicht nun mal nicht wenn 10.000km zu überbrücken sind. Also Hebel in Gang gesetzt und schon begonnen alles nötig/unnötige abzustoßen und umzukrempeln um wirklich frei zu sein.

Mit wehmütigem Gefühl und banger Hoffnung, dass ich doch nicht schwach werde und alle Pläne umschmeiße ließ ich im Sommer die fahrtaugliche WALKÜRE in Portugal stehen und machte mich auf die Abschiedstour nach Deutschland. Aus geplanten 8Wochen wurden 10 und mit ausnahmsweise mal einer Abschiedsfeier gekrönt. In dieser Zeit hatte ich keine freie Minute, es mussten Projekte beendet werden und sich parallel durch Internet und Flohmärkte Ramsch zu Reisegeld verwandeln. Auch von meinem geliebten Benz und einigen Zweirädern trennen heißt irgendwie Opfer bringen. Am schwersten fiel mir das jedoch bei meinem liebevoll restaurierten 407 in dem ich immerhin 3jahre mit und ohne Begleitung ne tolle Zeit verlebte. Nachdem das Schicksal auch hier wieder mitspielte wurden Pläne spontan geändert und ich verkaufte die Projekte in der Heimat und fuhr doch wieder meinen Bus nach Portugal der dort nach dem Umzug von der neuen Besitzerin abgeholt werden sollte. Es gibt also noch andere Verrückte, die für ihren Traum nicht immer den einfachsten Weg suchen.

Auch für meinen Garten in Berlin hab ich ein gutes Gefühl, wenn auch erst in der nächsten Saison zu sehen sein wird was sich daraus entwickelt. War immer Rückzugsort im Sommer in der Heimat und nun in Händen von Freunden. Meine Eltern und Bekannten sind nicht annähernd so geschockt wie man es bei der Ankündigung einer Weltreise aus bodenständigen Verhältnissen erwarten würde. Immerhin vagabundiere ich nun schon ein paar Jahre quasi zur Vorbereitung für alle Beteiligten durch die Gegend und bin gut gewappnet, wie man hofft.

Ich hatte also noch Zeit für einen ordentlichen Innenausbau der WALKÜRE zurück im Hochsommer in Portugal und kann während dessen in meinem gewohnten Heim nach Feierabend Kraft schöpfen. Zwei Wochen hab ich gebraucht um soweit startklar zufrieden zu sein. Ein paar zusätzliche Anbauten wie die Motorradbühne obendrauf in letzter Minute. Und dann ging alles ganz schnell. Vielleicht auch besser so, denn die eine oder andere weibliche Versuchung stellte sich mir noch in den Weg. Aber diese Tour ins Ungewisse nur mit Atlas an meiner Seite, ohne Verantwortung oder Verpflichtungen kann nur so beginnen. Was sich unterwegs ergibt wird sich zeigen. Seit drei Monaten bin ich also unterwegs und damit an dem Punkt angelangt, wo ich im Scheitelpunkt quasi früher über den Heimweg nachdenken musste. Bin ich glücklich es nicht zu müssen, denn erst jetzt fühlt es sich wirklich frei an.

Wir haben die Sahara hinter uns gelassen und ich bin mehr als glücklich und Stolz auf die meisten Entscheidungen im letzten Jahr. Der Himmel hat mir die WALKÜRE geschickt und ich sie zum Glück doch noch angenommen. Unproblematisches und optimales Fahrzeug für meine Mittel und Wege. Sie ist nun auch endlich erwachsen, da die 100.000 km auf dem Tacho rum sind. Damit 7500km aus der letzten Wahlheimat Portugal entfernt, 10tkm vom im letzten Standort der Bundeswehr Fliegerhort Penzig/Bayern. Keine Defekte bisher und die Auslotung der Grenzen läuft auch auf gemeinsame Erfahrung hinaus. Ist halt kein überteuertes Allradmobil, dafür mein afrikanisches Blockhaus auf altmodischen Rädern. Überall gerne gesehen oder auch inkognito wenn gewünscht. Ich freue mich auf ein geiles Jahr 2020, es kann nur gut werden.

Was treibt der Kerl eigentlich den lieben langen Tag so? Nun, ich hoffe mit meinen Blogs einen groben Einblick zu verschaffen. Wenn auch der die Höhepunkte und Abenteuer herausstellt. Ansonsten ist mein Alltag unterwegs wie bei jedem Anderen auch auf essentielle drei Dinge ausgelegt. Bewegung, Essen und Schlafen. Letzteres altmodisch nach der Natur. Gegen 19Uhr wird es dunkel, dann gibt’s noch nen Buch oder Film und spätestens 22 ist Ruhe in der Kiste. Sechs Uhr beginnt ein neuer Tag. Die Zwischenzeit die nicht mit Erkundungen gefüllt ist nenne ich Freizeit. Sport ist eine Form der Bewegung und dazu schreibe ich demnächst mal eine Zusammenfassung für Reisende. Wenn ich in D für etwas Legitimation habe, dann als diplomierter Fitness- und Ernährungsberater. 20-30 Minuten gönne ich meinem Körper dafür. Blog schreiben nimmt täglich inklusive Bilder sichern etc. knapp 2Stunden ein. Ein Großteil des Tages dreht sich ums Essen. Was hab ich das weg muss, was brauche ich oder was will ich mir mal gönnen. Spontan wie ich sonst bin ist das drei viermal am Tag eine Zeremonie und wert sie zu genießen. In Ruhe zubereiten und auch den Verzehr mit Bedacht und schöner Kulisse. Heute in der Realität vieler viel zu selten zelebriert. Zivilisationskrankheiten viel zu oft durch schlechte Ernährung, was nicht heißt dass ich auf alles verzichte. Bei mir gibt es öfter mal amerikanische Pfannkuchen die aber ohne Zucker bereitet werden, da obendrauf sowieso Honig kommt. Trotzdem weit entfernt von der verfetten Wohlstandsgesellschaft… erst letztens mal wieder “supersize me” gesehen, ein Muss wie ich finde.
Mauretanien bietet kaum frische Kost wie sie in Marokko angeboten wurde. Gemüse ist hier rar, importiert und teuer, und so geht es mehr an Bohnen und co. Aber regional und saisonal wie möglich. Kulinarisches Reisen auch hoch angesiedelt in meinem Vorhaben. Ansonsten muss auch Wasser ständig vorrätig sein, also gefiltert werden. Alle zwei Tage ist also auch das eine Aufgabe die zu erledigen ist. Dazu immer genug Vorrat an Wasser, Diesel und Zahlungsmittel haben, glücklich ist der Reisende. Neben Filmen stehen auch Hörbücher ganz oben bei meiner Freizeitgestaltung. Ken Follets Jahrhundertsaga kann ich sehr sehr sehr empfehlen, noch authentischer als die Kingsbridge Mittelalterromane. Echt froh, dieses riesige Werk nicht selbst lesen zu müssen, unglaublich mitreißend und real die Weltgeschichte mal nicht trocken an den Hörer gebracht. Besorgt euch das!!!

Bücher hab ich auch schon einige durch. Am interessantesten Klaus Därrs Abenteuer Fernreisen, der Blauer Nil von Rüdiger Nehberg dem Survival Experte und auch etwas französisch mit tour du monde en 80ours… Irgendwie alles Reiselektüre…. Wenn ich schon bei Empfehlungen bin: Die Dokumentationen Thrive von Mister Gamble sollte man gesehen haben (wenn ich auch nicht alle Aspekte befürworte) und supersize me wie erwähnt, die Putin Interviews auch sehr informativ, was die Weltpresse so durch Täuschung und Weglassen steuern kann. Neben einigen Naturdokumentationen noch eine Empfehlung für ganz tolle Bilder “HOME” von Yann Arthus Bertrand. Aber nicht nur Ernstes, sondern viele gute Filme Festplatte oder witzige youtube Videos über Länder auf meinem Weg genannt “geography now” läuft zur Unterhaltung.

Und nie zu wenig gute Musik, Rock von Led Zeppelin, ACDC und Pink Floyd auf der klassischen Seite gemischt mit Hardcore und Metal bis zur irgendwie exotischen italienischen Oper. Auswahl ist groß, neu entdeckt Kadavar aus Berlin mit 70er Jahre Sound… genial.
Nun aber genug zu mir, wieder ne Stunde am Rechner verbracht, gönne ich mir aber auch als Erinnerung für immer fest im Netz hinterlegt. Mittagspause Im Schatten verbracht, bei 30grad und Sonne auch echt nötig, ein weiterer Pluspunkt für das Reisen, man kann sich sein Klima nach Geschmack wählen. Ich mag keine Kälte, aber abwarten wie lange mich die Hitze noch nicht nervt…

Wie gesagt, allen Lesern auch denen die mich nicht kennen ein traumhaftes Neues Jahr. Dabei steht Träume Ausleben im Vordergrund, wenn ich kleiner Wicht mit meinen bescheidenen Mitteln das Erbringen kann, dann sehe ich keine Hürden für ebenso leidenschaftliche Versuche. Alles ist zu ersetzen, nur nicht die Lebenszeit, seid glücklich.

7 thoughts on “Jahresrückblick 2019

  1. bern-alive says:

    Hallo Phillip,
    Vielen Dank für diesen Beitrag und die Wünsche, die ich dir aus Tunesien gerne erwidere!
    Ich wünsche dir, dass deine Träume sich wie auch immer erfüllen mögen und dass dein Weg sicher sei! Dein Geschmack für Hörbücher und Musik teile ich völlig, auch deine Bemerkung, dass es dringend nötig ist, sich mit den einseitig vom System gefärbten “Nachrichten” kritisch auseinanderzusetzen und die andere Seite wahrzunehmen.
    Viele Grüße
    Bernhard

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  2. Ramona says:

    Lieber Philipp, wir wünschen dir einen wundervollen Jahreswechsel unter den Sternen Afrikas! Mögen dich im nächsten Jahr vor allem Gesundheit und Lebensfreude begleiten. Wir freuen uns auf jeden Bericht von dir! Viele Grüße aus der Kolonie. Ramona und Sascha!

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